Altersvorsorge

Top-Verdiener haben nur selten eine Riester-Rente

Thomas Öchsner
Autor
Veröffentlicht am: 27.12.2025

Auf einen Blick

  • Noch immer profitieren fast zehn Millionen Vorsorgesparer von den staatlichen Zulagen und/oder Steuervorteilen bei der Riester-Rente. 
  • Die meisten Geförderten verdienen weniger als 50.000 Euro im Jahr.  
  • Die Reform der privaten Altersvorsorge soll die Riester-Förderung verbessern. Doch die Verbraucherzentralen warnen vor weiter hohen Kosten. 
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Die meisten Riester-Sparerinnen und -sparer sind Gering- oder Durchschnittsverdiener. Dies zeigt eine Auswertung der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), die die Deutsche Rentenversicherung vorgelegt hat. Demnach haben mehr als 70 Prozent der geförderten Personen Jahreseinnahmen von unter 10.000 bis unter 50.000 Euro. 

Nur zwölf Prozent der geförderten Personen verfügen über Jahreseinnahmen von 70.000 Euro und mehr. Die Auswertung beruht auf den Daten für das Beitragsjahr 2022, erst für dieses Jahr liegen vollständige Zahlen vor, da sich die Sparerinnen und Sparer zwei Jahre Zeit lassen können, die staatlichen Zulagen für die Riester-Rente zu beantragen. 

Weniger junge Sparer, sinkende Förderzahlen 

Die Riester-Rente wird der Auswertung zufolge mehr von Frauen als von Männern genutzt. Viele gehören zu den Boomer-Jahrgängen. So zählen fast ein Drittel der Geförderten zu den Geburtsjahrgängen 1961 bis 1970. Nur 1,17 Millionen oder knapp 12 Prozent sind Jahrgang 1991 oder jünger.  

Laut der Statistik der ZfA ist die Zahl der geförderten Personen sogar zurückgegangen: So zählte das Amt 2015 noch etwa mehr als 11 Millionen Personen, die Zulagen erhielten und/oder von Steuervorteilen durch die staatliche Förderung der privaten Altersvorsorge profitierten. Bis 2022 schrumpfte die Zahl der Geförderten auf etwas mehr als 9,8 Millionen, 2023 waren es nach den vorläufigen Zahlen nur noch 9,3 Millionen. 

Deshalb muss der Staat auch für die Förderung immer weniger ausgeben. 2018 machte der Bund für die Förderung noch gut vier Milliarden Euro locker. 2022 kostete dies die Steuerzahler mit 3,7 Milliarden Euro schon gut 300 Millionen Euro weniger.  

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Warum die Riester-Förderung an Attraktivität verliert 

Die sinkende Nutzung der Förderung hat vor allem zwei Gründe: Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums sind geschätzt bereits "gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel" der knapp 15 Millionen ruhend gestellt, es werden also keine Beiträge mehr bezahlt. Dann gibt es auch keine Förderung mehr. Hinzu kommt, dass viele Sparende die Riester-Rente nicht richtig nutzen. Sie zahlen bei der staatlich geförderten Altersvorsorge nicht genug selbst ein und können daher die Zulagen nicht voll ausschöpfen. Nur etwa die Hälfte der Zulagenempfänger bekommt deshalb die volle Grundzulage. Weil die Riester-Rente als zu kompliziert, zu unflexibel und wenig rentabel gilt, will die Bundesregierung nun aber Alternativen auf den Weg bringen.  

Reformpläne stoßen bei Verbraucherschützern auf Kritik 

Mit dem vorgelegten Entwurf sind die Verbraucherzentralen allerdings überhaupt nicht zufrieden. Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, sprach in einem Interview mit capital.de von einer "Mini-Reform" und einem "Herumdoktern an der gescheiterten Riester-Rente". Kritisch sieht Nauhauser die weiter vorgesehene Besteuerung in der Auszahlungsphase der geförderten privaten Altersvorsorge. "Alles, was man hier anspart, unterliegt im Rentenalter in voller Höhe der persönlichen Einkommensteuer. Der Staat holt sich dann also die sogenannte Förderung über die Steuerabzüge zumindest teilweise wieder zurück", sagte der Finanzexperte.  

Dass beim geplanten Altersvorsorgedepot teure Kapitalgarantien und Verrentungspflichten bis zum Lebensende wegfallen können, bezeichnet Nauhauser als Verbesserung, "aber nur für diejenigen, die Riestern bisher als zu konservativ empfunden haben und eigentlich lieber mit ETFs vorsorgen würden". Das Grundproblem sei dadurch nicht gelöst. "Die meisten Verbraucher lassen sich von ihrer Bank, der Sparkasse, vom Versicherungsvertreter oder vom Strukturvertrieb beraten – mitunter am Couchtisch. Und hier wird weiterhin das verkauft werden, was hohe Provisionen bringt. Also teure Rentenversicherungsprodukte und eben keine ETF-Sparpläne", sagte Nauhauser.  

Scharf kritisierte er auch den geplanten Kostendeckel von höchstens 1,5 Prozent pro Jahr. Das sei kein Deckel, "sondern entspricht ziemlich genau dem, was heute im Markt ohnehin üblich ist". Nauhauser verweist auf den viel gelobten schwedischen Staatsfonds, der derzeit nur rund 0,05 bis 0,07 Prozent an jährlichen Gebühren einnehme – also ein Dreißigstel dessen, was in Deutschland erlaubt wäre. Von der möglichen Rendite eines Altersvorsorgedepots werde deshalb hierzulande viel weniger bei den Sparenden ankommen.

Nutzen Sie die Riester-Rente richtig? Hier finden Sie Tipps, wie Sie die Zulagen und Steuervorteile vollständig erhalten können. 

Haben Sie von der Riester-Rente genug und wollen Ihren Vertrag lieber nicht verrenten lassen? In unseren Ratgebern "Riester-Rente: Wie kann ich sie mir am besten auszahlen lassen?“"und "So kommen Riester-Sparer an Ihr Guthaben heran“ erklären wir Ihnen, welche alternativen Möglichkeiten es gibt.  

Thomas Öchsner, Jahrgang 1961, ist seit 1991 Wirtschaftsjournalist. Bei der Münchner Abendzeitung hat er als stellvertretender Ressortleiter für das Ressort „Geld“ gearbeitet. 1999 wechselte er zur Süddeutschen Zeitung. Dort war er zunächst Redakteur für Finanzen in der Wirtschaftsredaktion in München, später neun Jahre Korrespondent für Sozial- und Arbeitsthemen in der Parlamentsredaktion in Berlin. Wieder zurück in der Münchner Zentrale leitete er das Finanzteam in der Wirtschaftsredaktion. Für die SZ hat er den wöchentlichen Newsletter „SZ Geld“ und das Magazin „GELD“ entwickelt. Seit Juni 2021 arbeitet Öchsner als selbständiger Autor für die SZ, biallo.de und andere Medien. Aktuelles Buch: Ihr Vermögensturbo ab 50, Geldanlage für eine bessere Rente.

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