Dienstwagen versteuern: Tipps und Tricks

Geldwerter Vorteil Dienstwagen versteuern: Tipps und Tricks

von Michael Schreiber
12.11.2018
Auf einen Blick
  • Die private Nutzung eines Firmenwagens ist ein "geldwerter Vorteil", für den der Arbeitnehmer Steuern zahlen muss.

  • Es gibt zwei Möglichkeiten der Besteuerung: die Ein-Prozent-Regelung oder das Fahrtenbuch.

  • Ab 1. Januar 2019 soll bei der Versteuerung von Elektro- und Hybrid-Dienstwagen, die auch privat genutzt werden, der halbierte Bruttolistenpreis als Bemessungsgrundlage herangezogen werden.
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Zwar steigt mit einem Firmenwagen das steuerpflichtige Einkommen jeden Monat um mehrere hundert Euro. Dafür sparen Arbeitnehmer im Gegenzug die teuren Anschaffungskosten und die laufenden Ausgaben für einen eigenen Neuwagen.

Nutzen Sie einen Firmenwagen kostenlos nur für berufliche Fahrten, spielt das steuerlich für Sie keine Rolle. Sie brauchen weder etwas zu versteuern, noch können Sie Fahrtkosten als Werbungskosten angeben.

Private Nutzung des Firmenwagens

In den meisten Fällen darf der Dienstwagen aber auch für private Fahrten sowie für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit genutzt werden. Dafür müssen Sie den geldwerten Vorteil versteuern. Für diese Besteuerung gibt es zwei Methoden: die Pauschalversteuerung nach der Ein-Prozent-Methode oder das Fahrtenbuch. Arbeitgeber und Mitarbeiter legen zum Jahresbeginn fest, welche Methode sie nutzen. Ein Wechsel im laufenden Jahr ist nicht möglich, so der Bundesfinanzhof (BFH, Az. VI R 35/12). Welche Methode günstiger ist, hängt von der individuellen privaten Kilometerleistung und dem Wert des Fahrzeugs ab.

Faustregel: Wer viel privat fährt, kommt mit der Pauschalversteuerung am besten weg. Wird der Wagen überwiegend beruflich genutzt, lohnt das Fahrtenbuch.

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Pauschalversteuerung optimieren

In der Praxis wird meist nach der Ein-Prozent-Methode versteuert. Das geschieht automatisch mit der ­Gehaltsabrechnung. In der Steuererklärung müssen Sie als Arbeitnehmer nichts extra eintragen. Der geldwerte Vorteil ist bereits im Arbeitslohn enthalten, den Sie als Ganzes ohnehin in die Anlage N eintragen müssen.

Lesen Sie auch: Schritt für Schritt durch die Steuerformulare

Der Arbeitgeber ermittelt den geldwerten Vorteil mit monatlich ein Prozent des Bruttolistenpreises des Autos. Für die Fahrten von der Wohnung zur Arbeitsstätte kommen monatlich 0,03 Prozent des Listenpreises je Entfernungskilometer hinzu – für Pendler mit langen Anfahrtswegen kommt da ganz schön was zusammen.

Das Finanzamt versteuert den vollen Monatsbetrag, auch wenn das Auto nachweislich nur an wenigen Tagen für eine private Nutzung zur Verfügung stand (FG Baden-Württemberg, Az. 6 K 2540/14). Zum Ausgleich für die Versteuerung des geldwerten Vorteils können Sie in der Steuererklärung die Entfernungspauschale als Werbungskosten geltend machen – spätestens hier machen Pendler den Steuermalus aus der Versteuerung teilweise wieder wett.

Der Listenpreis für ein Neufahrzeug wird auch dann angesetzt, wenn die Firma Ihnen einen Gebrauchtwagen stellt. Die Kosten für Sonderausstattung und Extras des Autos werden auf den Listenpreis aufgeschlagen, wenn das Fahrzeug bei Erstzulassung so ausgestattet war.

Biallo-Tipp: Steuerlich wäre es günstiger, wenn Sie Extras später einbauen lassen. Dann werden diese für die Steuer nicht ­berücksichtigt (BFH, Az. VI R 12/09). Der ermittelte Wert für die private Nutzung wird auf das monatlich zu zahlende Gehalt aufgeschlagen und mitversteuert.

Diese Faktoren mindern die Steuerlast

Beteiligt sich der Mitarbeiter an den Anschaffungskosten des Fahrzeugs oder zahlt er fixe Beträge zu den laufenden Kosten oder gefahrenen Kilometern dazu, senkt das die Steuerlast (BMF-Schreiben vom 19. April 2013). Arbeitnehmer können nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes vom 30. November 2016 (Az. VI R 2/15) aber auch eine Minderung des versteuerten geldwerten Vorteil um selbst getragene Einzelausgaben wie Benzin, Versicherungen oder Reparaturen verlangen.

Biallo-Tipp: Weisen Sie Spritkosten anhand der Tankquittungen nach. Haben Sie die nicht aufgehoben, reicht auch der Nachweis der Zahlung durch EC- oder Kreditkarte. Notfalls kann der Benzinverbrauch anhand der Verbrauchsvorgaben des Herstellers geschätzt werden.

Eine Korrektur der Lohnversteuerung können sie entweder kurz vor Jahresende bei Ihrem Arbeitgeber oder nach Jahresende über die eigene Steuererklärung beim Finanzamt einfordern. Die Korrektur beim Chef hat den Vorteil, dass dann auch geringere Sozialabgaben auf den zu hoch versteuerten Lohn anfallen. Beim Finanzamt erhält man dagegen nur die überzahlte Lohnsteuer zurück. Zuzahlungen eines Arbeitnehmers, die den steuerpflichtigen geldwerten Vorteil übersteigen, können den Lohn maximal auf null Euro reduzieren. Einen darüber hinausgehenden Steuerabzug lehnen die BFH-Richter in einer weiteren Entscheidung ab (Az. VI R 49/14).

Ein Beispiel:

Werner Fricke hat seit Anfang 2017 einen Firmenwagen, den er auch privat nutzen darf. Bruttolistenpreis: 33.000 Euro. Zum Job fährt er 25 Kilometer. Sein Arbeitgeber hat jeden Monat 330 Euro (ein Prozent des Preises) als Vorteil berechnet. Außerdem für den Arbeitsweg 247,50 Euro (25 Kilometer x 0,03 Prozent). Er muss also jeden Monat zusätzlich zum Gehalt für weitere 577,50 Euro Steuern und Sozialabgaben zahlen. Das ist ein geldwerter Vorteil für 2017 von 6.930 Euro.

Bei einem Steuersatz von 30 Prozent zahlt Herr Fricke 2017 für das Auto 2.079 Euro Einkommensteuer. Das rechnet sich aber unter dem Strich immer noch. Zum Vergleich: Hätte er das Auto selbst gekauft, müsste er 33.000 Euro Anschaffungskosten selbst aufbringen sowie Ausgaben für Versicherun­gen, Kfz-Steuer und Sprit für seine Fahrten zahlen.

Sonderfall Steuerbefreiung

Nichts versteuern muss man für Monate, in denen man zum Beispiel durch eine Erkrankung fahruntüchtig ist. Das hat das Finanzgericht Düsseldorf mit Urteil vom 24. Januar 2017 (Az. 10 K 1932/16 E) rechtskräftig entschieden. Im Urteilsfall hatte ein Arbeitnehmer Ende Februar einen Hirnschlag erlitten und war erst Ende Juli wieder arbeitsfähig. Da die Nutzung des Autos aufgrund einer Vereinbarung mit dem Arbeitgeber bei schwerer Erkrankung nicht zulässig war, brauchte er für die vollen Monate März bis Juni keinen geldwerten Vorteil zu versteuern.

Biallo-Tipp: Das Urteil kann auch für Arbeitnehmer von Interesse sein, die aufgrund gesetzlicher Fahrverbote (Führerscheinentzug wegen Geschwindigkeitsüberschreitung oder Trunkenheit am Steuer) den Dienstwagen längere Zeit in der Garage stehen lassen müssen. Nutzt in dieser Zeit aber ein anderer Familienangehöriger den Wagen, muss der Nutzungsvorteil versteuert werden.

Fahrtenbuch richtig führen

Möchten Sie nachweisen, dass Sie den Wagen gar nicht oder nur wenig privat genutzt haben, geht das nur mit einem Fahrtenbuch. Das müssen Sie von Jahresbeginn an detailliert und genau führen. Zeichnen Sie zeitnah jede einzelne Fahrt auf. Unter anderem gilt, dass bei Betriebsfahrten Datum, Ziel, Zweck, Kilometerstand zu Beginn und Ende der Fahrt sowie die Namen der besuchten Kunden oder Geschäftspartner vermerkt sein müssen. Bei Privatfahrten reichen die gefahrenen Kilometer.

Der Arbeitgeber ermittelt dann anhand zweier Angaben den steuerpflichtigen Nutzungswert: Wie hoch waren die Gesamtkosten für das Fahrzeug und wie groß war der Anteil, der auf private Kilometer entfiel? Fahrtenbücher gibt es im Schreibwarenhandel. Sie dürfen auch elektronisch geführt werden, per Stick oder Smartphone-App. Die nachträgliche Änderung der Daten muss aber technisch ausgeschlossen sein. Eine Excel-­Liste oder besprochene Kassetten scheiden somit aus (FG Köln, Az. 10 K 33/15).

Elektro-Dienstwagen und Steuer

Wer sich bisher über seinen Arbeitgeber zu einem Elektro-Dienstwagen schlau machte, dem wurde schnell bewusst, dass das eine teure Angelegenheit wird. Schuld daran sind die hohen Anschaffungskosten im Vergleich zu einem konventionellen Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Denn der sogenannte Bruttolistenpreis bestimmt auch letztendlich den zu versteuernden Privatanteil des Firmenwagens.

Dank Förderung des Fiskus dürfen Sie die Anschaffungskosten für das Batteriesystem aus dem Listenpreis des Fahrzeugs herausrechnen. Bei Anschaffung in diesem Jahr ist ein Abschlag von 200 Euro pro Kilowattstunde (kWh) Batterieleistung möglich, die Kürzung ist auf einen Maximalbetrag von 7.500 Euro begrenzt. Die Pauschale pro kWh wird jedes Jahr um 50 Euro gesenkt, der Maximalbetrag schmilzt jährlich um 500 Euro. Das Programm endet am 31. Dezember 2022. Außerdem gilt seit Anfang 2017: Den Ladestrom vom Chef für Ihren Privat- oder Firmenwagen gibt es steuerfrei.

Mehr Steueranreiz ab 2019

Noch günstiger soll es ab dem 1. Januar 2019 werden, wenn die gesetzliche Besteuerung für E-Firmenwagen von 1,0 auf 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises reduziert wird. Diese Neuregelung wird zeitlich begrenzt sein und ist vorgesehen für reine Elektroautos (inklusive Brennstoffzellenantrieb) und von außen aufladbare Plug-in-Hybridfahrzeuge, die bis zum 31. Dezember 2021 gekauft oder geleast werden. Der halbierte Bruttolistenpreis soll auch für die 0,03-Prozent-Regel beim Arbeitsweg gelten. E-Bikes und generell Dienstfahrräder sind auch bei privater Nutzung fortan steuerbefreit.

Wichtig: "Bei extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen muss das Fahrzeug die Voraussetzungen des § 3 Absatz 2 Nummer 1 oder 2 des Elektromobilitätsgesetzes erfüllen." Das bedeutet, "dass das Fahrzeug

1. eine Kohlendioxidemission von höchstens 50 Gramm je gefahrenen Kilometer hat oder

2. dessen Reichweite unter ausschließlicher Nutzung der elektrischen Antriebsmaschine mindestens 40 Kilometer beträgt."

Der Bundesrat hat dem sogenannten Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen am 8. November zugestimmt. Am 23. November folgt die Abstimmung im Bundesrat.

Übrigens: Reine Elektrofahrzeuge (keine Hybridmodelle) werden bei Erstzulassung bis Ende 2020 zudem für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Das gilt rückwirkend auch für Erstzulassungen ab 18. Mai 2011 und umgerüstete Altfahrzeuge.

Einen weiterer Anreiz für die Elektromobilität bringt bis 30. Juni 2019 der von Bundesregierung und Industrie finanzierte Umweltbonus. Diese Kaufprämie wird in Höhe von 4.000 Euro für rein elektrische Fahrzeuge und in Höhe von 3.000 Euro für Plug-in-Hybride mit einem Listenpreis von unter 60.000 Euro gewährt. Der Rabatt mindert allerdings nicht den Bruttolistenpreis für die Lohnversteuerung, die Anschaffung für den Arbeitgeber wird jedoch günstiger. Details und weiterführende Informationen finden Sie direkt über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Biallo-Tipp: Wenn Sie Ihren Arbeitgeber bis 30. Juni 2019 davon überzeugen, ein Elektro-Fahrzeug anzuschaffen, streicht dieser die Umweltprämie in Höhe von bis zu 4.000 Euro ein und Sie zahlen nur die Hälfte an Steuern für den geldwerten Vorteil.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de