Das Potenzial ist groß. Sogar sehr groß. Aber niemand weiß genau, wie viele Garagen hierzulande genutzt werden könnten, um darauf Wohnraum zu errichten. So wie das kürzlich die Volkswohnung GmbH in Karlsruhe realisiert hat. Das kommunale Unternehmen ist mit fast 14.000 Wohnungen der drittgrößte Vermieter in Baden-Württemberg. Bauland ist in unseren Städten überall knapp und teuer. Da ist die Idee doch famos, innerstädtische Flächen auf Garagendächern zum Bau von Wohnungen zu nutzen statt ausschließlich für überdachte PKW-Stellplätze.
Wohnen auf Garagendächern: Wie Städte neuen Wohnraum erschließen wollen
Auf einen Blick
- Garagendächer gelten als mögliche Reserveflächen für neuen Wohnraum in Städten.
- Aufstockungen sind genehmigungspflichtig und hängen vom Bebauungsplan ab.
- Integrierte Neubaukonzepte mit Garage haben deutlich bessere Umsetzungschancen.
Praxisbeispiel aus Karlsruhe: Wohnungen auf Garagendächern
Auf drei Garagenanlagen ließ die Volkswohnung im Karlsruher Stadtteil Rintheim zwölf größtenteils geförderte Ein- bis Dreizimmerwohnungen aufs Dach bauen, die mit Quadratmeterpreisen zwischen 7,75 und 9,30 Euro öffentlich gefördert und daher ausgesprochen günstig sind. Sie haben eine Grundfläche zwischen 32 und 75 Quadratmetern und sind von außen über eine Treppe erreichbar.
Errichtet wurden die Gebäude in Holzfertigbauweise. Der Holzfertigbau gilt als ökologisch vorbildlich. Denn er besteht aus nachwachsenden Rohstoffen, die sich sortenrein trennen und wiederverwerten lassen. Die im Werk vorgefertigten Bauteile sorgten für eine schnelle Realisation. Das minimierte die Bauzeit und die Belästigung der Menschen, die in den Häusern ringsum wohnen. Es musste ringsum auch kein Baum gefällt werden, sodass die neuen Bewohner im Sommer herrlich in die Baumkronen schauen können.
4,5 Millionen Euro hat die Volkswohnung nach eigenen Angaben investiert. Hierin enthalten sind jedoch auch Maßnahmen im Bestand und im direkten Umfeld, die mit dem Projekt der Garagenaufstockungen verbunden sind wie beispielsweise das Umsetzen von Müll- und Fahrradhäusern oder die Einrichtung eines Waschsalons.
„Ein großer Vorteil war auch, dass wir die neuen Wohnungen an die Versorgungsleitungen der benachbarten Häuser anschließen konnten“, sagt Katharina Helleckes, die dieses Projekt begleitet hat.
Statik, Kosten und bauliche Grenzen
Dass die Wohnungsbaugesellschaft bei weiteren Garagenhöfen zurückhaltend reagiert, liegt weniger am mangelnden Willen als vielmehr an Kosten, Statik und Bebauungsplänen. Selbst wenn die Dachwohnungen in Holzleichtbauweise realisiert werden, ist ein solides, vor allem tragfähiges Fundament und eine Garage notwendig, die die Last tragen kann.
Gerade ältere Garagenanlagen sind oft ungeeignet. Garagenanlagen aus der Nachkriegszeit sind wegen schlechter Baumaterialien oft ungeeignet. Während die Bauten aus den sechziger und siebziger Jahren schon eher infrage kommen, gibt es bei den aus den achtziger Jahren große Probleme. „Sehr dünner Beton mit kleinen Fundamenten – da bekommt man Probleme“, beschreibt Falk Schneemann, der als Architekt das Vorhaben in Rintheim begleitet hat.
Warum das Baurecht oft größere Hürden setzt als die Technik
Doch selbst wenn diese Probleme gelöst sind, sagt er, sei das Baurecht in Deutschland ein größeres Problem als die Bautechnik. Immer wieder steht solchen innovativen Vorhaben wie der Garagenbebauung ein Bebauungsplan im Weg. Wenn beispielsweise eine Garage nicht nur Autoabstellplatz ist, sondern darauf auch Wohnraum bietet, ändern sich die Abstandsregeln zum Nachbargrundstück.
Obwohl die letzte Bundesregierung mit dem Baulandmobilisierungsgesetz die Kommunen befähigen wollte, Baulücken und brachliegende Flächen rascher in Bauland zu verwandeln und so mehr Wohnraum zu schaffen, hilft das in der Praxis offenbar nicht. Die Volkswohnung hat an zwei weiteren Standorten die Aufstockung bestehender Garagen baurechtlich geprüft: der Bebauungsplan steht einfach dagegen.
Neubau als Alternative zur Garagenaufstockung
Erfolgversprechender und weniger aufwendig scheint es zu sein, wenn Bau von Garage und Wohnung Hand in Hand gehen. So wie bei der GWG-Wohnungsbaugesellschaft , die in Reutlingen sechs Reihenhäuser mit Garagen baute und auf diese Wohnmodule des Fertighausanbieters Schwörerhaus stellen ließ. Das habe man schon zum zweiten Mal so gemacht. Und sicher nicht zu letzten Mal.



