Auf einen Blick
  • Die Russische Föderation wurde von der Weltgemeinschaft mit scharfen Sanktionen belegt. Dadurch taumelt die russische Wirtschaft immer tiefer in die Krise.

  • So lassen sich russische Aktien nicht mehr an den internationalen Börsen handeln. Die Kurse von Großunternehmen wie Gazprom sind komplett eingebrochen.

  • Auch die beiden weltweit führenden Index-Anbieter verbannen russische Titel aus ihren Indizes.

  • Russland-Anleger benötigen jetzt auf alle Fälle einen langen Atem und sollten Ruhe bewahren.
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Die Schlinge um die russische Wirtschaft zieht sich immer weiter zu. Etliche westliche Unternehmen haben bereits angekündigt, sich aus der Russischen Föderation zurückzuziehen. Aber es geht noch schlimmer: Aktien von 27 Unternehmen aus Russland können an der London Stock Exchange nicht mehr gehandelt werden. Der Börsenbetreiber LSE stoppte am 3. März 2022 den Handel mit russischen Wertpapieren. Die Kurse der betroffenen Unternehmen wie etwa von Gazprom, Lukoil, Sberbank, Transneft und Co. sind eingebrochen und befinden sich zum Teil auf Pennystock-Niveau. Wenn Wertpapiere nicht mehr ge- und verkauft werden können, sprechen Börsianer übrigens von "Nonvaleurs" (Nichtwerte).

Auch an der Deutschen Börse findet derzeit kein Handel mit russischen AnleihenAktien und Derivaten statt. Diese Entscheidung sei "im öffentlichen Interesse" getroffen worden, so der Frankfurter Börsenbetreiber.

 

MSCI und FTSE Russel schmeißen Russland-Titel aus Indizes

Die Sanktionen betreffen allerdings nicht nur russische Einzeltitel: Auch Fonds und Indexfonds, die vermehrt auf russische Titel setzen, sind von den Fondsgesellschaften eingefroren. Auch die beiden weltweit größten Index-Anbieter verbannen russische Aktien aus ihren Indizes.

"MSCI erhielt Rückmeldungen von einer Vielzahl von Investoren, darunter Vermögensverwaltern, Broker-Händlern und Börsen, die mit überwältigender Mehrheit bestätigten, dass der russische Aktienmarkt derzeit nicht investierbar ist und dass russische Wertpapiere aus den MSCI Emerging Market Indizes entfernt werden sollten", so die offizielle Begründung von MSCI. Damit gilt Russland nicht einmal mehr als Schwellenland.

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Kurse von Gazprom, Sberbank und Co. brechen ein

Die westlichen Sanktionen treffen die russische Wirtschaft ins Mark. Bei den größten russischen Unternehmen stehen auf Ein-Monats-Sicht Kursverluste von teilweise mehr als 90 Prozent zu Buche. Beispiel Gazprom: Die Aktie befindet sich seit Beginn des Ukraine-Krieges im freien Fall und notiert rund 60 Prozent unter dem Kurs von Mitte der vergangenen Woche (Kalenderwoche 8).

  • Biallo-Tipp: Russland-Aktien lassen sich nur noch über  sogenannte ADRs (American Depositary Receipt) handeln. ADRs werden zwar wie Aktien an der Börse gehandelt, verbriefen aber lediglich einen Anteil am Unternehmen. Das heißt, Sie sind nicht Miteigentümer des Unternehmens. Die Gefahr: Bei einem Bankrott sind die Scheine wertlos!

Performance russischer Aktien

Unternehmen

Branche

Performance 1 Monat

Gazprom

Öl und Gas

- 86,96 %

Lukoil

Öl und Gas

- 92,24 %

Sberbank

Finanzdienstleister

- 96,00 %

VTB Bank

Finanzdienstleister

- 10,55 %

Rosneft

Öl

- 91,90 %

Quelle: onvista.de / Stichtag 3. März 2022.

 

Der Rubel wird pulverisiert

Auch der Rubel rollt, allerdings unaufhaltsam in den Abgrund. Alleine auf Sicht von einer Woche verlor die russische Währung um gut 27 Prozent. Aktuell ist ein Euro rund 120 Rubel wert. Zum Vergleich: Mitte Februar waren es noch rund 85 Rubel.

Überall in Russland sieht man aktuell lange Schlangen vor Geldautomaten. Russinnen und Russen warten mitunter stundenlang, um einen Teil des Ersparten aus dem Geldautomaten zu ziehen. Die Angst vor einer landesweiten Bankenpleite ist extrem groß.

Der Kreml versucht bereits, den Abfluss ausländischer Währungen aus der Russischen Föderation zu verhindern. Ein Dekret, das am 2. März in Kraft trat, verbietet es Bürgern, mehr als umgerechnet 10.000 US-Dollar (circa 9.000 Euro) an ausländischen Devisen außer Landes zu bringen. 

Um den Absturz des Rubels abzufangen, hatte die russische Zentralbank jüngst den Leitzins auf 20 Prozent verdoppelt. Zugleich signalisierten die Währungshüter die Bereitschaft für weitere Anhebungen. Der Effekt ist allerdings derzeit noch überschaubar.

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Verbannung aus SWIFT

Der Ausschluss aus dem internationalen Zahlungsverkehr SWIFT hat die russischen Banken schwer getroffen. Laut dem am 2. März veröffentlichten Amtsblatt der Europäischen Union sind die VTB Bank, die zweitgrößte des Landes, sowie die Geldhäuser VEB, Bank Otkritie, Novikombank, Promsvyazbank, Rossiya Bank und Sovcombank vom Ausschluss betroffen.

Die Gazprom-Bank, die die Gas- und Ölgeschäfte des gleichnamigen Energiekonzerns abwickelt, sowie die größte Bank des Landes Sberbank sind bisher noch nicht Teil des Maßnahmenpakets. Hintergrund dieser Entscheidung dürften die nach wie vor laufenden Gas- und Ölgeschäfte sein. 

 

Keine guten Aussichten für die russische Wirtschaft

Die Analysten der US-Großbank JP-Morgen sagen für das zweite Quartal 2022 einen Absturz des Bruttoinlandsproduktes von 35 Prozent voraus. Zudem hat die US-Ratingagentur Standard and Poor’s die Bonitätsbewertung der Russischen Föderation herabgestuft und damit noch tiefer in den "Ramsch-Bereich" gedrückt. Das Rating fiel von BB+ auf CCC-.

 "Die Herabstufung folgt auf die Auferlegung von Maßnahmen, die unserer Meinung nach das Risiko eines Zahlungsausfalls erheblich erhöhen werden", heißt es vonseiten der Ratingagentur. 

 

Russland-Anleger sollten Ruhe bewahren

Die meisten Anlegerinnen und Anleger dürften vom Ausschluss Russlands von den Weltmärkten wenig spüren. Es sei denn, sie hatten ein Tagesgeld oder Festgeld bei der Sberbank Direct. Hier hat die österreichische Finanzaufsicht bereits den Entschädigungsfall ausgerufen und arbeitet daran, deutsche Anleger zu entschädigen.

Dagegen ist der deutsche Ableger der VTB Bank namens VTB Direktbank von den Sanktionen bislang nicht betroffen. "Aktuell richten sich die im Rahmen der jüngsten Ereignisse ausgesprochenen Sanktionen ausschließlich gegen Banken, die entweder das russische Militär oder deren Operationen in den vom Konflikt betroffenen Territorien unterstützen – die VTB Bank Europe SE gehört nicht dazu", informiert die VTB Direktbank auf ihrer Seite.

Anlegerinnen und Anleger, die in den Robo-Advisor VTB Invest investiert haben, sollten jetzt nicht überhastet ihr Depot auflösen. Denn das Depot- und Verrechnungskonto wird von der Baader Bank in München verwahrt. Die ETFs fallen unter das sogenannte Sondervermögen und bleiben auch im Insolvenzfall im Besitz des Kunden. Zudem sind Einlagen auf dem Verrechnungskonto durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken in Millionenhöhe je Anleger abgesichert.

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Über den Autor Kevin Schwarzinger
Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.
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