Auf einen Blick
  • Inflationsindexierte Anleihen gibt es in Deutschland seit 2006. Sie können Anleger vor der Teuerung schützen. 

  • Jetzt hat der Bund angekündigt: Ab 2024 wird er keine neuen Papiere mehr ausgeben.

  • Die Anleihen koppeln Zinszahlung und Rückzahlungswert an einen Inflationsindex. Ihr Kauf lohnt sich, wenn die tatsächliche Inflation höher ist als die erwartete.

  • Für Anleger heißt das: Sie müssen vor dem Kauf der Anleihe abschätzen, wie sich die Inflation bis zur Rückzahlung des Papiers entwickelt.
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Im Jahr 2006 hat die Bundesrepublik Deutschland zum ersten Mal eine Anleihe ausgegeben, die Anleger vor Inflation schützen sollte. Jetzt hat der Bund angekündigt: Ab 2024 werden die sogenannten „inflationsindexierten Bundeswertpapiere“ nicht mehr neu begeben. Die Anleihen, die es derzeit noch am Markt gibt, sollen zwar weiterlaufen. Ihr Volumen werde aber nicht mehr aufgestockt.

Der Grund für den Rückzug aus den inflationsgeschützten Papieren: Sie sind für den Staat zu teuer geworden. Denn bei indexierten Anleihen sind Zinskupon und Rückzahlungsbetrag der Anleihe an die Inflation gekoppelt. Die hohen Teuerungsraten der vergangenen Monate haben deshalb die Zinslast für den Bund deutlich steigen lassen. Das belastet den Staatshaushalt.

Anleger können die Inflations-Anleihen, die bereits am Markt sind, aber weiterhin kaufen. Und: Auch andere Länder geben inflationsgeschützte Anleihen heraus. Daher gibt es auch ETFs, die solche Papiere enthalten. Wir sagen Ihnen, wie die Inflationsanleihen funktionieren und wann sich ihr Kauf lohnt. 

 

Was sind inflationsindexierte Anleihen?

Inflationsindexierte Anleihen werden von Staaten ausgegeben. In Deutschland etwa hat die Finanzagentur des Bundes derzeit vier solcher Bundeswertpapiere mit unterschiedlichen Restlaufzeiten im Umlauf. Sie sollen dem Anleger Schutz vor dem Inflationsrisiko bieten. Sowohl die Zinszahlung für die angelegte Summe als auch der Betrag, den Anleger am Ende der Laufzeit bekommen, sind an die Inflationsentwicklung gekoppelt. Steigt die Inflation, steigen auch Zinszahlung und Rückzahlungswert der Anleihe. Das soll dafür sorgen, dass Anleger real, also nach Abzug der Teuerung, kein Geld verlieren.

Während eine herkömmliche Anleihe den Anlegern am Ende der Laufzeit eine feste nominale Rendite garantiert, sichern sich Investoren dagegen bei einer inflationsgeschützten Anleihe eine bestimmte reale Rendite. Welche der beiden Anleihen die bessere Alternative ist, hängt davon ab, wie sich die Inflation während der Laufzeit des Papiers entwickelt.

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Wie funktionieren inflationsindexierte Anleihen?

Eine inflationsindexierte Anleihe soll Preissteigerungen bei Gütern und Dienstleistungen während der Haltezeit einer Anleihe ausgleichen. Ihre Wertentwicklung hängt daher von einem Preisindex ab. Bei den Inflationsanleihen des Bundes ist das der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Europäischen Union (HVPI, ohne Tabak). Sowohl die Zinszahlungen als auch der Rückzahlungsbetrag werden mithilfe des Index an die Inflation angepasst. Der Preis für diesen Inflationsausgleich ist „der niedrigere fixe Kupon der indexierten Wertpapiere verglichen mit den klassischen Bundesanleihen“, heißt es bei der Bundesfinanzagentur. Der Kupon ist der feste Zins, den der Käufer einer Anleihe auf den angelegten Betrag erhält. 

Das bedeutet: Auch bei einer inflationsgeschützten Anleihe wird ein fester Zinskupon festgelegt. Dieser ist aber deutlich geringer als der Kupon einer herkömmlichen Anleihe. Bei der Inflationsanleihe des Bundes etwa, die im April 2033 ausläuft, liegt der Kupon derzeit bei 0,10 Prozent. Bei einer vergleichbaren herkömmlichen Bundesanleihe sind es 2,42 Prozent. Zu den niedrigeren Zinsen der inflationsgeschützten Anleihe zahlt der Staat dem Anleger jedoch die tatsächliche Inflation bei jeder Kupon-Zahlung dazu. Außerdem erhält der Anleger am Ende der Laufzeit einen Inflationsausgleich auf den Nennwert. 

 

Wie wird der Inflationsausgleich berechnet?

Die regelmäßige Zins- oder Kupon-Zahlung einer Inflationsanleihe berechnet sich zu einem bestimmten Zeitpunkt aus dem Ausgabewert (dem Nennwert) der Anleihe, dem (niedrigen) Kupon und der Teuerung seit dem Ausgabezeitpunkt. Außerdem erhält der Anleger am Ende der Laufzeit einen Rückzahlungsbetrag, der sich aus dem ursprünglichen Ausgabewert der Anleihe und dem Preisanstieg seit dem Ausgabezeitpunkt ergibt.

Ein Rechenbeispiel macht das deutlich:

Sie investieren 10.000 Euro (Nennwert) in eine inflationsindexierte Anleihe. Der Kupon der Anleihe liegt bei 0,10 Prozent, die Inflation bei 5,00 Prozent. Dann erhalten Sie nach einem Jahr eine Zinszahlung in Höhe von 

[10.000 Euro + (10.000 Euro x 0,05)] x 0,10/100
= 10.000 Euro x 1,05 x 0,10/100 = 10,50 Euro

  • Dabei ist der Wert 0,10/100 der Kupon der Anleihe (0,1 Prozent).
  • Die Zahl 1,05 ist die sogenannte „Indexverhältniszahl“. Sie gibt an, wie sich der Inflationsindex im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat. Je höher die Inflation, desto größer ist diese Zahl.
  • Der Wert 10.000 x 0,05 ist der Inflationsausgleich, den der Anleger nach einem Jahr Laufzeit bekommt.

Hat die Anleihe etwa eine Laufzeit von nur einem Jahr, dann erhalten Sie am Ende der Laufzeit einen Rückzahlungsbetrag in Höhe von 

10.000 Euro + [10.000 Euro x 0,05] = 10.500 Euro. 

Insgesamt haben Sie damit nach einem Jahr ein Kapital von 10.510,50 Euro.

Rechnet man aus diesem Betrag die Inflation wieder heraus – etwa mit dem Inflationsrechner von biallo.de – dann ergibt sich ein realer Gesamtwert von 10.010 Euro. Das ist genau die Summe aus Nennwert und Zinszahlung, die Sie bei einem Jahr Laufzeit mit einem Zins von 0,10 Prozent erzielen – also mit dem Kupon der inflationsgeschützten Anleihe. Er heißt deshalb auch „Realkupon“, denn er gibt die reale Zinszahlung wieder. Hält man die Anleihe bis zum Laufzeitende, entspricht er der realen Rendite der Anleihe..

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Wann lohnt sich der Kauf einer inflationsindexierten Anleihe?

Über den Ausgleich der Inflation garantiert eine inflationsgeschützte Anleihe dem Anleger eine bestimmte reale Rendite über die Laufzeit. Damit ist in der Anleihe auch eingepreist, wie hoch die erwartete Inflation im Schnitt über die Laufzeit ist. 

Der Grund: Man kann die erwartete Inflation berechnen, indem man für eine bestimmte Laufzeit die nominale Rendite einer herkömmlichen Anleihe mit der realen Rendite einer inflationsindexierten Anleihe vergleicht. Die Differenz aus beiden nennt man „Break-Even-Inflation“. Bei dieser Inflationsrate ist die Rendite der herkömmlichen Anleihe nach Abzug der Teuerung genauso hoch wie die Rendite der inflationsgeschützten Anleihe. Die Break-Even-Inflation entspricht damit der Inflationsrate, die der Markt im Durchschnitt über die Laufzeit erwartet. Die jeweils aktuellen realen Renditen der Inflationsanleihen und die dazugehörige Break-Even-Inflation findet man auf der Seite der Finanzagentur.

Eine inflationsindexierte Anleihe enthält damit über den niedrigeren Zinskupon bereits die erwartete Inflation während der gesamten Laufzeit. Deshalb lohnt sich der Kauf einer solchen Anleihe immer dann, wenn die tatsächliche künftige Inflation die erwartete Inflation übersteigt. Dann erhält ein Anleger über den Inflationsausgleich insgesamt mehr Ertrag, als er mit einer herkömmlichen Anleihe erzielen würde.

Ein Beispiel: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt derzeit (Ende November 2023) bei etwa 2,4 Prozent, die reale Rendite einer Inflationsanleihe mit einer Restlaufzeit von etwa zehn Jahren, die man bis zum Laufzeitende hält, bei 0,1 Prozent. Die Break-Even-Inflationsrate als Maß der erwarteten Inflation beträgt also 2,3 Prozent. Rechnen Anleger damit, dass die Teuerung in den kommenden zehn Jahren im Schnitt pro Jahr über diesem Wert liegen wird, dann sollten sie eine inflationsindexierte Anleihe kaufen. Glauben sie stattdessen, dass die durchschnittliche Inflation geringer ausfällt, ist eine herkömmliche Anleihe die bessere Wahl.

 

Wie können Anleger in inflationsgeschützte Anleihen investieren?

Auch wenn die Finanzagentur der Bundesrepublik das Ende der inflationsindexierten Anleihen angekündigt hat: Anlegerinnen und Anleger können noch eine ganze Weile die bereits ausgegebenen Papiere an der Börse kaufen. Die vier aktuellen Anleihen haben Laufzeiten bis 2026, 2030, 2033 und 2046. Die realen Renditen dieser Anleihen liegen derzeit zwischen 0,3 und einem Prozent.

Darüber hinaus lässt sich mit einem ETF in ein ganzes Bündel von inflationsgeschützten Staatspapieren investieren. Für deutsche Anleger bieten sich dabei ETFs an, die inflationsgeschützte Anleihen aus Staaten der Europäischen Union enthalten. So investiert etwa der iShares Euro Inflation Linked Government Bond ETF (ISIN IE00B0M62X26) in knapp 40 "Linker" (von englisch: "inflation linked") aus Frankreich, Deutschland, Spanien oder Italien. Dasselbe gilt für den Lyxor Government Inflation Linked Bond ETF (ISIN LU1650491795). 

Anleger sollten bei solchen Anleihen-ETFs allerdings bedenken, dass deren Rendite auch von der Kursentwicklung der Anleihen im ETF abhängt. Lässt also die Nachfrage nach inflationsgeschützten Anleihen nach, etwa weil die Inflation zurückgeht, sinkt auch der Kurs des ETF.

 

Fazit: Was spricht für inflationsgeschützte Anleihen – und was dagegen?

Inflationsindexierte Anleihen können Anleger vor Preissteigerungen schützen. Dabei kommt es allerdings nicht darauf an, wie hoch die Inflation bereits ist. Entscheidend ist vielmehr, wie sich die Inflation künftig im Vergleich zur Markteinschätzung entwickelt. So geht der Markt – gemessen an der Break-Even-Inflationsrate – derzeit davon aus, dass die Teuerung in den kommenden zwei, drei Jahren eher wieder unter das von der Europäischen Zentralbank angestrebte Niveau von zwei Prozent sinken wird. 

Tritt das tatsächlich ein oder geht die Inflation sogar noch stärker zurück, dann sollten sie inflationsgeschützte Anleihen meiden. Sie liefern dann nicht mehr oder sogar weniger Rendite als herkömmliche Anleihen. Sind Sie dagegen der Meinung, dass die Inflation noch eine Weile hoch bleiben oder sogar erneut steigen wird, dann können inflationsgeschützte Anleihen eine Investition wert sein.

Generell gilt: Inflationsanleihen lohnen sich immer dann, wenn die Teuerung über die Laufzeit der Anleihen unerwartet hoch ist. Einen solchen „Inflationsschock“ vorauszusehen, ist aber schwierig. Letztlich sind die Papiere damit eine Wette darauf, dass der Markt die Inflationsentwicklung unterschätzt. 

Mit dem Kauf einer inflationsindexierten Anleihe ist daher immer auch ein Risiko verbunden: Liegt der Markt mit seiner Inflationserwartung über der tatsächlichen Inflationsentwicklung, dann ist die inflationsindexierte Anleihe die falsche Entscheidung. Schätzt er dagegen die Inflation zu niedrig ein, lohnt sich der Kauf. Ob sie diese Wette eingehen wollen, müssen Anleger selbst einschätzen. Sie sollten das Risiko aber in jedem Fall gering halten, indem sie den Anteil inflationsindexierter Papiere im Gesamtportfolio begrenzen.

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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