Auf einen Blick
  • Bye-bye Bargeld: Heutzutage zücken Verbraucher und Verbraucherinnen beim Bezahlen immer öfter die Karte oder das Smartphone. 

  • Kontaktlose Transaktionen beispielsweise von Visa steigen im Coronajahr in Deutschland um 40 Prozent – europaweit sogar um 80 Prozent.

  • Banken rüsten ihr Angebot an NFC-Bezahlkarten aus. Eine nachhaltig orientierte Variante bietet seit Kurzem die Hypovereinsbank mit der HVB Visa Debit Card.

  • Ob „Tap-to-Phone“ oder kontaktloses Ticketing: Auch Händler und Unternehmen profitieren von Neuerungen im bargeldlosen Zahlungsverkehr.

  • Für die Verbraucherzentrale gilt das Mobile Payment mit NFC als relativ sicher, wenn Verbraucher ein paar Dinge beachten.

Bezahlen ohne Bargeld: Bei kleineren Beträgen funktioniert das praktisch im Vorbeilaufen.
Poptika / Shutterstock.com

Nur elf Sekunden im Schnitt benötigt das kontaktlose Zahlen an der Kasse laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). So ist es in Zeiten des Coronavirus eine komfortable und allen voran hygienische Sache. Da nämlich beim kontaktlosen Bezahlen Käufer ihre Geldkarten nicht in ein Lesegerät stecken und eine PIN eingeben müssen. Es genügt, einfach nur die Karte an das Terminal zu halten. Generell wird erst ab einer Summe von 50 Euro eine PIN-Eingabe erforderlich.


Aktuelles

Visa hat im Zeitraum von Mai bis Juni 2020 rund 1.800 deutsche Verbraucher und Verbraucherinnen zum kontaktlosen und mobilen Bezahlen befragt und das Nutzungsverhalten von Mobilzahlern untersucht. Ergebnis: Mittlerweile zahlen bis zu 75 Prozent der Deutschen kontaktlos. Zwölf Prozent bezahlen mobil per Smartphone, was einer Verdopplung innerhalb eines Jahres entspricht. Das beweist, digitales Bezahlen wird zur neuen Normalität und könnte Bargeld obsolet machen.

Experten sagen sogar voraus, dass auch die Plastikkarten aus dem Geldbeutel verschwinden und bald nur noch in unseren Smartphones zu finden sind. Aktuellen Marktberichten der Bitkom – einem Tochterunternehmen des Digitalverbands Deutschlands – zufolge, nutzen 76 Prozent der Bundesbürger ab 16 Jahren ein internetfähiges Mobiltelefon.

Dennoch stocken hiesige Finanzinstitute ihr Kartenportfolio mit neuen analogen Produkten auf. So können Sparkassenkunden seit Oktober eine neue Girocard mit Debit-Mastercard-Funktion nutzen. Insbesondere zwei Pluspunkte sollen Interessenten der neuen Sparkassen-Card überzeugen: die weltweite Nutzung mit rund 45 Millionen Akzeptanzstellen im In- und Ausland sowie die sichere, bequeme Bezahlung im Internet. 

Ein Wermutstropfen dabei: Bis dato können Sparkassen-Girocards in Verbindung mit Apple Pay nur für Zahlungen im Handel und nicht beim Shoppen im Internet eingesetzt werden – auch nicht für das Bezahlen im Ausland. Jedoch ist eine Lösung in Sicht: „In 2021 werden Sparkassen-Kunden als erste die Möglichkeit haben, mit ihrer Girocard in Apple Pay im Web und in Apps zu bezahlen. Diese weitere Integration ist jedoch mit zusätzlichem Aufwand verbunden, bei dem mehrere Beteiligte zusammenwirken müssen – das liegt nicht allein in unserer Hand“, sagt DSGV-Pressesprecher Thomas Rienecker gegenüber biallo.de.

Für Nutzer eines Android-Smartphones bieten die Sparkassen eigene Bezahl-Apps an. Im Übrigen keine Bank in Deutschland stellt derzeit eine Girocard-Anbindung für Google Pay zur Verfügung. Unterstützt werden von Google nach wie vor nur Kredit- und Debitkarten, also Master- und Visa-Cards.

Biallo-Tipp

Jedes  bargeldlose Bezahlen mit der Girocard beziehungsweise EC-Karte kann je nach Bank bis zu 0,75 Euro pro Vorgang kosten. Das deckte kürzlich eine Untersuchung von biallo.de auf.

Die Hypovereinsbank zieht ebenfalls mit einer neuen NFC-fähigen Debitkarte aus umweltfreundlichem Material nach. „Wir erweitern für unsere Kunden mit der HVB Visa Debit Card unser Angebot, um neben unseren Kreditkarten eine weitere Alternative für den Einsatz mit Apple Pay und für Online-Käufe zu bieten“, sagt Jörg Frischholz, Privatkundenvorstand bei der HypoVereinsbank zum Marktstart der Karte. Dabei stellt die Bank gemeinsam mit Visa und der gemeinnützigen Organisation „Klima ohne Grenzen“ die getätigten Online-Einkäufe mit der neuen Debitkarte beziehungsweise 1,1 Prozent der Online-Umsätze ihrer Kunden CO2-neutral. „Wir fördern damit beim Online-Einsatz der Karte Projekte, die Abholzung verhindern und gleichzeitig den Alltag von Menschen in Entwicklungsländern fördern“, erklärt Frischholz.

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Damit das kontaktlose Einkaufserlebnis für Händler ebenso komfortabel wird, hat Visa im Oktober seinen Service „Tap-to-Phone“ in Deutschland eingeführt. Damit können Android-Smartphones und -Tablets der aktuellen Generation mittels App direkt und ohne zusätzliches Endgerät als softwarebasiertes Bezahlterminal genutzt werden.

Des Weiteren stellte Mastercard und SumUp, ein Anbieter für mobile Paymentsysteme, neue Zahlungslösungen für Nutzfahrzeuge von Ford vor. Unter anderem können damit Kleinbetriebe wie zum Beispiel Lebensmittel- und Getränkelieferanten, mobile Floristen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien Kartenzahlungen ihrer Kunden direkt von ihren Geschäftsfahrzeugen aus akzeptieren.

Nicht zuletzt nutzen auch Betreiber von Stadien und Kulturstätten den digitalen Schub in der Corona-Krise. In deren Online-Shops können Besucher ihr Ticket vorab kaufen und wie bei etlichen anderen Online-Stores geschieht das per Kreditkarte oder App. Anschließend wird das elektronische Ticket zum sogenannten NFC-Wallet hinzugefügt. Den Zutritt zur Veranstaltung erhält man dann über das eigene Smartphone – schnell und eben kontaktlos.

Google, Apple, Samsung & Co: Kampf ums mobile Bezahlen

In Zeiten, in der sich sowohl Kunden als auch Unternehmen immer öfter für ein sicheres, schnelles und hygienisches Bezahlen entscheiden, werden immer mehr digitale Zahlungsmöglichkeiten angeboten. Seit Kurzem auf dem deutschen Markt: Samsung Pay. Ganz anders als mit Apple Pay oder Google Pay, kann die Pay-App des High-Tech-Giganten Samsung nach eigener Aussage mit „nahezu jedem deutschen Bankkonto“ verknüpft werden.

Dafür kooperiert Samsung nicht etwa mit hiesigen traditionellen Banken oder Sparkassen, sondern wickelt sämtliche Transaktionen über die Solarisbank, einem Berliner Fintech, und Visa ab. Insbesondere das globale Netzwerk von Visa mit aktuell 61 Millionen Akzeptanzstellen in mehr als 200 Ländern weltweit kommt Samsung Pay-Kunden zugute. „Fast jeder zweite Kunde nutzt ein Samsung Smartphone in Deutschland. Um für unsere Kunden jetzt kontaktloses Zahlen mit ihrem Alltagsbegleiter zu ermöglichen, haben wir Samsung Pay universell konzipiert“, sagt Dr. Thorsten Böker, Director Product Management bei Samsung Electronics.

Weiterhin anders als bei den Bezahl-Apps von Apple und Google: Wer sich mit seinem kompatiblen Samsung-Smartphone (ab Galaxy S8, Galaxy Note8 und Galaxy A6 (2018), Galaxy Z Flip sowie dem XCover Pro) bei Samsung Pay registrieren möchte, wird eine virtuelle Visa-Debitkarte erhalten, die dann bei der Solarisbank mit dem eigenen Bankkonto verknüpft wird. Dafür verwendet das Fintech eine neuartige Kundenauthentifizierung, die ohne Video-Ident-Verfahren oder Besuch in der Filiale funktioniert. Das kontaktlose Bezahlen selbst läuft dann ähnlich wie mit Google oder Apple.

Samsung greift mit seiner eigenen Bezahl-App vor allem Google an und punktet darüber hinaus mit einem neuen Feature, dem sogenannten „Splitpay“. Vergleichbar mit der Zahlungsart Ratenkauf der Klarna, können Kunden ihre Zahlungsbeträge mit Laufzeiten zwischen drei und 24 Monaten gemäß einem Verbraucherdarlehen über die Solarisbank finanzieren lassen. Den Überblick sollen Nutzer mit dem Zahlungsplaner innerhalb der Pay-App behalten, worüber zudem Budgets festgelegt und in verschiedene Kategorien zusammengefasst werden können.

NFC-Technik: Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Längst keine Zukunftsmusik mehr: Einfach an der Kasse vorbeigehen und schon ist der Einkauf bezahlt, für viele Menschen bereits Realität. Unterschiedlichste Apps vieler Anbieter tummeln sich mittlerweile auf dem Markt. Die notwendige Technik dahinter haben die meisten Verbraucher auch schon in ihrem Portemonnaie: eine Giro- oder Kreditkarte, die mit einem Funkchip ausgestattet ist. Wer die moderne Plastikkarte mit NFC-Funktion noch nicht hat, bekommt sie über seine Bank spätestens mit dem nächsten Kartentausch.

Banking in Zeiten von Corona. Das Erklärvideo zeigt, wie die Nutzung von Near Field Communication (NFC) im Alltag aussehen kann und wie geschützt persönliche Daten dabei sind. 

Wie beim kontaktlosen Bezahlen handelt es sich beim mobilen Bezahlen um eine gewöhnliche Kartentransaktion. Hierbei basiert die Datenübertragung auf der sogenannten NFC-Technologie (Near Field Communication). Je nachdem, welche Kartenart Sie in der App zum Bezahlen wählen, wird die Abrechnung entsprechend von Ihrem Giro- oder Ihrem Kreditkartenkonto erfolgen. Wo Sie mobil bezahlen können, zeigt Ihnen das Wellen-Symbol am Kassenterminal oder auf dem Display. 

Voraussetzung für das kontaktlose Bezahlen ist eine Kredit- beziehungsweise Girokarte oder Smartphone mit NFC-Chip. Die meisten Karten sind bereits umgestellt. Für kontaktloses Bezahlen per Karte sind folgende Systeme geeignet: Girocard, Visa, Mastercard und American Express.

Wer bietet Mobile Payment?

Bargeldlos bezahlen mit einer Karte war gestern. Seit Juli 2018 bieten beispielsweise die Sparkassen ihre eigene Sparkassen-App "Mobiles Bezahlen" an. Für Sparkassen-Kunden heißt das, dass sie mit ihrem Android-Smartphone und der Mobile-Payment-App ohne Bargeld in beispielsweise Supermärkten, Tankstellen oder Restaurants, die mit den notwendigen Lesegeräten ausgestattet sind, einfach und schnell bezahlen können. Da die Sparkassen bei den Filialbanken vor Ort nach wie vor den Markt dominieren, können entsprechend viele Kunden auf dieses Produkt zurückgreifen. 

Auch die genossenschaftliche Finanzgruppe ist zum mobilen Bezahlen durchgestartet. Laut BVR sind alle Genossenschaftsbanken technisch in der Lage, das mobile Bezahl-Verfahren mittels VR-Banking-App anzubieten. 

Zu den Marktführern im Internet gehört der amerikanische Zahlungsdienstleister Paypal. Dessen App lässt sich mittlerweile mit dem mobilen Zahlungsdienst Google Pay verknüpfen. Der Clou: Man kann bei Paypal jedes Girokonto einer beliebigen Bank hinterlegen und ist damit nicht mehr auf die Zahlungs-App des eigenen Instituts angewiesen.

Biallo-Tipp

Als Nutzer der neuen Mobile Payment-Apps sollten Sie nicht vergessen, die Geschäftsbedingungen der jeweiligen Bank genau zu lesen. Für bestimmte Vorgänge können zusätzliche Gebühren anfallen.

Die Deutsche Bank zählt zu den Pionieren im Bereich Mobile Payment. Als erste Bank in Deutschland hat sie im April 2017 eine kontaktlose Bezahlmöglichkeit mit Smartphone eingeführt, welche die Bank selbst entwickelt hat. Bedingung ist neben einem NFC-fähigen Android Smartphone eine Deutsche Bank Mastercard. Auch bei der zum Konzern gehörenden Postbank ist eine hauseigene Kreditkarte (Postbank Visa Card) die Voraussetzung für das Bezahlen mit dem mobilen Postbank Finanzassistenten

Jedoch aufgepasst: Nutzern von Android-10-Smartphones steht diese Bezahllösung derzeit nicht zur Verfügung. Für Android-Vorversionen ist das mobile Bezahlen mit dem Postbank Finanzassistenten jedoch nutzbar. „Wir arbeiten an einer neuen, modernen Zahllösung, um zeitnah allen Postbank-Kunden mobiles Bezahlen zugängig zu machen“, sagte Postbank-Pressesprecher Ralf Palm gegenüber biallo.de. 

Aber auch die Produkte der Wearables – sogenannte tragbare Computersysteme – bringen das mobile Bezahlen auf die nächste Innovationsstufe. So werden Smartwatches und auch Fitness Tracker das bargeldlose Zahlen weiter revolutionieren. "Als smarter Finanzbegleiter wollen wir unseren Kunden Lösungen bieten, die das Leben rund um alle finanziellen Themen einfacher und leichter machen", sagt Matthias Hach, Marketing- und Vertriebsvorstand von Comdirect. 

Zwar verfügen weder die Comdirect noch ihre Mutter Commerzbank über ein eigenes System für kontaktlose Zahlungen, was aber für die Kunden kein Nachteil sein muss. Beide Institute haben sich nämlich ebenfalls den Bezahlsystemen von Apple und Google angeschlossen. Nutzer eines iPhones, iPads oder Android-Smartphones können die Zahlungs-Apps installieren und dann beispielsweise eine Visa- oder Mastercard der Bank hinterlegen.

Überblick der NFC-fähigen Mobile Payment-Angebote:

System unterstützte Geräte / Systeme angeschlossene Banken, kompatible Karten und Zahldienste Kosten
Apple Pay Smartphone, Tablet, Smartwatch / iOS American Express, Barclaycard, Girocard, iCard, Maestro, Mastercard, Visa, Advanzia-Bank, Allianz, Bank of America, BBBank, Bunq, BW-Bank, Comdirect, Commerzbank, Consorsbank, Consors Finanz, Crosscard, Deutsche Bank, DKB, Fidor Bank, Fleetmoney, Hanseatic Bank, Hypovereinsbank, ING, Klarna, LBBW, MLP Banking, Miles & More, Monese, N26, Netbank, Norisbank, O2 Banking, Openbank, Pleo, PSD-Bank, Revolut, Solarisbank, Sparda-Bank Berlin, Sparda-Bank Hannover, Sparda-Bank Südwest, Sparkassen, Ticket-Restaurant Edenred, TransferWise, Triodos Bank, Viabuy, Vimpay, Viva Wallet, VR-Banken keine
Cashcloud Smartphone / iOS, Android virtuelle Prepaid Mastercard mit NCF-Funktionalität von Cashcloud Monatsgebühr, Auslandseinsatzentgelt
Deutsche Bank Mobile Smartphone / Android Deutsche Bank Mastercard Kreditkartengebühr
Fidor Pay Smartphone / Android Fidor Bank Mastercard keine
Garmin Pay Smartwatch Commerzbank, Netbank, Openbank, Revolut, TransferWise, Vimpay keine
Google Pay Smartphone, Tablet, Smartwatch / Android Barclaycard, Mastercard, Visa, Advanzia Bank, Allianz, Augsburger Aktienbank, Bunq, BW-Bank, C24, Citibank, Comdirect, Commerzbank, Consorsbank, Consors Finanz BNP Paribas, Curve, DKB, Hanseatic Bank, ING, Klarna, LBB, Miles & More, Monese, N26, Netbank, Openbank, Penta, Revolut, Staxter, TransferWise, Vivid, Viva Wallet, Tomorrow, Vimpay, Volkswagen Financial Services, 1822direct keine
Payback Pay Smartphone / iOS, Android Girokonto, Payback-Partner (dm, REWE, real, PENNY, Alnatura, Aral, Thalia, TeeGschwendner) keine
Postbank Finanzassistent Smartphone / iOS, Android* Postbank Visakarte keine
Samsung Pay Ab Galaxy S8, Galaxy Note8 und Galaxy A6 (2018), Galaxy Z Flip sowie dem XCover Pro Alle Banken, die eine deutsche IBAN ausgeben und ihren Sitz in Deutschland haben keine
Sparkasse Mobiles Bezahlen Smartphone / Android Digitale Sparkassen-Kreditkarte oder Sparkassen-Karte Basis (Debitkarte) abhängig von der teilnehmenden und kartenausgebenden Sparkasse
Vimpay Smartphone, Tablet, Smartwatch/ iOS, Android Standard und Premium Mastercard von Vimpay, Apple Pay, Google Pay mit Mastercard Premium-Modell inkl. Vimpay Girokonto vier Euro monatlich
VR BankingApp Smartphone / iOS, Android Digitale Girocard (Debitkarte) oder Visa bzw. Mastercard abhängig von der teilnehmenden und kartenausgebenden VR-Bank

Quelle: eigene Recherche, 26. November 2020 

Vorteile und Risiken der NFC-Technik

Kreditwirtschaft und Händler argumentieren, dass durch den mobilen, kontaktlosen Dienst das Bezahlen im Geschäft schneller und bequemer wird. Da man kein Kleingeld mehr suchen muss und häufig auch keine PIN-Eingabe mehr nötig ist. Doch das ist längst nicht alles. Die neue Funktechnik bietet viele weitere Vorteile, wie in der folgenden Tabelle dargestellt.
Vorteile
Bequemes Bezahlen Beim kontaktlosen Zahlen mit Kredit-, Girokarte, Smartphone oder Wearable entfällt das Suchen nach Scheinen und Münzen. Einfache Bezahlung bei Kleinbeträgen, da keine PIN-Eingabe oder Unterschrift erforderlich ist.
Schnelle, einfache Abwicklung Kurze Wartezeiten an der Kasse, denn der Bezahlvorgang ist einfach und dauert nur Sekunden.
Hygienisch und sicher Die Geldkarte oder auch das Handy werden nicht aus der Hand gegeben. Die Gefahr, dass man zum Beispiel die Karte im Lesegerät vergisst, ist damit gebannt. Zudem ist das Verfahren hygienisch, da kein Fremder die Karte oder das Smartphone anfassen muss.
Geringes Risiko Persönliche Daten wie Name oder Adresse werden nicht übertragen. Nur die für den Bezahlvorgang erforderlichen Daten werden ausgetauscht.
Nachteile
Erschwerter Überblick über Kontostand Wird das Girokonto von mehreren Nutzern gleichzeitig mit Funkkarte und/oder Smartphone genutzt, kann man durch die Vielzahl möglicher Abbuchungen schnell den Kontostand aus den Augen verlieren.
Kein Diebstahlschutz Bei Verlust oder Diebstahl der Karte, des Smartphones oder Wearable können Ganoven mühelos shoppen gehen. Kontrollieren Sie deshalb Ihre Konto­bewegungen regelmäßig und melden Sie betrügerische Abbuchungen sofort Ihrer Bank.
Datenklau Professionelle Betrüger können mit speziellen Lesegeräten das Konto abräumen.
Gläserner Kunde Beim kontaktlosen Zahlen hinterlassen Kunden digitale Spuren. Das erlaubt es Händlern, Bewegungs- und Konsumprofile zu erstellen. Verbraucher werden noch häufiger zielgerichtete Werbung und auf Sie zugeschnittene Angebote erhalten.
Wo Licht ist, ist aber bekanntlich auch Schatten. So erkennen die Verbraucherzentralen in der NFC-Technik etliche Schwachstellen und Risiken für Verbraucher. So würden Verbraucher bei Bargeld in der Geldbörse – je nach Gewohnheit – leichter den Überblick behalten als mit einer allzeit abbuchungsbereiten Funkkarte oder Smartphone, mit welchen man quasi fix im Vorbeigehen seine Rechnung begleicht.

Biallo-Tipp

Damit Unbefugte nicht so leicht auf Ihre Daten zugreifen können, sollten Sie in den Geräteeinstellungen Ihres Handys die Bildschirmsperre aktivieren. Diese Sperrfunktion können Sie je nach Geräteausstattung mit Ihrem persönlichen PIN-Code, dem Fingerabdruck-Sensor (Touch ID) oder per biometrischer Gesichtserkennung (Face ID) jederzeit wieder freigeben. Auch empfiehlt sich das Installieren eines Virenschutzes.
Banken und Händler sind jedoch von der Sicherheit des Systems überzeugt: "Aus Versehen bezahlen im Vorbeilaufen an einem Kassenterminal ist ausgeschlossen. Erst wenn Sie Ihr Smartphone in einem geringen Abstand an das Lesegerät halten, ist eine Zahlung überhaupt möglich", informieren zum Beispiel die Sparkassen auf ihrer Internetseite.

Außerdem erfolgt die Datenübertragung nicht automatisch. Vor jeder Abbuchung muss das Terminal vom Kassierer aktiviert und der entsprechende Betrag vorgegeben werden. Zahlungen quasi "im Vorbeihuschen" oder in unberechtigter Höhe sind somit ausgeschlossen. Obendrein muss gemäß Deutscher Kreditwirtschaft (DK) und auf Basis gesetzlicher Vorgaben spätestens nach fünf kontaktlosen Transaktionen oder nach einer Gesamtsumme von maximal 150 Euro zur Sicherheit die eigene PIN eingeben werden.

Trotzdem besteht die Möglichkeit, dass speziell die Funkkarten von Ganoven mit der gleichen NFC-Technik ausgelesen werden, wie dies am Kassenterminal geschieht. Im dichten Gedränge in Bus oder Bahn erscheint dieses Szenario durchaus realistisch.

Biallo-Tipp

Wer sich dagegen schützen will, der kann dem Rat von Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband folgen und seine Karte "in spezielle, Schutzhüllen, die die Funkwellen blockieren" stecken. Solche Hüllen gibt es bei Banken und im Handel für unter zehn Euro.

In punkto Sicherheit: Das sollten Sie wissen!

Eine Gefahr bleibt immer: Bei Verlust oder Diebstahl der Funkkarte können Fremde damit mühelos einkaufen gehen. "Bei Verlust sollte man die Karte daher schnellstmöglich sperren lassen", rät Verbraucherschützer Pauli, denn die Karten hätten die gleiche Qualität wie Bargeld. Das gilt insbesondere für Plastikkarten mit aufladbarem Geldchip. Hier ist es sinnvoll, keine Maximalbeträge aufzuladen, sondern hin und wieder eine kleine Summe. Denn ein Verlust von 20 oder 30 Euro schmerzt nicht so sehr wie ein Verlust von 200 Euro. 

Wer seine Karten sperren möchte, findet die Kartensperrnummer seiner Bank meist auf der Rückseite der Karte aufgedruckt. Diese sollte man sich separat notieren. Auch wenn Sie Ihr Smartphone verloren haben, sollten Sie hinterlegte Karten in den von Ihnen ausgewählten Bezahldiensten sofort deaktivieren und auch sperren. 

Biallo-Tipp
NFC-Bankkarte gestohlen? Dabei führen Geldhäuser nicht selten an, dass es nicht möglich sei, die NFC-Funktion für das kontaktlose Zahlen zu sperren. In Bezug auf die Haftung, stellte sich der Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) jüngst auf die Seite der Verbraucher. So dürfen Kunden bei Missbrauch der Geldkarte keine finanziellen Schäden entstehen, sofern diese den Verlust beziehungsweise den Kartenbetrug ihrer Bank unverzüglich melden.

Für alle Arten von Karten, zum Beispiel Kreditkarten oder Girokarten, gibt es seit 2005 auch eine kostenfreie zentrale Sperrrufnummer. Sie erreichen den Service 24 Stunden lang unter der Nummer:
Im Inland: 116 116
Vom Ausland: 49 116 116

Quasi als Diebstahlpuffer haben einige Banken Tages-Höchstsätze festgesetzt. So erlauben die PSD Banken nicht mehr als 100 Euro pro Tag mit der NFC-Funktion zu bezahlen.

Auch die Sparkassen-Card ist limitiert. Inhaber können zwar bis zu 200 Euro auf ihren Karten-Chip aufladen und damit kontaktlos bezahlen, zudem wird, wenn das automatische Ladeverfahren aktiviert ist – ohne Aufforderung frisches Geld am Händlerterminal nachgeschoben. Doch das geht nur einmal am Tag und auch nur für Beträge bis maximal 50 Euro. 

Biallo-Tipp
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sollten Sie die Umsätze Ihrer Bank- und Kreditkarten regelmäßig kontrollieren. Außerdem bieten manche Banken an, dass der Kontoinhaber nach jeder Transaktion eine SMS oder Push-Nachricht erhält, die den Zahlbetrag ausweist. So erkennen Sie sofort, wenn eine unberechtigte Abbuchung vorliegt.

Wer der Funktechnik nicht vertraut, kann weiterhin mit Bargeld bezahlen oder seine Girokarte in das Bezahlterminal an der Kasse einstecken. Manche Geldhäuser erlauben auch das Deaktivieren des Funkübertrags. So können Kunden der PSD Bank die NFC-Funktion problemlos am Geldautomaten selbst ausschalten.
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Bei anderen Banken geht das nicht. Dies ist zum Beispiel bei der ING der Fall. "Wer nicht kontaktlos bezahlen möchte, kann die Funktion einfach ruhen lassen oder abwählen", informiert Pressesprecher Baumgart.
Apple Pay und Google Pay auf Umwegen

Was zögernde Banken, die noch nicht Apple Pay oder Google Pay anbieten, spüren: Viele ihrer technikbegeisterten Kunden möchten einfach so bald als möglich die beiden Dienste der Tech-Größen nutzen. Das haben einzelne Fintechs schneller erkannt. Darunter Klarna mit seiner kostenfreien Klarna Card, die im April 2019 in Kooperation mit Visa auf den deutschen Markt kam. Alternativ dazu möchte auch Vimpay, der Mobile-Payment-Dienst aus Bayern, Angebotslücken hierzulande schließen. 

Mit der kostenlosen und digitalen Standard-Mastercard von Vimpay kann man das Konto jeder beliebigen Hausbank verbinden und so die Bezahldienste von Apple wie auch von Google über sozusagen einen Hintereingang in vollem Umfang nutzen. Für das Mastercard Premium-Modell erhält man unter anderem ein Vimpay Girokonto für eine Servicegebühr von vier Euro monatlich.

Weitere Bezahldienste: Coming soon!

Neben Apple, Google und Samsung planen auch weitere Smartphone-Hersteller den deutschen Markt mit eigenen Bezahldiensten zu erobern. Doch Besitzer eines Smartphones oder einer Smartwatch von beispielsweise Huawei müssen sich noch gedulden. Obwohl die mobile Bezahl-App Huawei Pay bereits seit Jahren auf dem chinesischen Heimatmarkt verfügbar ist, bleibt der angekündigte Deutschland-Start ohne genaues Datum. 

Wissenswertes zusammengefasst

So funktioniert kontaktloses, mobiles Bezahlen

Vorab eine Definitionsklärung: Kontaktlos oder mobil Bezahlen bedeutet nicht dasselbe. Als kontaktloses Bezahlen hat sich umgangssprachlich das Bezahlen per Funk mit der Giro- oder Kreditkarte durchgesetzt. Ihre Plastikkarte wird einfach nur vor das Lesegerät an der Kasse gehalten und die Rechnung ist dank NFC in Nullkommanix gezahlt. Das mobile Bezahlen bezieht sich dagegen auf das Übertragen der Funktechnik mit einem mobilen Endgerät, wie einem Smartphone, Tablet oder Wearable. Dafür benötigen Sie zusätzlich spezielle Apps. Die erforderlichen Transaktionsdaten wie IBAN, Kartennummer, Gültigkeitsdatum und der zu zahlende Betrag werden mittels Near Field Communication (NFC) zwischen Karte und Kassenterminal ausgetauscht. Bei der NFC-Technik handelt es sich um einen internationalen Übertragungsstandard zum Austausch von Daten über kurze Entfernungen. Der Datenaustausch erfolgt per Funk. Wichtig ist, dass die Karte oder das Smartphone nah an das Lesegerät gehalten wird. "Der Kartenabstand darf nicht mehr als vier Zentimeter betragen", erklärt Pressesprecher Alexander Baumgart von der ING. Ein kurzes Piepen oder ein optisches Signal bestätigen die Zahlung und das Geld wird vom hinterlegten Giro- oder Kreditkartenkonto abgebucht.

Woran erkenne ich, ob ich mit der Karte, mit Smartphone oder Wearable kontaktlos bezahlen kann?

Funkfähige Bezahlkarten sind mit einem Funkwellen-Symbol, vier aneinander liegende Bögen, gekennzeichnet. Verfügt Ihre Giro- oder Kreditkarte über dieses Symbol, dann können Sie damit kontaktlos bezahlen. Neu ausgegebene Karten von Sparkassen, Direktbanken und privaten Geschäftsbanken verfügen alle über diese Technik. Auch neue Kreditkarten von Mastercard, Visa oder American Express sind damit ausgestattet. Voraussetzung für das Bezahlen per Funk ist außerdem, dass der Händler, Supermarkt oder die Tankstelle über ein NFC-fähiges Lesegerät verfügt. Ob dies der Fall ist, erkennen Sie am gleichartigen Funkwellensymbol am Bezahlterminal.

Spezialfall: "Girogo"

Alle Sparkassen-Cards, die vor dem 1. Juli 2020 ausgegeben wurden, enthalten in der Regel  die Funktion "Girogo". Vorteil: Dieser Kartenchip muss beim Bezahlen nicht mehr in ein Lesegerät gesteckt werden. Wie bei der "Geldkarte" können bis zu 200 Euro auf den Chip geladen werden. Das geschieht wahlweise direkt beim Händler, am Geldautomaten oder zu Hause am PC mit einem Chipkartenleser (siehe:  www.geldkarte.de) und außerdem an speziellen Ladeterminals, wie zum Beispiel im Fußballstadion (gegen Bargeld) oder online mit der Sparkassen-App. Ist das Guthaben aufgebraucht, lädt man den Chip wieder auf – dies funktioniert auch automatisch: Immer, wenn das Guthaben für die aktuelle Zahlung nicht mehr ausreicht, wird der Chip direkt am Händlerterminal aufgeladen. Maximal einmal pro Kalendertag. Den Ladebetrag – zwischen 20 und 50 Euro – legen Sie selbst fest. Für das automatische Laden erteilen Sie Ihrer Sparkasse einen Ladeauftrag – in der Filiale oder online.

Ebenfalls mobil: Mit QR-Code bezahlen

QR-Codes sind Barcodes, in denen Zahlungsdaten hinterlegt sind. Dazu muss man vorab eine entsprechende Software (App) auf sein Smartphone laden und die Zahlungs- sowie bestimmte Registrierungsdaten eingeben. Der Bezahl-Code wird auf einer Rechnung oder an der Kasse gescannt und der Betrag beispielsweise per SEPA-Lastschrift oder vom Paypal-Konto abgebucht. Am bekanntesten dürfte hier in Deutschland Payback Pay sein, die Bezahlfunktion in der App des Bonusprogramms Payback. Aber auch hier sind andere Bankhäuser wie beispielsweise die Sparkassen und VR-Banken digital dabei und bieten ihren Kunden per App einen QR-Code-Leser den "GiroCode" an.



  Max Geißler
  Kerstin Weinzierl

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