Auf einen Blick
  • An erneuerbaren Energien führt künftig kein Weg mehr vorbei. Als ein Energieträger der Zukunft gilt dabei Wasserstoff.

  • Aktien von Wasserstoff-Unternehmen haben 2020 geboomt und 2021 zum Teil kräftig verloren. Dennoch ist die Wachstumsfantasie nach wie vor intakt.

  • Wir sagen Ihnen, welche Aktien und ETFs chancenreich sind – und worauf Sie dabei unbedingt achten sollten.
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Die weltweite Energieversorgung wird sich in den nächsten Jahrzehnten grundlegend ändern. Öl und Erdgas sind endlich, die Verbrennung fossiler Stoffe belastet das Klima mit CO2. Viele Länder setzen daher immer stärker auf erneuerbare Energiequellen. Neben Wind und Sonne gilt Wasserstoff als Energieträger der Zukunft. Erzeugung und Nutzung des Gases bieten damit Anlegern Chancen. Eine Investition in Wasserstoff kann aber auch sehr riskant sein, wie die vergangenen Monate gezeigt haben. Biallo.de erläutert die Zukunftsaussichten der Technologie. Wir sagen Ihnen, welche Aktien beim Thema Wasserstoff chancenreich sind und welche ETFs es gibt.

 

Energiewende fördert Wasserstoff-Technologien

Eine von Wasserstoff angetriebene Welt ist keine neue Idee: Das 1766 vom englischen Chemiker Henry Cavendish entdeckte Gas ist seit langem unverzichtbar bei vielen industriellen und technischen Prozessen. Der Stoff mit der Formel H2 wird bei der Raffination von Öl, beim Schweißen, als Kühlmittel und Lebensmittelzusatz, als Treibstoff für Raumfähren oder für Düngemittel genutzt.

Derzeit werden im Jahr rund 90 Millionen Tonnen Wasserstoff hergestellt. Der Haken daran: Die Menge wird fast ausschließlich aus fossilen Brennstoffen gewonnen. Dabei entsteht genauso viel klimaschädliches Kohlendioxid wie bei der direkten Verbrennung.

Vor allem zwei Trends haben Wasserstoff jedoch zum Hoffnungsträger für die Energieversorgung des 21. Jahrhunderts gemacht: das absehbare Ende des klassischen Verbrennungsmotors und die rasch steigende Produktion von Strom aus Wind und Sonne.

Zwar werden Benzin- und Dieselmotoren noch länger Autos, Lastwagen und Schiffe antreiben. Langfristig dürften diese Motoren aber aus Massenmärkten verschwinden. Mittlerweile haben fast 20 Länder das Aus des klassischen Verbrennungsmotors bei Autos beschlossen oder geplant. Wasserstoff-Antriebe sind dafür eine Alternative.

Wasserstoff ist zudem ein perfekter Energiespeicher für Strom aus Wind- und Sonnenkraft. Windräder und Solarzellen liefern die Energie unbeständig und meist weit weg von großen Verbrauchszentren. Mit Wasserstoff ließen sich die regenerativen Energiequellen flexibel nutzbar machen. Dafür wird aus Ökostrom und Wasserdampf Wasserstoff hergestellt und gespeichert. Dieser kann jederzeit wieder in Strom und Wärme umgewandelt werden.

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Industrieländer basteln an Wasserstoff-Strategien

Ein weit entwickelter Markt ist Japan. Seit 2017 folgen Nippons Regierung und die heimischen Auto- und Technikkonzerne einer nationalen Strategie. Bis 2030 sollen in Japan 800.000 Brennstoffzellen-Autos fahren und über fünf Millionen sogenannte Mikro-KWK-Anlagen auf Brennstoffzellen-Basis dezentral Strom sowie Wärme in Häusern produzieren. Aber auch in China, Frankreich, den USA und vielen anderen Ländern wird immer mehr in H2-Technologien investiert.

Und auch für die Bundesregierung zählt Wasserstoff zu den wichtigen Bausteinen der Energiewende. Die Ampel-Koalition will eine Wasserstoff-Industrie mit einer Elektrolyse-Leistung von zehn Gigawatt bis 2030 aufbauen. Vorrangig soll H2 dabei mithilfe von erneuerbaren Energien als „grüner“ Wasserstoff erzeugt werden.

 

Wasserstoff-Anwendungen sind oft noch unausgereift

Die Einsatzbereiche von Wasserstoff sind vielfältig. Welche Verfahren echtes Potenzial entfalten, ist aber offen. Tablets oder Laptops lassen sich problemlos mit Wasserstoff betreiben. Die Mini-Kraftwerke sind jedoch erheblich teurer als Akkus. Fliegen mit Wasserstoff statt Kerosin ist möglich. Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) testen ebenso wie die Luftfahrtindustrie grüne Treibstoffe. Noch ist aber nicht klar, welche Technologie sich durchsetzt. Für Züge ist Wasserstoff sinnvoll, wenn Oberleitungen fehlen. In Deutschland ist knapp die Hälfte des Schienennetzes nicht elektrifiziert. Doch auch hier steckt die Technologie noch in den Kinderschuhen.

Für Lkw erproben Hyundai und Toyota H2-Antriebe. Bosch entwickelt mit dem US-Unternehmen Nikola Motors Brennstoffzellen für Lastwagen. Der Einsatz ist Fachleuten zufolge aber noch nicht ausreichend erforscht. Gegenüber elektrischen Antrieben hat Wasserstoff beim Schwerlastverkehr aber zwei klare Vorteile: kurze Betankungszeiten und die größere Reichweite.

Völlig konträre Wege gehen die beiden größten Autobauer der Welt. Während bei Toyota in Japan bereits Wasserstoff-Fahrzeuge in Serie vom Band rollen, vertraut Volkswagen nahezu ausschließlich auf batteriebetriebene E-Mobile. VW wird eigenen Angaben zufolge die Brennstoffzellen-Technologie zwar weiter erkunden wie etwa bei der Tochter Audi mit der Konzeptstudie „h-tron“. Der Marktstart wird für 2025 erwartet. Doch VW-Chef Herbert Diess hat zuletzt immer wieder klargemacht, man werde sich auf Elektromobilität konzentrieren.

 

Kosten der Wasserstoff-Technologien müssen sinken

Wie Strom ist Wasserstoff kein Primärenergieträger, sondern muss hergestellt werden. Dafür braucht man Rohstoffe wie Öl und Erdgas, Biomasse oder Wasser sowie elektrische, thermische oder solare Energie, die von außen zugeführt wird.

Gewinnt man Wasserstoff aus fossilen Stoffen, wird er als „grau“ bezeichnet. Wird er aus Wasser mit regenerativ erzeugtem Strom abgespalten, gilt er als „grün“. Die nachhaltige Produktion ist jedoch teurer. Benzin, Diesel, Heizöl, Kerosin sind noch immer viel günstiger.

 

Chance und Risiken von Wasserstoff-Investments

Wasserstoff ist nicht nur ein Megatrend in der Energiebranche, sondern auch an der Börse. Nach dem Corona-Crash im März 2020 legten einige Aktien um mehrere hundert Prozent zu. Anschließend jedoch gingen die Kurse zum Teil wieder deutlich zurück. In den vergangenen zwölf Monaten mussten Anleger daher zum Teil deutliche Verluste hinnehmen.

Das zeigt: Wer als Anleger auf Wasserstoff setzt, braucht gute Nerven. Denn viele der vermeintlich zukunftsträchtigen H2-Projekte sind noch in der Anfangsphase und schreiben hohe Verluste. Ihr Erfolg ist alles andere als sicher. Gleichzeitig hängt ein möglicher Durchbruch der Technologie auch stark davon ab, wie sehr sie öffentlich gefördert wird. Das kann ein Risiko darstellen. Allerdings gibt es laut der Unternehmensberatung McKinsey in mittlerweile 30 Ländern Förderpläne zum Ausbau der Wasserstofftechnologie bis 2030 mit einem Investitionsvolumen von insgesamt rund 300 Milliarden US-Dollar, wovon 80 Milliarden US-Dollar bereits ausgereift sind.
Neben den EU-Ländern und Japan stellen dabei auch die global größten Industrien USA und China immer mehr auf die Energiewende ein. So hat US-Präsident Joe Biden das Ziel ausgegeben, dass sein Land bis 2050 klimaneutral sein wolle. Wasserstoff-Firmen und deren Aktien könnten davon profitieren.

 

Diese Wasserstoff-Aktien sind aussichtsreich

Die Kurse der Wasserstoff-Aktien schwankten in den vergangenen zwei Jahren oft sehr stark. Wer einzelne Aktien kauft, sollte daher langfristig vom Erfolg der Technologie überzeugt – und sich gleichzeitig der Risiken bewusst sein, die in der Investition stecken. Biallo.de stellt fünf Wasserstoff-Aktien mit guten Aussichten vor (siehe Tabelle unten).

Air Liquide

Die französische Firma produziert technische Gase für Industrie, Medizin und Umweltschutz. Air Liquide hat mit Linde, Daimler, Shell und Total die Initiative „H2 Mobility“ gegründet, um der Wasserstoff-Technologie in Deutschland schneller zum Durchbruch zu verhelfen. Auch mit dem niederländisch-britischen Nutzfahrzeug-Konzern CNH arbeitet Air Liquide künftig zusammen, um den Einsatz von Brennstoffzellen voranzutreiben. Zu CNH gehört unter anderem der Lkw-Bauer Iveco. Air Liquide ist ein für die Branche eher solides Investment. Die Analysteneinschätzungen waren sehr positiv. Von zehn Banken-Analysten setzten acht die Aktie auf „Kaufen“ oder „Übergewichten“.

Ballard Power

Das kanadische Unternehmen ist Weltmarktführer für Brennstoffzellen. Fast vierzig Prozent der Umsätze erwirtschaftet die Firma mit Brennstoffzellen für Lastkraftwagen, Busse, Schiffe oder Flugzeuge. Diese Bereiche könnten vielversprechender für die Brennstoffzellen-Technologie sein als etwa Pkw. Allerdings: Ballard schreibt schon seit Jahren Verluste. Auch die jüngsten Quartalszahlen waren schwach. Dennoch raten Analysten dazu, die Aktie zumindest zu halten. Sie setzen langfristig auf Gewinne bei Ballard. Schwarze Zahlen werden laut Datenanbieter Factset Research für das Geschäftsjahr 2025 erwartet.

ITM Power

Das britische Elektrotechnik-Unternehmen hat zusammen mit Shell die größte grüne Wasserstoff-Produktionsanlage Deutschlands gebaut. Neben der Herstellung von Wasserstoff-Energieanlagen ist ITM auf die Speicherung von Wasserstoff spezialisiert. Wer auf den Elektrolyse-Spezialisten setzt, muss allerdings ebenfalls Vertrauen in die Zukunft mitbringen. Der Umsatz war im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020/2021 rückläufig, das Unternehmen verzeichnete Verluste. Dennoch gibt sich die Unternehmensleitung optimistisch. Grund ist die hohe Nachfrage nach den ITM-Systemen und ein Rekord-Auftragsbestand. Für die Mehrzahl der Analysten war die Aktie zuletzt ein „Kauf“.

Plug Power

Die US-Firma baut Brennstoffzellensysteme, die etwa bei Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Produkte finden sich aber auch in stationären Notstromanlagen. Zuletzt hat das Unternehmen seine Umsatzprognose angehoben. Dennoch zeigt die Kursentwicklung der Aktie nach unten. Plug Power hängt, wie andere Wasserstoff-Firmen auch, direkt und indirekt an den Fördermitteln der öffentlichen Hand. Schafft es US-Präsident Joe Biden, sein Infrastrukturpaket durchzusetzen, dürfte die Aktie profitieren.

2G Energy

Die deutsche Firma baut Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) zur dezentralen Nutzung. Das Produktportfolio umfasst Anlagen von 20 bis 2.000 Kilowatt Leistung. Der Betrieb kann mit Wasserstoff, Erdgas, Biogas oder Biomethan erfolgen. Bislang hat 2G in 45 Ländern mehrere Tausend KWK-Anlagen installiert. Das Unternehmen erwartet in diesem Jahr gute Geschäfte: Der Auftragsbücher seien voll, hieß es jüngst. Die Blockheizkraftwerke des Unternehmens sind offenkundig gefragt. 2G Energy hat deshalb auch seine Umsatzprognose für 2022 deutlich angehoben. Der Kurs der 2G-Aktie ist zuletzt wieder angestiegen. Er liegt im Jahresvergleich leicht im Plus. Analysten bewerten die Aktie derzeit positiv.

So haben Wasserstoff-Aktien abgeschnitten

Aktie ISIN Performance 1 Jahr Performance 3 Jahre
 Air Liquide  FR0000120073
 17,71 %  62,36 %
 Ballard Power  CA0585861085  -68,82 %  230,79 %
 ITM Power  GB00B0130H42  -52,09 %  1385,03 %
 Plug Power  US72919P2020  -66,09 %  1425,40 %
 2G Energy  DE000A0HL8N9  4,55 %
 349,09 %

Quelle: onvista.de; Stand 20.01.2022.

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Diese Wasserstoff-ETFs gibt es

Wer nicht auf Aktien, sondern auf ETFs und Fonds setzen möchte, darf bislang noch nicht auf viel Auswahl hoffen. Börsennotierte Indexfonds auf Wasserstoff-Aktien gibt es noch nicht lange. Zwei davon sind mittlerweile ein knappes Jahr am Markt.

  • L&G Hydrogen Economy UCITS ETF: Der nach Angaben des Emittenten Legal & General erste Wasserstoff-ETF zielt darauf ab, die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette abzudecken. Das umfasst Unternehmen entlang der kompletten Lieferkette – also Elektrolyse-Firmen, Wasserstoffproduzenten, Brennstoffzellenhersteller, Lieferanten von Brennstoffzellenkomponenten sowie wichtige Automobil-, Industrie- und Energieversorgungsunternehmen. Der ETF enthält 34 Aktien. Unter den größten zehn Positionen finden sich der Automobilhersteller Toyota, die Gas-Produzenten Air Liquide und Linde und der Elektrotechnik-Hersteller Siemensenergy. Anleger setzte mit dem ETF also nicht nur auf Wasserstoff-Firmen, sondern auch auf Anwender der H2-Technologie.
  • VanEck Vectors Hydrogen Economy ETF: Auch dieser ETF enthält einen Mix aus etablierten Firmen und jungen Wasserstoff-Spezialisten. In dem Indexfonds finden sich insgesamt 25 Aktien. Die ersten zehn Positionen enthalten den Autohersteller Mitsubishi, die Gas-Fabrikanten Linde und Air Liquide und die Brennstoffzellen-Aktien Plug Power und Ballard Power. Auch hier ist daher die gesamte Wertschöpfungskette zum Thema Wasserstoff vertreten. Allerdings konzentriert sich der ETF stärker auf die Hersteller der H2-Technologie. Die ersten zehn Aktien vereinen dabei rund 80 Prozent des Fondsvermögens auf sich.
 

Marktenge bei Wasserstoff-ETFs beachten

Wer auf einen Wasserstoff-ETF setzt, sollte bedenken: Auch wenn der Fonds zwei oder drei Dutzend Firmen enthält, bildet er ein sehr enges Marktsegment ab. Dessen Wertentwicklung kann sehr stark schwanken. Das hat die Kursentwicklung einzelner Wasserstoff-Aktien in den vergangenen zwölf Monaten gezeigt.

Eine Investition in Wasserstoff-ETFs sollte unserer Meinung nach einen Anteil von maximal zehn Prozent am gesamten Portfolio nicht übersteigen. Generell sollten solche Themeninvestments insgesamt nicht mehr als zwanzig Prozent im Portfolio ausmachen.

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

Co-Autoren:
  Matthias Kutzscher
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