Online-Banking: Per Video-Chat zum Girokonto

Identitätsfeststellung Online-Banking: Per Video-Chat zum Girokonto

von Anja Steinbuch
05.04.2019
Auf einen Blick
  • Mit dem sogenannten Video-Ident-Verfahren können sich Verbraucher bequem von zu Hause aus mittels Video-Chat identifizieren. Das macht den Gang zur Postfiliale überflüssig.

  • Aber das Augenmerk liegt vor allem auf der Sicherheit dieser Verfahren und letztendlich auf der Sicherheit der gespeicherten Daten.
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Online-Geschäfte kommen oft an Grenzen. Viele Verträge erfordern weiterhin eine analoge Überprüfung der Identität durch einen dafür geschulten Mitarbeiter. Das betrifft Handel, Banken, Versicherungen und Behörden. Wenn es um eine rechtssichere Prüfung des Geschäftspartners geht, wie zum Beispiel beim Abschluss von Versicherungsverträgen, Krediten und Leasingangeboten, Bankgeschäften oder für amtliche Dokumente, ist weiterhin eine persönliche Verifizierung notwendig. Das bedeutet für viele Internet-Nutzer: Raus aus den eigenen vier Wänden und rein in die nächste Postfiliale. Damit soll nun bald Schluss sein.

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Prüfung per Video-Chat

Direktbanken setzen in der Bankenwelt mit ihren digitalen Geschäftsmodellen neue Standards. Der Nachteil: Die Identität des Kunden kann nur schlecht wegen des fehlenden Filialnetzes verifiziert werden.

Deswegen wurde in der Vergangenheit häufig auf das Post-Ident-Verfahren gesetzt, welches aber nur vor Ort in einer Postfiliale ermöglicht werden konnte.

Seit 2014 kann man sich bei vielen Banken auch online per Video-Ident-Verfahren legitimieren. Das geht für die Eröffnung eines Bankkontos so: Nachdem Vertragsunterlagen elektronisch abgeschickt wurden, startet automatisch ein Video-Chat mit einem geschulten Mitarbeiter. Dann werden Vorder- und Rückseite des Personalausweises vor die Kamera gehalten.

Damit der Ausweis verifiziert werden kann, muss dieser gekippt und bewegt werden, um die Sicherheitsmerkmale zu prüfen. Um die Identitätsprüfung abzuschließen, wird dem Kunden per E-Mail oder SMS eine TAN zugesendet. Das dauert vier Minuten. Dafür ist keine spezielle Software notwendig.

Versicherungen, Telekommunikations- und Mobilitätsdienste sowie die Glücksspiel- und Online-Gaming-Branche haben solche Video-Ident-Verfahren in ihre Prozesse integriert. Das Ziel: Schnelle, sichere und unkomplizierte Vertragsabschlüsse im Netz. Das Verfahren funktioniert bei allen Anbietern gleich.

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Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
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6,90%
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2.
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6,99%
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3.
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7,75%
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Die Anbieter – ein Überblick

Größte Anbieter in Deutschland für solche Video-Ident-Prozesse sind die Deutsche Post, IDnow, das Unternehmen WebID Solutions und die in Düsseldorf ansässige identity Trust Management AG (iTM). Die Deutsche Post bietet Banken und anderen Finanzinstituten neben der analogen Identifikation in der Postfiliale inzwischen parallel die Überprüfung per Video-Chat an. Genutzt wird das zum Beispiel von der Bank für Sozialwirtschaft, der Mercedes-Benz Bank oder bei BIB Fair Banking. IDnow hat die Solaris Bank, N26 und den Personaldienstleister Hays als Kunden. Auch die iTM zählt namhafte Finanzdienstleister wie zum Beispiel die SWK Bank, Fintechs wie die Fidor Bank und Versicherer wie die Cosmos Direkt zu ihrem Kundenkreis.

WebID gilt als Pionier in der Branche. Mit dem Bundesfinanzministerium stimmte das Berliner Unternehmen vor fünf Jahren die Technologie ab. Es entstand das erste Rundschreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), das die Sicherheitsanforderungen festlegte. Deren wichtigstes Detail: Nur geschulte und hierfür ausgebildete Mitarbeiter dürfen das Verfahren in einem abgeschlossenen Raum durchführen. Zugelassen ist das inzwischen auch in Österreich und in der Schweiz.

Regulatorische Anforderungen und Sicherheit

Die erste Video-Ident-Version ging 2014 online. Grundsätzlich gilt, dass alle Banken und Video-Ident-Anbieter den Vorgaben und dem Rahmenwerk der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) folgen müssen.

Um die hohen Sicherheitsauflagen der Bafin zu erfüllen, richtete WebID ein Call-Center in Solingen ein, Mitarbeiter wurden geschult. Sie müssen durch eine Sicherheitsschleuse, die alle per Venenscanner erkennt. Nur so kommen sie in das Firmengebäude. "Das System weiß dadurch, dass wirklich nur die legitimierten Kollegen im Haus sind. Keiner kann hier unerkannt eindringen", erklärt WebID-Geschäftsführer Frank Jorga.

Nichtsdestotrotz sind erst kürzlich über die Bafin mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Verbraucher unter einem Vorwand dazu gebracht wurden, persönliche Daten preiszugeben und an einem Video-Ident-Verfahren teilzunehmen. Wie man sich vor derartigem Datenbetrug schützen kann, hat die Bafin mit Tipps und Informationen auf ihrer eigenen Webseite veröffentlicht – zu finden unter: Missbrauch des Video-Ident-Verfahrens: Wie kann ich mich vor einer betrügerischen Kontoeröffnung schützen?

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3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
25,02
1,00%
2.
25,00
1,00%
3.
17,51
0,70%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Hilfestellung durch KI

Zu den Kunden von WebID gehören die Deutsche Kreditbank (DKB), die ING, Barclaycard, sowie die Vodafone-Group und Westlotto. Laut Jorga werden insgesamt 250 Kunden betreut. Zudem setzt WebID inzwischen das Video-Ident-Verfahren in Kombination mit Künstlicher Intelligenz (KI) ein. Dabei wird die Prüfung automatisch durchgeführt – ohne Mitarbeiter.

Der Nutzer hält seinen Personalausweis vor die Kamera des PCs oder des Smartphones und das Programm meldet: "Ok, die Papiere sind echt." Falls das nicht für eine Überprüfung ausreicht, muss anschließend in die PC-Kamera geschaut werden, um die biometrischen Details zu vergleichen. Zeitaufwand: nur eine Minute.

WebID-Chef Frank Jorga: "Das funktioniert weltweit und verschafft uns einen Technologievorsprung vor der Konkurrenz." Freigeschaltet ist das Verfahren bereits als Vorab-Prüfung für Kontoeröffnungen bei Banken und für den Erwerb von Prepaid-Sim-Karten.

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Schnellere Geschäfte

Die Unternehmen erhoffen sich durch automatisierte Identitätsprüfungen eine engere Kundenbindung: "Geschäfte können online zum ersten Mal ohne Medienbruch erledigt werden", formuliert Jorga im Tech-Jargon. Umfragen haben ergeben, dass die Abschlussquote deutlich sinkt, sobald ein angebahntes Online-Geschäft nur analog zum Abschluss kommen kann. "Die Hälfte der Neukunden gehen so verloren", ist Jorga überzeugt. Andere beziffern diesen "Schwund" mit zehn Prozent.

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3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
 243,46
1,21%
2.
241,44
1,20%
3.
 231,32
1,15%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

E-Business salonfähig machen

Rebekka Weiß, Datenschutz- und Verbraucherschutz-Expertin beim Branchenverband Bitkom, wünscht sich europaweit weniger Vorschriften, damit sich die Technologien auf dem Europäischen Binnenmarkt entwickeln können: "E-Ident, elektronische Siegel und Signaturen sowie Video-Ident-Verfahren helfen, digitale Geschäftsprozesse salonfähig zu machen und auf dem Markt zu etablieren." Sie betont noch einen wichtigen Aspekt: "Die subjektive Wahrnehmung des Prüfenden fällt bei standardisierten oder automatisierten Legitimierungen weg. Deshalb sind die neuen Technologien frei von Diskriminierungen."

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de