Auf einen Blick
  • Wenn Sie Ihr Wohnmobil vermieten, können Sie sich damit eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen, um die hohen Kosten für Finanzierung und Unterhaltung auszugleichen.

  • Mieter für Ihr Wohnmobil müssen Sie nicht selbst suchen, da zahlreiche Internetportale Interessenten vermitteln.
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Ein Wohnmobil kostet in der Anschaffung eine Stange Geld – 50.000 Euro sind schnell ausgegeben, dazu kommen Fix- und Betriebskosten, die pro Jahr ebenfalls einen gut vierstelligen Betrag ergeben. Aber selbst wenn man das Wohnmobil intensiv für sämtliche Urlaubsreisen im Jahr nutzt und auch noch an einigen Wochenenden auf Kurztrips geht: Von den 52 Wochen im Jahr steht es mindestens 40 Wochen ungenutzt herum. Warum in dieser Zeit nicht durch Vermietung Geld verdienen, um die Kostenbelastung zu reduzieren?

Das Wohnmobile auf eigene Faust zu vermieten, ist allerdings eher mühsam: Man muss Interessenten für sein Fahrzeug finden, Zahlung und Vermietung abwickeln und außerdem aufpassen, dass der Versicherungsschutz stimmt, damit man nach einem Unfall nicht auf den Kosten sitzen bleibt. An diesem Punkt kommen Sharingportale ins Spiel: Vergleichbar mit dem Haus- und Wohnungsvermittler Airbnb, bringen Portale wie Paulcamper, Yescapa, Campanda oder Goboony Miet- und Vermietinteressenten zusammen. Buchung, Bezahlung und Versicherungen werden vom Portal erledigt, Übergabe und Rückgabe des Fahrzeugs und Klärung aller Sonderwünsche und Details erfolgt direkt zwischen Mieter und Vermieter.

Tagesgeld-Höhenflieger: 1,70 Prozent bis Ende März 2023 garantiert

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Wohnmobil kaufen oder (ver)mieten

Wer ein Wohnmobil nur gelegentlich für zwei, drei Wochen Urlaubsreisen nutzen will, ist aus rein finanzieller Sicht besser bedient, wenn er sich einen Camper mietet. Selbst wenn in der Hochsaison eine Woche rund 1.000 Euro Miete kostet, liegt das weit unter den Kosten für ein eigenes Fahrzeug – vor allem, wenn man den Wertverlust mitrechnet. 

Anders sieht die Sache aus, wenn man häufiger im Jahr auf Reisen gehen will oder vor allem spontan zu Wochenendtouren aufbricht. Dann ist Mieten umständlich oder gar nicht möglich, weil die Mindestmietdauer den Preis in die Höhe treibt – oder die Vermieter ausgebucht sind. Für Vielnutzer ist also das eigene Wohnmobil erste Wahl. Und dann können Sie die Kosten deutlich senken, wenn sie Ihr Wohnmobil vermieten. 

Lesetipp: Welchen Führerschein benötigen Sie für welches Wohnmobil?

 

Wohnmobil über ein Wohnmobil-Sharingportal vermieten – wie funktioniert das?

Wer schon einmal bei eBay etwas verkauft hat, findet sich auch bei den Portalen schnell zurecht. Nach der Anmeldung ist es die wichtigste Aufgabe, eine Verkaufsanzeige für sein Fahrzeug zu gestalten. Dabei helfen aussagekräftige Bilder, durch die der Interessent einen guten Eindruck vom Wohnmobil und seiner Ausstattung erhält, sowie eine ausführliche Beschreibung.

Den Tagesmietpreis legt der Vermieter selber fest. Dabei kann man Saisonzeiten definieren mit unterschiedlichen Miethöhen. Beim geforderten Mietpreis kann man sich an den Mieten für vergleichbare Fahrzeuge im Portal oder bei professionellen Vermietern orientieren.

In diesem Preis sind für den Mieter alle Kosten, vor allem die Versicherungen, enthalten. Er zahlt, wenn die Buchung zustande kommt, an das Portal. Dieses leitet das Geld an den Vermieter weiter – zieht aber Provision und Versicherungsprämien ab. Die Kaution – meist in Höhe von 1.500 Euro – zahlt der Mieter direkt bei Abholung an den Vermieter und erhält sie von dem auch wieder zurück, wenn bei der Rückgabe keine Schäden festgestellt werden.

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Wie viel Geld bringt es, sein Wohnmobil privat zu vermieten?

Wie viele Tage ein Wohnmobil vermietet wird, hängt von vielen Faktoren ab: Wie intensiv nutzt der Besitzer das Fahrzeug selber – gerade in den Hochsaisonzeiten –, wie attraktiv ist das Wohnmobil, stimmt der Preis?

Bei Paulcamper, dem führenden Portal in Deutschland, unterscheidet man klar zwischen zwei Gruppen: Gelegenheitsvermietern, die der Sharing-Idee anhängen und sich als Teil einer Community verstehen, und Vermietern, die möglichst viel Geld verdienen möchten. Wer das Vermietgeschäft nur nebenbei betreibt, um einen Teil seiner Kosten wieder hereinzuholen, lässt es häufig bei vier oder fünf Vermietungen pro Jahr. Weil die Durchschnittsbuchung zehn Tage beträgt, wären das 40 bis 50 Vermiettage im Jahr. 

Allerdings hat Paulcamper auch Vermieter, die auf 160 Vermiettage kommen – und etliche, die dann ein zweites oder drittes Fahrzeug anschaffen. 160 Tage im Jahr bedeuten dabei noch keine grundlegenden Einschränkungen für die Eigennutzung. Einmal mit einem Durchschnittspreis von 100 Euro am Tag kalkuliert, sind das bei Gelegenheitsvermietern 4.000 oder 5.000 Euro Einnahmen im Jahr, bei 160 Tagen sind es 16.000 Euro. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit.

 

Das schmälert Ihre Mieteinnahmen

Von den Bruttomieten kommen aber nur rund 60 bis 70 Prozent beim Vermieter an. Bei Paulcamper zum Beispiel wird für die Vermittlung eine Provision von 15 Prozent berechnet. Für das Versicherungspaket, das für die Zeit der Vermiettage Haftpflicht- und Vollkaskorisiko übernimmt und auch einen Schutzbrief umfasst, werden ebenfalls 15 Prozent berechnet, je nach Fahrzeugwert sogar bis zu 30 Prozent.

Für Gelegenheitsvermieter ist diese pauschale Versicherung auf jeden Fall die bessere Wahl. Wer mehr als 100 Tage Vermietung im Jahr anpeilt, ist mit einer eigenen Selbstfahrervermietversicherung besser bedient. Die kostet je nach Fahrzeugwert um die 2.200 Euro im Jahr.

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Auf diesen Portalen finden Sie einen Mieter

Mit mehr als 12.000 angebotenen Fahrzeugen ist Paulcamper (paulcamper.de) in Deutschland das größte Portal. Europäisch ausgerichtet ist Yescapa (yescapa.de). Das französische Portal hat Anfang 2021 das deutsche Start-up Share-a-Camper übernommen. Aus den Niederlanden stammt Goboony (goboony.com). Campanda (campanda.de) wirbt mit mehr als 26.000 Mietfahrzeugen europaweit. 

Die internationalen Anbieter sind vor allem interessant für Mieter, die zum Beispiel in Frankreich oder England auf Wohnmobiltour gehen, aber die lange Anreise mit dem eigenen Auto, Bahn oder Flugzeug erledigen wollen. Die potenziellen Mieteinnahmen stellen alle Portale durchaus optimistisch, aber nicht unrealistisch dar. 

  • Biallo-Tipp: Gerade während der Corona-Pandemie kann ein kurzfristig geplatzter Urlaub teuer werden. Daher steht bei Verbraucherinnen und Verbrauchern die Wahl der richtigen Reiseversicherung derzeit im Mittelpunkt des Interesses. Bei uns erfahren Sie, welche Versicherungen für einen entspannten Urlaub wichtig sind.

 

Diese Versicherungen benötigen Sie zusätzlich

Für Mieter haben die Portale einen großen Pluspunkt: Im Mietpreis sind in der Regel die notwendigen Versicherungen abgedeckt. Die Selbstbeteiligungen fallen mit mindestens 1.000 Euro pro Schaden kräftig aus, lassen sich aber meist durch eine von den Portalen zusätzlich angebotene Police auf 150 oder 250 Euro drücken. Auch der Vermieter hat über das Portal in der Regel die wesentlichen Risiken abgedeckt. Hier gibt es jedoch je nach Portal Unterschiede. Vermieter sollten genau prüfen, welcher Versicherungsschutz jeweils besteht. Prinzipiell müssen sie ihr Fahrzeug mit Haftpflicht und Kasko absichern, denn die Pakete der Portale decken nur die Risiken ab, die Mieter während der Miettage verursachen (und entsprechend haben deren Unfälle auch keinen Einfluss auf den Schadenfreiheitsrabatt des Vermieters). Für ganz Sicherheitsbewusste ist ein Schutz gegen Veruntreuung eine Überlegung wert – dieser tritt ein, wenn der Mieter mit dem Wohnmobil abhaut. Bei Vermietung über ein Portal, das die Mieter und deren Daten checkt, ist das Veruntreuungsrisiko klein – aber natürlich nie auszuschließen.


 

Wohnmobilkosten mit Vermietung leichter stemmen

Wie viel Geld lässt sich einnehmen, indem man sein Wohnmobil vermietet? Aktuell sind 50 bis 100 Vermiettage im Jahr nicht nur realistisch, sondern angesichts der Nachfrage eher untere Grenze. Kalkuliert man mit durchschnittlich 100 Euro Mieteinnahmen am Tag und 40 Prozent Abgaben ans Portal, bedeutet das Nettoeinnahmen von 3.000 beziehungsweise 6.000 Euro. Berücksichtigen muss man, dass durch die intensivere Nutzung die Kosten für Wartung und Verschleißteile (Bremsen, Reifen) steigen.

Wichtig zu wissen: Solange die Mieteinnahmen nur die Fixkosten für das Wohnmobil decken oder geringfügig übersteigen (256 Euro), sind sie steuerfrei. Darüber hinaus ist das Finanzamt im Spiel. Wer also überlegt, in die intensivere Vermietung einzusteigen, sollte sich mit seinem Steuerberater auseinandersetzen. Unter Umständen ist eine Gewerbeanmeldung erforderlich. Diese kann gerade in Bezug auf die Kosten noch einige Vorteile bringen.

Beispiel: Für ein Wohnmobil (Neupreis um 50.000 Euro, 3,5 Tonnen, 20.000 Kilometer Fahrleistung) entstehen folgende Fixkosten im Jahr:

  • Steuer: 240 Euro
  • Versicherung: 700 Euro
  • Stellplatz: 500 Euro
  • Wartung/Inspektion: 700 Euro (bei 100 Vermiettagen 1.400 Euro)
  • TüV/Gasprüfung (anteilig): 80 Euro
  • In Summe: 2.220 / 2.920 Euro, dem gegenüber stehen Einnahmen von 3.000 / 6.000 Euro.

In Summe betragen die Fixkosten 2.220 beziehungsweise 2.920 Euro. Dem gegenüber könnten wie oben beschrieben Einnahmen von 3.000 oder 6.000 Euro stehen. Damit lassen sich durch die Vermietung die jährlich anfallenden Kosten für das Wohnmobil gut decken. Selbst die Finanzierungskosten für das Fahrzeugs kann man so noch abfedern. 

Beispiel: Den Knaus Van TI gibt es laut Hersteller neu ab gut 60.000 Euro. Gut die Hälfte des Preises können Sie aus Ihren Rücklagen bezahlen, 30.000 Euro müssen Sie finanzieren. Dafür gibt es spezielle Wohnmobilkredite, aber auch übliche Autokredite können Sie in der Regel zur Finanzierung von Wohnmobilen nutzen. Der Biallo-Autokredit-Vergleich weist aktuell für das genannte Beispiel bei einer Laufzeit von sieben Jahren Autokredite ab rund drei Prozent Effektivzins aus. Die Monatsrate liegt bei rund 400 Euro. Aufs Jahr gerechnet sind das 4.800 Euro. Somit lassen sich die Finanzieungskosten im genannten Beispiel nicht komplett über die Vermietung wieder reinholen, aber doch zu einem Teil. Je günstiger das Wohnmobil, je länger die Kreditlaufzeit und je länger die Vermietdauer, umso eher lassen sich die Kreditraten komplett aus den Mieteinnahmen bezahlen. 

 

Fazit

Das eigene Wohnmobil über ein Portal zu vermieten, ist finanziell überlegenswert – wenn man damit leben kann, dass das geliebte Gefährt zwischendurch auch von fremden Menschen genutzt wird.

 

Häufig gestellte Fragen zum Thema "Wohnmobil vermieten"

Wir beantworten hier häufig gestellte Fragen von unseren Lesern zum Thema Wohnmobil vermieten. Falls Ihre Frage in diesem Artikel noch nicht dabei war, können Sie uns diese gern an redaktion@biallo.de senden.

Kann ich mein Wohnmobil einfach so privat vermieten?

Grundsätzlich ist das möglich. Allerdings sollten Sie sich zuvor etwas ausführlicher mit dem Thema beschäftigen. So benötigen Sie für die Vermietung Ihres Wohnmobils beispielsweise besondere  Versicherungen. Außerdem sollten Sie die Steuer nicht vergessen, wenn Sie mit der Vermietung Ihres Campers Einkünfte erzielen. Prüfen Sie vor der Vermietung an einen Freund oder Bekannten in jedem Fall auch, ob dieser den passenden  Führerschein für das Wohnmobil besitzt, da sonst der Versicherungsschutz entfallen könnte.

Kann man von einer Wohnmobilvermietung leben?

Die Vermietung eines einzigen Wohnmobils wird in den seltensten Fällen genügen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Dennoch können Sie durch die Vermietung eines Wohnmobils einen ordentlichen Hinzuverdienst generieren. 

Gibt es für die Vermietung eines Wohnmobils einen Rechner?

Ja, Sie können Ihre Einkünfte vorab schätzen lassen. Große Vermietportale wie paulcamper.de bieten für die unterschiedlichen Fahrzeugtypen einen Rechner an, mit dem Sie Ihre EInnahmen pro Jahr schätzen können. Hier gelangen Sie zum  Wohnmobil-Rechner für die Vermietung.


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Über den Autor Klaus Justen

Nach Ausbildung und ersten Stationen bei Tageszeitungen beschäftigt sich Klaus Justen seit rund 30 Jahren mit Ratgeberthemen, bevorzugt rund um Auto und Geld – vom Autokauf über Versicherung, Finanzierung, Recht und Steuern bis hin zu Neuheiten, technischen Innovationen und Marktentwicklungen. Er gehörte unter anderem zur Gründungsmannschaft des Wirtschaftsmagazins Euro am Sonntag und war stellvertretender Chefredaktor der Schweizer Automobil Revue. Als Freiberufler arbeitet er unter anderem für Fachtitel wie auto motor und sport oder die Automobilwoche, aber auch für die NZZ und biallo.de.

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