Girokonten: Was bringen Bonusprogramme?

Einkaufsrabatt Girokonten: Was bringen Bonusprogramme?

Horst Biallo
von Horst Biallo Sebastian SchickKevin SchwarzingerManfred Fischer
02.03.2017
Auf einen Blick
  • Immer mehr Banken werten Filialkonten mit Einkaufsrabatten und Extra-Leistungen auf. Vor allem regionale Banken und Sparkassen versuchen so, Kunden zu binden.

  • Die Angebote unterscheiden sich zum Teil deutlich. Gemessen an den Kontogebühren zahlen sich die Vergünstigungen in so manchem Fall nicht aus.
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Es scheint kein Ende zu nehmen. Mehr und mehr Banken erhöhen die Gebühren für Konten und Karten, und das kräftig. Die Saalesparkasse in Halle etwa hat zum 1. März ihr "Kompaktkonto" um 76 Prozent verteuert. 4,50 Euro waren bisher monatlich fällig, jetzt sind es 7,90 Euro. Kaum minder zimperlich zeigt sich die Sparkasse Südholstein, sie hob zum Monatswechsel die Gebühr für das Online-Konto von 2,90 auf 4,90 Euro an.

Das ist der eine Trend. Der andere: Damit Kunden nicht zu günstigeren Internet-Banken abwandern, legen die Filialbanken Kundenbindungsprogramme auf. Und das geht so: Sie statten die hochpreisigen Premiumkonten mit allerlei Zusatzleistungen aus und hoffen, damit die Kunden bei der Stange zu halten.

Biallo-Tipp

Wer sich Gebühren für das Girokonto sparen will, sollte zu Internetbanken wie der ING-Diba, DKB oder Consorsbank wechseln. Deren Girokonto gibt es kostenlos.

Vor allem die regionalen Banken und Sparkassen vor Ort setzen zunehmend auf diese Bonusprogramme. Ob beim Einkaufen, beim Zahlen in Restaurants oder beim Buchen einer Reise - in vielen Geschäften kommen Bankkunden in den Genuss von Rabatten. Vorausgesetzt, sie zücken beim Zahlen die entsprechend teure Kontokarte. Doch lohnt sich das für die Kunden wirklich? Wir haben uns für Sie einige Beispiele angesehen.

Frankfurter Sparkasse lockt mit "Komfort Plus"

Das Girokonto "Komfort Plus" ist laut Frankfurter Sparkasse "unser bestes Girokonto". Das kostet natürlich auch seinen Preis. Das sind 8,40 im Monat oder gut 100 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Das "Aktiv-Konto" für den preisbewussten Kunden gibt es kostenlos, wenn es als reines Online-Konto geführt wird.

Lohnt sich für den Sparkassen-Kunden der Mehrpreis im Vergleich zur günstigen Internet-Variante? Die reinen Bankleistungen sind fast gleich, nicht der Rede wert. Der Unterschied liegt im Wesentlichen in verschiedenen Service-Leistungen, die gar nichts unmittelbar mit dem Konto zu tun haben. Das sind: Rechtsberatungs-Rechtsschutz, Reisebuchung-Service mit Rückvergütung von fünf bzw. sieben Prozent, Ticket-Service, Schlüsselfund-Service, 24h-Notfall-Service, Notgeld-Service, Dokumentenschutz.

Bei genauer Betrachtung zeigt sich: Die Rückvergütung von fünf bzw. sieben Prozent erhält man nur bei einer Buchung über die Mehrwert Touristik GmbH. Schaut man sich näher um, erfährt man, dass es sich bei diesem Unternehmen um Deutschlands "führenden Full-Service-Anbieter von Kundenbindungs- und Loyalitätsprogrammen für die Sparkassen-Finanzgruppe" handelt. Fragt sich, ob die Firma bei der Produktgestaltung nicht eher seine Kunden - die Sparkassen - im Blick hat, als die Kunden der Sparkasse. Ein Preisvergleich ist also unbedingt zu empfehlen.

Für die 100 Euro Mehrkosten im Jahr gibt es dann noch einen schicken Schlüssel-Anhänger der Frankfurter Sparkasse.

Schließlich hilft die Sparkasse Kunden an ihr Geld zu kommen, falls unterwegs die Geldbörse mit Karten gestohlen worden ist.

Einzig sinnvoll erscheint der Rechtsberatungs-Rechtsschutz. Obwohl es auch dort Tücken im Kleingedruckten geben könnte. Aber das können wir nicht beurteilen, weil dazu nichts zu erfahren war.

Unser Urteil: Lieber bei der gebührenfreien Online-Konto-Variante bleiben.

Der "Joker" der Haspa

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) staffelt ihr Vorteilsprogramm nach dem jeweiligen Kontomodell. Das teuerste Konto, Haspa-Joker Premium, kostet monatlich 16,90 Euro. Macht im Jahr stolze 202,80 Euro. Das sieht auf den ersten Blick sehr viel aus. Wer allerdings die zahlreichen Zusatzfunktionen regelmäßig nutzt, der hat die Kosten schnell wieder drin. Allein die angebotenen Gratis-Downloads bei Stiftung Warentest (50,- Euro pro Jahr) sowie die Mastercard Gold, für die sonst 65 Euro pro Jahr fällig würden, kommen zusammen gerechnet schon auf 115 Euro pro Jahr.

Vor allem für Vielreisende, eifrige Restaurant- und Konzertbesucher lohnt sich das Kontomodell. So erhalten Inhaber des Haspa-Joker Premium 15 Prozent Rabatt bei rund 80 Restaurants in Hamburg, darunter auch alteingesessene Institutionen wie das Fischrestaurant Hoppe oder das Waldhaus Reinbeck. Wer im Haspa-Joker Reise-Shop eine Reise bucht, bekommt eine Rückvergütung von sieben Prozent auf die Buchung inklusive Bestpreis-Garantie. Dazu bietet die Haspa ihren Premium-Kunden einen Taxi-Shuttle: Ab Reisekosten von 1.000 Euro werden für Hin- und Rückfahrt zum/vom Flughafen, Bahnhof oder Hafen maximal 50 Euro je Fahrt erstattet. Die Taxifahrt von der Innenstadt zum Flughafen kostet etwa 20 Euro, also hin und zurück 40 Euro. Wer den Service fünfmal in Anspruch nimmt, hat die jährlichen Kontogebühren bereits eingespielt.

Das Haspa-Joker Premium wurde 2016 vom Deutschen Institut für Service-Qualität zum besten Mehrwertkonto gekürt.

Unser Urteil: Für einen Hamburger, der gerne Shoppen oder auf Kultur- und Sportveranstaltungen geht, häufig Restaurants besucht und viel reist, für den ist das Haspa-Joker Premium durchaus empfehlenswert.

Bankcard Plus der Münchner Bank

Auch Volks- und Raiffeisenbanken (VR) zeigen sich erfinderisch. "Partnerschaftlich" überschreibt etwa die Münchner Bank ihr Kontomodell mit "Rundum-Service". 8,40 Euro pro Monat kostet dieses Girokonto, wer Mitglied der Bank wird. Wer nicht, zahlt zwei Euro mehr. Damit abgegolten sind alle Buchungen - beleghafte und beleglose -, SB-Kontoauszüge, ein Online-Schutzpaket und Smart-Tan-Generator. Ohne Gebührenaufschlag gibt es dazu die VR-Bankcard.

Alternativ bietet das genossenschaftliche Geldhaus ein Online-Kontomodell unter dem Begriff "Unabhängig". Die Monatsgebühr dafür beträgt 2,50 Euro für Mitglieder. Beleghafte und bediente Buchungen schlagen mit zwei und fünf Euro extra zu Buche, online ist alles kostenlos. Für die VR Bankcard berechnet die Münchner Bank Online-Kunden 7,50 Euro. Unter dem Strich heißt das: Wer auf Buchungsbelege und Überweisungen in der Filiale keinen Wert legt, spart gegenüber dem Rundum-Service-Modell rund 60 Euro pro Jahr.

Genossen der Münchner Bank, die ein Konto mit "Rundum-Service" haben, erhalten die VR-Bankcard in der Plus-Version. Der goldfarbene Plastikstreifen eröffnet bundesweit Zugang zu speziellen Produktangeboten und Dienstleistungen regionaler und überregionaler Kooperationspartnern, verspricht das Geldhaus. Das sind im Wesentlichen 3,0 Cent Nachlass auf Diesel, nicht Super, bei Shell und Esso sowie zehn Prozent Rabatt bei Viking Bürobedarf. Wenn Sie mehr wissen wollen, urteilen Sie selbst: https://www.vr-bankcardplus.de/

Unser Urteil: Die Vorteile des teureren Kontos wiegen die Mehrkosten kaum auf.

DKB-Girokonto mit Zusatzleistungen

Die DKB bietet nicht nur ein kostenloses Girokonto an, sondern packt für sogenannte Aktivkunden zusätzlich allerhand Rabattaktionen oben drauf. Aktivkunden sind Kunden, die einen Mindestgeldeingang von 700 Euro pro Monat vorweisen können.

Beim Online-Cashback profitieren Aktivkunden von Sofortrabatten bei Online-Shops wie etwa Amazon, Galeria Kaufhof oder Jochen Schweizer. Verbraucher können hier bis zu 15 Prozent sparen. Für den Einkauf müssen DKB-Kunden in ihrem Online-Banking angemeldet sein und gelangen durch einen speziellen Link zum jeweiligen Online-Shop.

Mit dem City-Cashback erhalten Kunden Rabatt bzw. kostenfreie Extras in Restaurants, Bars, Cafés und Shops in ihrer Stadt vor Ort - wenn sie mit der DKB-Viskarte bezahlen. In den Friseurketten von Esanelle, Hair-Express oder Super Cut sowie bei den Autovermietern Sixt und Hertz gelten die Vergünstigungen sogar bundesweit für alle Filialen. Zum Beispiel gibt es bei Super Cut nicht nur zehn Prozent Rabatt auf den Haarschnitt, sondern auch fünf Prozent für jedes Pflegeprodukt. Über die Suchfunktion auf der Internetseite der DKB lassen sich die zahlreichen Cashback-Partner schnell und bequem finden.

Mit DKB Live können Inhaber des Cash-Kontos kostenlos an zahlreichen Sportveranstaltungen teilnehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Aktivkunden handelt oder nicht. Kunden sollten sich aber sputen, denn für die ausgewählten Veranstaltungen steht lediglich ein begrenztes Kontingent zur Verfügung. Unter anderem gibt es Gratis-Tickets für Hertha BSC, die Handball- und Basketball-Bundesliga. Um live dabei zu sein, müssen sich DKB-Kunden über ihr Internet-Banking für die entsprechende Veranstaltung registrieren.

Unser Urteil: Ob Rabattaktionen für Restaurants, Online-Shopping oder kostenlose Sportevents, hier dürfte für jeden etwas dabei sein. Wer Online-Banking macht, findet bei der DKB das bundesweit beste Konto - knapp vor der ING-Diba.

Biallo-Lesetipp

Viele Banken haben die Gebühren für Girokonten zuletzt erhöht - zum Teil kräftig. Welche Geldhäuser zulangen, lesen sie in unserem Beitrag "Der absolute Gebührenwahnsinn". Wie Sie den Kontoanbieter schnell wechseln können, erklärt Ihnen der Beitrag "Fünf Schritte genügen".

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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de