Münzen als Geldanlage

Was Sie bei der Anlage in Goldmünzen beachten sollten

Update: 15.10.2019
Lars Becker
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Auf einen Blick
  • In Zeiten niedriger Zinsen geraten Münzen als alternative Anlage bei immer mehr Menschen in den Fokus.

  • Mit Anlagemünzen wie der "Wiener Philharmoniker" setzt man auf das Wertsteigerungspotential von Metallen wie Gold oder Silber.

  • Sammlermünzen können märchenhafte Wertsteigerungen bringen – aber auch Verluste.
Seit Oktober 1989 erfreuen sich Münzsammler an dem österreichischen Goldtaler.
ginzlinger / Shutterstock.com

Am 10. Oktober 1989 war es soweit: Die Goldmünze "Wiener Philharmoniker" wurde erstmals im Handel angeboten und avancierte in kürzester Zeit zur meistverkauften Anlagemünze in Europa. Wer gleich zu Beginn zuschlug, hat alles richtig gemacht. Denn während Sparbuchzinsen in den folgenden Jahrzehnten zur Talfahrt ansetzten, hat der Goldpreis eine entgegengesetzte Entwicklung genommen. "Der Goldpreis, an den auch die Wertentwicklung der Goldmünze Wiener Philharmoniker gekoppelt ist, hat sich seit 1989 um rund 280 Prozent erhöht", heißt es von Seiten der Münze Österreich AG, der offiziellen und einzigen Münzprägeanstalt in Österreich.

Doch nicht nur der Materialwert einer Münze ist für die Wertsteigerung entscheidet. Denn neben den klassischen Anlagemünzen (Bullioncoins) erfreuen sich auch Sammlermünzen immer größerer Beliebtheit. 

Münzen sammeln ist nicht nur ein spannendes Hobby, sondern in Zeiten von Mini-Zinsen auch nach einer interessanten Renditechance. Wie bei allen Anlagen muss man dabei aber das Risiko eines Verlusts in Kauf nehmen, denn eine verlässliche Aussage über die zukünftige Wertentwicklung von Münzen kann niemand treffen. In jedem Fall gehören zum Münzensammeln eine Menge Fachkenntnisse und manchmal auch eine gute Portion Glück. Wir erklären die wichtigsten Grundlagen.

Unterscheidung von Anlage- und Sammlermünzen

Zunächst einmal muss man zwischen Anlage- und Sammlermünzen unterscheiden. Letztere können, wie im Fall der deutschen Fünf-Euro-Münze "Blauer Planet Erde", große Wertsteigerungen erreichen, weil sich der Preis aus der Balance aus Angebot und Nachfrage auf dem Sammlermarkt ergibt.

Eine Prognose, welche Münzen Potenzial haben, ist extrem schwierig: Wichtige Faktoren sind in der Regel aber eine möglichst niedrige Auflage, das Münz-Thema, höchste Qualität und mögliche technische Innovationen bei der Münzprägung, wie der erstmalige Einsatz eines Polymerrings beim "Blauen Planet Erde". Zum Ausgabe- beziehungsweise Materialwert kommt bei Sammlermünzen also je nach Marktnachfrage noch der Aufpreis für den Sammlerwert hinzu.

Das ist bei Anlagemünzen – auch als Bullionmünzen bezeichnet – anders. Die meist jährlich in einem ähnlichen Design erscheinenden Münzen werden mit geringen Aufschlägen zum Preis des enthaltenen Metalls (vorwiegend Gold oder Silber, Platin) gehandelt. Eine Unze Gold kostet derzeit etwa 1.300 US-Dollar, eine Ein-Euro-Anlagemünze aus purem Gold sollte demnach nur unwesentlich mehr kosten.

Chancen auf eine Wertsteigerung gibt es hier auch, wenn der Preis des enthaltenen Metalls steigt. So kostete im September 2011 eine Feinunze zwischenzeitlich mehr als 1.900 US-Dollar. Dieses Beispiel zeigt, dass man mit Anlagemünzen auch Verluste machen kann – schließlich liegt der Preis derzeit deutlich niedriger als beim Allzeithoch.

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Die wichtigsten Anlagemünzen

"Ich würde immer in Krügerrand investieren, auch weil es die geringsten An- und Verkaufskosten hat", empfiehlt Goldexperte Martin Siegel, Geschäftsführer der Stabilitas GmbH. Die südafrikanische Anlagemünze hat den größten Marktanteil unter den Goldmünzen.

Weitere bekannte Gold-Anlagemünzen sind Maple Leaf (Kanada), Philharmoniker (Österreich), Panda (China), American Eagle (USA), American Buffalo (USA), Britannia (Großbritannien), Kangaroo / Nugget (Australien) oder Lunar (Australien). Anlagemünzen gibt es auch in Silber oder Platin.

In welches Metall soll man bei Münzen investieren?

Goldmünzen haben einen ganz entscheidenden Vorteil: Man kann sie in der Regel mehrwertsteuerfrei erwerben. Bei Platin oder Silber ist das nicht so – und 19 Prozent Mehrwertsteuer machen einen deutlichen Unterschied. Allerdings ist der Preis bei Silber wesentlich volatiler als bei Gold. Derzeit kostet eine Unze etwa 15 US-Dollar (rund 13 Euro). Das Allzeithoch lag allerdings bei etwa 50 US-Dollar – also mehr als dreimal so hoch. Wer auf steigende Edelmetallpreise setzt, könnte bei Silber höhere Gewinne erzielen. Allerdings drohen im umgekehrten Fall auch höhere Verluste.

Sammlermünzen gibt es neuerdings auch in anderen seltenen Metallen wie Titan. Viele der historischen Münzen wurden dagegen aus Kupfer geprägt. Gold und Silber bleiben jedoch auch in diesem Bereich die mit Abstand beliebtesten Metalle. Für Goldmünzen spricht die wegen des höheren Preises oft niedrigere Auflage. Silbermünzen sind deutlich erschwinglicher – deshalb ist auch der Markt an Sammlern größer.

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Wichtige Gebiete für Sammlermünzen

Münz-Sammelgebiete gibt es wie Sand am Meer. In Deutschland besonders beliebt sind einheimische Münzen – aus dem Kaiserreich, über die Epoche des geteilten Deutschland mit Exemplaren aus der DDR und der BRD, bis zu den aktuellen Euro-Münzen mit Polymerring. Euro-Münzen aus allen Mitgliedsstaaten gehören auf dem ganzen Kontinent zu den Rennern unter den aktuellen Münzen.

Weitere wichtige Sammelgebiete sind Sportereignisse wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften, antike Münzen aus dem römischen Kaiserreich oder China, Porträts, Tiermotive oder Spezialthemen wie Raumfahrt.

Die erste Ausgabe einer gewölbten Ein-Unzen-Silbermünze mit einer farbigen Abbildung der Erdkugel aus Australien ("Earth and Beyond") kostet inzwischen fünfmal so viel wie bei ihrem Erstverkauf im Jahr 2018.

Generell empfehlen Experten, als Sammler mit modernen Münzen zu starten. Und sich dann bei Interesse und steigender Fachkenntnis an ältere Münzen heranzutasten.

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Sammlermünzen: Worauf man achten muss

Neben einem attraktiven Thema ist besonders die Auflage wichtig für die künftige Wertentwicklung von Sammlermünzen: Je geringer die Stückzahl, umso größer ist die Chance, dass man sein Exemplar künftig teurer verkaufen kann. Einige Goldmünzen erschienen zum Beispiel in Kleinstauflagen von nur 50 bis 150 Stück weltweit.

Potenziell begehrter ist in der Regel auch die erste Ausgabe neuer, innovativer Münzen. Kürzlich kam zum Beispiel die erste Hybrid Gold Bitcoin-Münze, eine Kombination aus einer Unze des Edelmetalls mit einem 1/50-Anteil der bekanntesten Kryptowährung, mit einer Auflage von nur 100 Stück auf den Markt (Thema Four Guardians). Diese Münze könnte etwas für jene sein, die daran glauben, dass der Bitcoin den Durchbruch schafft und künftig deutlich an Wert gewinnen wird.

Ebenfalls wichtig ist die Münzqualität: Polierte Platte (Spiegelglanz) ist hochwertiger als Stempelglanz. Damit die Qualität erhalten bleibt, sollte man wertvolle Münzen speziell schützen (zum Beispiel in Hartplastik-Hüllen aufbewahren) und nicht mit den bloßen Händen anfassen.

In der Regel sollte man Münzen nicht selbst reinigen – die Patina ist bei historischen Exemplaren ein Echtheitsmerkmal. Modernere Münzen kommen meist mit einem Echtheitszertifikat. Dieses sollte man unbedingt für einen möglichen Weiterverkauf aufbewahren.

Für den reinen Materialwert ist die Reinheit des verwendeten Metalls entscheidend: Goldmünzen gibt es zum Beispiel in 99,99 Prozent Reinheit, genauso wie mit deutlich geringeren Anteilen von Gold.

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Biallo-Tipp

Beim Münzen sammeln ist Geduld gefragt, denn oftmals steigt der Wert einer Münze erst im Laufe der Jahre. Das Wichtigste ist ohnehin der Spaß am Sammeln.



  Lars Becker


 

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