Photovoltaik

Solaranlage mieten statt kaufen – rechnet sich das?

Update: 11.05.2020
Matthias Kutzscher
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Auf einen Blick
  • Wer sauberen Strom produzieren will, kann eine Photovoltaik-Anlage für sein Haus pachten.

  • Das Mietmodell funktioniert wie Auto-Leasing.

  • Je umfassender die Leistungen des Verpächters, desto teurer ist die monatliche Rate.

  • Pachtmodelle sollten genau durchkalkuliert werden.
Eine Photovoltaikanlage zu mieten, kann eine Alternative zum Kauf sein.
Africa Studio / Shutterstock.com

Solarkraft liegt im Trend: Über 1,7 Millionen Anlagen produzieren mittlerweile in Deutschland dezentral Energie. Damit lieferte die Photovoltaik 2019 über sieben Prozent des erzeugten Stroms. Natürlich hat nicht jedes Dach das Zeug zum Solardach – aber zumindest theoretisch wäre bei uns auf rund 16 Millionen Eigenheimen Platz für klimaschonende Photovoltaik (PV).

Wer das Investment oder die technische Planung scheut, kann auch eine Solaranlage mieten. Doch "Pachtmodelle sollten sich Interessenten genau anschauen und durchkalkulieren", rät Thomas Wennmacher von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn den Vorteilen stehen eine Reihe Nachteile gegenüber.

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Wie das Mietmodell funktioniert

Seit 2012 werben Stadtwerke, überregionale Energieerzeuger und spezialisierte Unternehmen hierzulande dafür, bei Solarkraft auf Miete statt Kauf zu setzen. Ähnlich wie beim Auto-Leasing finanzieren die Firmen das Objekt und kassieren dafür Pacht. Hausbesitzer stellen also lediglich ihre Dachflächen für eine Solaranlage bereit und zahlen im Gegenzug für die Nutzung des erzeugten Stroms während der Vertragslaufzeit feste Gebühren.

Die gleichbleibend hohe monatliche Miete hängt von diversen Faktoren ab: dazu zählen die Anlagengröße gerechnet in Kilowatt (kW), die Qualität der Systemelemente wie Module oder Wechselrichter, die eventuelle Ergänzung durch einen Stromspeicher, die Bausteine des Servicepakets wie Reparaturkosten oder Versicherung oder auch die Länge des Pachtvertrags über zehn, 15 sowie 20 Jahre. Nach zwei Jahrzehnten kann man die Anlage dann in der Regel quasi umsonst übernehmen. Dann hat sich das System aus Sicht des Verpächters amortisiert.

Was die Pacht einer Solaranlage kostet

Kleine Anlagen mit einer Höchstleistung von 3,5 Kilowatt-Peak (kWp), abgespeckten Leistungen und einer 15-jährigen Vertragslaufzeit sind schon für 50 bis 60 Euro Miete im Monat erhältlich. Ein Drei-Personen-Haushalt kann damit rund 30 Prozent seines Stromverbrauchs von durchschnittlich 3.600 kWh decken. Heißt: Zur Pachtrate muss immer auch der benötigte Reststrom aus dem Netz hinzugerechnet werden. Größere Systeme für Eigenheime mit sechs bis sieben kWp inklusive Rundum-sorglos-Servicepaket und Speicher kommen schnell auf 150 bis 170 Euro monatliche Pacht.

Viele Stadtwerke, große Energieerzeuger sowie spezialisierte Anbieter präsentieren per Online-Konfigurator auf ihren Webseiten Mietpakete, die allerdings wenig über die Wirtschaftlichkeit der Offerte aussagen. "Oft wird der Eigenverbrauch der Kunden zu optimistisch kalkuliert, die Entwicklung des Strompreises zu hoch angesetzt oder die Ersparnis auf einen sehr langen Zeitraum von 25 oder 30 Jahren berechnet", erläutert Verbraucherschützer Wennmacher.

Ende 2017 hat der Spezialist für Finanzierungsmodelle 13 Solarpacht-Angebote für NRW-Städte mit dem Ergebnis geprüft: Nur drei erwiesen sich unter den getroffenen Annahmen als wirtschaftlich. Auch Markus Lohr von der Denkzentrale Energie kommt in einer Studie zum Ergebnis, dass über 50 Prozent der realisierbaren Einsparungen vom Verpächter beansprucht würden und das Modell daher aus rein wirtschaftlicher Perspektive für Kunden nicht attraktiv sei.

Zehn Biallo-Tipps für die Miete einer Solaranlage

Für Verbraucher muss die Wirtschaftlichkeit aber nicht das zentrale Argument des Pachtmodells sein. Immer mehr Bürger wollen das Klima schützen und sehen die Produktion der eigenen Energie als gute Option. Damit sich eine gemietete Solaranlage auf dem Hausdach aber in jedem Fall lohnt, sollten diese zehn Biallo-Tipps beachtet werden:

1. Angebote von mehreren Firmen einholen. Die Wirtschaftlichkeit der Modelle unterscheidet sich stark. Auf unabhängigen Vergleichsportalen wie photovoltaik-angebotsvergleich.de können Interessierte unverbindlich Mietangebote anfordern. Dann mit dem Angebot des örtlichen Stadtwerks vergleichen; die beauftragen meist regionale Handwerker.

2. Der Eigenverbrauch des Stroms sollte realistisch angesetzt werden. Über den Anteil wird ein wesentlicher Teil der Pacht bezahlt.

3. Zentral für die Kalkulation ist die Einspeisevergütung. Die staatlich festgelegte Zahlung für Strom aus erneuerbaren Quellen, der ins Netz eingespeist wird, lag im April 2020 bei 9,44 Cent pro kWh bei Anlagen mit weniger als 10 kWp. Monatlich wird die Vergütung neu berechnet.

4. Die Entwicklung des Strompreises in den nächsten Jahren sollte mit etwa ein Prozent pro Jahr konservativ kalkuliert werden. Wer sie zu hoch ansetzt, schönt die ökonomische Perspektive der Anlage. Zwischen 2010 und Anfang 2020 sind die Strompreise bei uns von etwa 23 Cent auf rund 30 Cent geklettert.

5. Die Vertragsdetails müssen präzise studiert werden. Die Frage lautet: Was müssen Pächter zusätzlich zur Miete noch zahlen? Rundum-sorglos-Angebote etwa inklusive Versicherung sind natürlich teurer als Starter- oder "Light"-Pakete.

6. Entscheidend ist die Qualität der Solarmodule. Der Klassiker sind monokristalline Zellen. Sie haben einen Wirkungsgrad von 14 bis 18 Prozent. Über die Hälfte der verbauten Solarmodule in Deutschland sind aus multikristallinen Zellen, die einen Wirkungsgrad von 12 bis 16 Prozent haben und daher preiswerter sind.

7. Eine Garantie, wie viel Strom "geerntet" werden kann, geben Verpächter nicht.Daher liegt es im Eigeninteresse der Mieter, die PV-Produktion penibel zu überwachen. Das Anlagen-Monitoring gehört ergo immer dazu und sollte idealerweise Teil des Vertrags sein.

8. Je nach Vertrag haften die Verpächter für Ausfälle oder Schäden an der PV-Anlage. Muss das Dach allerdings repariert werden, zahlt der Mieter – auch für die Demontage und anschließende Montage der PV-Module.

9. Strom-Speicher verdoppeln den Autarkiegrad in etwa, bringen aber beim Pachtmodell laut Verbraucherschützer Wennmacher "aus finanzieller Hinsicht praktisch nichts. Und können das Ergebnis je nach Pachtaufschlag sogar noch verschlechtern". Hinzu kommt: Es fehlen Daten, wie lange Speicher im Schnitt halten. Die Lebensdauer der PV-Module liegt bei 20 bis 30 Jahren, die von Wechselrichtern wird auf durchschnittlich 15 Jahre geschätzt.

10. Was passiert nach Ablauf des Mietvertrags? In der Regel ist die Monatsmiete so kalkuliert, dass Hausbesitzer nach Vertragsablauf die Anlage für einen Euro quasi geschenkt bekommen. Doch das sollte vorab geklärt und vertraglich festgehalten werden. 

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Markttrends bislang nicht dokumentiert

Wie stark sich Mietmodelle hierzulande in den vergangen Jahren durchgesetzt haben, darüber gibt es keine Erkenntnisse. Marktdaten oder Studien liegen auch beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) nicht vor. Salomonisch formuliert BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig: "Kauf und Pacht der Anlage haben ihre jeweiligen Vorzüge. Bei der Pacht braucht man kein Startkapital, beim Kauf ist man sofort selbst Besitzer der gesamten Anlage." Auch Experte Wennmacher von der Verbraucherzentrale NRW "liegen keine belastbaren Marktdaten zum PV-Mietmodell vor".

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
gebundener
Sollzins
 
1.
962,50
0,35%
0,35%
962,50
0,35%
0,35%
2.
997,50
0,51%
0,49%
Betrag 300.000 €, Laufzeit 10 Jahre, Beleihung 60 %

Fazit: Pacht spart Aufwand, Kauf ist meist lukrativer

Fest steht: Sofern eigenes Kapital zur Verfügung steht, ist der Kauf einer Anlage in der Regel die bessere Option. Man trifft selbst alle Entscheidungen und spart Dienstleistungsgebühren sowie monatliche Mietbelastungen. Auch eine Finanzierung über die KfW sollte geprüft werden. Die staatliche Förderbank unterstützt den PV-Zubau in Deutschland mit günstigen Krediten. Im Programm 270 der KfW werden derzeit ab 1,03 Prozent effektiver Jahreszins verlangt.

Wer die Umwelt schützen und keine Arbeit mit einer PV-Anlage haben will, für den ist die Solaranlagen-Miete durchaus eine gute Option. Mit den richtigen Dienstleistern lässt sich der Traum von der eigenen Stromproduktion in wenigen Wochen umsetzen. Denn die Partner erledigen die Arbeit.

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  Matthias Kutzscher


 

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