• Sie möchten fürs Alter vorsorgen?
  • Nachhaltig investieren?
  • Steuern sparen?
  • Für Ihre Finanzen und Geldanlage einfach nichts mehr verpassen?
Wir versorgen Sie mit den interessantesten Beiträgen und Produkttests aus der Finanzwelt.
Versand zweimal pro Woche
Auf einen Blick
  • Erneuerbare Energien sind der Schlüssel für die effiziente, nachhaltige Versorgung. Als ein Energieträger der Zukunft gilt Wasserstoff. 

  • Aktien von Wasserstoff-Unternehmen haben 2020 geboomt. Anfang 2021 wurde der langfristige Aufwärtstrend bestätigt, während Gewinnmitnahmen einigen Titeln Verluste bescherten.

  • Anleger sollten Chancen und Risiken gut abwägen. Mittlerweile sind die fundamentalen Bewertungen recht hoch.
12

Die globale Energieversorgung wird sich in den nächsten Jahrzehnten grundlegend ändern. Die Reichweite von Öl sowie Erdgas ist endlich und die Verbrennung fossiler Stoffe belastet das Klima stark mit CO2. Länder wie Deutschland, Spanien und Belgien steigen zudem aus der Atomkraft aus oder wollen wie Frankreich den Anteil an Kernenergie senken.

Angetrieben wird die Energiewende von erneuerbaren Quellen. Neben Wind und Sonne gilt Wasserstoff als Energie der Zukunft. Erzeugung und Nutzung des Gases bieten damit Anlegern Chancen. Wie die Analyse von Marktumfeld und Anlageoptionen zeigt, bergen Investments in Wasserstoff-Technologien allerdings auch Risiken.

Wasserstoff wird bereits intensiv genutzt

Eine von Wasserstoff angetriebene Welt ist durchaus keine neue Idee: Das 1766 vom englischen Chemiker Henry Cavendish entdeckte Gas ist seit langem unverzichtbar bei vielen industriellen und technischen Prozessen. Der Stoff mit der Formel H2 wird bei der Raffination von Öl, beim Schweißen, als Kühlmittel und Lebensmittelzusatz, als Treibstoff für Raumfähren oder für Düngemittel genutzt.

Derzeit werden im Jahr weltweit rund 70 Millionen Tonnen reiner Wasserstoff verbraucht, weitere 45 Millionen Tonnen als Gasgemische. Der Haken daran: Die Menge wird fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen gewonnen, wobei genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie bei der direkten Verbrennung entsteht. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) fallen dadurch jährlich Emissionen von 830 Millionen Tonnen CO2 an. Das würde den Treibhausgas-Emissionen Großbritanniens und Indonesiens entsprechen.

Energiewende fördert Wasserstoff-Technologien

Vor allem zwei Trends haben Wasserstoff jedoch zum Hoffnungsträger für Energieversorgung und Umwelt des 21. Jahrhunderts gemacht: das absehbare Ende des Verbrennungsmotors und die rasch steigende Produktion von Strom aus Wind und Sonne. 

Zwar werden Benzin- und Dieselmotoren noch länger Autos, Lastwagen und Schiffe antreiben. Aufgrund ihrer schlechten Ökobilanz und sinkenden Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu alternativen Antrieben dürften klassische Motoren aber sukzessive aus Massenmärkten verschwinden. Bis Ende 2020 haben bereits 17 Länder das Aus des Verbrennungsmotors bei Autos beschlossen oder geplant. Norwegen will 2025 aussteigen. Großbritannien, Schweden, die Niederlande oder auch Dänemark haben 2030 fixiert.

Wasserstoff ist zudem ein perfekter Energiespeicher für Strom aus Wind- und Sonnenkraft. Hierzulande lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2020 laut des Fraunhofer-Instituts ISE bereits bei 55,8 Prozent. Laut Energiekonzept der Bundesregierung soll dieser Wert in den nächsten Jahrzehnten auf mindestens 80 Prozent steigen. Doch Windräder und Solarzellen liefern unbeständig und produzieren meist weit weg von großen Verbrauchszentren. Mit Wasserstoff ließen sich die regenerativen Energiequellen flexibel nutzbar machen.

Dafür speist man den Stoff in reiner Form direkt in das Erdgasnetz, lagert es in Speichern und transportiert es dann dorthin, wo es gebraucht wird. "Power-to-Gas" nennt sich das Verfahren, bei dem aus Ökostrom und Wasserdampf Wasserstoff hergestellt wird. Jederzeit kann dieser wieder in Strom und Wärme zurück verwandelt werden. Bisher laufen in Deutschland rund 40 Anlagen, die erneuerbare Gase herstellen und speichern.

Ein großer Standort ist aber noch nicht dabei. Der ist erst im Hamburger Hafen geplant. Gemeinsam mit der Hansestadt wollen die Unternehmen Shell, Vattenfall und Mitsubishi Heavy Industries eine Power-to-Gas-Anlage mit einer Leistung von mindestens 100 Megawatt aufbauen. Sie könnte etwa zwei Tonnen Wasserstoff pro Stunde herstellen – damit fährt ein Pkw etwa 200.000 Kilometer und ein Lkw 25.000 Kilometer weit. Das wäre eine neue technische Dimension. Das heißt für Wasserstoff-Produktion und Anwendungen: "Wir befinden uns noch ganz am Anfang der Entwicklung. Wir müssen unseren Blick auf die nächsten 30 Jahren richten", sagt Karsten von Blumenthal von First Berlin Equity Research.


Industrieländer formulieren Wasserstoff-Strategien

Der am weitesten entwickelte Markt ist Japan. Seit 2017 folgen Nippons Regierung, die Auto- und Technikkonzerne einer nationalen Strategie. Bis 2030 sollen in Japan 800.000 Brennstoffzellen-Autos fahren und über fünf Millionen sogenannte Mikro-KWK-Anlagen auf Brennstoffzellenbasis dezentral Strom sowie Wärme in Häusern produzieren.

Auch in China, Frankreich, den USA, Großbritannien oder Norwegen wird immer mehr in H2-Technologien investiert. "Natürlich sind viele Technologien noch nicht ausgereift. Aber dass künftig ein enormer Bedarf an Wasserstoff entsteht, das haben Regierungen und Industrie erkannt", erläutert Analyst von Blumenthal.

Für die Bundesregierung zählt Wasserstoff zu den wichtigen Bausteinen der Energiewende. Mitte Februar 2021 beschloss das Bundeskabinett wesentliche Regelungen zum Aufbau eines Wasserstoffnetzes. Bereits Mitte 2020 wurde die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet, die einen Fokus auf Produktion und Verwendung von grünem H2 legt.

Bis 2023 sollen über eine Milliarde Euro Fördermittel für den Wasserstoffeinsatz in der Industrie bereit gestellt werden. Für Forschung und Entwicklung stehen in den nächsten drei Jahren rund 1,1 Milliarde Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommen sieben Milliarden Euro als Teil eines Konjunkturpakets. Sie sollen Wasserstoff-Technologien helfen, sich am Markt zu etablieren. Weitere zwei Milliarden Euro sollen in internationale Partnerschaften fließen.

Mit den Mitteln sollen in der nächsten Dekade Erzeugungsanlagen mit bis zu fünf Gigawatt Leistung gebaut werden. Bis 2040 sollen Elektrolysekapazitäten von zehn Gigawatt entstehen. Zum Vergleich: 2020 erzeugten die deutschen Kernkraftwerke 6,4 Gigawatt Strom. Laut Peter Altmaier (CDU) sind die Ziele klar: Zum einen soll Wasserstoff zur Dekarbonisierung wichtiger Kernbranchen, wie der Stahl- und Chemieindustrie, aber auch des Verkehrssektors beitragen. Zum anderen soll sich Deutschland eine internationale Vorreiterrolle bei Entwicklung und Export von Wasserstofftechnologien sichern, sagt der Bundeswirtschaftsminister.

Wasserstoff-Anwendungen sind vielfältig, aber oft noch unausgereift

Tragbar, stationär, mobil, industriell: die Einsatzbereiche von Wasserstoff sind ohne Zweifel vielfältig. Welche Verfahren echtes Potential entfalten, ist aber fraglich. An Energielösungen für tragbare Geräte wird schon seit mehr als 20 Jahren getüftelt. Tablets oder Laptops lassen sich problemlos mit dem Gas betreiben. Die Mini-Kraftwerke sind jedoch erheblich teurer als Akkus. Auch stationäre Brennstoffzellen für Häuser haben nur Marktchancen, wenn sie in Menge hergestellt werden.

Fliegen mit Wasserstoff statt Kerosin: Möglich ist das! Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) testen ebenso wie die Luftfahrindustrie grüne Treibstoffe. Airbus will eigenen Angaben zufolge als weltweit erster Hersteller ein Passagierflugzeug mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen. Dazu testet das Unternehmen verschiedene Designs. Beim neusten Modell, das Anfang 2021 vorgestellt wurde, setzt der Flugzeugbauer auf einen Propeller-Antrieb. Bis 2025 will sich Airbus für ein Konzept entscheiden. Airbus-CEO Guillaume Faury bestätigte Ende 2019 auf einer Veranstaltung des Vereins Hamburger Wirtschaftsjournalisten: "Die Antriebstechnologien befinden sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess." Es sei aber noch nicht klar, welche Designs sich durchsetzen.

Für Züge ist Wasserstoff sinnvoll, wenn Oberleitungen fehlen. In Deutschland ist knapp die Hälfte des Schienennetzes nicht elektrifiziert. In Deutschland sind rund 40 Prozent des Schienennetzes nicht elektrifiziert. EU-weit liegt der Elektrifizierungsgrad der Strecken laut Daten des Portals Statista bei etwa 50 Prozent. Doch die Technologie steckt in den Kinderschuhen. Seit 2018 fährt mit "Coradia iLint" des französischen Herstellers Alstom bislang erst ein Brennstoffzellen-Zug; und zwar zwischen Buxtehude und Cuxhaven. Ende 2020 sind die Deutsche Bahn und Siemens ins Wasserstoff-Zeitalter gestartet. Gemeinsam wollen die Unternehmen einen H2-Zug und eine spezielle Tankstelle entwickeln. Tatsächlich sind die Perspektiven im Schienenverkehr exzellent: "Wasserstoff-Züge machen dreckige Dieseltechnologie und elektrische Infrastruktur unnötig", sagt Analyst Karten von Blumenthal.

Für Lkw erproben Hyundai und Toyota H2-Antriebe. Bosch entwickelt mit dem US-Unternehmen Nikola Motors Brennstoffzellen für Lastwagen. Der Einsatz ist Fachleuten zufolge aber noch nicht ausreichend erforscht. Zudem "fahren Lkw auf der Langstrecke auch mit Diesel effizient", schreibt der Tüv Süd in einer Analyse. Gegenüber elektrischen Antrieben hat Wasserstoff beim Schwerlast-Verkehr aber zwei klare Vorteile: kurze Betankungszeiten und die größere Reichweite.

Völlig konträre Wege gehen die beiden größten Autobauer der Welt. Während bei Toyota in Japan bereits Wasserstoff-Fahrzeuge in Serie vom Band rollen, vertraut Volkswagen auf batteriebetriebene E-Mobile. VW wird eigenen Angaben zufolge die Brennstoffzellen-Technologie zwar weiter erkunden und Audi hat für dieses Jahr ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug in Kleinserie angekündigt. Doch Anfang 2020 machte VW-Chef Herbert Diess klar, man werde sich auf Elektromobilität konzentrieren.

"Die sehr schlechte Energieeffizienz von der Primärenergiequelle bis zum Antriebsrad von Brennstoffzellen-Autos sorgt dafür, dass batteriebetriebene E-Autos um ein Mehrfaches effizienter sind", sagte der Wissenschaftler vom Helmholtz-Institut für Elektrochemische Energiespeicherung der Wirtschaftswoche. "Ich bin ganz und gar nicht gegen Wasserstoff. Nur muss man ihn dort einsetzen, wo er auch Sinn ergibt, etwa im stationären Bereich, als Stromspeicher, auch im Schwerlastverkehr, bei Schiffen und in der Industrie", begründet Michael Fichtner.

Bei Michelin hingegen ist man der Meinung, dass sich Wasserstoff im Verkehrssektor durchsetzt. 2030, heißt es beim französischen Reifenhersteller, könnten schon zwei Millionen H2-Fahrzeuge auf den Straße sein, etwa 350.000 davon Lkw. Ein Viertel davon soll mit der Technologie fahren, die Michelin selbst verkaufen will. Dafür ist der Reifenhersteller in die Herstellung von Brennstoffzellen-Antrieben eingestiegen.

Technologiekosten müssen deutlich sinken

Wirtschaftlichkeit und CO2-Fußabdruck von Wasserstoff-Technologien hängen von vielen Faktoren ab. Dazu zählen Produktionsart und Preis des Grundstoffs. Wie Strom ist Wasserstoff kein Primärenergieträger, sondern muss hergestellt werden. Dafür braucht man Rohstoffe wie Öl und Erdgas, Biomasse oder Wasser sowie elektrische, thermische oder solare Energie, die von außen zugeführt wird.

Gewinnt man Wasserstoff aus fossilen Stoffen, wird er als "grau" bezeichnet. Wird er aus Wasser mit regenerativ erzeugtem Strom abgespalten, gilt er als "grün". Die nachhaltige Produktion ist jedoch teurer: Einer Studie der IEA von 2019 zufolge variiert der Erzeugungspreis von grünem H2 zwischen etwa drei und sechs Euro pro Kilogramm. Die "graue" Variante lässt sich derzeit je nach Verfahren für eineinhalb bis vier Euro herstellen.

Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin sind erheblich günstiger. Experten der Unternehmensberatung McKinsey gehen in einer Studie zwar davon aus, dass die Kosten für viele Wasserstoff-Anwendungen bis 2030 um rund die Hälfte sinken werden. Bedingung wären zuvor jedoch globale Investitionen in Höhe von etwa 80 Milliarden Euro. Das entspricht etwa fünf Prozent der weltweiten Energieausgaben pro Jahr.

Wasserstoff-Investments orientieren sich an Trends und Perspektiven

Der Kapitalmarkt spiegelt das Profil von Wasserstoff: Das Gas ist nicht nur einer der Megatrends der Energiebranche, sondern auch an der Börse. Nach dem Corona-Crash im März 2020 zeigten etliche Titel eine starke Performance mit hohen Kursteigerungen. So legte der amerikanische Brennstoffzellen-Spezialist Plug Power im vergangenen Jahr um über 800 Prozent zu. Die französische McPhy Energy, die Wasserstoff-Speicher, -Tankstellen und Elektrolyseanlagen entwickelt, verbuchte rund 750 Prozent plus auf dem Parkett. Und die US-Firma FuelCell Energy, die Anlagen für die Erzeugung von Strom aus Wasserstoff und Erdgas herstellt, konnte den Börsenkurs um mehr als 640 Prozent steigern.

Die 10 Wasserstoff-Aktien mit der besten Performance 2020

Unternehmen

Performance*

Unternehmen

Performance*

1. Plug Power

843,76%

2. McPhy Energy

766,32%

3. FuelCell Energy

643,82%

4. ITM Power

566,67%

5. Ceres Power

365,78%

6. Bloom Energy

325,98%

7. Nel ASA

202,93%

8. Ballard Power

183,08%

9. PowerCell Sweden

108,79%

10. SFC Energy

63,99%

* im Zeitraum vom 02.01.2020 bis 30.12.2020 / Quelle: Börse Stuttgart.

"Mit Fundamentaldaten lassen sich die Kurse kaum begründen. Die Rallye der Wasserstoff-Papiere wird vom Hype um die Zukunft der Technologie angeschoben", erläutert Analyst von Blumenthal. Weil das Potential und der politische Wille jedoch unbestreitbar sind, entfachte das Gas in den vergangenen Monaten kräftig Anlegereuphorie.

Ob das 2021 so weiter geht, bleibt abzuwarten. Die Bewertungen vieler Unternehmen sind mittlerweile im Vergleich zum Umsatz sehr hoch – das könnte zu Rückschlägen führen. Gewinnmitnahmen drückten im Januar und Februar 2021 bereits viele Kurse. Doch Fakt ist auch: Neben EU-Ländern und Japan stellen sich die global größten Industrien USA und China immer mehr auf die Energiewende ein.

So hat der neue US-Präsident Joe Biden das Ziel ausgegeben, dass sein Land bis 2050 klimaneutral sein wolle. „Grüner Wasserstoff ist eine von fünf Prioritäten in der Innovationsstrategie des Biden-Harris-Transition-Teams für den Klimaschutz“, erläutert Raffaele Piria vom Beratungsinstitut Adelphi in einem Standpunkt für die Zeitung Tagesspiegel. Und China will nach Aussage von Christina Otte, Wirtschaftsexpertin bei der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI), bis 2050 zehn Prozent der Energieversorgung mit Wasserstoff leisten.

Die jahrzehntelange Perspektive verdeutlicht die Chancen, aber auch die Risiken von Wasserstoff-Investments. Regierungen rund um den Globus werden über einen langen Zeitraum viel Kapital in den Markt pumpen, doch die meisten Technologiepfade befinden sich noch am Anfang. Uwe Zimmer von Fundamental Capital fragt sich daher: „Wird heute bereits eine Zukunft gehandelt, die noch zu lange auf sich warten lässt?“ Der Vermögensverwalter weist gleichzeitig darauf hin, dass derzeit eine steigende Investorennachfrage auf wenige verfügbare Wasserstoffaktien treffen würde. Und das könnte die Kurse weiter explodieren lassen.

Rechner festgeld
3
Festgeld
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
  210,00 €
1,05 %
2.
  102,00 €
0,51 %
3.
  90,00 €
0,45 %
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre


ETFs und aktive Fonds im Bereich Wasserstoff

Wer nicht auf Aktien, sondern auf ETFs und Fonds setzen möchte, dürfte zumindest vom quantitativen Angebot enttäuscht sein. Seit Mitte Februar 2021 ist immerhin der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (WKN A2QMAL) erhältlich. Der erste Wasserstoff-ETF zielt laut Emittent LGIM darauf ab, die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette abzudecken. Das würde Unternehmen entlang der kompletten Lieferkette mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 200 Millionen US-Dollar umfassen – also Elektrolyseur-Hersteller, Wasserstoffproduzenten, Brennstoffzellenhersteller, spezialisierte Mobilitätsanbieter, Lieferanten von Brennstoffzellenkomponenten sowie wichtige Industrie- und Energieversorgungsunternehmen. 

Über Zertifikate und weitere Anlageprodukte können Anleger zudem an der Wertentwicklung eigens aufgelegter Wasserstoff-Indizes partizipieren. Dazu zählen der E-Mobilität Wasserstoff-Index (WKN: SLA8F8), der Global Hydrogen Index (WKN: A2GG8L), der Hydrogen Top Selection Index (WKN: VP2HYD) und der World Hydrogen Index (WKN: SL0BBN). Anleger sollten hier allerdings beachten, dass Zertifikate im Gegensatz zu Fonds oder ETFs nicht zum Sondervemögen zählen und im Fall einer Pleite des Emittenten zum Totalausfall führen können.

Die Referenzindizes der thematisch nahen ETFs Lyxor New Energy UCITS und iShares Global Clean Energy sind der World Alternative Energy sowie S&P Global Clean Energy Index. Abgebildet werden Unternehmen, die in alternativen Energien tätig sind. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber "Nachhaltige Fonds und ETFs".

Beim aktiv gemanagten Fonds LBBW Global Warming R gehören Linde und Air Liquide derzeit zu den Bestandspositionen. Der DNB Fund – Renewable Energy A – investiert in weltweite Aktien von Unternehmen, die im Sektor erneuerbarer Energien tätig sind. Größte Position ist die amerikanische Biodiesel-Firma Renewable Energy Group.

Doch ob Aktien, ETFs oder Fonds als Anlageziel in Frage kommen: Wer sich mit Wasserstoff als Investment beschäftigt, muss Chancen und Risiken genau abwägen.

Wasserstoff-Aktien von A bis Z

1. Air Liquide (WKN: 850133) – Französischer Hersteller von Gasen. Mit Linde, Daimler, Shell und Total hat die Firma die Initiative H2 Mobility gegründet, um der Wasserstoff-Technologie in Deutschland schneller zum Durchbruch zu verhelfen.

2. Ballard Power (WKN: A0RENB) – Weltmarktführer für Brennstoffzellen aus Kanada. Ballard liefert Brennstoffzellen für Busse und entwickelt sie gemeinsam mit Audi für Pkw.

3. Bloom Energy (WKN: A2JQTG) – Das US-Unternehmen gilt als technisch führend bei der SOFC-Technik. Das ist ein Hochtemperatur-Brennstoffzellentyp, der verschiedene Brennstoffe nutzen kann.

4. Ceres Power (WKN: A2NB49) – Das britische Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern von Festoxid-Brennstoffzellen.

5. Cummins (WKN: 853121) – Die US-Firma baut Motoren und Energieversorgungs-Systeme. Wasserstoff und E-Mobilität stehen im Fokus. 2019 wurde der Wasserstoff-Spezialist Hydrogenics übernommen.

6. FuelCell Energy (WKN: A2PKHA) – Das US-Unternehmen stellt Anlagen für die Erzeugung von Strom aus Wasserstoff und Erdgas her.

7. Hexagon Composites (WKN: 904953) – Norwegische Hersteller von Tanks und Verbundzylindern für die Speicherung von Wasserstoff.

8. ITM Power (WKN: A0B57L) – Britisches Elektrotechnologie-Unternehmen, das derzeit zum Beispiel mit Shell in Deutschland die größte grüne Wasserstoffproduktionsanlage baut.

9. Linde (WKN: A2DSYC) – Einer der Weltmarktführer bei Gasen. Die Firma mit Sitz in Irland hat stark in Wasserstoff investiert. Linde ist Euro Stoxx 50 gelistet. Die Firma ist keine reine Wasserstoff-Aktie.

10. McPhy (WKN: A1XFA8) – Die französische McPhy entwickelt Wasserstoff-Speicher, -Tankstellen und Elektrolyseanlagen. 2018 hat sich der Kernenergie-Konzern EDF mit 22 Prozent beteiligt.

11. Nel ASA (WKN: A0B733) – Die norwegische Firma baut Elektrolyseure, Geräte zur Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Zudem stellt das Unternehmen Wasserstofftankstellen her.

12. Plug Power (WKN: A1JA81) – Die US-Firma baut Brennstoffzellensysteme, die etwa bei Gabelstaplern zum Einsatz kommen.

13. PowerCell (WKN: A14TK6) – Das schwedische Unternehmen entwickelt und produziert Brennstoffzellen-Stacks (Stapel). Sie ist eine Ausgründung aus Volvo und kooperiert unter anderem mit Bosch.

14. SFC Energy (WKN: 756857) – Hersteller von Direktmethanol- und Wasserstoff-Brennstoffzellen mit Sitz in Brunnthal bei München. Zudem werden Lösungen für netzferne und stationäre Stromerzeugung und -verteilung entwickelt.

15. Weichai Power (WKN: A0M4ZC) – Das Unternehmen war die erste Dieselmotor-Fabrik Chinas. Zuletzt wurde massiv in Wasserstoff investiert. Weichai ist Großaktionär bei Ballard Power und Ceres Power.

16. 2G Energy (WKN: A0HL8N) – Die deutsche Firma baut Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) zur dezentralen Nutzung. Das Produktportfolio umfasst Anlagen mit 20 und 2.000 Kilowatt Leistung. Der Betrieb kann mit Wasserstoff, Erdgas, Biogas oder Biomethan erfolgen. Bislang hat 2G in 45 Ländern mehrere Tausend KWK-Anlagen installiert.

Über den Autor Matthias Kutzscher

Matthias Kutzscher ist Experte für Energie-, Internet- und Verbraucherthemen. Der Wirtschaftswissenschaftler volontierte bei der Deutschen Presse-Agentur und schrieb als Redakteur für Rheinische Post, VDI Nachrichten, den Rheinischen Merkur sowie das Magazin DM/Euro aus dem Handelsblattverlag. Als Chefredakteur verantwortete er die Nachrichtendienste Energie & Markt sowie Energie & Handel des ET Verlags. Kutzscher ist Dozent für Journalismus und Online-Journalismus an der Axel Springer Akademie, an der Europäischen Medien- und Business-Akademie, für die School for Communication and Management sowie für Media Workshop Hamburg. Große Stärke von Matthias Kutzscher ist es, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten. Dabei kombiniert er gekonnt die Vermittlung von Fakten mit lebendigem Storytelling.

  Matthias Kutzscher
Powered by Telsso Clouds