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Auf einen Blick
  • Wegen der anhaltenden Tiefzinsen sollten Vorsorgesparer auch am Aktienmarkt investieren, damit es mit der Zusatzrente im Alter klappt.
  • Ein ausgewogenes Portfolio an Marktführern und geringe Anlagekosten sprechen für Indexfonds.
  • Wichtig ist, auch in schlechten Börsenzeiten am Ball zu bleiben und die Einzahlungen nicht auszusetzen.
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Gut drei Viertel aller Spargelder stecken deutsche Anleger in Versicherungen oder verzinste Bankeinlagen wie Festgeld, Tagesgeld oder das Sparbuch. Klassische Lebens- und Rentenversicherungen gewähren – wenn überhaupt – nur noch eine Zinsgarantie von maximal 0,9 Prozent, Sparbücher schaffen nicht mal das. Da die Inflationsrate von aktuell 1,6 Prozent inzwischen höher liegt als die Verzinsung vieler Geldanlagen, gerät der Kapitalaufbau ins Stocken. Nicht selten entwertet sich sogar das angesparte Vermögen.

Finanzexperten raten dringend dazu, das Sparverhalten umzustellen. Ein Teil des Geldes sollte in den Kapitalmarkt fließen, um von den höheren Renditen an der Börse zu profitieren. Da Einzelaktien und Derivate sehr riskant sind, liegt der Fokus auf Fonds, und hier vor allem auf Indexfonds, sogenannten Exchange Traded Funds – kurz ETFs.

Breite Risikostreuung

Sparer investieren mit einem ETF in einen ganzen Börsenindex. Das kann ein Aktienindex wie der Dax sein, der MSCI World Index, aber auch ein Rentenindex wie der deutsche Rex. Ein Börsenindex enthält die wichtigsten Marktführer aus diesem Segment. Indexfonds sind somit breit diversifiziert und mit widerstandsfähigen Papieren bestückt. Über einen ETF auf den MSCI World Index kann man zum Beispiel in die nach Marktkapitalisierung 1.600 größten Aktiengesellschaften der Welt investieren.

Dadurch ist man automatisch an Unternehmen wie Apple, Microsoft oder Coca Cola beteiligt. Das lohnt sich. Die Fünf-Jahres-Performance des iShares Core MSCI World UCITS ETF etwa beträgt in Euro gerechnet gut 60 Prozent. Über den deutschen Leitindex Dax kann man in Flaggschiffe wie Siemens, Bayer und BASF investieren. Ein entsprechender ETF wie zum Beispiel der Deka Dax UCITS ETF brachte binnen fünf Jahren immerhin eine Performance von rund 24 Prozent.

Wie das Währungsrisiko die Rendite von ETFs beeinflusst, erfahren Sie in einem weiteren Ratgeber von uns.

Diversifizierung mindert Risiken

"Um Anlagerisiken zu senken, ist die Streuung über unterschiedliche Regionen und Branchen sinnvoll", sagt Dr. Andreas Schyra, Vorstand der Private Vermögensverwaltung AG in Essen. Das Risiko einer globalen Rezession und weltweit fallender Aktienkurse sei deutlich geringer, als eine wirtschaftliche Krise in einem Land oder einer Branche.

Anleger sollten daher nicht allein in den Dax investieren oder in einen speziellen Branchenindex. Möglich ist zum Beispiel ein Mix aus einem global anlegenden ETF, einem Schwellenländer- oder Europa-ETF und einem Nachhaltigkeits-ETF

Sparplanraten und Kaufkosten

ETF-Sparpläne gibt es bei vielen Banken ab 50 Euro pro Monat, Consorsbank und Comdirect ermöglichen Sparpläne bereits ab 25 Euro. Die Transaktionskosten werden häufig prozentual abgerechnet. So erheben Consorsbank und Comdirect je 1,50 Prozent vom Ordervolumen. Allerdings gibt es bei den genannten Anbietern auch kostenlose Sparpläne, wo Sie ausgewählte ETFs zum Nulltarif besparen können.

Teuer kann eine Mischung aus Grundgebühr und Volumengebühr werden. Bei der Commerzbank fallen beispielsweise 2,50 Grundgebühr plus 0,25 Prozent vom Kaufwert an. Immerhin können Commerzbank-Neukunden bei Eröffnung eines monatlichen Sparplans 36 Monate lang die Kaufgebühren sparen. Sehr preiswert ist die DKB, die generell nur 1,50 Euro pro Sparplan-Order kassiert. Das macht aufs Jahr gesehen gerade mal 18 Euro Kaufgebühr. Noch günstiger wird es, wenn DKB-Kunden die Aktionen für kostenlose ETF-Sparpläne nutzen.

Hinweis: Manche Anbieter sind nicht verlinkt, weil sie über uns keine neuen Kunden akquirieren wollen. Wie wir uns finanzieren, haben wir in der Rubrik "Über uns" transparent offengelegt.

Langfristigkeit zahlt sich aus

Kapitalaufbau für die Altersvorsorge geht nicht von heute auf morgen. "Anleger sollten mindestens mit einer Anspardauer von acht Jahren rechnen", fordert Schyra. Wichtig dabei sei, in Zeiten fallender Kurse nicht in Panik zu verfallen, sondern weiter anzusparen und sein Geld für sich arbeiten zu lassen. Gerade zwischenzeitliche Kursrückschläge würden sich im späteren Verlauf bezahlt machen. Das Zauberwort lautet hier Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Beim nächsten Börsenaufschwung puschen die günstig erworbenen Fondsanteile die Rendite. 

ETFs sind flexibel

Ein ETF-Sparplan weist im Gegensatz zu Versicherungspolicen oder langlaufenden Festgeldern sehr große Flexibilität auf. "Spargelder können börsentäglich entnommen oder zusätzlich angelegt werden", betont der Anlageexperte. Zwar könne man auch mittels Versicherungen in ETFs investieren, doch seien diese nicht flexibel. Entnahmen aus Versicherungsverträgen sind häufig unmöglich oder zumindest für die Versicherten mit Kostennachteilen verbunden. Gerade, wenn Sie Ihre Rente im Ausland genießen wollen sind ETFs ein wunderbares Zusatzeinkommen. Allerdings müssen Sie bei der Besteuerung aufpassen.

Hinweis: Ob computergesteuerte Fonds tatsächlich besser als herkömmliche, von Spezialisten gemanagte Investmentfonds sind, wo deren Vor- und Nachteile liegen und welche Chancen und Risiken aus Anleger warten, erklärt Ihnen unser separater Ratgeber zum Thema "ETFs versus aktive Fonds: Wer performt besser?"

Biallo-Tipp

Wer seine ETF-Auswahl nicht selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Bei den digitalen Vermögensverwaltern gibt es Sparpläne bereits ab zehn Euro – mit Gesamtkosten von deutlich unter einem Prozent pro Jahr. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

Interessieren Sie sich für nachhaltige Geldanlagen? In unserem Ratgeber erfahren Sie, was Green Finance ausmacht und was es zu beachten gibt.

Hinweis: Für eine private Altersvorsorge auf der Basis von kostengünstigen ETFs gibt es zwei Alternativen. Den klassischen Fondssparplan und die fondsgebundene Rentenversicherung. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber.

Über den Autor Max Geißler
nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de. Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien). Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.
  Max Geißler