VW ist Europas größter Autokonzern. Die Aktie ist extrem günstig bewertet. Ist das eine Chance für Anleger? Unsere Analyse zur "Aktie der Woche" vergleicht Volkswagen mit Konkurrenten wie Tesla, BYD oder BMW.
VW-Aktie: Extrem günstig – aber lohnt sich der Kauf?
Künftig soll alles schneller gehen bei Volkswagen – zumindest auf dem chinesischen Markt: Der Konzern nutzt jetzt die KI-Software seines chinesischen Partners XPeng – unter anderem, um das autonome Fahren voranzutreiben. Das KI-Programm soll in Modellen für den chinesischen Markt eingesetzt werden. Es verarbeitet visuelle Umgebungsdaten und setzt sie in Fahrmanöver um. Der Rückgriff auf eine Partner-Lösung statt eigener Entwicklung soll mehr Tempo in den Marktstart bringen.
VW kämpft in China mit dem Verlust an Marktanteilen. Auch sonst steht Europas größter Autobauer vor gewaltigen Herausforderungen. Zwar fährt der Konzern mit Luxusautos wie Porsche gute Gewinne ein. Doch die Kernmarke VW leidet unter schwacher Profitabilität. Der Konzern hat ein hartes Sparprogramm angekündigt.
Anleger dürften gespannt auf die Bilanz blicken, die VW am 10. März vorlegt. In unserer Serie "Aktie der Woche" nehmen wir das Unternehmen unter die Lupe und vergleichen es mit Konkurrenten wie Tesla, BMW oder BYD.
Wir sagen Ihnen, wie Volkswagen in unserem Vergleich abschneidet und wie attraktiv die extrem günstig bewertete VW-Aktie wirklich für Anlegerinnen und Anleger ist.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Die Last der Marken
Volkswagen ist ein Weltkonzern mit vielen Marken – von Massen-Modellen wie Škoda und Seat bis hin zu Luxusautos wie Bentley oder Lamborghini. Doch die Markenvielfalt ist auch eine Last. Das Unternehmen versucht deshalb, seine Strukturen zu verschlanken:
- Elektromobilität: Mit der ID-Familie will VW den Massenmarkt erobern, hinkt technologisch aber hinterher – insbesondere bei der Software.
- China-Geschäft: Einst der Goldesel des Konzerns, gerät VW hier durch chinesische Anbieter wie BYD massiv unter Druck.
- Software-Sparte Cariad: Die Entwicklung eigener Software-Plattformen verschlingt Milliarden und verzögert wichtige Modellanläufe.
Das Management will VW zum softwaregetriebenen Mobilitätsanbieter umbauen. Doch der Weg dorthin ist teuer. Die schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa erschwert den Umbau.
Die Analyse: Im Vergleich ganz hinten
Unsere Analyse zur Aktie der Woche zeigt ein ernüchterndes Bild. Im Vergleich mit Konkurrenten wie Tesla, BYD, BMW und Mercedes belegt Volkswagen mit 5,5 von 13 möglichen Punkten den letzten Platz (siehe Tabelle).
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
Unternehmen | Gesamtpunktzahl |
| Tesla | 10,5 |
| BMW | 9,0 |
| BYD | 9,0 |
| Mercedes | 6,0 |
| VW | 5,5 |
Der Konzern versucht den Spagat zwischen Kostensparen und Elektro-Offensive. In den vergangenen zwei Jahren gingen die Gewinne bei Volkswagen deutlich zurück (siehe Grafik). Auch deshalb will das Unternehmen bis 2028 rund 20 Prozent der Kosten einsparen, bis 2030 sollen 35.000 Stellen wegfallen.
Gewinnentwicklung bei VW: Hoffnung auf Besserung
Gewinn pro Jahr in Milliarden Euro
Die Analyse zeigt: VW hinkt vor allem bei der Rendite hinterher. So liegt der Konzern sowohl bei der Kapital- als auch bei der Eigenkapitalrendite auf dem letzten Platz in der Vergleichsgruppe. Der Autobauer setzt sein Kapital deutlich weniger effizient ein als etwa Tesla oder BYD. Die wichtigsten Kennzahlen der Analyse:
Schwache Rendite: Volkswagen in Zahlen
Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum¹ | 7,84 % | 3 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | 3,32 % | 4 |
| Gewinnwachstum¹ | -7,27 % | 5 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 12,60 % | 3 |
| EBIT-Marge³ | 5,00 % | 5 |
| EBIT-Margenwachstum³ | 11,49 % | 2 |
| EBIT-Drawdown³ | -59,41 % | 5 |
| Eigenkapitalquote | 31,00 % | 5 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 3,42 % | 5 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 2,30 % | 5 |
| Forward-KGV⁵ | 7,6 | 1 |
Die Aktie: 17 Prozent Kurspotenzial
Der Kurs der Volkswagen-Vorzugsaktie spiegelt die Krisenstimmung wider. Das Papier notiert bei knapp 100 Euro. In einer Berg- und Talfahrt verlor die Aktie innerhalb eines Jahres rund fünf Prozent (siehe Chart), in den vergangenen drei Jahren waren es 20 Prozent.
VW-Aktie: Auf Berg- und Talfahrt

Kleines Trostpflaster: Die Aktie ist mittlerweile sehr günstig. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des erwarteten Gewinns ("Forward-KGV") liegt bei lediglich 7,6. Anleger zahlen damit für das Papier weniger als das Achtfache des erwarteten Jahresgewinns. Zum Vergleich: Tesla hat ein Forward-KGV von mehr als 200.
Experten sehen deshalb bei der VW-Aktie durchaus Potenzial. Auf Basis von 21 Analysteneinschätzungen liegt das durchschnittliche kurzfristige Kursziel bei 117,30 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von fast 17 Prozent (siehe Grafik). Auch die Dividendenrendite von gut sechs Prozent lockt Anleger an.
Kursziel für die VW-Aktie

Das Fazit: Sanierungsfall für Geduldige
Volkswagen ist das Sorgenkind in unserem Aktien-Check zur Automobilbranche. Die niedrige Bewertung und die hohe Dividende der Aktie sind zwar verlockend. Sie sind aber der Preis für das Risiko bei dem Papier. Das macht unter anderem der hohe EBIT-Drawdown deutlich, also der größte Rückgang des Gewinns in fünf Jahren. Er liegt bei fast 60 Prozent. Das VW-Geschäft reagiert also empfindlich auf Krisen.
Wer in Volkswagen investiert, setzt darauf, dass die harte Sanierung gelingt und sich das China-Geschäft stabilisiert. Im Vergleich zum US-Konkurrenten Tesla fehlt VW derzeit die Wachstumsfantasie, im Vergleich zum chinesischen Konkurrenten BYD die technologische Geschwindigkeit. Die Aktie ist daher nur etwas für sehr geduldige Anleger, die bereit sind, hohe Schwankungen auszusitzen.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Bislang sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Nvidia: Warum die Chip-Aktie trotz Rekord-Kurs überzeugt
- AMD sichert Xbox- und Playstation-Deal - Aber es gibt ein Problem!
- Intel: Comeback mit Fragezeichen
- Broadcom im Check: Gute Gewinne, hohe Bewertung
- Qualcomm: Schnäppchen mit Wachstumsschwäche
- Microsoft: Software-Riese zündet KI-Turbo
- Alphabet: Darum könnte Google im KI-Boom unschlagbar sein
- Meta: 30 Prozent Kurspotenzial dank Milliarden-Deal mit Google
- Palantir: Wachstumswert mit Risiken
- Amazon: KI-Gewinner mit Risiken
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung
- BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?
- Tesla vor dem Wandel: Roboter und KI statt Autos?



