Auf einen Blick
  • Erfolgreiche Volks- und Raiffeisenbanken brauchen dringend mehr Eigenkapital.

  • Mehr als 30 VR-Banken haben die Zahl der möglichen Genossenschaftsanteile drastisch erhöht. Es winken attraktive Dividenden.

  • Einige Geldhäuser – wie die Raiffeisenbank im Hochtaunus (Meine Bank) – werben auch überregional um Investoren.

In Zeiten von Negativzinsen und Null-Renditen bei Sparprodukten rückt ein Investment in Genossenschaftsanteilen bei Volks- und Raiffeisenbanken (VR) immer stärker ins Blickfeld von Geldanlegern. Das kommt vor allem den VR-Banken zupass, die ihren Privat- und Firmenkunden erfolgreich Kredite verkaufen. Je mehr sie hier wachsen, desto mehr Eigenkapital müssen sie vorweisen.

 

Steigendes Kreditvolumen bei Volks- und Raiffeisenbanken

Laut Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) konnten die gut 770 genossenschaftlichen Mitgliedsbanken im vergangenen Geschäftsjahr ihre Kreditbestände um 6,9 Prozent auf 710 Milliarden Euro erhöhen.

Bei der Volksbank in Südwestfalen war es hingegen ein Plus von 11,2 Prozent. Bei der Raiffeisenbank im Hochtaunus belief sich der Zuwachs sogar auf 30,9 Prozent.

Steigende Kreditvolumina, so verlangt es die Finanzaufsicht, müssen mit mehr Eigenkapital unterlegt werden. Dies geht durch Gewinnthesaurierung, also indem man das Geld in der Kasse lässt – oder indem man sich neues Kapital beschafft.

 

Mehr Eigenkapital für die VR-Banken durch Erhöhung der Genossenschaftsanteile

Mehr als 30 regionale Geldhäuser haben daher in jüngster Zeit die möglichen Anlagebeträge bei den Genossenschaftsanteilen angehoben, zum Teil sogar drastisch. Nur ein Beispiel von vielen: Die VR Bank Nord aus Flensburg gestattet nun jedem Kunden und jeder Kundin, bis zu 100.000 Euro zu investieren. Vorher konnten sie nur 200 statt jetzt 2.000 Anteile zu je 50 Euro zeichnen. Den bundesweit höchsten Sprung gab es bei der Volksbank Bad Laer-Borgloh-Hilter-Melle mit einer Erhöhung von 50 auf 10.000 Euro pro Person.

Konservativen Privatanlegern kommt diese Entwicklung natürlich entgegen, da es kaum noch Zinsen beim Tagesgeld gibt, und auch nur wenige Alternativen beim Festgeld. Denn die Dividenden, die die Genossen an ihre Mitglieder ausschütten, sind durchaus attraktiv. Im Jahr 2019 zahlten sie noch knapp vier Prozent aus. 2020 fiel der Durchschnittswert auf 2,78 Prozent infolge von Corona. Im vergangenen Jahr waren es dann wieder etwas über drei Prozent. Über die Dividenden für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2021 entscheiden die jeweiligen Mitgliederversammlungen in den nächsten Wochen.

Anteilserhöhungen bei den VR-Banken im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt, in welchem Umfang die einzelnen VR-Banken die möglichen Anlagebeträge bei den Genossenschaftsanteilen erhöht haben und wie hoch jeweils die Dividende war, die in 2021 für das Jahr 2020 ausgeschüttet wurde (in Prozent).

Bank Volumen vorher (in Euro) Volumen aktuell (in Euro) Dividende für 2020 (in Prozent)
 Volksbank Gescher  10.400,00  104.000,00  3,01
 VR Bank Nord  10.000,00  100.000,00  4,00
 VR Bank Bad Salzungen  50.000,00  100.000,00  2,00
 Raiffeisenbank im Hochtaunus  25.000,00  25.000,00  2,50
 Volksbank Südwestfalen  900,00  15.000,00  2,00
 Volksbank Bad Laer  50,00  10.000,00  3,00
 VR-Bank Bayern Mitte  1.600,00  8.000,00  1,00
 Raiffeisenbank Wallgau-Krün  1.500,00  6.000,00  3,00
 Sparda Augsburg  52,00  5.148,00  1,00
 PSD Bank Koblenz  100,00  5.000,00  1,25
 Volksbank Kirnau  250,00  5.000,00  3,40
 Volksbank Zwickau  250,00  5.000,00  2,00
 Münchner Bank  1.000,00  5.000,00  0,00
 Volksbank Loebau Zittau  1.000,00  5.000,00  3,00
 Raiffeisenbank Nüdlingen  160,00  3.200,00  3,50
 Sparda-Bank Hessen  780,00  3.120,00  2,00
 Volksbank Dresden-Bautzen  150,00  2.500,00  2,00
 Volksbank Vogtland  500,00  2.500,00  2,00
 VR-Bank Donau Mindel  500,00  2.500,00  2,00
 Raiffeisenbank Owschlag  200,00  2.000,00  2,50
 Raiffeisenbank Aindling  500,00  2.000,00  3,00
 Volksbank Eutin  500,00  2.000,00  3,00
 PSD Bank Karlsruhe  1.500,00  2.000,00  2,50
 Raiffeisenbank Hohenloher Land  450,00  1.500,00  3,00
 Volksbank Grebenhain  100,00  1.000,00  5,00
 Volksbank Plochingen  400,00  1.000,00  3,00
 Volksbank im Unterland  480,00  1.000,00  2,00
 Allgäuer Volksbank  500,00  1.000,00  2,00
 Volksbank Kierspe  160,00  800,00  0,00
 Volksbank Überherrn  75,00  750,00  5,00
 Winterbacher Bank  450,00  750,00  8,00
 Raiffeisenbank Bad Kötzting  150,00  500,00  5,00
 Volksbank Gardelegen  150,00  300,00  3,00

(Quelle: Biallo.de; nach eigener Recherche; Stand: April 2022)

 

Als Kunde einer VR-Bank an Genossenschaftsanteile kommen

Interessierte müssen wissen: Es gibt zwar ein knappes Dutzend VR-Banken, die bundesweit auf Investorensuche sind. Die große Mehrheit jedoch sieht das (noch) anders. Mitglieder können nur diejenigen werden, die Kunde der Bank sind, also zumindest ein Girokonto dort führen. Von diesen erwarten die meisten Genossenschaftsbanken, dass sie im Geschäftsgebiet wohnen. Das ist auch deswegen nachvollziehbar, weil die Kontoeröffnung bei den meisten Genossenschaftsbanken nur durch Unterschrift vor Ort abgeschlossen werden kann.

Es gibt zwar weiterhin rund 30 kostenlose Girokonten und weitere gut 40, bei denen das Geldhaus bei bestimmten Bedingungen auf die Monatspauschale verzichtet. Aber die weitaus größte Anzahl der Geldhäuser nimmt Gebühren. Warum dann als Kunde einer Sparkasse, Deutschen Bank oder Commerzbank nicht zu einer VR-Bank wechseln, die meist nicht teurer ist, aber einem die Möglichkeit bietet, in die Gemeinschaft der Genossen aufgenommen zu werden, Dividenden zu erhalten und oft darüber hinaus weitere, finanzielle Vergünstigungen?

Interessant sind in diesem Zusammenhang zunächst vor allem die VR-Banken,

  • die ihren Mitgliedern einen möglichst hohen Investitionsbetrag anbieten,
  • in deren Geschäftsgebiet Sie wohnen oder
  • die eine Kontoeröffnung rein online anbieten und
  • die überregional Investoren suchen.

Zu den letztgenannten VR-Banken gehört die Raiffeisenbank im Hochtaunus (“Meine Bank”), die in den vergangenen Jahren jeweils 2,5 Prozent Dividende ausschüttete und den Investitionsbetrag auf 50.000 Euro pro Person verdoppelte (aktuell 25.000 Euro). Das zeigte Wirkung. Ende 2020 hatte die Bank 5.816 Mitglieder und 28,2 Millionen Euro Geschäftsguthaben. Ein Jahr später waren es 7.534 Mitglieder, die ihnen 97,4 Millionen Euro Geschäftsguthaben bescherten. Die Raiffeisenbank im Hochtaunus bietet nicht nur bundesweit ein kostenloses Onlinekonto an, sondern engagiert sich auch bei GenoCrowd-Projekten, wo es bis zu 5,5 Prozent Zinsen bei kurzen Laufzeiten gibt.

Überrannt vom Ansturm neuer Mitglieder wurde im vergangenen Jahr die Volksbank Dortmund Nordwest. Sie hat mittlerweile den maximalen Anlagebetrag von 45.000 auf 6.000 Euro pro Person reduziert.

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Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
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