Erfahrungsbericht: Datenklau am Bankautomat

Kreditkartenbetrug im Urlaub Erfahrungsbericht: Datenklau am Bankautomat

Max Geißler
von Max Geißler
18.07.2017
Auf einen Blick
  • Beim Geldabheben am Bankautomat kommt es immer wieder zu Datenklau durch präparierte Karten-Lesegeräte. Dem Autoren ist das jetzt auf einer Südamerika-Reise passiert.

  • Da zunächst nur Kleinbeträge abgebucht wurden und die Bank diese nur vereinzelt via SMS-Infoservice anzeigte, bemerkte er den Betrug erst spät.

  • Anders der Kreditkartenanbieter: Wegen verdächtiger Transaktionen auf dem Kartenkonto wurde er vorsorglich aktiv. Den entstandenen Schaden ersetzte er.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Aufgeregt und voller Erwartungen startete ich kürzlich zu einer Reise durch Peru. Die Anden, Machu Picchu, der Titikakasee - ein langgehegter Traum sollte in Erfüllung gehen. Nach 15-stündiger Flugreise landeten wir am frühen Morgen in Lima. Ein kurzer Stopp im Hotel - und schon ging's auf Sightseeing-Tour. Die peruanische Hauptstadt wartet mit vielen prachtvollen Kolonialbauten und schönen spanischen Kathedralen auf.

Nur wenige Geldautomaten ohne Gebühr

Bevor wir uns am Abend in einem Restaurant niederließen, hieß es erst einmal Bargeld besorgen. Auf den ersten Blick kein Problem, denn Banken gibt es in Peru zu Hauf und Geldautomaten auch. Unser Reiseleiter empfahl uns ein Institut, das keine Gebühren fürs Bargeldziehen berechnet. Also fix die Visa-Karte in den Bankautomaten geschoben und die maximale Auszahlungssumme eingetippt. Die Ernüchterung folgte jedoch auf den Fuß: Die Bank akzeptierte meine Visa-Karte von Comdirect nicht. Einem mitreisenden Paar erging es genauso, deren Visa-Karte von der ING-Diba wurde ebenfalls abgelehnt. Ein anderer Reisender hatte mehr Glück, seine ADAC-Karte funktionierte problemlos.

Wenn Sie beim Thema "Konten und Karten" auf dem Laufenden sein möchten, dann abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von biallo.de.

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein

Also flugs zu nächsten Bank. Diesmal hatten wir mehr Glück. Der Bankautomat akzeptierte die Kreditkarte, forderte aber für den überschaubaren Auszahlbetrag von maximal 400 Soles (117 Euro) gut fünf Euro Gebühr. Da nach dem Abendessen bereits die Hälfte unserer Soles aufgebraucht war und die Reise tags darauf in die Wüste führte, wollten wir unbedingt nochmal Bargeld nachtanken. Also machten wir uns erneut auf die Suche nach einem Bankautomaten, diesmal sollte er aber gebührenfrei sein. Nach einigen Versuchen wurden wir fündig: Die Banco de la Nación (Nationalbank) zahlt Bargeld zum Nulltarif aus. Das nutzten wir gleich mehrfach aus und füllten unsere Reisekasse vorsorglich auf.

Kreditkarte gehackt

Zunächst schien alles korrekt. Der SMS-Service von Comdirect informierte mich, dass die via Kreditkarte abgehobenen Soles in Euro abgebucht werden. Ein paar Tage später tauchte jedoch eine SMS auf, die die Abbuchung von einem US-Dollar ankündigte. Ich stutzte zunächst, kam dann aber zu dem Schluss, dass es sich dabei wohl um eine Gebühr des Automatenbetreibers handeln müsse, die von mir zu entrichten sei. Das hatte ich schon in anderen Ländern erlebt. Da ich mehrfach Bargeld gezogen hatte, wunderte ich mich nicht, als später weitere Miniabbuchungen von jeweils einem Dollar auftauchten.

Das Blatt wendete sich, als ich eines Morgens eine SMS von Comdirect auf meinem Handy fand, die eine Zahlungsanfrage von 103 US-Dollar enthielt. Wieso 103 Dollar? Ich hatte doch bislang nur Soles abgehoben, und die wurden jeweils in Euro abgerechnet.

3
 
Karte
Anbieter
Jahresgeb.
Sollzinssatz
 
1.
VisaCard
0,00
6,9%
2.
comdirect VISA-Karte
0,00
6,5%
3.
VISA Card
0,00
6,99%
Jahresumsatz 2.000

Ich suchte nach einer Kontaktmöglichkeit zu Comdirect via SMS - leider Fehlanzeige. Die SMS-Mitteilungen verwiesen bei Problemen auf eine Frankfurter Telefonnummer. Anrufe von Peru nach Deutschland sind aber sehr teuer und in meinen Bank-Account wollte ich mich aus dem Ausland nicht einloggen. Gerade als ich über das weitere Vorgehen nachdachte, kam erneut eine SMS aus Deutschland. Diese enthielt wiederum eine Zahlungsanfrage von 102 Dollar aus den USA. Zu meiner Überraschung vermeldete die gleiche SMS aber auch, dass diese Forderung abgelehnt wurde. Das gleiche Spiel kurze Zeit später: Eine erneute Dollarforderung aus den USA wurde von Comdirect zurückgewiesen.

Damit war klar: Meine Kreditkarte war gehackt worden. Die Kartendaten waren offensichtlich in die USA gelangt und wurden dort missbräuchlich verwendet. Normalerweise muss man in einem solchen Fall schnell handeln und die Kreditkarte sperren lassen. Da Visa den Kreditkartenbetrug aber bereits bemerkt hatte und alle weiteren Abbuchungsversuche konsequent blockierte, war dies nicht mehr nötig. Kurz darauf wurde die Karte komplett gesperrt. Im restlichen Urlaub kam dann die Kreditkarte meiner Frau zum Einsatz.

Biallo-Tipp

Falls Ihre Kreditkarte im Ausland gehackt wird. Die Zentrale Sperr-Rufnummer für fast alle Girokarten und Kreditkarten lautet: 0049 116 116.

Viele unbemerkte Abbuchungen

Zurück in Deutschland, staunte ich beim Durchforsten meiner Kreditkarte-Umsätze nicht schlecht: Insgesamt waren 22 unberechtigte Abbuchungen erfolgt, der Gesamtschaden summierte sich auf 325 Euro. Mit einem solchen Fehlbetrag hatte ich nicht gerechnet. Offensichtlich hat der SMS-Service von Comdirect die Visa-Umsätze nicht ansatzweise korrekt wiedergegeben. Ich rief sofort bei der Bank an, um zu erfahren, wie es mit Schadensersatzansprüchen steht. Der Gesetzgeber sieht ja bei unverschuldeten Fehlbuchungen einen Selbstbehalt von 150 Euro vor, den Rest sollte der Kreditkarten-Anbieter ersetzen.

Der Servicemitarbeiter im Callcenter verwies mich auf ein Formular zur Visa-Umsatzreklamation, welches ich ausgefüllt zurück an Comdirect schicken sollte. Ob dies der Ausgangspunkt für die erfolgreiche Erstattung der unberechtigten Abbuchungen war, kann ich nur vermuten. Jedenfalls erhielt ich kurz darauf Post von Equens Worldline, einem Zahlungsdienstleister, der die Karteninhaber von Comdirect betreut. Nachdem ich mit dem Dienstleister alle Fehlbuchungen geklärt hatte, erhielt ich die Information, dass die unberechtigten Forderungen in den nächsten Tagen komplett erstattet werden.

Der Mitarbeiter vermutete übrigens, dass ich in Lima Opfer einer Skimming-Attacke an einem Geldautomaten geworden war. Dabei montieren Ganoven einen falschen, aber täuschend echt aussehenden Vorsatz am Bankautomaten, der Kontodaten und Geheimzahlen ausliest, um später das Kreditkartenkonto zu plündern.

Fazit

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. So erging es auch mir. Zum Glück haben die Warnsysteme des Kreditkartenanbieters gut funktioniert und mich vor größerem Schaden bewahrt. Zu meiner Freude wurde das geklaute Geld tatsächlich in voller Höhe gutgeschrieben - eine lobenswerte Kulanz des Zahlungsdienstleisters. Damit ist der Schatten auf der ansonsten phantastischen Peru-Reise ausradiert. Bei der nächsten Fernreise werde ich mich beim ersten Anzeichen von Unregelmäßigkeiten sofort in mein Bankkonto einloggen.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Max Geißler
Max Geißler
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Max Geißler
Max Geißler

nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de