Wo Wertsachen kostengünstig in Sicherheit sind

Ratgeber der Woche Wo Wertsachen kostengünstig in Sicherheit sind

Manfred Fischer
von Manfred Fischer
18.05.2018
Auf einen Blick
  • Die Mehrzahl der Sparkassen und Banken vermieten Schließfächer nur an eigene Kunden. Voraussetzung ist meist ein Girokonto.

  • In vielen Filialen sind freie Bankschließfächer knapp geworden. Am stärksten nachgefragt sind kleine Fächer.

  • Die Jahresmieten für kleine Schließfächer reichen bei Sparkassen und Banken von etwa 20 bis 90 Euro.

  • Neben Banken stellen Edelmetallhändler wie Degussa oder Pro Aurum Fächer bereit, mancherorts auch Pfandleihhäuser.

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Gold, Schmuck, Münzen, Dokumente - Dinge von hohem Wert gehören in ein Bankschließfach oder einen Tresor. Das ist oft leichter gesagt als getan. Mancherorts übersteigt die Nachfrage nach Schließfächern das Angebot. Und die meisten Geldhäuser vermieten nur an eigene Kunden. Zu klären ist auch die Frage des Versicherungsschutzes. Was, wenn Einbrecher den Tresorraum knacken oder die Preziosen beschädigt werden?

Miet- und Versicherungskosten für ein Schließfach läppern sich je nach Anbieter im Laufe der Jahre. Wer sich stattdessen einen Haustresor zulegt, spart unter Umständen Geld. Doch nicht jeder Safe ist, wie er sein sollte - sicher. Verbraucher sollten einen Geldschrank fürs traute Heim nach mehreren Gesichtspunkten abklopfen.

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Schließfach, Safe und Sockenschublade

Bankenkrise, Eurokrise, Zinskrise: Das Vertrauen von Sparern und Privatanlegern in die Finanzmärkte ist strapaziert. Viele haben Gold gekauft oder andere Sachwerte, viele horten Bargeld.

Einer Erhebung der Berliner Steinbeis-Hochschule zufolge wuchsen die Goldreserven deutscher Privathaushalte zwischen 2014 und 2016 um fast 500 Tonnen auf insgesamt rund 8.700 Tonnen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bundesbank sitzt auf 3.400 Tonnen. Etwas mehr als die Hälfte des Edelmetalls in Privatbesitz waren Barren und Münzen (4.700 Tonnen), alles andere steckte in Schmuck. Der Anteil der Bevölkerung, der Gold hat, stieg in den beiden Jahren von 67 auf 75 Prozent.

Augenfällig zudem der Trend bei Bargeld: Die Bundesbank schätzt die "Hortungsbestände" an Euro-Banknoten im Jahr 2016 auf 150 Milliarden Euro. Statistisch betrachtet sind das rund 1.800 Euro je Einwohner. In den Jahren 2010 bis 2016 wurden schätzungsweise 50 Milliarden Euro zurückgelegt - im Schnitt jährlich sieben Milliarden Euro. Die inländische Hortung sei die wertmäßig größte Komponente des Inlandsumlaufs, heben die Bundesbanker in ihrem Monatsbericht vom März dieses Jahres hervor.

Nach einer neuen Studie des Bundesverbandes deutscher Banken bewahren 20 Prozent der Sparer mehr als 500 Euro Cash zu Hause auf. Elf Prozent davon haben einen Tresor. Die übrigen erweisen sich bei der Wahl des Aufbewahrungsorts mehr oder weniger kreativ. Briefumschlag, Kleiderschrank, Keksdose, Sockenschublade, Backofen - die Liste der Verstecke ist lang. Zwei Drittel der Bargeld-Verstecker wähnen die Scheine zu Hause sicher. Zehn Prozent der Deutschen bunkern laut der Studie Bares und Wertgegenstände in einem Bankschließfach.

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Welche Geldhäuser haben freie Kapazitäten?

Wie viele Schließfächer es in Deutschland gibt, weiß niemand. Fraglich ist, wie sich das Angebot insgesamt entwickelt. Einerseits hält das Filialsterben von Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstituten an - Tresorräume verschwinden. "Jede vierte der Anfang des Jahrtausends noch bestehenden Bankfilialen existiert nicht mehr", stellten Marktforscher der Universität Siegen und der staatlichen KfW-Bank Ende 2017 fest. Wobei Städte und ländliche Regionen "etwa gleich stark betroffen" sind.

Andererseits gehen Schließungen nicht selten mit Umbauten an anderer Stelle im Filialnetz einher, Tresor-Kapazitäten werden erweitert. Und es wächst das Angebot außerhalb der Geldhäuser. Große Goldhändler betreiben an mehreren Standorten Schließfach-Anlagen, sie wollen weitere eröffnen. Auch andere Anbieter wie Pfandleihhäuser stocken auf. All das zielt nicht allein darauf ab, Lücken zu schließen, die das Filialsterben reißt.

Vielmehr stellen sich Anbieter auf eine höhere Nachfrage ein. Eine Nachfrage, die getrieben ist von der Angst vor Wohnungseinbrechern - zwischen 2008 und 2015 nahm die Zahl der Delikte um mehr als 50 Prozent zu, seither nimmt sie ab, ist aber nach wie vor höher als vor zehn Jahren. Nicht überall wird die Nachfrage abgedeckt.

Eine ganze Reihe von Geldinstituten bietet überhaupt keine Schließfächer an. Dazu gehören zum Beispiel die Postbank, Targobank, Santander Consumer Bank und Denizbank. In manch kleinen Niederlassungen von Sparkassen oder genossenschaftlichen Häusern stehen dem bauliche oder andere Gründe entgegen.

Wie knapp sind die freien Kapazitäten?

Eine stichprobenartige Umfrage ergibt ein sehr differenziertes Bild:

Stadtsparkasse München: Die Gesamtzahl seiner Schließfächer nennt das Geldinstitut nicht - aus Sicherheitsgründen, heißt es. "Die meisten Fächer sind belegt, nur einige hundert sind noch frei", sagt der Sparkassen-Sprecher Joachim Fröhler. Eine Warteliste gebe es nicht. Begehrt seien vor allem die Schließfächer in der Größe eines Aktenordners.

Commerzbank (München): In den 54 Filialen in der Stadt und Umgebung gibt es nach Angaben der Bank 13.000 Schließfächer. Die Nachfrage steige, doch in jeder Filiale könnten derzeit welche angemietet werden. "Wir haben noch genügend frei", sagt Stefan Geib, Niederlassungsleiter im Münchner Süden. Besonders gefragt seien die Fächer der mittleren Größe. Die ganz großen seien in der Regel ständig ausgebucht.

Sparkasse Ulm: "Die Schließfächer werden bereits seit geraumer Zeit sehr stark nachgefragt - Tendenz weiter steigend", berichtet der Unternehmenssprecher Boris Fazzini. An 14 Standorten hat die Sparkasse Schließfachanlagen. Sie sind "ausnahmslos voll ausgelastet". "Aus diesem Grund muss mit entsprechenden Wartelisten gearbeitet werden."

Stuttgarter Volksbank: Von insgesamt circa 18.500 Schließfächern seien 11.500 vermietet, sagt der Pressesprecher Matthias Layher "Die Nachfrage nach Schließfächern entwickelt sich weniger dynamisch, als aufgrund der Rahmenbedingungen wie Nullzinsphase und Einbruchserien vermutbar - aber durchaus stetig".

Volksbank Frankfurt: Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren "gleich geblieben", sagt die Sprecherin der Genossenschaftsbank Beate Schumacher. Für Kunden halte man freie Kapazitäten über verschiedene Schließfachgrößen vor.

Mainzer Volksbank: Auch dieses Geldhaus verzeichnet seit längerem eine "gleichbleibend starke Nachfrage". "Grundsätzlich sind in unserem Hause Schließfächer erhältlich, eine Warteliste besteht nicht", berichtet der Sprecher des Geldinstituts Martin Eich.

Sparkasse Vest-Recklinghausen: "Die Nachfrage nach Schließfächern ist unverändert hoch", berichtet der Sprecher des Geldinstituts, Olaf Blomberg. Die Schließfach-Anlagen seien geschätzt zu knapp 90 Prozent ausgelastet. Je nach baulicher Machbarkeit schaffe man bei Standorten mit besonders hoher Nachfrage zusätzliche Kapazitäten.

Hamburger Sparkasse: "Wir haben eine starke Nachfrage und das Angebot in einzelnen Filialen aufgestockt", teilt die Sparkasse mit. Aktuell habe man 220.000 Schließfächer. In manchen Filialen gebe es Wartelisten. Knapp sind vor allem große Fächer.

Deutsche Bank: Deutschlands größtes Geldhaus spricht von einer "stabilen Nachfrage". Der überwiegende Teil der Filialen stelle Schließfächer bereit, grundsätzlich seien genug verfügbar. Falls in einer Filiale die Kapazitäten ausgeschöpft sind, werde den Kunden in nahe gelegenen Standorten ein Fach angeboten. Zahlen zu Angebot und Auslastung nennt die Bank "grundsätzlich nicht".

Hypovereinsbank: "Wir können unseren Kunden in der Regel noch ausreichend freie Schließfächer in unseren Filialen anbieten", sagt Banksprecher Ralf Horak. Am stärksten nachgefragt seien kleine Fächer mit einer Höhe von knapp zehn Zentimetern.

Degussa Goldhandel: Das Interesse an Schließfächern sei "aktuell sehr hoch", sagt Oliver Heuschuch, Leiter des Edelmetallhandels von Degussa. In München habe man noch freie Kapazitäten, auch in Hamburg. In anderen deutschen Niederlassungen sind Fächer kaum zu bekommen.

Pro Aurum: Freie Fächer sind auch bei diesem Edelmetallhändler sehr rar. "In Deutschland sind noch rund 60 Schließfächer frei", sagt Unternehmenssprecher Benjamin Summa. In einigen Filialen würden Wartelisten geführt.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
120,00
1,20%
2.
116,00
1,16%
3.
105,00
1,05%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate

Größe, Preise und K.o.-Kriterium

Schließfach-Angebote lassen sich miteinander nicht so leicht vergleichen. Denn der Mietpreis hängt davon ab, wie groß das Fach ist, und die Fachgrößen sind nicht normiert. Auch die Staffelung variiert. Kleinere Fächer haben Volumen von etwa 3,5 bis zehn Litern. Die Volumen der größten beginnen bei ungefähr 30 Litern und reichen teils weit darüber hinaus. Die Deutsche Bank beispielsweise differenziert neun verschiedene Größen, in die kleinsten Fächer passen neun Liter, die größten fassen 144 Liter – so viel wie eine Badewanne - und mehr.

Was den Vergleich außerdem erschwert, ist die Frage des Versicherungsschutzes. Es gibt Anbieter, bei denen eine Versicherung im Mietpreis enthalten ist. Die Versicherungssummen unterscheiden sich jedoch teils deutlich (siehe Tabelle). Unterschiedlich geregelt ist überdies, in welchen Fällen die Police greift. Die Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck deckt Schäden bis zu einer Höhe von 5.000 Euro ab, die Commerzbank bis zu 26.000 Euro – bei doppelt so hoher Miete. Bei einem Großteil der Geldhäuser ist kein solcher Basisschutz in der Miete eingeschlossen. Alle bieten zusätzlich Assekuranzen an.

Die Preise für kleinere Schließfächer bei Sparkassen und Banken reichen in München und der Region nach einer stichprobenartigen Umfrage von rund 40 bis 90 Euro Jahresmiete. Zum Teil sind sie deutlich teurer geworden. Bei der Stadtsparkasse München kosteten sie 2011 laut einer Erhebung der Stiftung Warentest 37 Euro. Jetzt sind es 70 Euro. Die größten verteuerten sich von 302 auf 360 Euro. Die Commerzbank erhöhte in der gleichen Zeit den Preis für ihre kleinsten Fächer von 65 auf 89 Euro, der für die größten stieg von 400 auf 449 Euro. Bei der Deutschen Bank liegen die Preise seit Jahren zwischen 60 Euro (9 Liter Volumen) und 476 Euro (mehr als 144 Liter Volumen).

Biallo-TippWas gehört in ein Schließfach? Sicher verwahren sollten Sie nicht nur Gold, Schmuck, Münzen oder Kunstgegenstände. Zu Dingen, die in einem Bankfach oder Tresor deponiert sein sollten, zählen auch Sparbücher, Dokumente wie Versicherungsurkunden oder Quittungen von Wertsachen. Ebenso digitale Dokumente, gespeichert auf USB-Stick oder externer Festplatte sind sie so gut aufgehoben.

So viele Anbieter es gibt, die Mehrzahl der Sparkassen und Banken haben eines gemein, das ist ein Ausschlusskriterium: Sie setzen voraus, dass man bereits Kunde ist. Häufig ist die Vermietung eines Schließfachs an ein Girokonto geknüpft. Ausnahmen bilden zum Beispiel die Sparkassen Frankfurt, Köln-Bonn und Hamburg.

Wer als Nicht-Kunde in einem Geldhaus anfragt, muss allerdings womöglich hintanstehen. "Bevorzugt werden Schließfächer an unsere Kunden und Mitglieder vergeben. Insbesondere, wenn Schließfächer vor Ort knapp sein sollten. Aber es spricht grundsätzlich auch nichts gegen einen reinen Verwahrvertrag", erklärt der Sprecher der Volksbank Stuttgart, Matthias Layher. Nicht unüblich sind dann etwas höhere Mietpreise.

Biallo-Tipp: Gleich zu zweit zur Bank gehen. Um ein herkömmliches Schließfach anzumieten, müssen Sie zu einem Beratungsgespräch kommen und Ihren Personalausweis vorlegen. Mieter erhalten zwei Schlüssel. Wenn jemand Ihres Vertrauens mit dem Zweitschlüssel Zugang zu Ihren Wertsachen haben soll, müssen Sie eine Vollmacht ausstellen. Damit das Geldhaus den Zugang einrichtet, müssen Sie mit der Vollmacht gemeinsam erscheinen.

Geldinstitut

Kleinstes Schließfach
(Größe)

Jahresmiete

Ist ein Versicherungsschutz
im Mietpreis enthalten?

Wer erhält ein
Schließfach?

Stadtsparkasse München

ab 5 cm Höhe

70 Euro

nein

Kunden

Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg

bis 200 cm2 (Höhe x Breite)

50 Euro

nein

Kunden

VR-Bank Starnberg-
Herrsching-Landsberg

bis 7,5 cm Höhe

41,65 Euro

10.000 Euro

Kunden

VR-Bank Fürstenfeldbruck

5 cm Höhe

50 Euro

5.000 Euro

Kunden

Volksbank Ulm-Biberach

B: 30-32 cm

T: 40-42 cm

H: 4,5-6 cm

30 Euro

nein

Kunden

Sparkasse Ulm

6 cm Höhe

30 Euro

5.000

Kunden

Volksbank Stuttgart

8.000 cm3

50 Euro

Altverträge: bis 20.000 Euro;

Neuverträge: nein

vorzugsweise Mitglieder

Sparkasse Bodensee

k. A.

79,90 Euro

6.000

vorzugsweise Kunden

Berliner Volksbank

5.250 cm3

Mitglieder: 48-84 Euro

nein

Jedermann

Hamburger Sparkasse

3.528 cm3

34,40 Euro

40.000 Euro

vorzugsweise Kunden

Sparkasse Osnabrück

2 cm Höhe

48 Euro

nein

Kunden

Volksbank Osnabrück

bis 5 cm Höhe

30 Euro

5.000 Euro

Kunden

Sparkasse Darmstadt

5 cm Höhe

45 Euro

nein

Kunde

Sparkasse Worms-Alzey-Ried

6.000 cm3

35 Euro

nein

Kunde

Volksbank Alzey-Worms

5 cm Höhe

40 Euro

5.000 Euro

Kunden

Geldinstitut /
Edelmetallhändler

Kleinstes Schließfach
(Größe)

Jahresmiete

Ist ein Versicherungsschutz
im Mietpreis enthalten?

Wer erhält ein
Schließfach?

Nassauische Sparkasse

Platz für DIN-A4-Unterlagen

50 Euro

nein

Jedermann

Wiesbadener Volksbank

Platz für Unterlagen, DIN-A4-Format

40 Euro

nein

Kunden

Frankfurter Sparkasse

bis 6000 cm3

45 Euro

10.000 Euro

Jedermann

Frankfurter Volksbank

Größe eines Aktenordners

50 Euro

2.000 Euro

Kunden

Mainzer Volksbank

Platz für Unterlagen, DIN-A4-Format

30,94 Euro

10.000 Euro

Kunden

Sparkasse Mainz

5 cm Höhe

20 Euro

5.000 Euro

Kunden

PSD Bank Koblenz

10.854 cm3

65 Euro

5.000 Euro

Mitglieder

Sparkasse Köln-Bonn

5.000 cm3

55 Euro

nein

Jedermann

Sparkasse Vest Recklinghausen

bis 5.000 cm3

42 Euro

10.000 Euro

Kunden

Deutsche Bank

bis 9.000 cm3

59,50 Euro

nein

Kunden

Commerzbank

bis 8.000 cm3

89 Euro

bis 26.000 Euro

Kunden

Hypovereinsbank

10 cm Höhe

79 Euro

25.000 Euro

Kunden

Degussa Goldhandel

9998 cm3

297 Euro

30.000 bis 50.000 Euro

Jedermann

Pro Aurum (Edelmetallhändler)

6.300 cm3

285,50 Euro

30.000 Euro

Jedermann

Stichprobe bei Schließfach-Anbietern: Die Abmessungen für Fächer sind nicht einheitlich geregelt, Unterschiede zwischen Filialen derselben Bank oder Sparkasse sind keine Seltenheit. Die kleinsten Fächer haben mindestens eine Grundfläche im DIN-A-Format. Was auffällt, ist die Preispanne bei den Mietkosten, sie lässt sich nur zum Teil mit dem Versicherungsschutz erklären. (Stand: Mai 2018).

Um ein Vielfaches höhere Preise als Geldhäuser nehmen große Edelmetallhändler wie Pro Aurum und Degussa. Pro Aurum verlangt für das kleinste Fach am Standort in München 286 Euro (6,3 Liter Volumen) Miete im Jahr, Degussa 297 Euro (10 Liter Volumen). Die größten Fächer kosten 714 Euro (156,6 Liter Volumen) beziehungsweise 595 Euro (40 Liter Volumen). Höher als bei Geldhäusern ist dafür aber der Versicherungsschutz, der in der Grundmiete eingeschlossen ist. Was die Preisunterschiede angeht, weist der Händler Pro Aurum nicht zuletzt auf seine im Vergleich zu Banken längeren Öffnungszeiten hin.

Neben Banken und Edelmetallhändlern stellen zahlreiche Pfandleihhäuser Schließfächer zur Verfügung. Das eine oder andere zeigt sich dabei innovativ. Beispiel: Pfandleihhaus Gießen. Dort kann jedermann eine "Safe-Box" anmieten. Mit der Box geht man allein in einen separaten Raum und legt seine Wertsachen hinein. Deponiert wird das Behältnis in der Tresoranlage des Leihhauses. Miete pro Jahr für eine Box mit knapp vier Litern Volumen: 60 Euro.

Biallo-Tipp: Pfandleiher fragen. Falls die Bank, bei der Sie Kunde sind, kein freies Fach in der passenden Größe hat, erkundigen Sie sich bei einem Pfandleihhaus in der Nähe.

Die Safelounge, Schwesterfirma eines Auktions- und Pfandhauses in Stuttgart, bietet bundesweit Schließfächer online zur Miete an. Verbraucher können per E-Mail die Abholung ihrer Wertgegenstände in Auftrag geben. Auf dem gleichen Weg erhalten sie den Mietvertrag und einen Frachtbrief. Ein Werttransporter bringt eine "Safe-Bag", darin werden die Gegenstände in den Tresorraum der Safelounge gebracht. Die Monatsmiete beträgt 19,90 Euro, pro Transport fallen zusätzlich 35 Euro an.

Ein junger alternativer Anbieter in München ist die Schließbar 23. Als "Mischung aus Pfandkredit, Edelmetallhandel und Kundenmietschließfächer", beschreibt Firmengründer Michael Rossbach das Konzept. Er hält Fächer in fünf verschiedenen Größen vor. Die kleinsten haben ein Volumen von neun Litern, in den größten ist Platz für 36 Liter. Die Preispanne reicht von 180 bis 600 Euro im Jahr.

Biallo-Tipp: Zugang rund um die Uhr. Bei der überwiegenden Zahl der Schließfach-Anlagen kommen Sie nur während der Geschäftszeiten an Ihre Preziosen heran. Sie müssen Ihren Ausweis vorzeigen, ein Bankmitarbeiter sperrt Ihnen den Tresorraum auf und lässt Sie allein an Ihr Fach. Zunehmend Verbreitung finden SB-Schließfächer. Sparkassen haben Filialen mit Tresoren und Fächern, an die Kunden rund um die Uhr mit Sparkassen-Card, Geheimzahl und Schlüssel gelangen. Ähnliche Anlagen gibt es in Volksbank-Filialen.

Versicherungsschutz für Wertsachen

Zentimeterdicke Tresorwände allein reichen nicht, um auf der sicheren Seite zu sein. Das zeigt sich immer wieder – und auf unterschiedliche Weise. Beispiel Berliner Volksbank: Anfang vergangenen Jahres drangen schwerbewaffnete Männer am helllichten Tag in eine Filiale ein. Mit vorgehaltenen Maschinenpistolen zwangen sie Mitarbeiter, den Tresorraum zu öffnen, und räumten Schließfächer aus.

Beispiel Saalesparkasse: Im Sommer verschafften sich Diebe mit zuvor geklauten Daten von Bankkarten Zugang zu automatischen Tresoranlagen. In einer Anlage gelang es ihnen, Schließfächer aufzubohren. Beispiel Sparkasse Hildesheim-Goslar-Peine: Nach starken Regenfällen wurde der Keller einer Filiale in Bad Salzdetfurth überschwemmt. Hunderte Schließfächer soffen ab.

Wann immer Wertsachen gestohlen oder zerstört werden, erhebt sich die Frage: Wer kommt für den Schaden auf?

Im Fall eines Diebstahls haftet die Bank nur, wenn sie ihre Obhuts- und Aufklärungspflichten verletzt. Das hat das Berliner Kammergericht in einem exemplarischen Fall klargestellt (Az.: 26U 18/15). In dem Verfahren ging es um einen Dieb, der mit gefälschtem Ausweis ein Schließfach angemietet hatte. Noch am Tag der Anmietung war der Mann wieder in die Bank gekommen, diesmal mit einer großen Sportasche und zwei Begleitern.

Ein Bankangestellter hatte die drei Männer in den Tresorraum gebracht und dort schließlich allein gelassen. Die Richter betonten, dass die Bank den Ausweis hätte genauer überprüfen und die Sporttasche kontrollieren müssen. Ferner wurde die Alarmanlage als unzureichend angesehen.

Erfüllt das Geldhaus seine Pflichten, bleiben Kunden auf einem Schaden sitzen, wenn der Schließfach-Inhalt nicht versichert ist. Ohne Versicherungsschutz haben sie auch bei Wasser- oder Feuerschaden das Nachsehen. "Der gesamte Inhalt des Schließfaches sollte möglichst versichert sein", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wenn die Miete keine Versicherung enthält, sollten Verbraucher prüfen, ob ihre Hausratversicherung im Ernstfall einspringt. Umfassende Policen diverser Anbieter erstrecken sich auch auf Schließfächer, in manchen Vertragsbedingungen ist das unter "Außenversicherung" aufgeführt. Eine spezielle Schließfach-Police, vermittelt über die Bank, erübrigt sich dann.

Wer eine Police benötigt, sollte nicht nur auf eine ausreichend hohe Versicherungssumme achten. Auch die Leistungsmerkmale gilt es zu hinterfragen. Wie sieht es etwa bei Elementarschäden aus? "In einzelnen Punkten gibt es durchaus Unterschiede", sagt Tryba über die Angebote von Banken. Ein Knackpunkt: Viele schließen den Ersatz von Bargeld aus. Wer Bargeld einlagern will, sollte fragen, ob eine entsprechende zusätzliche Versicherung möglich ist.

Biallo-Tipp: Inventarliste im Schließfach. Ob Diebstahl, Feuer oder Wasser, die Versicherung kommt nur für Schäden auf, die Sie belegen können. Dokumentieren Sie mit einer Liste und Fotos, welche Gegenstände deponiert sind und legen Sie diese mit ins Fach. Fotografieren Sie die Gegenstände zusammen mit einer Zeitung vom jeweiligen Tag.

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Tresor fürs traute Heim

Auf Nummer sicher gehen kann man auch zu Hause. Tresore gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, Größen und Sicherheitsstufen. Eine Variante sind Wandtresore. Sie eignen sich eher für Hauseigentümer. Denn die Montage setzt einigermaßen dicke Wände voraus, es muss ein Loch geschlagen werden. In Mietwohnungen kommen in erster Linie Möbeltresore in Betracht. Sie werden in der Ecke von Schränken verschraubt.

Die Preise für einen guten Tresor beginnen bei einigen hundert Euro, hinzu kommen die Kosten für den Einbau. Den sollte unbedingt eine Fachmann erledigen. Von Schnäppchen, wie sie im Internet oder Baumärkten beworben werden, raten Verbraucherschützer ab. Tests zeigen, dass sich viele solcher Tresore im Handumdrehen knacken lassen.

Wichtig ist die Sicherheitsstufe. Das Prüfungsinstitut VdS Schadenverhütung in Köln, eine Tochter des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV), empfiehlt Verbrauchern die Stufen "N", "I" oder "II". Höchste Stufe ist "VI", es handelt sich dann um massive Panzerschränke mit elektronischer Sicherung.

Eine blaue Plakette innen an der Tresortür zeigt an, dass er von einem unabhängigen Institut zertifiziert wurde. Individuell mit der Versicherung zu klären sei, in welchem Safe welche Werte versichert werden, betont der Verband.

Ausschlaggebend für die Sicherheit ist nicht zuletzt das Verschlusssystem. Zur Auswahl stehen mechanische und elektronische Verschlüsse, die sich per Drehknopf oder Tastatur mit Buchstaben- oder Zahlenreihen öffnen lassen. Daneben gibt es Schlösser mit Schlüssel. Diese gelten unter Fachleuten als die unsicherste Lösung. Knackpunkt bei Tresoren mit Drehknopf: Es existieren Listen mit Basiscodes – sie kursieren auch in Gaunerkreisen. Am sichersten sollen elektronische Code-Schlösser sein.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de