Volle Auftragsbücher, stabile Gewinne, US-Auftrag – und dennoch schwächelt die Aktie von Europas größtem Rüstungskonzern. Ist der Rücksetzer bei BAE Systems eine Kaufchance? Wir analysieren Kennzahlen, Bewertung und Kursziel.
BAE Systems: Chance nach dem Kursrutsch?


Ohne Europa sieht Amerika nur halb so gut. Das gilt zumindest für die US-Navy: Die Seestreitkräfte der USA haben jetzt beim britischen Rüstungskonzern BAE Systems ein neues Verteidigungssystem bestellt. Damit sollen Freunde und Feinde in einem Kampf besser zu unterschieden sein. Umfang des Auftrags: 62 Millionen US-Dollar (52 Millionen Euro). Das ist kein Mammutvolumen. Aber das Geschäft unterstreicht die strategische Bedeutung des britischen Konzerns für die USA.
Britisch Aerospace Electronic (BAE) Systems ist der größte Rüstungskonzern Europas. Wenn es ums Thema Verteidigung auf dem alten Kontinent geht, führt an dem Unternehmen kein Weg vorbei. Der Konzern ist an den wichtigsten Rüstungsprojekten der westlichen Welt beteiligt – unter anderem am Euro-Fighter (siehe Foto oben). Doch trotz bester Auftragslage und strategisch wichtiger Geschäftsfelder schwächelte die BAE-Aktie zuletzt.
In unserer Analyse zur „Aktie der Woche“ nehmen wir den britischen Rüstungs-Riesen unter die Lupe. Wir sagen, wo BAE Systems im Vergleich mit wichtigen Konkurrenten steht, welche Aussichten die Aktie hat – und ob der jüngste Kursrutsch Anlegerinnen und Anlegern eine gute Einstiegsmöglichkeit bietet.

Mit der "Aktie der Woche" geben wir Ihnen Hilfestellung: Unser Börsenexperte Luis Ropero bewertet wöchentlich die Aktien von Unternehmen, die die Börse bewegen. Das Ergebnis fasst er in einem Kurzvideo auf Instagram zusammen.
Das Geschäftsmodell: Rüstung aus allen Bereichen
BAE Systems ist kein spezialisierter Nischenanbieter. Das 1999 durch die Fusion von British Aero Space und Marconi Electronics entstandene Unternehmen ist in fast allen Bereichen der modernen Kriegsführung tätig:
- Luftfahrt: Als Partner im Eurofighter-Programm und wichtiger Zulieferer für den US-Kampfjet F-35 ist die Flugzeug-Sparte das Herzstück des Konzerns.
- Schiffbau: Von der Entwicklung komplexer Fregatten bis hin zu nuklearbetriebenen U-Booten der Dreadnought-Klasse ist BAE auch auf den Weltmeeren dominant.
- Elektronik und Cybersicherheit: Das Unternehmen liefert die notwendigen Systeme für die elektronische Kampfführung. Die beiden Bereiche wachsen derzeit am schnellsten – und liefern hohe Gewinnmargen.
- Landsysteme: Auch bei gepanzerten Fahrzeugen und der Munitionsproduktion spielt das Unternehmen eine tragende Rolle.
Diese Vielfalt gibt dem Konzern Stabilität. Sie hat jedoch auch eine Kehrseite: Bürokratische Hürden und lange Laufzeiten bei Großprojekten können die Geschäftsentwicklung bremsen. Dennoch sehen einige Experten das Unternehmen und die Aktie als Alternative zum deutschen Branchenprimus Rheinmetall.
Die Analyse: Zu groß für schnelles Wachstum
Bei unserer Analyse zur Aktie der Woche stellen wir die Unternehmen in einer Vergleichsgruppe („Peergroup“) den wichtigsten Konkurrenten gegenüber. Im Vergleich mit den deutschen Unternehmen Rheinmetall, Renk und Hensoldt sowie dem US-Konzern Lockheed Martin erreicht BAE Systems 7 von 13 möglichen Punkten. Damit landet der Konzern auf dem vierten Platz (siehe Tabelle).
Das Gesamtergebnis der Vergleichsgruppe
Unternehmen | Gesamtpunktzahl |
| Renk | 10,5 |
| Rheinmetall | 10,0 |
| Hensoldt | 8,5 |
| BAE Systems | 7,0 |
| Lockheed Martin | 4,5 |
Die eher schwache Platzierung kommt vor allem durch die bescheidenen Wachstumsraten von BAE Systems zustande. So liegt der Konzern beim erwarteten Gewinnwachstum mit durchschnittlich rund zwölf Prozent in den kommenden vier Jahren am Ende der Peergroup. Beim Spitzenreiter Renk sind es 80 Prozent. Es scheint, als habe der Riese BAE seine optimale Größe erreicht. Damit verlangsamt sich aber auch das künftige Wachstum (siehe Grafik).
Gewinnwachstum bei BAE Systems
Gewinn in Milliarden Britische Pfund (Werte gerundet):
Gut steht der Konzern bei der Profitabilität da: Beim Verhältnis von Gewinn vor Zinsen und Steuern zum Umsatz („EBIT-Marge“) liegt BAE Systems auf dem zweiten Platz (siehe Tabelle unten). Das Unternehmen wandelt seine Umsätze gut in Gewinn um. Bemerkenswert ist auch die Widerstandsfähigkeit des Geschäfts. Der geringe „EBIT-Drawdown“ (der größte Rückgang des Gewinns in einem Zeitraum) von nur 1,13 Prozent unterstreicht, dass BAE in schwierigen Marktphasen die Kostenkontrolle behält. Die Tabelle fasst die wichtigsten Kennzahlen der Analyse zusammen.
Stabiles Geschäft: BAE Systems in Zahlen
Kennzahl | Wert | Platz im Vergleich |
|---|---|---|
| Umsatzwachstum¹ | 7,53 % | 4 |
| Erwartetes Umsatzwachstum² | 7,60 % | 4 |
| Gewinnwachstum¹ | 6,31 % | 4 |
| Erwartetes Gewinnwachstum² | 12,17 % | 5 |
| EBIT-Marge³ | 11,00 % | 2 |
| EBIT-Margenwachstum³ | 10,59 % | 4 |
| EBIT-Drawdown³ | 1,13 % | 1 |
| Eigenkapitalquote⁴ | 35,00 % | 1 |
| Eigenkapitalrendite (ROE)⁴ | 16,97 % | 4 |
| Kapitalrendite (ROCE)⁴ | 12,35 % | 2 |
| Forward-KGV⁵ | 23 | 2 |
| Gesamtpunktzahl | 7 von 13 | 4 |
Die Aktie: Kursrückgang als Einstiegschance?
Die BAE-Aktie wird an der Londoner Börse in Britischen Pence gehandelt. Mitte Januar erreichte sie mit 2.159 Pence ein neues Allzeithoch – das sind 21,59 britische Pfund. Danach hat der Kurs geschwächelt – Zeichen des abnehmenden Hypes im Rüstungssektor (siehe Chart).
BAE-Aktie: Rücksetzer nach dem Allzeithoch

Aktuell wird das Papier bei 19,26 Britischen Pfund gehandelt (Stand: 12. Februar 2026). Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis („Forward-KGV“) von 23 ist die Aktie aber kein Schnäppchen mehr. Einige Experten sehen den gesunkenen Kurs als mögliche Einstiegschance. Insgesamt sind Analysten vorsichtig optimistisch: Auf Basis von 17 Analystenschätzungen liegt das durchschnittliche Kursziel derzeit bei 21,22 Pfund. Das wäre ein Aufwärtspotenzial von gut zehn Prozent.
Das Fazit: Solider Rüstungs-Riese
Stabile Gewinne, gute Auftragslage, ein breit aufgestelltes Geschäftsmodell: BAE Systems ist der klassische „Value-Wert“ im Verteidigungssektor. Wie andere Rüstungsunternehmen auch, profitiert der Konzern von der hohen Nachfrage nach Verteidigungsgütern. Allein in den kommenden zehn Jahren wollen die Nato-Partner im Schnitt jedes Jahr 80 Milliarden Euro in Rüstungsgüter stecken. Ein guter Teil davon wird auch bei Europas größtem Rüstungskonzern ankommen.
Durch seine Größe und seine breiten Produktpalette bietet das Unternehmen eine Sicherheit, die es bei kleineren Konkurrenten nicht gibt. Der hintere Platz in unserem Check macht aber auch deutlich: Wer große Kurssprünge erwartet, könnte enttäuscht werden. Die Aktie ist eher eine Überlegung wert für Anlegerinnen und Anleger, die auf solide Dividende und Beständigkeit setzen. Wer dagegen auf schnelles Wachstum durch die globale Aufrüstung wetten will, findet anderswo vermutlich spannendere Chancen.
So bewerten wir die Aktie der Woche
Bei der "Aktie der Woche" vergleicht Biallo regelmäßig große Unternehmen aus verschiedenen Branchen. Wir ziehen dafür rund ein Dutzend Kennzahlen heran. Dazu zählen Umsatz- und Gewinnwachstum, Rentabilität, Kapitalstruktur oder die Analystenbewertung. Für jede Kategorie gibt es einen Punkt, wenn das Unternehmen in der Kategorie unter den Top 3 in der Vergleichsgruppe liegt. Bei Wachstumswerten berechnen wir zusätzlich die Stabilität des Wachstums: Liegt sie über einem definierten Schwellenwert, gibt es einen halben Zusatzpunkt. Insgesamt werden in elf Kategorien je ein Punkt und zusätzlich je ein halber Punkt für vier Stabilitätskriterien vergeben – maximal also 13 Punkte.
Bislang sind in der Reihe "Aktie der Woche" erschienen:
- Nvidia: Warum die Chip-Aktie trotz Rekord-Kurs überzeugt
- AMD sichert Xbox- und Playstation-Deal - Aber es gibt ein Problem!
- Intel: Comeback mit Fragezeichen
- Broadcom im Check: Gute Gewinne, hohe Bewertung
- Qualcomm: Schnäppchen mit Wachstumsschwäche
- Microsoft: Software-Riese zündet KI-Turbo
- Alphabet: Darum könnte Google im KI-Boom unschlagbar sein
- Meta: 30 Prozent Kurspotenzial dank Milliarden-Deal mit Google
- Palantir: Wachstumswert mit Risiken
- Amazon: KI-Gewinner mit Risiken
- Rheinmetall: Ist die Aktie noch ein Kauf?
- Hensoldt: "Auge" und "Ohr" der Rüstungsindustrie
- Lockheed-Martin: Lebensversicherung der NATO
- Renk: Getriebe der globalen Aufrüstung



