Aktienmärkte

Angst und Gier an der Börse: Fear & Greed-Index als Anlagewerkzeug?

Update: 06.03.2020
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Auf einen Blick
  • Der Fear & Greed Index gilt an der Börse als Angst- und Euphorie-Barometer. Er spiegelt extreme Furcht und extreme Gier wider.

  • Im Moment zeigt der Index die starke Angst der Anleger vor den weiteren Folgen der Corona-Krise an.

  • Anleger können den indikator als Hinweis dafür heranziehen, ob der Markt über- oder unterbewertet ist.
Panischer Aktienhändler: Gier und Angst sind an der Börse nicht selten anzutreffen. Der Fear & Greed Index misst den Grad der beiden Emotionen.
Luis Louro /Shutterstock.com

Warren Buffett muss es wissen, er gilt schließlich als lebende Börsenlegende. Und sein bekannter Ratschlag an Investoren lautet: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind." So weit also der Plan. Derzeit kann man täglich sehen, wie die Märkte ängstlich auf das Coronavirus reagieren. Sollte man demnach kaufen? Oder noch warten? Und bis wann?

Fear & Greed Index als Angst-Barometer

Eine Orientierung kann der Fear & Greed-Index liefern, der zwei extreme Emotionen an der Börse misst: Angst und Gier. Und natürlich die Stufen dazwischen. Dieser Index ist ein Indikator von "CNN Money". Der Gedanke dahinter: Wenn die Menschen gierig sind, sind Aktien teuer; haben sie Angst, sind die Aktien billig. Der Index basiert also auf der Vorstellung, dass Aktien bei übermäßiger Angst deutlich unter ihren inneren Werten gehandelt werden – umgekehrt führt ungezügelte Gier hiernach dazu, dass Aktien weit überbewertet sind.

Ein gieriger Anleger verhält sich zur Börse in diesem Sinn ähnlich irrational wie ein Liebestoller zu seiner Angebeteten: Die Leidenschaft beeinflusst seinen gesunden Menschenverstand und seine Selbstbeherrschung. Aber auch die umgekehrte Panik lässt Investoren nicht vernünftiger handeln. Angst und Gier führen gleichermaßen zu irrationalem Handeln. Dies ist eine Beobachtung, die in der Verhaltensökonomie eine wichtige Rolle spielt: Anleger sind emotionale Wesen.

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In die Berechnung des Index lässt CNN sieben gleichgewichtete Faktoren einfließen, wobei verschiedene technische Messkriterien zum Einsatz kommen, wie etwa der gleitende 125-Tage-Durchschnitt, die 52-Wochen-Hochs, die Schwankungsbreite, die Korrelation von Aktien und Anleihen sowie das Verhältnis von Call- und Put-Optionen.

CNN definiert null als Wert für absolute Furcht und 100 für absolute Gier. Ein Wert von 50 steht also für einen neutralen Markt. Aktuell notiert der Fear & Greed-Index bei sechs, was "extremer Furcht" entspricht. Selbst in der Finanzkrise war der Index noch höher.

Rechner topfondsaw
3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
MSIF Global Advantage A USD
LU0868753731
18,55%
Zum Chart
2.
ABAKUS New Growth Stocks
LU0418573316
18,30%
Zum Chart
3.
MSIF Global Opportunity AH EUR
LU0552385618
15,54%
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

Was bedeutet das für Anleger?

Man muss sich allerdings davor hüten, aus dem Fear & Greed-Index exakte Handlungsanweisungen abzuleiten. Er gibt Tendenzen an und kann Trendwenden indizieren: Am 17. September 2008 fiel der Index auf ein Tief von zwölf – das war der Tag, als der S&P 500 auf ein Dreijahres-Tief fiel, nach der Insolvenz von Lehman Brothers. Vier Jahre später, im September 2012, notierte der Index bei über 90 – als sich die globalen Aktien nach der dritten Runde des Quantitative Easing der Federal Reserve (Fed) erholten.

Doch schon wenn man den Angstmoment wegen des Coronavirus mit der Subprime-Weltfinanzkrise von 2008 vergleicht, stellt man fest, dass die Werte des Fear & Greed-Index nicht exakt die Wirklichkeit abbilden. Denn mit sechs Punkten steht der Index derzeit bei der Hälfte des Werts, den er während der Lehman-Pleite hatte. Bedeutet das, dass der globale Finanzmarkt deshalb crasht? Schlimmer als bei der globalen Finanzkrise? Nein, natürlich nicht.

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Für sich allein genommen, ist auch ein hoher Index-Stand (Gier!) kein klares Verkaufssignal. Umgekehrt bedeutet ein niedriger Wert nicht automatisch, dass man sein Geld blind an die Börse pumpen soll. Der Fear & Greed-Index kann sich indes als nützlich erweisen, wenn man ihn nicht als einziges Instrument nutzt. Er ist eine recht grobe Richtungsvorgabe, hilfreich als Orientierung. Als grobes Werkzeug ist er ein Indikator für Über- oder Unterbewertungen am Markt. Am Markt allgemein, nicht in Bezug auf einzelne Aktien.

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Extreme Marktstimmung kann länger anhalten

Zu berücksichtigen ist auch, dass Angst und Gier keine kurzfristigen Spitzen im Verlauf des Index sein müssen. Über- und Untertreibungen können über längere Zeit anhalten und sich seitwärts entwickeln. Der Fear & Greed-Index kann Anleger darum zu früh aus dem Markt leiten und ebenfalls zu früh wieder hinein. Für eine allgemeine Markteinschätzung taugt er aber. Und im unteren Bereich kann der Index den Marktteilnehmern gute Einstiegschancen aufzeigen. Stichwort: billiger Aktienmarkt. Das gilt als Faustformel unterhalb von 20 Punkten.

Doch was soll der Index im oberen Bereich raten? Verkaufen? Wegen Gier? An der Börse gilt: Langfristig gesehen, folgt auf ein Hoch ein neues Hoch. Buy & Hold-Anleger sollten ihre Aktien nicht verkaufen, weil der Index starke Gier anzeigt. Zumal Gier lange anhalten kann. Und für Investitions-Entscheidungen sind auf lange Sicht ohnehin ganz andere Erwägungen wichtig.

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Warren Buffett hat sich zum Coronavirus wie folgt geäußert: "Das Coronavirus steht jetzt im Vordergrund. Etwas anderes wird es in drei Monaten, in einem Jahr und in zwei Jahren sein. Aber die eigentliche Frage ist, wo Unternehmen in fünf oder zehn Jahren stehen werden. Und insgesamt wird Amerika gut abschneiden, wie es das seit 1776 immer getan hat."




  Alexander Rudow


 

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