So ist das Bankkonto vor Hacker-Angriffen sicher

Online-Banking So ist das Bankkonto vor Hacker-Angriffen sicher

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
03.07.2017
Auf einen Blick
  • Die weltweiten Cyberangriffe nehmen kein Ende: Mit "Petya" treibt nun die zweite Schadsoftware innerhalb von nur sechs Wochen ihr Unwesen.

  • Entscheidend für die Sicherheit beim Online-Banking ist die richtige Wahl des Tan-Verfahrens. IT-Experten empfehlen Verbrauchern die Chip-Tan-Methode. 
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Die aktuelle Welle von Hacker-Angriffen hält an: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationsindustrie (BSI) beobachtet seit vergangener Woche eine weltweite Cyber-Attacke. Diesmal heißt das Schadprogramm "Petya" und legt erneut reihenweise Rechner lahm. Die Kriminellen nehmen sensible Daten als Geiseln und fordern ein entsprechendes Lösegeld. Erst wenn Betroffene zahlen, erhalten sie wieder Zugriff auf ihren Computer und somit auch auf ihre Daten.

Keine sechs Wochen ist es her, dass der globale Cyber-Angriff mit der passenden Bezeichnung "WannaCry" rund 200.000 Rechner in 150 Länder infizierte. Selbst die Polizeibehörde der Europäischen Union (Europol) beschrieb den Angriff hinsichtlich seines Ausmaßes als "noch nie da gewesenes Ereignis".

Pikant: Der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst NSA wusste von dieser Sicherheitslücke in Windows-Betriebssystemen und nutze diese über mehr als fünf Jahre, ohne Microsoft über diesen Sicherheitsmangel zu informieren.

Nicht nur Unternehmen betroffen

Zwar waren bei den jüngsten Vorfällen überwiegend Unternehmen betroffen, doch die Vergangenheit hat gezeigt, dass vermehrt auch Daten von Otto-Normal-Verbrauchern in das Visier der Internetkriminellen geraten. Erst Anfang Mai sorgte ein großangelegter Angriff auf das Netz des Telekommunikationsanbieters O2 für Furore.

Damals gelang es Betrügern das M-Tan-Verfahren auszuhebeln und etliche Online-Bankkonten zu plündern. Angesichts dieser Ereignisse fragen sich nun viele Verbraucher: Wie sicher sind eigentlich die unterschiedlichen Online-Banking-Verfahren? Und wer haftet im Schadensfall?

Wie sicher ist das M-Tan-Verfahren?

Beim sogenannten M-Tan-Verfahren müssen sich Bankkunden mit ihrer Mobilfunknummer bei ihrer Bank oder Sparkasse anmelden. Das Geldhaus verschickt bei jeder Überweisung die entsprechende Tan-Nummer per SMS auf das Handy des Kunden. Nach den vergangenen Hacker-Angriffen Anfang Mai steht diese Methode allerdings auf dem Prüfstand. Die deutsche Kreditwirtschaft (DK) spricht von einem "Einzelfall" und weist darauf hin, "dass die M-Tan ein technisch sicheres Legitimationsverfahren beim Online-Banking ist."

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht das anders. "Auf die Schwachstelle im SS7-Protokoll weisen wir schon seit einigen Jahren hin", kritisiert BSI-Präsident Arne Schönbohm. Die Bundesbehörde empfiehlt Verbrauchern auf das M-Tan Verfahren zu verzichten.

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Welche anderen Tan-Verfahren sind sicher?

Bankkunden haben in Sachen Online-Banking eine breite Auswahl. Ob M-Tan, Push-Tan oder Photo-Tan, bei der Fülle von Legitimationsverfahren können Verbraucher schnell den Überblick verlieren. Chris Wojzechowski, Projektleiter am Institut für Internet Sicherheit, empfiehlt Verbrauchern das sogenannte Chip-Tan-Verfahren. Bei dieser Methode wird die Tan-Nummer mit einem speziellen Lesegerät erstellt.

"Wer hauptsächlich Online-Banking von zu Hause betreibt, ist mit dem Chip-Tan-Verfahren auf der sicheren Seite", so Wojzechowski. Für noch sicherer stuft der IT-Experte das sogenannte HBCI-Verfahren, das auch mit einem Chipkartenleser funktioniert, ein: "Da diese Methode von Verbrauchern kaum genutzt wird, ist das Interesse von Internetkriminellen hier aktiv zu werden eher gering." Das Verfahren HBCI (Homebanking Computer Interface) basiert auf einer verschlüsselten Kommunikation zwischen Bank und Kunde über eine spezielle Chipkarte.

Vom sogenannten Push-Tan-Verfahren sollten Bankkunden lieber die Finger lassen: "Da wird die Zwei-Faktoren-Sicherheit aufgebrochen. Überweisungen laufen bei diesem Verfahren nur über ein Endgerät, das Smartphone. Die Praxis zeigt, dass die Apps mit Schadsoftware ausspioniert werden können", warnt Wojzechowski.

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Wer haftet im Schadensfall?

"Grundsätzlich haftet die Bank für jede Überweisung, die nicht direkt vom Bankkunden autorisiert wurde. Sie kann aber Schadensersatzansprüche geltend machen. Bei grober Fahrlässigkeit kann die Bank sogar die komplette Schadenssumme verlangen", warnt der IT-Rechtsexperte Christian Solmecke. Als grobe Fahrlässig gilt bereits, wenn Bankkunden eine veraltete Virensoftware auf dem Rechner installiert haben.

Im aktuellen Fall handelt es sich um eine Schwachstelle im sogenannten SS7-Netzwerk, die bereits seit 2014 öffentlich bekannt ist. "Trotz dieser Kenntnis wurde die Schwachstelle von O2-Telefonica weder behoben noch gemeldet. Im Verhältnis zum Kunden ist darin eine schuldhafte vertragliche Pflichtverletzung zu sehen. Es ist daher wahrscheinlich, dass am Ende O2 für die entstandenen Schäden einstehen muss", so das Urteil von Solmecke.

Wichtige Tan-Verfahren im Überblick:

SMS-Tan, Mobile-Tan, M-Tan: Hier erhält der Kontoinhaber die Tan per SMS auf das Mobiltelefon, um den Überweisungsvorgang abzuschließen. Experten raten von diesen eher Verfahren ab.

Chip-Tan: Hier können Bankkunden mittels eines speziellen Chipgeräts in Kombination mit der Girokarte Tans erzeugen. Dieses Verfahren gilt als besonders sicher, da die eingehenden Tans lediglich auf dem Display erscheinen.

Photo-Tan: Auch dieses Verfahren funktioniert mit dem Smartphone samt spezieller App. Nach eintippen der Überweisungsdaten wird ein Code auf dem Bildschirm angezeigt. Ausschlaggebend für Datensicherheit ist hier die Pixelung des QR-Codes.

Push-Tan: Für dieses Verfahren müssen sich Verbraucher eine spezielle App auf das Smartphone laden. Nach jeder Überweisung können sie darüber eine Tan anfordern und direkt ins Online-Banking übertragen. Gilt als verhältnismäßig unsicher, da die komplette Überweisung auf einem Endgerät abgewickelt wird.

Tan-Liste: Die EU-Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 bestimmt, dass die TAN-Listen beim Online-Banking nicht mehr sicher genug sind. Sie sollen bis 2018 aus dem Verkehr gezogen werden.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit Januar 2016 ist er Volontär.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de