Ende vergangenen Jahres hat die Finanzaufsicht Bafin der Raiffeisenbank im Hochtaunus mit Sitz in Bad Homburg untersagt, neue Darlehen an Kunden zu vergeben. Das berichten die Online-Plattform "FinanzBusiness" und FAZ.net.
Die Bank, die in den vergangenen Jahren mit ihrem kostenlosen Girokonto "OnlineOnly" und dem hoch verzinsten Tagesgeldkonto "Tagesgeld Plus" Aufmerksamkeit erregt hat, äußerte sich dazu zurückhaltend. Sie erklärte lediglich, dass sie sich grundsätzlich nicht zu möglichen Entscheidungen der Bafin äußere.
Bank verweist auf Risikovorsorge
Die Raiffeisenbank im Hochtaunus betont, dass sie bereits im April letzten Jahres auf die schwierigen Marktbedingungen hingewiesen und eine "großzügige Risikovorsorge" betrieben habe. Ziel sei es gewesen, alle möglichen Unsicherheiten im Bereich der Immobilienfinanzierung abzusichern. Seit Mai 2023 habe die Bank daher keine Portfolioausweitung mehr vorgenommen. Die Bafin wollte sich laut FAZ zu dieser Entwicklung nicht äußern.
Anwerbung von Genossenschaftsanteilen und Einlagensicherung
Die Bank sorgte nicht nur mit attraktiven Zinsen und kostenlosen Girokonten für Aufmerksamkeit, sondern auch durch das bundesweite Anwerben von Genossenschaftsanteilen. Der ursprünglich zulässige Höchstsatz von 50.000 Euro pro Person wurde mittlerweile auf 5.000 Euro gesenkt. Während Tagesgeld und Festgeld durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt sind, gilt dies für Genossenschaftsanteile nicht.
Dennoch gibt es auch für diese Gelder einen Schutzmechanismus. Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) sichert Mitgliedsbanken vor Insolvenz und Liquidation. Sollte eine Bank in finanzielle Schwierigkeiten geraten, kann sie beispielsweise durch Eigenkapitalzuführungen oder Bürgschaften stabilisiert werden. Auch eine Fusion mit einer anderen Bank kann zur Rettung beitragen.
Laut BVR soll dieses Sicherungssystem gewährleisten, dass Entschädigungsfälle bei angeschlossenen Instituten vermieden werden und die Einlagen der Kunden in voller Höhe geschützt sind. Tatsächlich musste bislang keine einzige Genossenschaftsbank Insolvenz anmelden – alle Mitglieder haben bisher ihre Anteile vollständig zurückerhalten.
Steffen Steudel vom BVR beruhigt: "Die Sicherungseinrichtung des BVR schützt alle ihr angeschlossenen Institute. Seit ihrem Bestehen hat noch nie ein Kunde einer angeschlossenen Bank einen Verlust seiner Einlagen erlitten. Auch mussten bislang keine Einleger entschädigt werden, und es hat noch nie eine Insolvenz einer angeschlossenen Bank gegeben."
Schon die dritte VR-Bank in kurzer Zeit
Mittlerweile ist es bereits die dritte VR-Bank, die innerhalb kürzester Zeit aufgrund fragwürdiger Immobiliengeschäfte in die Schlagzeilen gerät. Auch die Volksbank Dortmund-Nordwest und die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden sind jüngst durch ähnliche Probleme in Bedrängnis geraten – ebenfalls ausgelöst durch spekulative Immobilieninvestments.
Wir bleiben an der Sache dran und werden über die weitere Entwicklung berichten.