Vorsorge-Plattform Afilio: "Wir erhalten viele positive Rückmeldungen"

Interview Vorsorge-Plattform Afilio: "Wir erhalten viele positive Rückmeldungen"

Annette Jäger
von Annette Jäger
10.10.2018
Auf einen Blick
  • Sie wollen selbst entscheiden, wer sich im Notfall um Ihre Kinder sorgt oder Ihre Finanzen regelt? Dann müssen Sie entsprechende Vorsorgeregelungen treffen. Online-Plattformen unterstützen dabei fachlich und rechtssicher. 

  • Im Interview mit Afilio-Gründer Philip Harms erfahren Sie, was ein solches Vorsorge-Online-Angebot kosten kann, wie es in puncto Datenschutz aussieht und wo die Grenzen zur Rechtsberatung liegen.
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Vorsorgen ist gut – aber meistens lästig. Die Hürde, eine Patientenverfügung, eine Vorsorgevollmacht oder ein Testament zu verfassen, ist groß. Online-Dienste versprechen Hilfe: "Vorsorge leicht gemacht" heißt das Motto von Anbieter Afilio (www.afilio.de). Der Online-Dienst stellt Vorlagen für Vorsorgedokumente zur Verfügung und verspricht Beratung für individuelle Lösungen. Auch Smartlaw, Prevago und Janolaw gehören zu den Online-Anbietern. Biallo-Autorin Annette Jäger hat mit Philip Harms, einem der drei Gründer von Afilio, gesprochen.

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Herr Harms, was bietet die Plattform Afilio genau an?

Philip Harms: Wir sind seit Anfang 2018 online. Im Moment findet der Nutzer auf Afilio Vorlagen zu acht Vorsorgedokumenten: für eine Vorsorgevollmacht, ein Testament, Betreuungs-, Patienten-, Pflege-, Bestattungs- und Sorgerechtsverfügungen und er kann einen Notfallplan erstellen. Das ist eine Anleitung für Angehörige, wo sie im Notfall Ansprechpartner und persönliche Dokumente finden. Die Nutzer registrieren sich bei uns und können ihre Dokumente gebündelt und übersichtlich auf der Plattform verwalten. Sie haben jederzeit Zugriff und können sie aktualisieren. Wir bieten zudem an, die Dokumente bei der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen. So können im Notfall Behörden oder Gerichte schnell feststellen, ob die Wünsche des Betroffenen dokumentiert sind.

Vorlagen für Dokumente finden Verbraucher auch anderweitig im Internet. Welchen Mehrwert bietet Afilio an?

Harms: Bislang gibt es die Möglichkeit, Vorsorgedokumente entweder beim Anwalt und Notar zu erstellen oder Ankreuz-Formulare im Internet zu nutzen. Afilio steht genau dazwischen. Wir bieten zu den Vorlagen unterstützendes Material an. Wer etwa eine Patientenverfügung ausfüllt, findet erklärende Texte zu jeder Frage und Antwort. Es werden zudem Fachbegriffe erklärt, zum Beispiel das sogenannte "Locked-In-Syndrom" – wer weiß als Laie schon, was das ist? In einer Patientenverfügung ist es aber von Bedeutung. Oder wir erläutern beim Testament Begriffe wie Vor- und Nacherbschaft oder wie die gesetzliche Erbfolge funktioniert.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Trotzdem sind die Vorlagen für ein breites Nutzerspektrum erstellt – wie können da individuelle Situationen und Wünsche erfasst werden?

Harms: Die Fragen bauen intelligent aufeinander auf. Es wird zum Beispiel auch die Familiensituation abgefragt, was dann in den folgenden Fragen berücksichtigt wird. Unsere Vorlagen haben wir gemeinsam mit einer Partnerkanzlei erarbeitet und die Patientenverfügung zusammen mit einem Professor an der Universitätsklinik Charité in Berlin. Gerade bei unseren Patientenverfügungen erhalten wir viele positive Rückmeldungen, auch von Hausärzten. Die Nutzer können sich das Dokument ausdrucken und damit zu ihrem Hausarzt gehen, sich beraten lassen und dann die Patientenverfügung gegebenenfalls nochmal ändern.

Gerade bei Testamenten ist nicht selten eine professionelle Rechtsberatung zu empfehlen oder eine Beurkundung durch einen Notar nötig. Wo sind die Grenzen von Afilio?

Harms: Testamente sind in der Tat oft sehr komplex, gerade bei Patchwork-Familien oder bei Unternehmensnachfolgen. Darauf weisen wir auch hin. In solchen Fällen bieten wir an, einen Anwalt zu vermitteln – zum Festpreis. Ansonsten kann man eine Unterschrift auch bei einer Behörde beglaubigen lassen, dazu muss man nicht zwingend zum Notar.

Was kostet die Nutzung des Angebots?

Harms: Das Angebot ist kostenlos, wer möchte, zahlt einen freiwilligen Betrag, meist sind das 40 Euro aufwärts. Es mag erstaunlich klingen, aber das funktioniert! Sollte der Nutzer das Angebot kostenlos wünschen, verlangen wir neun Euro, wenn er die Dokumente ausgedruckt per Post zugesendet haben möchte. Die optionale Registrierung bei der Bundesnotarkammer in Kombination mit unserem Rechtsradar, das Nutzer bei Rechtsänderungen informiert, kostet zudem 20 Euro im Jahr.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Die Nutzer geben ja sehr viel persönliche Informationen preis. Bei der jüngsten Untersuchung von Finanztest wurde dieser Punkt bei Afilio als "kritisch" bewertet, auch wenn Sie als Testsieger mit dem Gesamturteil "Gut" abgeschnitten haben.

Harms: Zunächst gibt es bei uns keinen physischen Server, auf den sich jemand von außen Zugriff verschaffen könnte. Wir haben seit April eine externe Datenschutzbeauftragte, die prüft, dass wir den Datenschutz umsetzen. Über die Bewertung bei Finanztest waren wir sehr verwundert. Wir nutzen sogenannte Cookies, die uns Auskunft darüber geben, wie oft und wie lange unsere Kunden auf unserer Website verweilen. Das hat Finanztest kritisch beurteilt. Wer seine Daten bei Afilio löschen möchte, kann das über einen roten Knopf in seinem Account machen. Das ist ganz transparent. Und die unterschriebenen Originale der Dokumente bewahren wir nicht auf – das muss der Nutzer selbst machen.

Herr Harms, vielen Dank für das Gespräch.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de