Förderprogramme in Rheinland-Pfalz

Bundesländer-Serie zur Wohnraumförderung Förderprogramme in Rheinland-Pfalz

von Eike Schulze
15.02.2019
Auf einen Blick
  • Die Förderung in Rheinland-Pfalz zielt nur auf Personen ab, die die Einkommensgrenzen nach Paragraf 13 Landeswohnraumförderungsgesetz (LWoFG) um nicht mehr als 60 Prozent überschreiten.

  • Es wird sowohl die Bildung von Wohneigentum wie auch die Modernisierung von bestehendem Wohneigentum und der Erwerb von Genossenschaftsanteilen mit einem Darlehen gefördert.

  • Entscheidend sind neben dem anrechenbaren Einkommen auch die Einhaltung von Wohnflächenobergrenzen und die Stellung von zehn Prozent als Eigenkapital für das Vorhaben.
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Zuständig für die Wohnraumförderung in Rheinland-Pfalz ist die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) in Mainz. Die Landesbank unterstützt sowohl den Neubau wie auch Modernisierung, den Kauf von Bestandsimmobilien und den Erwerb von Genossenschaftsanteilen.

ISB-Darlehen Wohneigentum

Das Land Rheinland-Pfalz begünstigt mit diesem Programm den Kauf und Bau von selbst genutzten Häusern und Wohnungen sowie Ausbau- und Umbaumaßnahmen.

Was wird gefördert?

Gefördert werden der Neubau und Ersterwerb von Wohnraum, der Ersatzneubau nach Abriss eines bestehenden Gebäudes, der Ankauf bestehender Wohnungen (auch der bisher zur Miete bewohnten Wohnung) sowie Ausbau-, Umbau-, Umwandlungs- und Erweiterungsmaßnahmen.

Unterstützt wird die Bildung abgeschlossener Wohnungen in einem Gebäude mit nicht mehr als zwei Wohnungen sowie von Eigentumswohnungen. Die zu fördernde Wohnung darf beispielsweise im Neubau für einen Vierpersonenhaushalt nicht größer als 145 Quadratmeter sein. Die Wohnflächenobergrenze erhöht sich um weitere 15 Quadratmeter, wenn folgende Fälle gegeben sind:

  • für jede weitere Person im Haushalt
  • Ersatzneubau nach Abriss der Bestandsimmobilie
  • Schaffung von Ersatzraum für einen fehlenden Keller
  • für eine schwerbehinderte Person innerhalb eines Vierpersonenhaushaltes
    (ab einem Schweregrad 50 oder ab Pflegegrad 2)
  • zur Förderung beim Ankauf der Immobilie (Bestandsimmobilie)

Beispiel: Bei einem Fünfpersonenhaushalt plus Schaffung eines Ersatzkellerraums in der Wohnung fallen sowohl 15 Quadratmeter für die weitere Person wie auch 15 Quadratmeter für den Ersatzkellerraum an. Dies erhöht dann die maximale Wohnflächenobergrenze auf 175 Quadratmeter, die noch förderfähig sind.

Wer wird gefördert?

In Anspruch nehmen können diese Förderung Haushalte (Familien, Lebenspartnerschaften, auf Dauer angelegte Lebensgemeinschaften und Alleinstehende), welche die Einkommensgrenze nach Paragraf 13 des LWoFG um nicht mehr als 60 Prozent übersteigen. Dabei werden alle Einkünfte der im Haushalt lebenden Personen einbezogen.

Bei bis zu zehn Prozent Überschreitung der Einkommensgrenze können weitere Fördermittel die Grundförderung ergänzen. Maßgeblich ist das Bruttoeinkommen, hiervon werden bestimmte Abschläge abgezogen. Pauschal 1.000 Euro als Werbungskosten und zusätzlich 30 Prozent vom Bruttoeinkommen (Steuer, Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung).

Weitere Abschläge können im Einzelfall hinzukommen. Bei Selbstständigen, Beamten oder Rentnern gelten abweichende Regelungen. Die Einkommensgrenze liegt bei einem Einpersonenhaushalt bei 15.283,50 Euro, bei einem Zweipersonenhaushalt bei 21.906,35 Euro, für jede weitere Person im Haushalt kommen 5.094,50 Euro, für jedes Kind zusätzlich 1.018, 90 Euro hinzu.

Beispiel für die Berechnung des anrechenbaren Einkommens eines Vierpersonenhaushaltes (zwei Erwachsene, zwei Kinder):

  • zwei Personen = 21.906,35 Euro
  • zwei weitere Personen, je 5.094,50 Euro = 10.189,00 Euro
  • Kinderzuschlag, je 1.018,90 Euro = 2.037,80 Euro
  • gesamt = 34.133,15 Euro / aufgerundet = 34.200,00 Euro

Die Einkommensgrenze beträgt somit für diesen Haushalt 34.200 Euro (es zählt das Aufrundungsergebnis). Dieser Betrag darf um bis zu 60 Prozent überschritten werden. Das anrechenbare Einkommen dürfte bis zu 54.720 Euro betragen, damit das Vorhaben noch förderfähig ist. Das Bruttoeinkommen liegt dann nochmals deutlich höher und dürfte bei rund 79.000 Euro liegen. Dies hängt aber letztendlich von den persönlichen Faktoren ab.

  • Biallo-Tipp: Lassen Sie sich das anzurechnende Einkommen bei Ihrer Stadt- oder Kreisverwaltung ausrechnen, denn die Bruttoangabe bezieht sich auf Standardfälle, diese können nicht die persönlichen Umstände widerspiegeln. Es ist durchaus denkbar, dass auch im Einzelfall noch höhere Bruttoeinkünfte förderfähig sind.

Darlehenshöhe

Die ISB fördert Antragsteller mit einem zinsgünstigen, nachrangig durch ein Grundpfandrecht zu sichernden Darlehen. Dieses besteht aus einem Grunddarlehen und und gegebenenfalls Zusatzdarlehen. Das Grunddarlehen beträgt 30 Prozent der Gesamtkosten, zusätzlich kann es einen weiteren Darlehensbetrag geben. Dieser erhöht das Grunddarlehen um jeweils fünf Prozent.

Das Zusatzdarlehen gibt es für:

  • jedes zu berücksichtigende Kind
  • jede zum Haushalt gehörende Person mit einer Schwerbehinderung von mindestens 50 Prozent oder ab Pflegegrad 2
  • Haushalte, deren Einkommen die Einkommensgrenze um nicht mehr als zehn Prozent überschreiten
  • Ersatzneubauten

Ab dem dritten Kind erhöht sich der Grundbetrag um zehn Prozent je Kind.

Der Darlehenshöchstbetrag ist abhängig von sogenannten Fördermietstufen. Diese wurden nach Kostenkriterien aufgestellt und betragen:

  • Fördermietstufe eins bis zwei: 135.000 Euro (z.B. Pirmasens)
  • Fördermietstufe drei bis vier: 160.000 Euro (z.B. Kaiserslautern)
  • Fördermietstufe fünf bis sechs: 175.000 Euro (z.B. Mainz).

Voraussetzung für die Förderung ist unter anderem, dass der Antragsteller einen Eigenkapitalanteil von mindestens zehn Prozent der Gesamtkosten aufbringen kann. Weitere Förderungsvoraussetzung ist, dass entweder das Bauvorhaben noch nicht begonnen wurde oder dass der Ankauf des Gebäudes nicht länger als zwei Monate zurückliegt.

Hinweis: Der Begriff Fördermietstufe ist auf den ersten Blick für Selbstnutzer etwas missverständlich, jedoch gilt dies Kriterium auch für den Mietwohnungsbau und wurde einfach übernommen.

Konditionen

Für das Darlehen kann eine Zinsbindungszeit zwischen zehn und 20 Jahren vereinbart werden, auch ein Volltilgerdarlehen ist möglich. Der Darlehenszinssatz wird bei vollständigem Antragseingang ermittelt und festgelegt. Der anfängliche Tilgungssatz liegt bei 2,2 Prozent. In jedem Kalenderjahr kann der Darlehensnehmer Sondertilgungen in Höhe von maximal zehn Prozent der Darlehenssumme leisten, erstmals in dem Kalenderjahr, welches dem Jahr der Förderzusage folgt.

Wer die Förderung im Jahr 2019 erlangt, kann also erstmals im Jahr 2020 eine Sondertilgung vornehmen. Für das Programm fällt einmalig ein Bearbeitungsentgelt in Höhe von ein Prozent der Darlehenssumme an. Der Auszahlungskurs beträgt 100 Prozent. Der Auszahlungsmodus wird festgelegt und vertraglich vereinbart. Bereitstellungszinsen in Höhe von 0,25 Prozent fallen ab dem fünften Monat (bei Neubau nach elf Monaten) nach der Zusage an.

ISB-Darlehen Erwerb von Genossenschaftsanteilen

Dieses Programm fördert den Erwerb von Genossenschaftsanteilen, wenn selbst mindestens zehn Prozent der Darlehenssumme als Anteile erworben werden. Die Förderung ist auf maximal 50.000 Euro und maximal 80 Prozent der Erwerbskosten begrenzt.

Was wird gefördert?

Ziel des Programms ist es beispielsweise, das Mehrgenerationenwohnen zu fördern. Diese Form des Wohnens wird häufig in Form einer Genossenschaft ausgeübt. Da die Finanzkraft der jungen Familien – als Teil des Mehrgenerationenwohnens – hierzu nicht immer ausreicht, fördert das Land Rheinland-Pfalz diesen Personenkreis mit einem Darlehen. Die Wohnung muss den Kriterien des "ISB-Darlehen Wohneigentum" entsprechen.

Wer wird gefördert?

Eine Förderung können Erwerber von Genossenschaftsanteilen erhalten, welche die Einkommensgrenzen des Paragraf 13, Absatz 2 des Landeswohnraumförderungsgesetzes (LWoFG) um nicht mehr als 60 Prozent übersteigen.

Konditionen & Antragstellung

Der aktuelle Zinssatz für das Darlehen beträgt 0,5 Prozent, die anfängliche Tilgung 2,5 Prozent. Die Bearbeitungsgebühr beläuft sich auf mindestens 250 Euro oder ein Prozent der Darlehenssumme. Das Darlehen wird durch die Verpfändung des Anspruchs auf das Auseinandersetzungsguthaben gesichert. Die ISB kann eine zusätzliche Besicherung vereinbaren. Die Antragstellung erfolgt nicht über die ISB, sondern über das Finanzministerium des Landes in Mainz. 

ISB-Darlehen Modernisierung

Mit diesem Programm fördert Rheinland-Pfalz die Modernisierung von selbst genutztem und bestehendem Wohneigentum. Es ist ebenfalls Teil der Wohnraumförderung in Rheinland-Pfalz, daher gelten auch bei diesem Programm die gleichen Einkommensgrenzen wie unter ISB-Darlehen Wohneigentum beschrieben.

Was wird gefördert?

Gefördert werden Modernisierungsmaßnahmen, die Einsparungen von Energie- oder Wasserverbrauch bewirken, die den Gebrauchswert der Wohnung wesentlich erhöhen und die zu einer Verbesserung der allgemeinen Wohnverhältnisse führen, insbesondere wenn sie barrierefreies Wohnen ermöglichen. Maßnahmen sind auch förderfähig, wenn durch sie die Beheizung und Wassererwärmung durch die Nutzung alternativer oder regenerativer Energien möglich wird.

Außerdem gefördert werden noch Instandhaltungsmaßnahmen und Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds. Wird die Wohnung an die Bedürfnisse von behinderten Menschen oder Personen mit einem Pflegegrad angepasst, sind die Vorgaben der DIN18040 Teil zwei zu berücksichtigen. Zusätzlich sind noch Planungs- und Beratungskosten im Förderpaket enthalten. Es können umfassend sehr verschiedene Maßnahmen gefördert werden.

  • Biallo-Tipp: Die förderfähigen Modernisierungsmaßnahmen sind breit gestreut, daher ist auch eine Beratung durch die ISB unerlässlich. Alternativ können auch gezielte Anfragen an die ISB gerichtet werden.

Wer wird gefördert?

Eine Förderung erhalten können Eigentümer selbst genutzten Wohneigentums, welche die Einkommensgrenzen nach Paragraf 13 des LWoFG um nicht mehr als 60 Prozent übersteigen.

Darlehenshöhe

Die Bank fördert Antragsteller mit einem zinsgünstigen, nachrangig durch ein Grundpfandrecht zu sichernden Darlehen. An Haushalte mit bis zu vier Personen vergibt die ISB für förderfähige Investitionskosten ein Darlehen von maximal 60.000 Euro. Für jedes weitere Haushaltsmitglied kann das Darlehen um 5.000 Euro erhöht werden.

Antragsteller müssen die voraussichtlichen Investitionskosten durch fachkundig erstellte Kostenvoranschläge belegen. Nimmt der Kreditnehmer für denselben Wohnraum auch ein ISB-Darlehen Wohneigentum in Anspruch, ist die Höhe auf das Wohneigentumsdarlehen begrenzt.

Konditionen

Die Konditionen entsprechen dem Programm ISB-Darlehen Wohneigentum.

Regionale Förderprogramme

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Eike Schulze
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Eike Schulze

entstammt aus einer Familie von Zigarrendrehern, Strandräubern und Baumeistern und entschloss sich entgegen der Familientradition Geographie und BWL bis zum guten Ende zu studieren. Nach Zwischenstation als Vertriebsspezialist und Trainer eines Versicherungsunternehmens entdeckte er seine Leidenschaft für Wirtschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren gibt es von ihm etwas zu lesen, zunächst nur in Zeitschriften und zwischen Buchdeckeln und seit gut 10 Jahren auch im Netz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Immobilien, Versicherungen und Geldanlage.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de