Degiro: Der niederländische Discount-Broker im Test

Wertpapierhandel Degiro: Der niederländische Discount-Broker im Test

von Björn König
10.10.2018
Auf einen Blick
  • Der niederländische Discount-Broker Degiro hat sich hierzulande mit extrem niedrigen Handelsgebühren einen Namen gemacht. Anleger können auf Xetra bereits für zwei Euro pro Trade zuzüglich 0,026 Prozent vom Kurswert handeln.
  • Zwar ist das Sparpotenzial enorm, allerdings nicht ohne Risiko: Der Broker räumt sich das Recht ein, Wertpapiere gegen Sicherheitsleistungen an andere Marktteilnehmer zu verleihen.
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"Verliere niemals Geld" – dieses plakative Zitat ist die erste goldene Regel des womöglich erfolgreichsten Investors überhaupt: nämlich Warren Buffett, seines Zeichens auch als "Orakel von Omaha" bekannt.

Geld bei sich zu behalten, ist an der Börse aber gar nicht so einfach. Das liegt naturgemäß nicht nur an möglichen Kursverlusten, sondern auch an hohen Transaktionskosten. Vor allem die Brokerage-Abteilungen von Regionalbanken sind bekannt dafür, die Hände beim Wertpapierhandel besonders weit aufzuhalten.

Wie teuer das werden kann, zeigt beispielsweise ein Blick in das Preisverzeichnis der VR-Bank Westmünsterland. Wer sich dort für das Depotmodell "Premium" entscheidet, zahlt allein eine monatliche Depotgebühr von 12,90 Euro. Hinzu kommt ein Mindestpreis von 1,50 Euro für die Depotverwahrung je Bestandsposten. Die Ordergebühr beträgt 4,90 Euro je Transaktion zuzüglich 0,49 Prozent vom Kurswert.

Nicht viel besser sieht es bei der Sparkasse Westmünsterland aus: Mindestens 30 Euro pro Jahr kostet dort laut Preisverzeichnis selbst ein leeres Wertpapierdepot oder 0,20 Prozent vom Kurswert bei einem Bestand bis 250.000 Euro. Bei Auftragserteilungen bis 10.000 Euro fällt eine Umsatzprovision von 0,75 Prozent an, mindestens jedoch 22,50 Euro. Mit dem ersten Trade hat man der Bank also schon über 50 Euro auf den Tresen gelegt.

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Im Vergleich dazu erscheint das Festpreis-Depot des mittlerweile zur Comdirect Bank gehörigen Frankfurter Online-Brokers Onvista geradezu spottbillig: Wer eine Order über Xetra erteilt, ist ohne weitere Gebühren und Pauschalen bereits mit 6,50 Euro je Transaktion dabei.

Aber auch hier gilt: Wer nur einmal im Monat handelt, hat am Jahresende rund 80 Euro weniger auf dem Konto. Diese hohen Gebühren wirken nicht nur abschreckend, die Banken verspielen damit vor allem viel Potenzial – denn die Deutschen sind beim Thema Aktien ohnehin bereits eher zurückhaltend.

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Preisbrecher aus Amsterdam

Bei solchen Gebühren ruft es erwartungsgemäß geradezu nach neuen Wettbewerbern, die noch deutlichen Spielraum nach unten sehen. Jan Jirsa, verantwortlich für die DACH-Region bei Degiro, machte schon im vergangenen Jahr keinen Hehl daraus, dass der deutsche Markt in Sachen Brokerage-Kosten noch deutlichen Nachholbedarf hat: "Degiro ist nicht besonders günstig, sondern die anderen Broker übermäßig teuer."

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Da ist durchaus was dran: Denn auf der anderen Seite des Atlantiks gibt es mit Fintech-Neulingen, wie der Brokerage-App "Robin Hood" bereits Angebote, die voll und ganz auf jegliche Handelsgebühren verzichten. Da wirken selbst die von Degiro berechneten zwei Euro plus 0,026 Prozent je Xetra-Trade teuer.

Die Preise können sich dennoch sehen lassen: Das gilt übrigens ganz besonders auch für den Handel mit US-Aktien – 0,50 Euro plus 0,004 US-Dollar je Aktie sind mehr als wettbewerbsfähig.

 

Degiro

Onvista Bank

Flatex

Consorsbank

Depotgebühr

– (*)

Transaktionsgebühr (Xetra)

2,00€ + 0,026 % vom Kurswert

6,50€ (Festpreis-Depot)

mind. 8,14€

mind. 11,45€

Einlagenschutz

Niederlande / 20.000€ pro Person (Einlagegarantie für Investmentgesellschaften)

Deutschland / 100.000€ pro Person (gesetzl. Einlagensicherung) + 90,82 Mio. € pro Einleger (Einlagensicherungsfonds)

Deutschland / 100.000 € pro Person

Frankreich / 100.000€ pro Person + 120 Mio.€ pro Einleger (Einlagensicherungsfonds)

Quellen: Angaben der Anbieter; eigene Recherche.
*Flatex berechnet für Guthaben auf dem Cash-Konto einen Negativzins von 0,4 Prozent.

Die Trading-Plattform

Handeln kann man bei Degiro sowohl über ein bequemes Web-Interface als auch per App. Für unseren Test der Trading-Plattform führten wir verschiedene Limit-Order zu unterschiedlichen Tageszeiten an der Xetra und New York Stock Exchange aus. Alle Transaktionen wurden absolut korrekt bei voller Preistransparenz ausgeführt. Die Kurse im Portfolio gab es bei über Xetra georderten deutschen Aktien via CHI-X Europe Realtime, während wir bei US-Aktien an der gleichen Börse mit 15 Minuten Zeitverzögerung informiert wurden.

Auffällig war, dass die Plattform fast täglich am späten Abend kurzzeitig nicht zu erreichen war. Wir gehen davon aus, dass es sich dabei nur um kurzfristige Routine-Wartungsarbeiten im System handelt, dennoch kann das ärgerlich sein, wenn man kurzfristig zu den Öffnungszeiten der US-Börsen noch einen Trade ausführen möchte.

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Insgesamt machte Degiro auf uns einen sehr aufgeräumten Eindruck. Investoren bekommen schon beim Einloggen eine umfassende Übersicht zu ihrem Portfolio, aktuellen Indizes, offenen Orders, ausgeführten Transaktionen sowie zukünftigen Dividendenzahlungen. Zudem ist es möglich, eine Favoritenliste zum Beispiel für Einzelwerte oder ETFs anzulegen.

Womit wir auch schon bei einem größeren Haken wären: Wer einen ETF automatisch besparen möchte, schaut bei Degiro zumindest derzeit noch in die Röhre. Ein entsprechendes Angebot haben die Niederländer noch nicht im Programm. Wir haben dazu beim Unternehmen nachgehakt, die Einführung von ETF-Sparplänen zu einem späteren Zeitpunkt scheint denkbar.

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Aktuell ist zudem kein außerbörslicher Handel möglich. Die Kontoeröffnung selbst verlief inklusive Identifikationsprozess schnell und problemlos. Zwingend erforderlich war die Hinterlegung eines Referenzkontos bei einem deutschen Kreditinstitut, mit dem wir uns per Überweisung auf unser Brokerage-Konto bei Degiro verifizierten. Auszahlungen sind zur Sicherheit nur über dieses Konto möglich.

Das sind die Risiken

Potenzielle Anleger sollten sich zunächst darüber bewusst sein, dass Degiro keine Bank, sondern ein Investmentunternehmen nach niederländischem Recht ist. Dies wirkt sich konsequenterweise vor allem auf die Einlagensicherung aus, welche nicht wie bei niederländischen Kreditinstituten bei 100.000 Euro, sondern lediglich 20.000 Euro je Kunde liegt. Das hat außerdem zur Folge, dass Degiro keine Kundengelder in der Bilanz halten darf, sondern die liquiden Mittel zum Aktienkauf in einem Geldmarktfonds "zwischengeparkt" werden.

Kunden können derzeit zwischen Fonds von Morgan Stanley Investment Management und Fund Share wählen. Ziel der Fonds ist es eine Rendite zu erzielen, die dem Marktzins bei möglichst geringem Risiko entspricht.

Bedenken sollte man weiterhin, dass die günstigen Gebühren von Degiro nicht nur auf Kosteneffizienz beruhen. Zum Geschäftsmodell der Niederländer gehört auch die Option, Wertpapiere der Kunden gegen Sicherheiten an andere Marktteilnehmer (Banken, Hedgefonds, institutionelle Anleger) zu verleihen. Zwar bietet Degiro ebenso ein anderes Depotmodell (Custody) an, welches ein solches Verleihmodell gänzlich ausschließt, dieses ist jedoch entsprechend teurer und nähert sich dann den Preisen anderer Internet-Broker an.

Letztendlich wird Degiro von der niederländischen Finanzaufsichtsbehörde reguliert, was schließlich noch Auswirkungen auf steuerliche Gesichtspunkte hat. Anleger müssen wissen, dass die Kapitalertragssteuer im Gegensatz zu deutschen Brokern nicht automatisch abgeführt wird. Für Arbeitnehmer oder Selbstständige, die ohnehin jährlich eine Steuererklärung abgeben, sollte das zwar kein Problem darstellen, ist aber trotzdem mit zusätzlicher Arbeit verbunden.

Degiro-Kunden erhalten mit Ablauf des Kalenderjahres im Webtrader eine Aufstellung ihrer Kapitalerträge, die dann entsprechend in die dazugehörige Anlage der Steuererklärung übertragen werden muss.

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Unser Fazit

Kleinanleger und Vieltrader profitieren bei diesem Angebot eindeutig. Das Risiko aus verliehenen Wertpapieren Verluste zu erleiden, ist unserer Einschätzung nach sehr gering, da die Marktteilnehmer entsprechende Sicherheitsleistungen erbringen müssen. Mehr als 20.000 Euro sollten jedoch nicht angelegt werden, da Degiro keine Bank, sondern ein Investmentunternehmen ist und Einlagen nur gemäß der Einlagegarantie für Investmentgesellschaften geschützt werden.

Wer allerdings primär ETFs besparen möchte oder auf außerbörslichen Handel setzt, ist bei Degiro momentan an der falschen Adresse. Hier bieten sich eher Broker wie OnvistaComdirect oder die Consorsbank mit einem wesentlich umfassenderen Angebot an.

  • Biallo-Tipp: Die Gebühren bei Wertpapierdepots sind ständig in Bewegung. Es lohnt sich somit für alle Trader, die Transaktionskosten im Blick zu behalten und gegebenenfalls einen Depotübertrag in Erwägung zu ziehen. Die stets aktuellen Gebühren finden Sie bei uns im Depot-Vergleich von biallo.de.
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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de