Zinspapiere

Geldmarktfonds: Das Risiko nicht unterschätzen

09.11.2020
Auf einen Blick
  • Mit Geldmarktfonds können Anleger in kurzlaufende Zinspapiere investieren. Das können Tagesgeld, Festgeld, Schuldtitel oder auch Staatsanleihen sein.

  • Trotz niedriger Leitzinsen bieten solche Fonds die Chance auf höhere Renditen als beim Termingeld. Allerdings müssen Anleger mit Kosten rechnen. Günstiger als aktive Geldmarktfonds sind Geldmarkt-ETFs.

  • Geldmarktfonds bergen auch Risiken. Verlieren Papiere, die im Fonds enthalten sind, an Wert, sinkt auch der Kurs des Fonds.
Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt: Die Rendite von Geldmarktfonds hängt vor allem auch von den Leitzinsen ab, die die EZB vorgibt.
Zolnierek / Shutterstock.com

Die Börsen stiegen kräftig – und doch gingen viele Anleger auf Nummer sicher: Nach dem Absturz zu Beginn der Corona-Pandemie setzten die Aktienmärkte zu einem rasanten Aufschwung an. Zwischen Mitte März und dem 1. Juli gewann der US-amerikanische Leitindex Dow Jones gut ein Drittel an Wert. Beim Deutschen Aktienidex (Dax) waren es sogar mehr als 40 Prozent.

Dennoch blieben viele institutionelle Investoren in dieser Zeit den Aktienmärkten fern. Sie investierten stattdessen in sogenannte Geldmarktfonds. So flossen nach Angaben der Fondsrating-Agentur Morningstar in der ersten Jahreshälfte 2020 mehr als eine Billion US-Dollar in diese Investmentfonds. Die Anleger parkten dort ihre Mittel, weil sie dem Aufschwung nicht trauten. Tatsächlich sind Geldmarktfonds in unsicheren Börsenzeiten eine Alternativezu Tagesgeld oder Festgeld.

Biallo-Tipp

Eine interessante Alternative zu den Dividenden von Fonds sind die Ausschüttungen von Genossenschaftsbanken.  Es winken Dividenden von bis zu zehn Prozent – ganz ohne Kursrisiko.

So funktionieren Geldmarktfonds

Geldmarktfonds sind Investmentfonds, die die Mittel der Anleger in Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr stecken. Das kann Tagesgeld oder Festgeld sein. Dazu zählen aber etwa auch Staatsanleihen. Kurzfristige Schuldscheindarlehen sind ebenfalls oft Teil eines Geldmarktfonds – also Kredite, die Banken oder Versicherungen gegen einen Schuldschein an Firmen oder Staaten vergeben.

Geldmarktfonds gibt es seit den 70er Jahren. Erstmals wurden sie in den USA aufgelegt. Damals wurde die Verzinsung, die die Banken für ihre Einlagen zahlen durften, gesetzlich gedeckelt. Geldmarktfonds entwickelten sich so als Alternative zu herkömmlichen Einlagen.

Die Fonds werden vor allem von institutionellen Investoren wie Banken, Versicherern, Unternehmen oder Staaten genutzt. Diese parken darin frei gewordenes Kapital, um es zu einem späteren Zeitpunkt rentabler anlegen zu können. Geldmarktfonds werden dabei an der Börse gehandelt. Das Geld ist damit durch einen Verkauf der Anteile börsentäglich verfügbar. Über den Kauf solcher Anteile können auch Privatanleger in den Geldmarkt investieren.

Rendite der Geldmarktfonds hängt vom Leitzins ab

Da Geldmarktfonds ihre Mittel in Zinspapieren anlegen, hängt auch ihre Rendite von der Zinsentwicklung ab. Entscheidend ist dabei in Europa der Leitzins der Europäischen Zentralbank. Der liegt seit März 2016 bei null Prozent. Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins Ende März dieses Jahres auf 0,25 Prozent gesenkt. Ähnlich wie bei Tagesgeld und Festgeld können Anleger bei Geldmarktfonds daher derzeit nicht mit einer hohen Rendite rechnen.

Allerdings bestimmen nicht nur die Leitzinsen die Rendite, sondern auch die Zins- und Renditeentwicklung der Papiere innerhalb des Fonds. Diese kann sich durchaus von den Leitzinsen unterscheiden – wenn auch nicht übermäßig. Die Renditeentwicklung dreier ausgewählter Geldmarktfonds zeigt die Tabelle. Es sind alles Fonds, die in US-Papiere investieren. Dort ist die Zinssituation noch etwas günstiger als in Europa.

Da die Verzinsung der Geldmarktfonds in der Regel wenig schwankt, gelten die Fonds als vergleichsweise sichere Geldanlage. Ganz risikolos sind sie aber nicht. Und: Es fallen dabei Kosten an. Anleger müssen das in die Renditebetrachtung miteinbeziehen. 

Fonds Anlageschwerpunkt Rendite
1 Jahr
Rendite
3 Jahre
Rendite
5 Jahre
Vontobel Fund US Dollar Money B Der Fonds investiert in Festgelder, kurzfristige Geldmarktinstrumente sowie unterjährige verzinsliche Wertpapiere, die auf US-Dollar lauten. 1,79% 6,65% 9,16%
Pimco US Short-Term Fund E USD Der Fonds investiert in eine Auswahl von Anleihen mit festem oder variablem Zinssatz, die von Unternehmen oder Regierungen ausgegeben werden und meist auf US-Dollar lauten.  2,02% 5,63% -
Pictet Short Term Money Market USD P Der Fonds versucht, eine Rendite ähnlich der Zinssätze an den Geldmärkten zu erzielen. Er legt dazu sein Vermögen in Geldmarktinstrumenten und Einlagen an. 0,96% 5,45% 7,50%

Quellen: Mountain View Data Gmbh / biallo.de, Renditen in US-Dollar, Stand: 06.11.2020

Auf die Kosten bei Geldmarktfonds achten

Ähnlich wie bei Aktienfonds wird auch beim Kauf von Geldmarktfonds ein sogenannter Ausgabeaufschlag fällig. Dieser kann bis zu sieben Prozent des Anlagevolumens betragen. Außerdem kommen auf die Anleger laufende Kosten wie etwa die Verwaltungskosten für den Fonds hinzu. Weil für den Kauf des Fonds außerdem ein Depot nötig ist, müssen Anleger überdies Depotkosten berücksichtigen.

Die Kosten beeinflussen die Rendite des Fonds. Anleger sollten daher unter anderem auf geringe Ausgabeaufschläge achten. Dies gilt vor allem dann, wenn das Geld nur kurzfristig in einem Geldmarktfonds geparkt werden soll. Denn je höher der Ausgabeaufschlag ist, desto länger müssen einmalig gekaufte Fondsanteile gehalten werden, damit sich der Aufschlag beim Kauf der Anteile amortisiert. Längere Haltedauern jedoch sind bei Geldmarktfonds vor allem dann von Vorteil, wenn die Zinsen steigen. Denn damit steigt in der Regel auch die Rendite des Geldmarktfonds.

Geldmarkt-ETFs sind günstiger

Derzeit jedoch können Anleger nicht mit steigenden Zinsen rechnen. Die Fondskosten sind daher ein umso wichtigeres Kriterium. Statt aktiv gemanagter Geldmarktfonds können deshalb passive Geldmarkt-ETFs eine Alternative für Anleger sein. Bei ihnen fällt kein Ausgabeaufschlag an. Ihre laufenden Kosten liegen mit etwa 0,15 Prozent meist deutlich unter denen aktiver Geldmarktfonds.

Geldmarkt-ETFs bilden die Indizes bestimmter Geldmarkt-Papiere nach. Das kann ein Index auf Staatsanleihen unterschiedlicher Laufzeiten sein. So investiert etwa der in der Tabelle unten aufgeführte Amundi Euro-Inflation-ETF in inflationsindexierte Staatspapiere aus der Eurozone. Solche Staatsanleihen sind an den Verbraucherpreisindex gekoppelt und sollen die Anleger vor Inflation schützen.

ETF Anlageschwerpunkt Rendite
1 Jahr
Rendite
3 Jahre
Rendite
5 Jahre
iShares Ultrashort Bond UCITS ETF* Der ETF bildet einen Index nach, der aus auf US-Dollar lautenden Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating besteht. 1,61% 6,77% 9,40%
Pimco USD Short Maturity Source ETF* Der ETF investiert in auf US-Dollar lautende, festverzinsliche Wertpapiere mit Laufzeiten bis zu einem Jahr 1,52% 6,32% 10,35%&
Amundi ETF Euro Inflation Der ETF bildet einen Rentenmarktindex ab, der die Wertentwicklung von inflationsindexierten Staatsanleihen aus der Eurozone wiedergibt. 0,19% 5,42% 9,50%

Quellen: Mountain View Data Gmbh / biallo.de, * Renditen in US-Dollar, Stand: 06.11.2020

Kurse der Geldmarktfonds können auch einbrechen

Geldmarktfonds und Geldmarkt-ETFs bergen auch Risiken. Bei aktiv gemanagten Fonds ist eines davon die Anlagestrategie. Nicht jeder Fondsmanager investiert ausschließlich in solide Papiere. Das hat sich insbesondere in der Finanzkrise 2008 gezeigt.

Damals hatten Geldmarktfonds sogenannte Asset Backed Securities (ABS) im Portfolio. Diese Wertpapiere waren mit Forderungen für Kredite abgesichert. Dabei ging es insbesondere um Immobilienkredite. Während der Immobilienkrise in den USA verloren diese Papiere drastisch an Wert – und damit auch die Geldmarktfonds, die auf die ABS-Papiere gesetzt hatten. Ähnlich verhielt es sich mit Investments in Zinspapiere isländischer Banken. Als diese pleitegingen, waren die Anlagen und damit auch das Geld der Anleger in den Geldmarktfonds verloren.

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Festgeld
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
  210,00 €
1,05 %
2.
  150,00 €
0,75 %
3.
  140,00 €
0,70 %
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Als Konsequenz aus der Krise hat die EU die Regeln für Geldmarktfonds mittlerweile verschärft. Sicherungsmechanismen wie ein zeitweiliger Rückzahlungsstopp sollen dafür sorgen, dass die Fonds nicht so leicht in Schieflage geraten. Dennoch zeigen die Beispiele: Verlieren Papiere innerhalb eines Fonds an Wert, wirkt sich das auch auf den Kurs des Fonds aus – beziehungsweise auf den sogenannten Net Asset Value (NAV) des Fonds, den Nettoinventarwert. 

Hinzu kommt ein allgemeines Kursrisiko: Sinkt die Nachfrage nach Anlagen am Geldmarkt, geht der Kurs eines Geldmarktfonds ebenfalls nach unten. Außerdem gibt es bei Geldmarktfonds ein Wechselkursrisiko. Das gilt etwa für Fonds, die in US-Papiere investieren. Legt der Euro gegenüber dem Dollar an Wert zu, entstehen unter Umständen Verluste. Denn dann erhalten Anleger für ihre Anteile in US-Dollar weniger Anteile in Euro.

Biallo-Lesetipp

Auch bei ETFs besteht ein Währungsrisiko, wenn die im ETF enthaltenen Wertpapiere in Fremdwährungen aufgelegt sind. Was das für Anleger bedeutet, und wie sie darauf reagieren können, erfahren Sie in unserem  Ratgeber zu ETF und Währungsrisiken.

Darauf sollten Anleger bei Geldmarktfonds achten

Mit Geldmarktfonds oder Geldmarkt-ETFs können Anleger freiwerdende Mittel für eine gewisse Zeit parken – etwa, wenn das Geld aus einer Kapitallebensversicherung oder einer Steuerrückzahlung fällig wird. Gegenüber Tagesgeld haben die Fonds dabei den Vorteil, dass sie die Chance auf eine etwas höhere Rendite bieten. Verglichen mit Festgeld sind Geldmarktfonds flexibler: Sie lassen sich börsentäglich kaufen und verkaufen.

Anders als beim Tages- oder Festgeld fallen bei aktiv gemanagten Geldmarktfonds darüber hinaus Kosten an. Bei solchen Fonds sollten Anleger daher vor allem auf geringe Ausgabeaufschläge achten. Günstiger sind Geldmarkt-ETFs. Aber auch hier sollten Anleger bedenken: Da ETFs einen Geldmarkt-Index abbilden, investieren sie nur in eine ganz bestimmte Anlageklasse. Um das Portfolio breit aufzustellen, sollten man daher darauf achten, dass Geldmarktfonds stets nur einen begrenzten Anteil am Depot ausmachen.

Um die Risiken eines Geldmarktfonds möglichst gering zu halten, sollten dieser nur in solide Bankguthaben oder Anleihen investieren. Wer das nicht beurteilen kann oder sich mit der Anlage unsicher fühlt, sollte lieber Tages- oder Festgeld als Parkplatz für sein Geld wählen. 

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0,50 %
2.
12,51 €
0,50 %
3.
12,50 €
0,50 %
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate





  Andreas Jalsovec


 
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