Gebrauchtwagenkauf: Welche Bezahlvariante ist am sichersten?

Ratgeber Gebrauchtwagenkauf: Welche Bezahlvariante ist am sichersten?

Ines Baur
von Ines Baur
14.02.2019
Auf einen Blick
  • Als sicherste Methode gilt nach wie vor die Barzahlung, gemäß dem Motto: Zug um Zug. 
  • Es gibt aber auch Alternativen: Etwa der klassische Bundesbankscheck oder Online-Bezahldienste wie Paypal oder Sicherbezahlen.de.

  • Auf keinen Fall sollten Käufer per Überweisung in Vorkasse gehen oder einen sogenannten Treuhandservice beanspruchen.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Wenn es um der Deutschen liebstes "Kind" - das Auto - geht, kauft die überwiegende Mehrheit "gebraucht". So stehen rund sieben Millionen Gebrauchtwagenkäufe pro Jahr "nur" etwa drei Millionen Neuwagenzulassungen im selben Zeitraum gegenüber.

Ist das Objekt der Begierde erst einmal ausgemacht, stellt sich die Frage nach der richtigen Bezahlmethode. Im folgenden Ratgeber finden Sie die Vor- und Nachteile der wichtigsten Zahlungsweisen.

Barzahlung, Überweisung oder Paypal

Barzahlung

Bei den meisten privaten Autokäufen wandert Bargeld von einer Hand in die andere. Auch die Initiative "Sicherer Autokauf im Internet" – ein Zusammenschluss von ADAC, mobile.de, Autoscout 24 und der Kriminalprävention der Polizei – empfiehlt grundsätzlich die Barzahlung. Um böse Überraschungen auszuschließen, sollten:

  • Käufer und Verkäufer zuerst den schriftlichen Kaufvertrag unterzeichnen,

  • Geld, Kfz, Fahrzeugschlüssel und Fahrzeugpapiere Zug um Zug übergeben werden,

  • Käufer keinen einsamen Übergabeort wählen und das Geschäft keinesfalls alleine abwickeln,

  • Käufer und Verkäufer sich zur Fahrzeug- und Geldübergabe beispielsweise auf dem Parkplatz einer Bank treffen.

Treffpunkt Bank: Sind Sie sich einig und möchten das Geschäft abschließen, gehen Sie einfach gemeinsam in die Bank zum Geldabheben. Der Abnehmer geht kein Risiko ein, bestohlen zu werden. Der Verkäufer kann sich darauf verlassen, dass er kein Falschgeld untergeschoben bekommt.

Wichtig: Vergessen Sie nicht, höhere Geldsummen bei der Bank vorzubestellen und achten Sie auf die Öffnungszeiten.

Überweisung

Den Kaufpreis vor der Übergabe des Gebrauchtwagens zu überweisen, ist bequem und einfach. Allerdings bedeutet eine Überweisung gleichzeitig auch, dass Sie in Vorleistung gehen. Nicht nur besteht die Gefahr, dass sich der angebliche Verkäufer mit dem Geld aus dem Staub macht. Entdecken Sie bei der Übergabe Mängel am Fahrzeug, gestaltet sich das Nachverhandeln in der Regel schwierig. Denn Ihre Verhandlungsposition ist schlecht, um einen Preisnachlass auszuhandeln. Andererseits: Auf eine Überweisung nach der Fahrzeugübergabe wird sich kaum ein Verkäufer einlassen.

  • Fazit: Überweisungen sind beim Gebrauchtwagenkauf keine empfehlenswerte Zahlungsmethode.

Bargeldtransfer

Falls Sie Ihr Auto über das Internet kaufen möchten, steht es oft nicht in der Nachbarschaft, sondern etwas entfernt von Ihrem Wohnort. Eventuell sogar im Ausland. Schneller als die Auslandsüberweisung funktioniert der Bargeldtransfer.

Unternehmen wie Money Gram, Azimo oder Western Union bieten diesen Service an. So funktioniert er: Der Käufer zahlt in der Filiale A Bargeld ein, der Verkäufer bekommt es in der Filiale B ausbezahlt.

Vorteil: Sie können Ihr Geld schnell und relativ unkompliziert bewegen. Nachteil: Die Unternehmen lassen sich den Dienst des schnellen Transfers gut bezahlen. Wie viel eine Transaktion kostet, hängt von mehreren Faktoren ab und variiert enorm. Die Gesamtgebühren – bezogen auf den transferierten Geldbetrag – belaufen sich auf bis zu 15 Prozent.

Die Weltbank mahnt die Unternehmen immer wieder, die Abschläge auf maximal fünf Prozent des Transferbetrags zu beschränken – doch leider halten sich nur vereinzelt Anbieter an diese Forderung.

Auf der Homepage der Weltbank oder bei www.geldtransfair.de können Sie sich über Anbieter und Gebühren informieren.

  • Fazit: Ihr Geld landet mit dieser Methode schnell bei einem Empfänger im Ausland – ist aber endgültig weg, sobald es abgehoben wurde. Grundsätzlich tragen Sie hier das gleiche Sicherheitsrisiko wie bei der Überweisung.

Bestätigte Bundesbankscheck

Eine Alternative zum Bezahlen mit Bargeld können Bundesbankschecks sein. Hierbei bucht Ihre Bank den Geldbetrag direkt vom Konto ab und stellt ihn auf einem Zwischenkonto der Bundesbank bereit. Anders als bei Verrechnungsschecks hat der Verkäufer so die Sicherheit, dass der Scheck gedeckt ist.

Sie überreichen den Bundesbankscheck wie Bargeld direkt bei der Fahrzeugübergabe. Im Falle eines Diebstahls können Sie ihn sperren lassen. Auch bei einigen Direktbanken erhalten Sie Bundesbankschecks. Allerdings können Gebühren anfallen. Bei der DKB beispielsweise kostet das Ausstellen von Bundesbankschecks 30 Euro pro Stück.

Paypal

Gerade beim An- und Verkauf gebrauchter Waren erfreut sich der Online-Bezahldienst Paypal großer Beliebtheit. Doch aufgepasst: Das Internet-Unternehmen schließt motorisierte Fahrzeuge explizit vom Käufer- und Verkäuferschutz aus.

Treuhandservice, Spedition, Reederei

Den Gebrauchtwagen über einen Treuhandservice zu bezahlen – das klingt nach einer guten Lösung für Käufer und Verkäufer. Der Käufer zahlt dabei das Geld an den Treuhandservice, der es weiterreicht, wenn das Auto ordnungsgemäß übergeben wurde.

So geht der Verkäufer sicher, dass er sein Geld bekommt, und der Käufer, dass er das Auto erhält. Aber auch hier kommt es immer wieder zu Betrugsfällen mit angeblichen Treuhandservices, Speditionen oder Reedereien, über die die Zahlung erfolgen soll. Auch wenn ihr Internetauftritt seriös wirkt, heißt das nicht, dass eine Firma tatsächlich existiert.

Oder aber der Name eines bekannten Unternehmens wird für Betrügereien missbraucht. Haben Sie den Kaufpreis überwiesen, herrscht Funkstille und Sie erhalten weder den Gebrauchtwagen noch das Geld zurück. Autoscout 24 warnt auf seiner Internetseite: "Autoportale und Automobilclubs bieten grundsätzlich keinen Treuhandservice an". Und man solle sich nie auf unbekannte Mittler einlassen.

Sicherbezahlen.de

Mit dem Dienstleister "Sicherbezahlen.de" (vormals Easy Car Pay) bezahlen Sie Ihren Gebrauchtwagen über Ihr Smartphone. Der Bezahldienst hat sich auf die vielfältigen Erfordernisse beim Pkw-Kauf spezialisiert. Der TÜV-Saarland hat diese Methode als "Geprüftes Zahlungssystem" zertifiziert. Und so funktioniert es:

  • Registrieren Sie sich auf Sicherbezahlen.de. Die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsprüfung läuft über das sogenannte Video-Ident-Verfahren per Mobiltelefon oder Computer.
  • Die Vertragspartner senden über die App dem jeweils anderen ein Zahlungsangebot für das Fahrzeug.
  • Der Käufer sendet den Zahlbetrag mit einer Sepa-Sofortüberweisung, Online-Überweisung oder Giropay auf das Konto der Partnerbank von Sicherbezahlen. Der Verkäufer erhält die Mitteilung direkt als SMS und erkennt die Kaufabsicht.
  • Sind sich die Parteien einig, fordert der Käufer über ein Smartphone oder PC bei Sicherbezahlen.de eine mTAN an. Diese erhält er umgehend als SMS. Nun muss er nur noch die TAN-Nummer eingeben und der Verkäufer erhält das Geld. Der Gebrauchtwagen geht risikolos in den Besitz des neuen Eigentümers über. Je nach Kaufpreis fallen Kosten zwischen zehn bis maximal 100 Euro an.

Autokredit bei Gebrauchtwagenkauf

Haben Sie das richtige Fahrzeug gefunden, geht es an die Finanzierung. Nicht jeder hat das nötige Kleingeld, um einen Wagen komplett aus eigener Tasche zu bezahlen. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass etwa 30 Prozent aller Käufer ihren Gebrauchtwagen mit einem Kredit finanzieren. Bei Neuwagen sind es sogar mehr als 40 Prozent.

Sie haben die Möglichkeit, Ihren Wagen über einen Ratenkredit oder einen Autokredit zu finanzieren. Dabei sind Autokredite meist günstiger, denn sie sind zweckgebundene Darlehen. Das heißt: Der Kredit muss dann auch für den Kauf eines Autos verwendet werden. Und nach dem Kauf stimmen Sie einer "Sicherheitsübereignung" zu. Damit gehört das Auto – rein rechtlich – für die Zeit der Finanzierung der Bank.

Vorteil des Autokredits

Sie treten gegenüber dem Händler als Barzahler auf und können einen zusätzlichen Rabatt oder Extras aushandeln.

Achtung: Manche Anbieter machen gerade beim Gebrauchtwagenkauf das Alter des Fahrzeugs von der Kreditvergabe abhängig. Fragen Sie unbedingt vor dem Kauf bei der Bank nach, ob sie das Fahrzeug als Sicherheit akzeptiert

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
eff. Zins
p.a.
mtl. Rate
 
 
1.
441,38
2,89%
441,38
2.
441,64
2,92%
0,97% - 2,92%
441,64
3.
441,90
2,95%
2,45% - 2,95%
441,90
Darlehensbetrag 20.000 €, Laufzeit 48 Monate

Egal für welche Kauf-Methode Sie sich entscheiden, prüfen Sie das Kfz genau!

Haben Sie selbst nicht allzu viel Ahnung von Autos, können Sie den Wagen von einer Werkstatt, einem ADAC-Prüfzentrum oder einem Fachmann begutachten lassen. Ein seriöser Verkäufer dürfte damit kein Problem haben. Falls doch, sollten Sie sich nach einem anderen Fahrzeug umsehen. Möchten Sie das Auto selber in Augenschein nehmen, sollten Sie den Wagen auf Herz und Nieren, Motor und Karosserie testen.

Versicherungen und Zulassung

Bevor Sie mit Ihrem neu erworbenen Fahrzeug losfahren können, stehen noch zwei wichtige Punkte an: Versicherung und Zulassungsstelle. Folgende Dokumente brauchen Sie, um in Deutschland ein Kfz zuzulassen:

  • Fahrzeugbrief

  • Gültiger Personalausweis / Reisepass

  • Ist das Auto älter als drei Jahre: Nachweis der gültigen Hauptuntersuchung

  • Ggf. EWG-Übereinstimmungs-Bescheinigung

  • eVB-Nummer (die elektronische Versicherungsbestätigung Ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung)

  • Bei Minderjährigen: Schriftliche Einverständniserklärung der Eltern, Ausweisdokumente des Minderjährigen und der Eltern bzw. des Vormundes

  • Bei Vereinen: Auszug aus dem Vereinsregister

  • Bei Firmen: Gewerbeanmeldung oder Handelsregisterauszug
Ihre Meinung ist uns wichtig
Ines Baur
Ines Baur
Autorin
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Artikel kommentieren
Ines Baur
Ines Baur
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Ines Baur
Ines Baur
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de