Photovoltaik: Kraftwerke auf dem Dach lohnen sich

Erneuerbare Energie Photovoltaik: Kraftwerke auf dem Dach lohnen sich

von Matthias Kutzscher
12.09.2018
Auf einen Blick
  • Während die sogenannte Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren konstant geblieben ist, rutschten die Kosten für Solarmodule, Wechselrichter, Kabel, Zähler und Montage in den Keller.
  • Photovoltaik bietet nicht nur grüne Energie, sondern auch eine attraktive Rendite.
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Jeden Monat werden in Deutschland knapp 5.000 neue Photovoltaik-Anlagen auf Eigenheimen installiert. Allein im Jahr 2017 kamen laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) über 56.000 kleine Kraftwerke mit einer Leistung bis zehn Kilowatt hinzu. Insgesamt liefern derzeit circa 1,67 Millionen Photovoltaik-Anlagen (aller Leistungsklassen) bei uns Elektrizität aus Sonnenkraft. Alle PV-Anlagen in Deutschland haben 2017 fast 40 Milliarden Kilowattstunden erzeugt und damit einen Anteil an der Bruttostromerzeugung von gut sechs Prozent.

Der rasche Zubau von Privatleuten wird dabei weniger von Umweltbewusstsein als Gewinnkalkül getrieben. "Denn kleine Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach sind rentable Investments", sagt Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW.

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Kosten erheblich gefallen

Vor allem die stark gesunkenen Preise für Anlagen machen die Photovoltaik (PV) für Hausbesitzer interessant: Während die sogenannte Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben ist, rutschten die Kosten für Solarmodule, Wechselrichter, Kabel, Zähler und Montage in den Keller.

"Der durchschnittliche Preis pro Kilowatt-Peak liegt derzeit bei 1.200 bis 1.400 Euro inklusive Installation", bestätigt Franz Pöter, Geschäftsführer des Solar Cluster Baden-Württemberg. Anlagen auf Einfamilienhäusern, die in der Regel eine Leistung von fünf bis zehn Kilowatt (kW) haben, sind heute also schon für 6.000 bis 14.000 Euro zu haben. Noch vor sechs Jahren musste mit dem Doppelten kalkuliert werden.

Rendite von mehr als fünf Prozent möglich

Angesichts der niedrigen Anlagenpreise kommt Jörg Sahr zum Ergebnis: "In den kommenden zwanzig Jahren haben Hauseigentümer gute Chancen, eine Rendite von mehr als fünf Prozent zu erzielen. Unter optimalen Bedingungen kann sie sogar zweistellig ausfallen", schreibt der Experte in einem Beitrag für das Magazin Finanztest.

Ausgaben und Stromertrag werden immer auf zwei Jahrzehnte umgerechnet, da der Staat für diese Zeit eine Einspeisevergütung für den nicht selbst genutzten Strom garantiert. Sie liegt derzeit für Dachanlagen bis zehn Kilowatt-Peak (kWp) bei 11,95 Cent je Kilowattstunde (kWh).

Wichtig: der hohe Eigenverbrauch

Wie viel Gewinn eine Solaranlage tatsächlich abwirft, hängt allerdings von einer Reihe von Faktoren ab. Neben den Anschaffungskosten und dem zu erwartenden Stromertrag sind das vor allem der Eigenverbrauchsanteil, die Strompreis-Entwicklung, der Finanzierungsaufwand, die Betriebsausgaben sowie steuerliche Aspekte.

  • Für den Stromertrag gilt: Je mehr Sonne auf die PV-Module strahlt, desto besser ist es. Optimal ist eine Ausrichtung nach Süden und eine Dachneigung von dreißig Grad. Zudem sollten Kraftwerke eher größer dimensioniert sein, da die relativ günstigeren Anlagekosten mehr Rendite aus der Einspeisung bringen.

  • Beim Eigenverbrauch ist zu beachten: Selbst produzierter Solarstrom kostet zwischen neun und elf Cent je kWh. Diese sogenannten Gestehungskosten liegen ein bis drei Cent unter der staatlichen Einspeisevergütung. Wer Strom aus dem Netz bezieht, muss derzeit rund 25 bis 27 Cent je kWh ohne Grundgebühren überweisen. Der Eigenverbrauchsanteil bestimmt also ganz wesentlich die Wirtschaftlichkeit der Anlage.

  • Stromspeicher sehr gefragt: Da Solaranlagen im Sommer und Winter, tagsüber und nachts unregelmäßig Strom erzeugen, lassen sich auch nur etwa dreißig Prozent selbst nutzen. Mit Solarstromspeichern kann der Wert deutlich erhöht werden und immer mehr Haushalte speichern ihren selbst erzeugten Solarstrom, um ihn rund um die Uhr nutzen zu können. "Wir gehen davon aus, dass der Markt für Solarstromspeicher dieses Jahr im zweistelligen Bereich wachsen wird", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Auch die hohen Kosten haben sich für Stromspeicher in den letzten vier Jahren halbiert. Man sollte sich aber dennoch nach einer Förderung erkundigen. Länder wie Baden-Württemberg oder auch NRW gewähren Zuschüsse für Speicher.

  • Nicht auf hohe Strompreise setzen: Je teurer Elektrizität vom Stadtwerk ist, desto rentabler wird die private Stromproduktion. Wohin die Preise tendieren, ist aber spekulativ. In den letzten fünf Jahren waren die Strompreise hierzulande konstant, über die letzten 20 Jahre gerechnet sind sie um zwei Prozent per annum gestiegen. Bei der Renditeberechnung einer neuen Solaranlage sollte der Strompreis daher mit einer Steigerung von einem Prozent pro Jahr in der nächsten Dekade realistisch angesetzt werden.

  • Finanzierung durch KfW-Bank bedenken: Wer eine Solaranlage nicht aus Rücklagen bezahlen kann, muss einen Kredit aufnehmen. Die Förderbank KfW bietet interessante Angebote für kleine PV-Kraftwerke und Speicher. Die Konditionen liegen derzeit ab 1,00 Prozent effektivem Jahreszins bei fünf Jahren Bindung. Für Anlagen mit Speicher gewährt die KfW zudem einen Tilgungszuschuss.

  • Betriebsausgaben genau aufschlüsseln: Mit der Installation einer Anlage auf dem Dach des Eigenheims ist es natürlich nicht getan. Versicherung, Wartung, Reparaturen müssen eingerechnet werden. Mit Betriebskosten von rund 180 Euro muss bei einer Anlage mit fünf kWp gerechnet werden. Wird die Leistung auf zehn kWp erhöht, ist der Aufwand entsprechend höher.

  • Beim Finanzamt als Kleinunternehmer anmelden: Wer eine Solarstrom-Anlage betreibt und den Strom nicht vollständig selbst verbraucht, muss in der Regel Steuern zahlen. Denn der Fiskus stuft das Einspeisen gegen Vergütung als unternehmerische Tätigkeit ein. Ob und wie viel gezahlt werden muss, hängt vom Einkommen ab. Bis zu jährlichen Einnahmen von 17.500 Euro können sich Betreiber als Kleinunternehmer anmelden. Dann bleibt man von der Umsatzsteuer befreit. Auf jeden Fall lohnt das Gespräch mit einem Steuerberater. Denn die Regelungen für Umsatzsteuer, Einkommensteuer auf Überschüsse oder auch die Verrechnung mit anderen Einkünften erfordern Fachwissen.
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Solarstrom ist lukrativ

Die wirtschaftlichen Vorteile von kleinen Solaranlagen bis zehn kWh haben sich herumgesprochen. "In den ersten drei Monaten 2018 konnten wir eine um 65 Prozent höhere Nachfrage bei privaten Verbrauchern beobachten als im Vorjahreszeitraum", bestätigt Carsten Körnig vom BSW-Solar.

Selbst bei einer Volleinspeisung ins Netz sind laut Finanztest noch Renditen von zwei Prozent möglich. Werden 25 Prozent verbraucht, springt den Experten zufolge die Rendite je nach Strompreisentwicklung gleich auf bis zu 7,6 Prozent. Und das ist deutlich mehr, als die meisten Kapitalanlagen derzeit erwirtschaften.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de