Im Gegensatz zu Konsumenten in skandinavischen Ländern lieben die Deutschen ihr Bargeld. Vor allem kleinere Summen gehen hierzulande häufig noch ganz klassisch in Form von Banknoten und Münzen über die Ladentheke. Der Trend bewegt sich jedoch langsam aber sicher in eine andere Richtung. Laut des Meinungsforschungsinstituts Kantar Emnid im Auftrag der Postbank nutzen bereits 48 Prozent der Verbraucher die Kontaktlosfunktion der Girokarte.
Doch auch wenn sich die kontaktlosen Girocards in Deutschland zunehmend durchsetzen, waren sie von Anfang an nur ein Zwischenschritt. Bargeldlose Transaktionen können nämlich ebenso mit dem Smartphone oder Wearables abgewickelt werden – und diese Bereiche dominieren mit Google und Apple Pay vor allem zwei Anbieter aus den Vereinigten Staaten.
Es ist kein Geheimnis, dass dieser Zustand den heimischen Banken und Sparkassen ein gehöriger Dorn im Auge ist. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Deutsche Bundesbank drängen auf ein eigenes, nach europäischen Standards entwickeltes System für mobiles Bezahlen, welches den US-Platzhirschen nach Möglichkeit das Wasser abgraben soll.
Von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt wird dieses Wunschdenken seit Kurzem in die Tat umgesetzt. So haben sich sieben mobile Zahlungsanbieter aus Europa – Blue Code (Österreich, Deutschland), Twint (Schweiz), Swish (Schweden), Vipps (Norwegen), MobilePay (Finnland, Dänemark), Bancontact Payconiq (Belgien) und Sibs/MB Way (Portugal) – bereits im August zur "European Mobile Payment Systems Association" (EMPSA) vereinigt. Sozusagen "made in Europe" will diese Initiative mit Sitz in Zürich die Akzeptanz des Mobile Payments im europäischen Zahlungsraum vorantreiben.