Währungsfonds sieht Risiken für die Finanzstabilität

Weltwirtschaft Währungsfonds sieht Risiken für die Finanzstabilität

von Andreas Jalsovec
18.10.2019
Auf einen Blick
  • Im jüngsten Stabilitätsbericht befürchtet der Internationale Währungsfonds, Investoren könnten wegen der niedrigen Zinsen höhere Risiken eingehen.

  • Das mache die Finanzmärkte anfällig und gefährde das Wachstum, warnen die IWF-Experten.

  • Auch Privatanlegern erschwert die Nullzins-Phase die Geldanlage. Kreditnehmer profitieren hingegen.
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Eine steigende Verschuldung bei Unternehmen und Staaten, Investoren, die auf der Jagd nach Rendite in riskante Anlagen drängen – und die zunehmende Unsicherheit durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China: All diese Faktoren sorgen für Skepsis beim Internationalen Währungsfonds (IWF). In seinem jüngsten Finanzstabilitätsbericht warnt der IWF deshalb vor zunehmenden Gefahren für das weltweite Finanzsystem und damit auch für das Wachstum.

Der Währungsfonds, der derzeit in New York seine Herbsttagung abhält, hat dabei vor allem die dauerhaft niedrigen Zinsen im Blick. Sie hätten zwar einerseits lange Zeit die weltweite Konjunktur angekurbelt. Auf der anderen Seite sorgten sie jedoch auch dafür, dass institutionelle Investoren wie etwa Fonds höhere Risiken eingehen müssten.

Auf der Suche nach Rendite legen sie Geld in riskanteren Papieren an. Dies führe zu "Schwächen" an den Finanzmärkten, warnte der IWF. So habe die Suche nach höheren Renditen in einigen Märkten bereits zu übertriebenen Bewertungen geführt. Diese machten das Finanzsystem anfälliger für Krisen und gefährdeten so das Wachstum.

Niedrige Zinsen und die "unkonventionelle Geldpolitik der meisten Notenbanken" hätten "die Empfindlichkeiten und mögliche Schwachstellen im Finanzsystem vergrößert", meint auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING. "Es wird nicht einfach, wieder zu einer normalen Situation zu gelangen, ohne dabei Schocks zu verursachen", sagte Brzeski gegenüber biallo.de.

Erstklassige Anleihen werfen keine Rendite mehr ab

Laut IWF werfen mittlerweile Anleihen von Firmen und Staaten im Wert von etwa 15 Billionen US-Dollar (13,5 Billionen Euro) keine positive Rendite mehr ab. Darunter leiden zum Beispiel Lebensversicherer, die das Geld ihrer Kunden anlegen müssen. Um vorzeigbare Wertsteigerungen zu erreichen, seien sie gezwungen, vermehrt in Anlagen mit geringerer Kreditwürdigkeit zu investieren, stellt der IWF fest.

Im Falle einer Krise könne es dabei zu starken Verkäufen kommen. Dies wiederum könnte den Abwärtstrend weiter verstärken. Das Finanzsystem sei bereits "ziemlich strapaziert", gibt auch Ökonom Brzeski zu bedenken. Sollte es zu Korrekturen an den Märkten kommen, sei auch das Wachstum gefährdet.

Lesen Sie auch: Immer mehr Banken und Sparkassen kassieren Negativzinsen

Niedrigzinsen bereiten aber nicht nur großen institutionellen Anlegern Probleme. Auch Privatanleger finden in Nullzins-Zeiten nur schwer attraktive Anlagemöglichkeiten für ihr Erspartes. Hinzu kommt: Auch viele Banken tun sich wegen der Zinssituation mit dem Geldverdienen schwer. Sie reagieren darauf mit höheren Gebühren für ihre Kunden. Einen Vorteil bringen die Niedrigzinsen hingegen für Kreditnehmer. So befinden sich etwa die Bauzinsen derzeit auf einem historischen Tief. Entsprechend gut läuft das Geschäft am Immobilienmarkt.

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Mehr Schulden als vor der Finanzkrise

Dass das Schuldenmachen derzeit vergleichsweise attraktiv ist, bereitet dem IWF ebenfalls Kopfzerbrechen. So sei etwa die Schuldenlast der Unternehmen weltweit deutlich angestiegen. Auch dies sei ein Risiko, betont der Währungsfonds: Denn im Krisenfall seien nach IWF-Schätzungen etwa 19 Billionen US-Dollar (17,2 Billionen Euro) ausfallgefährdet. "Das wären fast 40 Prozent der gesamten Unternehmensschulden in den größten Industrienationen", warnen die IWF-Experten. Dieser Wert wäre noch höher als vor der Finanzkrise 2008.

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Ein Ende der Nullzins-Phase ist unterdessen nicht in Sicht. Laut Währungsfonds seien an den Finanzmärkten der großen Währungsräume weiterhin fallende Zinsen bis weit ins Jahr 2022 hinein eingepreist. Zu diesem Zeitpunkt könnten dann bis zu 20 Prozent aller Staatsanleihen eine negative Verzinsung aufweisen, schätzen die Experten.

Auch für Privatanleger setzt sich damit die schwierige Suche nach attraktiven Anlagemöglichkeiten fort. Sie könnten trotz bestehender Risiken künftig noch stärker auf Aktien setzen. Vor allem langfristig kann das vorteilhaft sein. So zeigt das sogenannte Renditedreieck der Finanzplattform "Dividendenadel": Anleger, die mindestens 16 Jahre lang monatlich in einen Sparplan einzahlten, der auf den weltweiten Aktienidex MSCI World setzte, hätten in den vergangenen 50 Jahren zu jedem Einstiegszeitpunkt immer eine positive Rendite erzielt.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de