Photovoltaik: Kraftwerke auf dem Dach lohnen sich

Erneuerbare Energie Photovoltaik: Kraftwerke auf dem Dach lohnen sich

von Matthias Kutzscher
26.09.2019
Auf einen Blick
  • Obwohl die sogenannte Einspeisevergütung sinkt und die Kosten für Solarmodule, Wechselrichter, Kabel, Zähler und Montage 2019 stabil sind, lohnt sich das Kraftwerk auf dem Dach.

  • Photovoltaik bietet nicht nur grüne Energie, sondern auch eine attraktive Rendite zwischen knapp drei und fünf Prozent.
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Jeden Monat werden in Deutschland rund 6.000 neue Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen installiert. Alleine in den ersten sechs Monaten 2019 kamen laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) über 32.000 Photovoltaik-Anlagen der sogenannten Eigenheimklasse mit einer Leistung bis zehn Kilowatt hinzu. Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen schätzt, dass "bis Ende 2019 etwa 80.000 Solaranlagen zugebaut werden".

Photovoltaik-Anlagen speisten im ersten Halbjahr 2019 rund 25,1 Milliarden Kilowattstunden (kWh) in das öffentliche Netz ein. Das entspricht mehr als acht Prozent der Nettostromerzeugung. Ein Höhepunkt war der 29. Juni 2019 um 13 Uhr: Zu diesem Zeitpunkt kamen nach Angaben des Fraunhofer-Instituts 52,4 Prozent der gesamten Stromerzeugung hierzulande aus Photovoltaik.

Der rasche Zubau wird vom Umweltbewusstsein sowie vom Gewinnkalkül getrieben. "Denn kleine Anlagen auf dem Dach können durchaus rentable Investments sein", sagt Verbraucherschützer Seltmann. Photovoltaik sei sicher keine "Lizenz zum Gelddrucken", meint der Experte. "Aber richtig geplant, entstehen interessante Renditen."

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Renditen bis 4,7 Prozent möglich

Aufgrund des starken Ausbaus sinkt die Einspeisevergütung derzeit zwar um 1,4 Prozent pro Monat; und auch die Anlagenpreise sind 2019 relativ stabil. Doch eine aktuelle Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin kommt zum Ergebnis: Für neue Anlagen sind Renditen von 2,8 bis 4,7 Prozent drin. "Verbraucher müssen drei Dinge beachten. Die richtige Größe der Anlage, eine gute Qualität der Komponenten sowie einen guten Preis für Solarmodule, Wechselrichter, Kabel, Zähler und Montage", erläutert Seltmann.

Laut HTW-Studie sollten Eigenheimbesitzer die Leistung ihrer Photovoltaikanlage allerdings nicht am Stromverbrauch des Haushalts ausrichten, sondern ihr Dach voll nutzen. Liege ein Teil unnötig brach, schreiben die Autoren, würde das die Wirtschaftlichkeit der Anlage schmälern. Demnach stellt sich auch das Überschreiten der Zehn-Kilowattgrenze als wirtschaftlich dar – und zwar trotz der dann anfallender EEG-Umlage auf selbst verbrauchten Strom. Anders formuliert: Trotz dieser Abgabe, die ab 10.000 Kilowattstunden (kWh) Jahresertrag gezahlt werden muss, sind neue PV-Anlagen für Betreiber wirtschaftlich.

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Starke Differenz bei Anlagenpreisen

Besonders intensiv müssen Verbraucher die Anlagenpreise vergleichen. Diese driften angesichts der starken Nachfrage offenbar weit auseinander. "Die Anbieter scheinen derzeit recht kreativ zu sein. Die Spannbreite der Preise ist extrem groß", so der Verbraucherschützer aus NRW.

Das bestätigt die Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, für die 2.500 Angebote privater Nutzer ausgewertet wurden. Dabei zeigte sich, dass für kleine Anlagen mit einer Leistung bis vier Kilowatt-Peak (kWp) 2018 sogar mehr bezahlt werden musste als 2017 – im Schnitt 1.854 Euro brutto pro kWp. Die Installation einer Zehn-kWp-Anlage war mit 1.568 Euro pro kWp jedoch 1,5 Prozent günstiger als im Jahr davor. Kilowatt-Peak gibt die durchschnittliche Leistung einer Solaranlage an. 

Wichtig: der hohe Eigenverbrauch

Wie viel Gewinn eine Solaranlage tatsächlich abwirft, hängt allerdings von einer Reihe von Faktoren ab. Neben den Anschaffungskosten und dem zu erwartenden Stromertrag sind das vor allem der Eigenverbrauchsanteil, die Strompreis-Entwicklung, der Finanzierungsaufwand, die Betriebsausgaben sowie steuerliche Aspekte.

  • Für den Stromertrag gilt: Je mehr Sonne auf die PV-Module strahlt, desto besser ist es. Optimal ist eine Ausrichtung nach Süden und eine Dachneigung von dreißig Grad. Zudem sollten Kraftwerke eher größer dimensioniert sein, da die relativ günstigeren Anlagekosten mehr Rendite aus der Einspeisung bringen.

  • Beim Eigenverbrauch ist zu beachten: Selbst produzierter Solarstrom kostet derzeit zwischen neun und elf Cent je kWh. Diese sogenannten Gestehungskosten liegen ein bis drei Cent unter der staatlichen Einspeisevergütung Ende 2019. Wer Strom aus dem Netz bezieht, muss derzeit rund 25 bis 27 Cent je kWh ohne Grundgebühren überweisen. Der Eigenverbrauchsanteil bestimmt also ganz wesentlich die Wirtschaftlichkeit der Anlage.

  • Nicht auf hohe Strompreise setzen: Je teurer Elektrizität vom Stadtwerk ist, desto rentabler wird die private Stromproduktion. Wohin die Preise tendieren, ist aber spekulativ. In den letzten fünf Jahren waren die Strompreise hierzulande konstant, über die letzten 20 Jahre gerechnet sind sie um zwei Prozent per annum gestiegen. Bei der Renditeberechnung einer neuen Solaranlage sollte der Strompreis daher mit einer Steigerung von einem Prozent pro Jahr in der nächsten Dekade realistisch angesetzt werden.

  • Finanzierung durch KfW-Bank bedenken: Wer eine Solaranlage nicht aus Rücklagen bezahlen kann, muss einen Kredit aufnehmen. Die Förderbank KfW bietet interessante Angebote für kleine PV-Kraftwerke und Speicher. Die Konditionen liegen derzeit ab 1,00 Prozent effektivem Jahreszins bei fünf Jahren Bindung. Für Anlagen mit Speicher gewährt die KfW zudem einen Tilgungszuschuss.

  • Betriebsausgaben genau aufschlüsseln: Mit der Installation einer Anlage auf dem Dach des Eigenheims ist es natürlich nicht getan. Versicherung, Wartung, Reparaturen müssen eingerechnet werden. "Mit Betriebskosten von rund 150 bis 200 Euro per Annum muss bei Anlagen bis 20 kWp gerechnet werden", sagt Energie-Experte Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW.

  • Beim Finanzamt als Kleinunternehmer anmelden: Wer eine Solarstrom-Anlage betreibt und den Strom nicht vollständig selbst verbraucht, muss in der Regel Steuern zahlen. Denn der Fiskus stuft das Einspeisen gegen Vergütung als unternehmerische Tätigkeit ein. Ob und wie viel gezahlt werden muss, hängt vom Einkommen ab. Bis zu jährlichen Einnahmen von 17.500 Euro können sich Betreiber als Kleinunternehmer anmelden. Dann bleibt man von der Umsatzsteuer befreit. Auf jeden Fall lohnt das Gespräch mit einem Steuerberater. Denn die Regelungen für Umsatzsteuer, Einkommensteuer auf Überschüsse oder auch die Verrechnung mit anderen Einkünften erfordern Fachwissen.

Solarstrom ist lukrativ

Die wirtschaftlichen Vorteile von kleinen Solaranlagen haben sich herumgesprochen. Es gilt allerdings: Je schneller die Anlage auf dem Dach installiert wird, desto besser. Die Streichung des Solardach-Deckels ist zwar offenbar in den Klimaschutz-Verhandlungen der Regierungsparteien Mitte September 2019 beschlossen worden. Doch die Einspeisevergütungen werden aufgrund des beständigen PV-Zubaus auch 2020 weiter sinken.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de