Cannabis-Aktien und Marihuana-ETFs weiter im Abwärtstrend

Wertpapiere Cannabis-Aktien und Marihuana-ETFs weiter im Abwärtstrend

von Björn König
11.09.2019
Auf einen Blick
  • Nach den deutlichen Kursverlusten seit März dieses Jahres stehen Marihuana-Aktien wieder auf der Watchlist von Investoren.

  • Ebenso können Cannabis-ETFs gehandelt werden. Mitunter sind hier jedoch auch klassische Tabak- oder Alkoholkonzerne, wie Altria oder Constellation Brands beigemischt.

  • Die jüngste Korrektur bei Cannabis-Aktien ist allerdings noch nicht ausgestanden. Investoren sollten zudem politische Risiken im Auge behalten.
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Am 2. November 2010 stand in Kalifornien die sogenannte Proposition 19 zur Abstimmung. Alle stimmberechtigten Bürger des Westküstenstaates hatten im Rahmen eines Volksentscheides darüber zu befinden, ob der Anbau und Verkauf von Rauschhanf zu Konsumzwecken legalisiert werden sollte.

Letztendlich entschieden jedoch 54 Prozent der Bürger im Rahmen der Abstimmung dagegen, weshalb Kaliforniens damaliger Gouverneur Arnold Schwarzenegger sich nicht weiter mit dem Thema befassen musste.

Einige Jahre später sollte es soweit sein: Im Jahr 2016 führte eine weitere Volksabstimmung, die Proposition 64, zum Erfolg. Seit Januar 2018 ist der Marihuana-Konsum in Kalifornien offiziell legalisiert. Vor allem viele Start-ups, die man auch abseits des Silicon Valley sehr häufig entdeckt, haben schnell eine Marktlücke ausgemacht und sich auf den Anbau sowie Vertrieb von Rauschhanf spezialisiert.

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Cannabis gedeiht an der Börse

Doch wie in allen potenziellen neuen Wachstumsbranchen benötigen die Unternehmen am Anfang zunächst einmal Risikokapital. Ist dieser Schritt erfolgreich verlaufen und die Firmen haben sich erfolgreich am Markt platziert, geht es um weiteres Wachstum. Das notwendige Kapital holen sich die Unternehmen dann ganz traditionell an der Börse.

Und gerade hier gab es in den vergangenen Jahren seit der Cannabis-Legalisierung in Kalifornien eine regelrechte Goldgräberstimmung. Nicht wenige Analysten sehen in Hanf sogar das Potenzial für neues Gold. Professor Michael A. Popp, CEO der Bionorica SE, warnte bereits 2018 im Gespräch mit biallo.de vor einem zu euphorischen Markt – daran dürfte sich bis heute unserer Ansicht nach nicht viel geändert haben, wenn man sich die Berichterstattung in den Wirtschaftsmedien genau anschaut.

Cannabis-Titel werden nach wie vor insbesondere in den USA wesentlich stärker thematisiert als traditionelle Branchentitel. Bei allem Enthusiasmus sollten Anleger aber nicht überstürzt handeln und sich die verschiedenen Anlageoptionen genau anschauen, denn wie immer steckt auch hier der Teufel im Detail.

Zudem haben viele Marihuana-Aktien nach dem Höhenrausch im vergangenen Jahr deutlich Dampf abgelassen: In der Spitze belaufen sich die Verluste in den vergangenen Monaten auf bis zu 60 Prozent. Neuengagements drängen sich erst auf, wenn der sei März verlaufende Abwärtstrend nach oben durchbrochen wird.

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Die großen Produzenten

Bemerkenswert ist, dass die Cannabis-Unternehmen mit der höchsten Marktkapitalisierung gar nicht in den USA, sondern im hohen Norden Kanadas beheimatet sind. Selbst vielen erfahrenen Börsianern, welche sich eher mit klassischen Industriegiganten wie Unilever, Siemens oder BASF beschäftigen, sagen die wohlklingenden Namen der Marihuana-Economy wenig.

Daher hier ein kurzer Überblick zu den interessantesten Cannabis-Konzernen und ihren Geschäftsmodellen:

Canopy Growth

Im Jahr 2014 gegründet und in Ontario ansässig, ist Canopy Growth mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 9,5 Milliarden US-Dollar der größte Produzent von medizinischem Cannabis und mit weitem Abstand die Nummer eins der Branche. Das Unternehmen wächst sowohl organisch als auch durch Akquisitionen und betreibt mittlerweile zahlreiche Tochtergesellschaften.

Bei den Produkten des Konzerns handelt es sich um Cannabis in getrockneter Form, als Kapsel oder Cannabis-Öl. Seit Gründung hat Canopy einige große Akquisitionen jeweils im dreistelligen Millionenbereich durchgeführt und zählt damit zu den beeindruckenden Wachstumsunternehmen dieser neuen Branche. Ein Großaktionär ist der US-Getränkekonzern Constellation Brands, welcher unter anderem die Biermarke Corona vertreibt.

Tilray

Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 2,3 Milliarden US-Dollar ist Tilray zwar deutlich kleiner, dürfte jedoch ebenfalls eine bemerkenswerte Wachstumsperspektive vor sich haben. Der kanadische Konzern spezialisiert sich auf medizinisches Cannabis aber auch die Marihuana-Forschung. Erstaunlicherweise ist Tilray an der US-Technologiebörse Nasdaq gelistet.

Das mag zwar auf den ersten Blick ungewöhnlich wirken, schließlich finden sich hier in erster Linie Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley. Allerdings werden dort auch einige wichtige Biotechnologie-Unternehmen, wie beispielsweise Gilead Sciences gehandelt. Aus diesem Blickwinkel erscheint die dortige Präsenz von Tilray also durchaus nachvollziehbar.

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer wurde bei Tilray Anfang 2019 Gründungsmitglied des internationalen Beirates für die Umsetzung einer offensiven, weltweiten Wachstumsstrategie. Zudem gibt es Vertriebskooperationen mit dem europäischen Pharmakonzern Novartis.

Aurora Cannabis

Aurora Cannabis ist gemessen an seiner Jahresproduktion mittlerweile der größte Hanf-Anbauer weltweit und fällt ebenfalls in die Kategorie Wachstumsaktie. Der Konzern ist an der Börse derzeit mit 6,4 Milliarden US-Dollar bewertet und schlägt sich in aktuellen Korrektur mit einem Minus von "nur" 35 Prozent im Vergleich mit den anderen Big-Playern noch am besten.

Das Unternehmen aus Edmonton ist in 24 Ländern auf fünf Kontinenten tätig und engagiert sich darüber hinaus sehr stark in Deutschland. So entsteht bei Leuna in Sachsen-Anhalt eine Produktionsanlage, welche ab 2020 jährlich eine Tonne Cannabis für den deutschen Markt produzieren soll.

Institutionelle Anleger wie Black Rock Fund Advisors und Vanguard halten derzeit nur kleinere Beteiligungen im einstelligen Prozentbereich an Aurora. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Fondsgesellschaften zwar durchaus Wachstumspotenzial in dem Unternehmen sehen, sich aber womöglich aufgrund von potenziellen Risiken oder Zweifeln am Geschäftsmodell noch zurückhalten.

Cannabis-ETFs auf dem Vormarsch

Fondsanbieter spezialisieren sich beim Thema ETFs immer mehr, um sich von den Wettbewerbern abzuheben und gleichzeitig neues Wachstumspotenzial für Investoren zu erschließen. Gleichwohl sind Cannabis-ETFs nach wie vor ein vergleichsweise exotisches Investment. Nur wenige Anbieter bedienen dieses Segment und der Fokus liegt – wie auch nicht anders zu erwarten – auf dem US-Markt.

Die folgenden ETFs sind unserer Ansicht nach im Hinblick auf Fondsvolumen und Renditeentwicklung derzeit einen Blick wert. Womöglich legen künftig auch andere Fondsgesellschaften wie beispielsweise iShares oder Xtrackers weitere entsprechende ETFs auf.

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Die größten US-Cannabis-ETFs

ETF

Fondsvolumen

Performance seit 01/2019

Performance 1 Jahr

Performance 3 Jahre

ISIN

ETFMG Alternative Harvest

957 Mio. US-Dollar


2,75 % (in USD)                                                                                           

-27,25 %


-0,90 %

US26924G5080

Horizons Marijuana Life Sciences

930 Mio. US-Dollar


7,69 % (in CAD)                                                                                              

-32,15 %


CA44054J1012

Quellen: Bloomberg; eigene Recherche.

Dass der Markt in jedem Falle weiterhin stark in Bewegung bleibt, zeigt sich an der New Yorker Börse (NYSE). Dort wurde im Juli von Innovation Shares unter dem Ticker "THCX" ein neuer Cannabis-ETF emittiert. Besonders an diesem Produkt ist, dass keine Tabak oder Alkohol-Titel beigemischt sind und das Portfolio nicht vierteljährlich sondern monatlich neu ausgerichtet wird.

Das hört sich interessant an, dennoch sollten Anleger hier nicht sofort einsteigen. Ob sich der ETF nämlich auch langfristig etabliert, hängt maßgeblich vom Fondsvolumen ab. Als Maßstab sollte hier gelten, dass dieses bei rund 500 Millionen Euro liegt, dann ist eine Einstellung des ETFs relativ unwahrscheinlich. Derzeit beträgt das Volumen des neuen Cannabis-ETF lediglich 20 Millionen Euro.

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Fazit

Bei Wertpapieren geht es zunächst immer um die Frage, mit welchem Ziel man investiert und welches Risiko man dafür eingehen will. Cannabis-Unternehmen können unserer Ansicht nach durchaus eine attraktive Wachstumsanlage sein, bergen jedoch auch nicht zu unterschätzende Risiken.

Die weitere Entwicklung in den USA hängt von einer liberalen Drogenpolitik ab und die ist natürlich keineswegs garantiert. Gibt es beispielsweise in Staaten, die von Gouverneuren der eher liberalen demokratischen Partei regiert werden einen Regierungswechsel zu den konservativen Republikanern, könnte der Cannabis-Boom dort schnell wieder am Ende sein.

Zudem sollte man sich als langfristiger Investor nicht von momentanen "Hypes" blenden lassen, denn ob aus Marihuana auf lange Sicht wertvolle Produkte für die Pharma-Industrie werden (die sich auch dauerhaft hochpreisig am Markt verkaufen lassen) ist ebenso nicht sicher.

Nichtsdestotrotz sehen Experten derzeit großes Wachstumspotenzial für die Branche. Die Analysten von Morningstar etwa gehen davon aus, dass sich der Markt bis 2030 fast verzehnfachen wird.

Wer einsteigen möchte, sollte Cannabis-Aktien oder ETFs als Beimischung zu einem breit gestreuten Anlagemix nutzen. Ausschließlich in ein Marihuana-Unternehmen beziehungsweise entsprechende Indexfonds zu investieren, ist aufgrund des Risikos und unsicheren Zukunftsentwicklungen nicht empfehlenswert – schon gar nicht, wenn die Anlage der Altersvorsorge dient.

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Biallo-Tipp

Am Cannabis-Boom zu partizipieren ist auch ohne ein Direktinvestment in die Produzenten möglich. Nicht selten halten große bekannte Konzerne wie Altria oder Constellation Brands entsprechende Beteiligungen an Cannabis-Firmen. In vielen Fällen sind die Aktien dieser Konzerne bereits Teil großer global anlegender Indexfonds. Wer beispielsweise einen MSCI World ETF im Depot hat, investiert auch indirekt in die Cannabis-Branche.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de