Steuer-Serie Teil 3

Steuererklärung 2019: Steuerabzug durch außergewöhnliche Belastungen

03.06.2020
Auf einen Blick
  • Außergewöhnliche Belastungen können steuermindernd geltend gemacht werden. Dazu gehören etwa Krankheits-, Kur- und Pflegeheimkosten.

  • Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Unwetterkatastrophen.

  • Diese Kosten sind in der neuen Anlage "Außergewöhnliche Belastungen" im Detail einzutragen.
Krakheit, Kur, Pflege & Co. Bei außergewöhnlichen Belastungen winken Steuererleichterungen.
Billion_Photos/shutterstock.com

Wie es der Name schon sagt – außergewöhnliche Belastungen haben Steuerzahler zumeist nicht jedes Jahr zu tragen. Auf dem neuen Formular Anlage Außergewöhnliche Belastungen lassen diese sich im Detail eintragen. Die abzugsfähigen Kosten können unterschiedlichster Art sein, für manches gibt es sogar ohne Kostennachweis einen Pauschbetrag vom Finanzamt.

Lesen Sie auch: Steuererklärung 2019 – Schritt für Schritt durch die Steuerformulare

Außergewöhnliche Belastungen

Behinderung

Menschen mit Handicap können wählen, ob sie die angefallenen Kosten per Beleg einzeln nachweisen wollen oder ohne Belege einfach den vom Fiskus angebotenen Pauschbetrag beanspruchen. So gibt es für Menschen mit Behinderung ab einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 25 Prozent den Behindertenpauschbetrag (Zeilen 4 bis 9). Die Höhe reicht von 310 Euro (bis zu 30 Prozent GdB) bis hin zu 1.420 Euro bei einem GdB von 100 Prozent. Dauerhaft hilflose Menschen oder Blinde bekommen sogar einen Freibetrag von 3.700 Euro eingeräumt.

Der Pauschbetrag wird als Jahresbetrag gewährt, auch wenn die Behinderung erst während des Jahres eintritt oder wegfällt. Als Nachweis dient ein Schwerbehindertenausweis oder ein Bescheid des zuständigen Versorgungsamtes.

  • Biallo-Tipp: Stellen Sie noch bis Jahresende für sich oder Ihren Angehörigen einen Antrag beim Versorgungsamt und sichern Sie sich damit rückwirkend den kompletten Steuervorteil für 2020 – auch wenn der Bescheid vom Amt vielleicht erst in 2021 im Briefkasten liegt.

Lesen Sie auch: Schwerbehinderung – Antrag stellen, viele Hilfen erhalten

Pflege-Pauschbetrag

Wer einen Angehörigen bei sich oder in dessen Wohnung pflegt, erhält einen Pflegepauschbetrag von 924 Euro (Zeile 11/12). Voraussetzung: Der Gepflegte hat mindestens Pflegegrad 4 oder ein "H" im Schwerbehindertenausweis und die Pflege erfolgt kostenlos – er darf nicht sein Pflegegeld weiterreichen, sonst wird der Pflegepauschbetrag gestrichen. Pflegekosten und Behindertenpauschbetrag lassen sich leider nicht miteinander kombinieren. Hier müssen Sie selbst genau rechnen, ob sie mit dem Pauschbetrag oder einem Einzelnachweis der Kosten besser fahren.

Lesen Sie auch: Wie pflegende Angehörige ihre Rente aufbessern

Krankheitskosten, Kuren & Co.

Krankheits- und Kurkosten gehören in die Zeile 13 bis 19. Zuzahlungen für ärztlich verordnete Medikamente, Zahnspangen und Zahnersatz sowie Hilfsmittel wie Brillen und Einlagen sind hier ebenfalls steuerlich absetzbar. Auch die Kosten für einen Treppenlift oder die Montage eines Handlaufs lassen sich absetzen (BFH-Urteil, VI R 61/12). Beiträge für ein Fitnessstudio lassen sich als Gesundheitskosten ohne konkrete ärztliche Verordnung allerdings nicht absetzen (Finanzgericht Köln, Urteil vom 30. Januar 2019, Az. 7 K 2297/17).

Der Eintrag in dieser Rubrik lohnt sich aber nur dann, wenn die Kosten hoch genug ausfielen und nicht von anderer Stelle ersetzt wurden. Denn je nach Einkommen und Familienstand sieht der Fiskus einen Eigenanteil (siehe Tabelle unten) vor, den Steuerzahler tragen müssen, bevor sich die Kosten steuermindernd auswirken. Erstattungen von anderer Seite, Beihilfen und Versicherungsleistungen müssen hier ebenfalls angegeben werden – unter dem Strich bieten damit nur die selbst getragenen Aufwendungen Steuersparpotential.

Lesen Sie auch: Altersgerecht Umbauen – Mit staatlicher Hilfe rechtzeitig vorsorgen

Musterprozesse: Vor dem BFH klagt ein Steuerzahler gegen den Zwangsabzug einer Selbstbeteiligung. Er sieht eine Ungleichbehandlung mit Beamten, die für vergleichbare Aufwendungen von ihrem Dienstherren eine steuerfreie Beihilfe erhalten (Az. VI R 18/19). Klären müssen die Richter außerdem, ob die aufgrund einer Zöliakie-Erkrankung der Tochter angefallenen Kosten einer ärztlich verordneten glutenfreien Ernährung steuerlich absetzbar sind (Az. VI R 48/18). In einem weiteren Verfahren werden die Richter entscheiden müssen, ob ein Paar die Kosten einer künstlichen Befruchtung im Ausland steuerlich geltend machen kann (Az. VI R 34/19).

Rechner wohnkredit
3
Wohnkredit
 
Anbieter
Monatliche Rate
eff. Zins
p.a.
mtl. Rate
 
 
1.
144,10 €
2,43 %
0,97 % - 2,43 %
144,10 €
2.
bundesweites Angebot
144,20 €
2,48 %
2,48 %
bonitätsabh.
144,20 €
3.
144,95 €
2,83 %
3,45 % - 9,81 %
144,95 €
Darlehensbetrag 5.000 €, Laufzeit 36 Monate

Opfer und Helfer von Brand- und Unwetterkatastrophen

Steuererleichterungen gibt es auch für Opfer und Helfer von Brand- und Unwetterkatastrophen. Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter angewiesen, die Ausgaben Geschädigter für die Reparaturen am Haus, und die Ersatzbeschaffung von Kleidung und Hausrat unbürokratisch als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen, auch wenn die Opfer keine Versicherung für Hausrat oder gegen Hochwasserschäden hatten. Normalerweise verlangt das Finanzamt eine Versicherung und nur Restkosten zählen dann bei der Steuer.

Seit 2013 will der Gesetzgeber den Steuerabzug für zivile Prozesskosten als außergewöhnliche Belastungen nicht mehr akzeptieren. Dies gilt nach aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes leider auch für die unumgänglichen Gerichts- und Anwaltskosten bei einer Scheidung (Urteile vom 18. Mai 2017, Az. VI R 66/14, 81/14 und 19/15).

Seniorenheim oder häusliche Pflege

Auch selbst getragene Aufwendungen für die eigene häusliche Pflege oder die Unterbringung in einem Senioren- oder Pflegeheim kann man selbst als Betroffener steuerlich unter der Rubrik Außergewöhnliche Belastungen (Zeile 14) in der jährlichen Steuererklärung dem Fiskus in Rechnung stellen. Die Heimunterbringung muss wegen einer Pflegebedürftigkeit, einer Behinderung oder Krankheit notwendig sein. Ein Heimaufenthalt allein aus Altersgründen ist steuerlich nicht absetzbar.

Soweit die Pflegekasse einen Pflegegrad festgestellt hat, gibt es beim Finanzamt keinerlei Probleme mit dem Steuerabzug. Kosten für einen krankheitsbedingten Aufenthalt im Pflegeheim zählen steuerlich auch ohne festgestellten Pflegegrad (BFH-Urteil vom 13. Oktober 2010, Az. VI R 38/09).

Lesen Sie auch: So punkten Pflegebedürftige bei der Begutachtung

Rechner festgeld
3
Festgeld
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
  210,00 €
1,05 %
2.
  150,00 €
0,75 %
3.
  140,00 €
0,70 %
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Das Finanzgericht Niedersachsen hat mit rechtskräftigem Urteil vom 19. April 2018 (Az. 11 K 212/17) entschieden, dass für die Unterbringung in einem Wohnstift maximal ein Betrag berücksichtigungsfähig ist, der rechnerisch auf eine übliche Wohnfläche von 30 Quadratmetern in einem Seniorenheim entfällt – an einer Luxusunterbringung beteiligt sich das Finanzamt also nicht. Erstattungen der Kranken- oder Pflegekasse oder Leistungen einer privaten Pflegezusatzversicherung müssen gegengerechnet werden (BFH-Urteil, Az. VI R 8/10).

Wurde für eine Heimunterbringung die eigene Wohnung aufgegeben, kürzt der Fiskus die absetzbaren Beträge um eine "Haushaltsersparnis" in Höhe des jeweils gültigen Grundfreibetrages für Ledige (2019: 9.168 Euro), weil der Pflegebedürftige ja auch private Kosten einspart. Sind beide Ehepartner gemeinsam in einem Pflegeheim untergebracht, berechnen die Finanzämter die Haushaltsersparnis sogar doppelt. Diese Praxis hat der BFH mit Urteil vom 4. Oktober 2017 (Az. VI R 22/16) sogar abgesegnet.

  • Biallo-Tipp: Lebt bei Ehegatten ein Partner im Heim, der andere aber noch in seiner Wohnung, darf das Finanzamt überhaupt keine Haushaltsersparnis abziehen.

Lesen Sie auch: Geld verdienen mit Senioren- und Pflegeimmobilien

Was viele auch nicht wissen: Soweit in diesem Kürzungsbetrag anteilige Aufwendungen für die Betreuung und Pflege enthalten sind, gibt es dafür eine zusätzliche Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen.

  • Biallo-Tipp:Damit nichts verloren geht, tragen Steuerzahler die Pflegekosten im Vordruck Anlage Außergewöhnliche Belastungen der Steuererklärung 2019 sowohl in Zeile 14 (außergewöhnliche Belastungen) als auch in Zeilen 20 bis 22 ein.

Auch Angehörige, die für einen Verwandten im Pflegeheim aufkommen müssen, können sich den Steuerabzug für außergewöhnliche Belastungen sichern (BMF-Schreiben vom 10. Januar 2014, Bundessteuerblatt 2014 Teil I Seite 75, Randnummer 10). Das gilt allerdings nur, wenn man direkt an das Pflegeheim bezahlt. Erstattet man dem Sozialamt die verauslagten Pflegekosten für einen Angehörigen, gibt es dafür nach einem Urteil des FG Baden-Württemberg vom 23. Dezember 2014 (Az. 6 K 2688/14) keine Steuerermäßigung. Als Nachweis verlangt das Finanzamt die Rechnungen des Seniorenheims sowie die Bescheinigung des Pflegegrades oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen H (hilflos) vor.

Lesen Sie auch: Elternunterhalt – Mehr Entlastung bei Pflegeheim-Kosten

Eigenanteil bei außergewöhnlichen Belastungen

Gesamtbetrag der Einkünfte

Bis 15.340 Euro

Bis 51.130 Euro

Über 51.130 Euro

Ledige ohne Kinder

5 %

6 %

7 %

Verheiratete ohne Kinder

4 %

5 %

6 %

Mit 1 oder 2 Kindern

2 %

3 %

4 %

Mit 3 oder mehr Kindern

1 %

1 %

2 %

Quelle: Einkommensteuergesetz; Stand: Mai 2020.

Lesen Sie auch: Steueränderungen 2020 – Die wichtigsten Neuerungen für Steuerzahler




  Michael Schreiber


 
Exklusive Informationen und Angebote per Mail erhalten.


 
 
 
Powered by Telsso Clouds