Stablecoin: Kryptowährungen reif für den Massenmarkt?

Digitale Währung Stablecoin: Kryptowährungen reif für den Massenmarkt?

Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger
23.09.2019
Auf einen Blick
  • Immer mehr Unternehmen erproben die Nutzung von Kryptowährungen auf dem Massenmarkt.

  • Nach Samsung überlegt nun auch Apple, ein "digitales Wallet” ins iPhone zu integrieren.

  • Facebook erlitt bei der Ankündigung einer eigenen Kryptowährung eine mediale Niederlage.

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Samsung integrierte bereits zu Beginn diesen Jahres in seinem Vorzeige-Smartphone S10 ein Wallet zur Unterstützung von Kryptowährungen. Apple könnte einen ähnlichen Schritt in Erwägung ziehen, wenn man die Aussagen von Apple Pay Vizepräsidentin Jennifer Bailey richtig interpretiert. Sind Kryptowährungen also auch bei den Unternehmen aus dem Silicon Valley angekommen?

Im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung, organisiert vom Fernsehsender CNN in San Francisco, sagte Jennifer Bailey kürzlich, Apple schaue sich das Gebiet der Kryptowährungen an und "beobachte es genau". Sie sagte weiter: "Wir denken, dass das interessant ist. Wir glauben, dass es hier ein interessantes Langzeitpotenzial gibt."

Zu Apples Produktpolitik gehört es grundsätzlich weniger zu experimentieren, sondern auf erprobte Technologien zu setzen. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass der Konzern zunächst das tatsächliche Potenzial von Kryptowährungen abwarten will und entsprechend reagiert, wenn sich der Hype gelegt hat.

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Noch Sicherheitsbedenken bei Deutschlands Verbrauchern

Während Apple schon über Blockchain basierte Wallets nachdenkt, warten Nutzer in vielen Ländern immer noch auf eine breitere Akzeptanz von kontaktlosen Zahlungsmöglichkeiten wie die von Apple Pay. Einige Länder, wie beispielsweise Australien, haben eine de facto flächendeckende Akzeptanz. In Deutschland sieht die Situation anders aus. Hierzulande geben Verbraucher in einer gerade veröffentlichten Studie der Creditplus Bank an, dass weniger als die Hälfte der Befragten die Möglichkeit der kontaktlosen Bezahlung nutzt. Kryptowährungen sehen sie noch kritischer.

Die Studie beschreibt aber auch die starken Sicherheitsbedenken der deutschen Bürger. Die kontaktlosen Zahlungen –­ insbesondere am Smartphone – liegen nur bei den unter 40-Jährigen im Trend. Rund 30 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, traditionelle Zahlungsmethoden vorzuziehen, um das Missbrauchsrisiko mit Daten zu reduzieren. Diese Grundeinstellung zeigt gleichzeitig, dass Kryptowährungen auf absehbare Zeit auf starken Gegenwind in der Bundesrepublik stoßen könnten.

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Facebook und das Stablecoin-Projekt "Libra"

Doch weltweit tummeln sich inzwischen immer mehr große Unternehmen auf der Suche nach massentauglichen Anwendungen im Bereich der Kryptowährungen. Der Zahlungsdienstleister "Square" wirbt seit Anfang des Jahres um Entwickler mit Erfahrungen im Bereich Kryptowährungen.

Einen Schritt weiter ist bereits ein anderes amerikanisches Unternehmen: Facebook kündigte im Juni in einem großen Medienrummel das Projekt "Libra" an und will mit seinem sogenannten Stablecoin den Markt für Kryptowährungen aufmischen. Außer einem kurzen Orkan in den Medien gab es in den vergangenen Wochen jedoch von Facebook wenig Updates zu diesem Thema. Dafür war die Kritik umso lauter.

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Der Name Stablecoin bedeutet frei übersetzt stabiler Wert. Das ist eine Anspielung auf die Grundlage dieses Coins. Im Gegensatz zu Bitcoin, der keinen intrinsischen Wert hat, sind Stablecoins an andere Vermögensgegenstände geknüpft. Dies soll die Volatilität reduzieren beziehungsweise gänzlich vermeiden. Ein Euro Stablecoin könnte beispielsweise als Kryptowährung eins zu eins den Wert des Euro widerspiegeln – alternativ wären auch Rohstoffe wie Gold und Öl als Basiswert für einen Stablecoin denkbar.

Die Tokenisierung solcher Assets erleichtert den späteren Handel und die Verknüpfung mit anderen digitalen Dienstleistungen. Facebook spricht bei dem Libra Coin von einer "Reserve", also mehrere Basiswerte mit denen die Kryptowährung verknüpft werden soll. Zu diesem Währungskorb sollen US-Dollar, Euro, Yen, Britische Pfund und der Singapur Dollar gehören.

Die Facebook Währung basiert also auf mehreren traditionellen Währungen. Libra wäre voraussichtlich auf allen konzerneigenen Anwendungen verfügbar. Das sind insbesondere Facebook, Whatsapp und Instagram. Wer sich auf Instagram die "Stories" ansieht und ein interessantes Produkt findet, könnte direkt mit Libra bezahlen – ganz ohne Bank oder Zahlungsdienstleister. Das spart dem Unternehmen Kosten und erhöht den Locked-in-Effekt, also die Zeit, die der Nutzer auf der Plattform verbringt.

Ein erklärtes Ziel von Libra sei es, Menschen in Schwellenländern ohne Bankkonto den Zahlungsverkehr erheblich zu erleichtern. Kritiker bezweifeln jedoch, dass Libra weder günstiger noch effizienter sein würde als vergleichbare bargeldlose Zahlungsverkehrssysteme. Es gibt bereits namhafte Unternehmen und Organisationen, die den Zugang zu Finanztransaktionen in Entwicklungsländer erleichtern, beispielsweise M-Pesa in Afrika.

Unternehmen wollen vom Blockchain-Hype profitieren

Die Blockchain-Ideen, die nun von Unternehmen beworben werden, haben wenig mit dem Grundgedanken der ursprünglichen Kryptowährungen gemeinsam. Bitcoin, die erste Kryptowährung, zeichnet sich insbesondere durch die dezentralisierte Struktur aus. Die digitale Währung gehört niemandem im rechtlichen Sinne und wird daher auch von niemandem kontrolliert.

Unternehmen wie Facebook hingegen, so scheint es, benutzen nun den Begriff "Krypto" und "Blockchain", um von dem Hype dieser Technologie zu profitieren. Kryptowährung als Marketingmaßnahme sozusagen. Das Motiv von Facebook ist dabei klar: Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit nutzen Whatsapp, Instagram und Facebook. Die Form der virtuellen Bezahlung per hauseigener Kryptowährung könnte hier schnell eine sehr hohe Reichweite erzielen – schneller als traditionelle Währungen das je könnten.

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Doch genau das ruft auch eine Vielzahl von Kritikern hervor. Das sind auf der einen Seite Verbraucherschützer – aber auf der anderen Seite auch Politiker und Notenbanken. Die sehen teilweise die Gefahr ihre hoheitlichen Aufgaben an einen Konzern zu verlieren. Das Netzwerk von Facebooks Projekt "Libra" liest sich dabei wie das Who is Who der digitalen Dienstleister: Mastercard, Vodafone, Spotify und viele weitere namhafte Unternehmen. Die Reichweite, Umsetzungsfähigkeit und die Profitabilität von Libra überraschen dabei wohl kaum jemanden. Das größte Hindernis liegt woanders.

Die zahlreichen Datenschutzpannen und Skandale – beispielsweise bei Cambridge Analytical – von Facebook haben dem Vertrauen und der Marke des Konzerns stark geschadet. Politiker wie Gesetzgeber blicken daher mit Argwohn auf die Pläne von Facebook, eine eigene Währung herauszugeben. Immer wieder haben sich in den USA auch konkret einzelne Senatoren lautstark gegen das Projekt und den damit verbunden Machtzuwachs von Facebook ausgesprochen.

Private Stablecoins erhalten Absage von Bundesregierung

Auch in Deutschland zeichnet sich zunehmend Widerstand gegen Facebooks Kryptowährung Libra ab. Die Bundesregierung hat in der vergangenen Woche das bereits vor Monaten angekündigte Blockchain-Strategiepapier vorgestellt. Zwar äußert sich die Bundesregierung generell optimistisch gegenüber Kryptowährungen und wird viele Innovationen zulassen, doch gerade die privaten Stablecoins erhalten eine Absage. Die Verabschiedung der Strategie im Parlament wird noch für dieses Jahr erwartet.

Der CDU Abgeordnete und Jurist Thomas Heilmann erklärte, man wolle keine "marktrelevanten privaten Stablecoins" zulassen. Genau so etwas wäre der Coin von Facebook. Die Bundesregierung, so schätzen Experten, sieht einen Wettbewerb bei einigen Stablecoins von großen Unternehmen gegenüber dem Euro. Die Befürchtung ist berechtigt, wenn man sich das gewaltige Netzwerk von Facebook oder Apple anschaut, mit hunderten Millionen respektive Milliarden Nutzern.

Doch die Bundesregierung zeigt sich auch offen für viele Kryptoprodukte und will dafür einen Rechtsrahmen schaffen: Im Gegensatz zu der kritischen Haltung gegenüber Stablecoins, sollen Innovationen wie die Aktienausgabe auf der Blockchain in Zukunft gestattet sein.

Auch sieht die Bundesregierung vor, die Blockchain zur Verwaltung von Universitätsabschlüssen und Zertifikaten zu verwenden. Dies ist zwar ein erster Schritt in Richtung einer digitalen Identität, doch viel weiter führt das Konzept den Schritt nicht aus. 

International koordiniertes Vorgehen notwendig

Die Libra Association ist nicht etwa im Silicon Valley ansässig, sondern residiert offiziell in der Schweiz. Aus diesem Grund ist auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma offiziell für Libra zuständig. Die Finma sieht in dem Projekt jedoch ebenfalls einige Hürden. Ihrer Aussage nach kommt aufgrund der Tragweite des Projekts nur ein international koordiniertes Vorgehen aller Regulierungsbehörden in Frage.

Insbesondere die Anforderungen an die Verwaltung der sogenannten Reserve sowie an die Bekämpfung der Geldwäscherei sollen international ausgearbeitet werden. Bislang hat Facebook bei der Finma jedoch noch gar kein konkretes Bewilligungsgesuch eingereicht. Inzwischen soll Facebook immerhin sein Konzept eines Stablecoins einer Delegation von 26 Notenbanken vorgestellt haben, darunter ist auch die amerikanische Federal Reserve Bank. Wie das Treffen verlief und ob es neue Erkenntnisse gebracht hat, ist aber nicht bekannt.

Dabei soll die Libra Währung bis 2020 auf dem Markt starten – derzeit gibt es jedoch zahlreiche Unklarheiten, die eine Verschiebung des Termins wahrscheinlich machen.

Viele Unternehmen drängen zunehmend mit Lösungen im Bereich Kryptowährungen in den Massenmarkt. Einige von ihnen stoßen dabei auf umfangreichen Widerstand aus der Politik und Bevölkerung. Außerdem bleibt es spannend zu sehen, wie sich die Adaption von Kryptowährungen in der Bevölkerung weiter entwickelt.

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Hinweis

Die Redaktion von biallo.de warnt vor einem Investment in Bitcoins. Die Anlage ist hochriskant, die Gefahr eines Totalverlusts immens. Zudem kann die Währung für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Anleger sollten getreu dem Motto verfahren: Kaufe nur, was Du kennst!

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de