DEGIV-Studie

Immobilienverrentung: Bekannt, aber kaum genutzt

Update: 04.07.2019
Kerstin Weinzierl
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Auf einen Blick
  • Immobilienboom und Überalterung treffen insbesondere in deutschen Metropolen vermehrt auf ein großes Interesse nach Nießbrauch-Lösungen.

  • Die Deutsche Gesellschaft für Immobilienverrentung (DEGIV) ging dieser Tatsache auf den Grund und befragte dazu deutschlandweit Senioren.

  • Das Resultat: Knapp jedem zweiten Rentner in Deutschland ist die Möglichkeit zur Immobilienverrentung bekannt. Jedoch weiß nur gut ein Drittel, wie dieses Prinzip genau funktioniert.
Die Rente aus Beton kennt knapp jeder zweite Rentner. Das Wissen darüber bewegt sich hingegen in der Grauzone.
Sunny Studio / shutterstock.com

Die Deutsche Gesellschaft für Immobilienverrentung (DEGIV) beobachtet seit ihrer Gründung 2015 eine erhöhte Nachfrage nach der Verrentung von Immobilien – besonders in München. Dennoch ist die Thematik Immobilienkauf beziehungsweise -verkauf auf Nießbrauchbasis bislang nur Wenigen bekannt. Das ergab eine Studie der DEGIV, welche jüngst in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork durchgeführt wurde.

Es wurden 161 Senioren und Seniorinnen aus dem Großraum München zu ihrem Wissensstand in puncto Nießbrauch aber auch zu ihrer Wohn- und Finanzsituation befragt.

Bekannt und unbekannt zugleich

Knapp die Hälfte aller Befragten, also 47,8 Prozent, ist die Immobilienverrentung ein Begriff. Somit haben 52,2 Prozent noch nie etwas davon gehört, dass das Eigenheim im Rentenalter verkauft und über ein lebenslanges Wohnrecht weiter bewohnt werden kann. Interessant: 68,9 Prozent der befragten Senioren haben zwar davon gehört, allerdings wissen sie nicht, wie das Konzept der Immobilienverrentung überhaupt funktioniert.

Laut DEGIV könnte eine zielgerichtete Aufklärungsarbeit Abhilfe schaffen. "Wohneigentum wird in Deutschland aktuell zu sehr auf den Kauf und den Verkauf von Objekten reduziert. Dabei wird das Thema besonders bei älteren Eigentümern zu stark vom Wert des Objektes als Lebensort entkoppelt. Im Alter geht es nicht um den Kauf oder Verkauf, sondern bei Wohneigentum um die Frage von Identität, Heimat und Zuhause. Je mehr Menschen von der Option der Immobilienverrentung wissen, desto mehr können sie diese zumindest in Betracht ziehen und abwägen. Hier muss die Immobilienbranche weiter aufklären", erklären Özgün Imren und Mesut Yikilmaz, Gründer und Geschäftsführer der DEGIV.

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Alte Bäume möchten nirgendwo hin

Ein Sprichwort sagt: Einen alten Baum, verpflanzt man nicht. Mit der Studie gewinnt diese Redewendung sogar noch an Schärfe. Denn nur 17,9 Prozent der befragten Senioren möchten im Alter umziehen. Senioren mit Immobilieneigentum und Liquititätsbedarf sollten laut DEGIV die Möglichkeit der Immobilienverrentung jedoch prüfen und sich beraten lassen.

Anhand dieses Modells wird die Immobilie mit einem Preisabschlag verkauft. Gegenüber biallo.de beziffert die DEGIV diesen Betrag auf etwa 40 bis 50 Prozent vom Verkehrswert der Immobilie. Eventuell noch vorhandene Verbindlichkeiten müssen mit der Auszahlung verrechnet werden. Der Verkäufer erhält im Gegenzug ein Nießbrauchrecht bis zum Lebensende. "Die Immobilienverrentung macht einen Auszug aus der gewohnten Immobilie obsolet. Dennoch kann das Objekt verkauft und somit Liquidität freigesetzt werden", so Imren. Damit wird das eigene Heim zur Altersvorsorge – sozusagen zur Zusatzrente.

  • Biallo-Tipp: Sie sind auch Wohneigentümer, mindestens 65 Jahre alt und interessiert an den verschiedenen Arten des Nießbrauchs für Ihre Immobilie. Dann sollten Sie sich gut informieren und vergleichen. Wissenswertes zum Thema finden Sie beispielsweise in unseren Ratgebern zum Nießbrauch und zur Leibrente.

Verstecktes Vermögen frei machen

Fakt ist, dass laut Statistischem Bundesamt jeder zweite Bundesbürger im Rentenalter in einer selbstgenutzten Immobilie wohnt. Dieses Kapital möchten viele Senioren nutzen, ohne gleich ausziehen zu müssen. Schließlich hängen am Eigenheim Erinnerungen, das soziale Netzwerk oder schlichtweg viel investierte Eigenleistungen.

"Viele ältere Menschen verfügen bei Wohneigentum über den Raum, den sich jüngere Menschen wünschen. Große Immobilien im Alter bedeuten jedoch nicht nur mehr Arbeit und für Betroffene unnötigen Platzverbrauch. Vor allem handelt es sich um gebundenes Kapital – das manche Ruheständler am Lebensabend als Liquidität gut gebrauchen könnten", erläutert Imren.

Senioren, die in ihrer eigenen Immobilie wohnen und nicht über ausreichend Geldmittel verfügen, um beispielsweise eine alterstaugliche Renovierung zu realisieren, können durch die Immobilienverrentung ihr Zuhause entsprechend umbauen.

Der Bedarf am Thema sei laut Mesut Yikilmaz groß. Nicht zuletzt, da in Deutschland der demografische Wandel weit fortgeschritten sei. Aktuell gehöre mehr als jede vierte Person zur Generation 60 Plus und im Jahr 2050 soll es mehr als jede dritte Person sein.




  Kerstin Weinzierl


 

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