Auf einen Blick
  • Deutschland bekommt mit der Ampel-Koalition aus SPD, Grüne und FDP das erste Dreierbündnis auf Bundesebene.

  • Mit Hinblick auf die ambitionierten Pläne der neuen, kommenden Regierung fragen sich viele Anlegerinnen und Anleger, was unterm Strich für sie rausspringt.

  • Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), erklärt, worauf sich hiesige Anleger einstellen müssen.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vertritt seit 1947 die Interessen von Anlegerinnen und Anlegern. Heute ist der Verband mit seinen rund 30.000 Mitgliedern der führende Verband für Privatanleger in Deutschland. Die DSW bietet seinen Mitgliedern ein umfassendes Service-Angebot. Etwa eine kostenlose außergerichtliche Erstberatung in allen Fragen rund um das Thema Kapitalanlagen.

Durch die kapitalgedeckte gesetzliche Rente werden wir ja alle bald zu Aktionären. Was bedeutet das für die Aktienkultur?

Marc Tüngler: Das ist ein riesiger Schritt! Das bedeutet Rückenwind für die Aktienkultur wie nie. Damit werden zukünftig alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der Aktie und vom Kapitalmarkt profitieren. Das wird das Verhältnis der Deutschen zur Aktie auf eine neue, bessere Grundlage stellen.

Und das dürfte doch ein Riesen-Booster für deutsche Blue-Chips sein?

DSW-Chef Marc Tüngler.
Tüngler: Nicht nur. Denn der  Fonds wird ja weltweit anlegen. Die Frage, die sich da stellt, ist: Welchen Einfluss nimmt die Politik auf so einen Fonds. Das Vorbild sollte Schweden sein, wo wenige qualifizierte  Fondsmanager den dortigen Pensionsfonds unabhängig und transparent verwalten. Das Geld wird im Sinne der Bürger investiert und nicht nach politischen Motiven. Es wäre nicht gut, wenn der Staatsfonds in Deutschland für politische Motive und Ziele missbraucht wird.

Die alternativen Energien sollen weiter ausgebaut werden. Welche Aktien profitieren davon am meisten?

Tüngler: Das ist ein extrem wichtiger Punkt, eines der Top-Themen der Zukunft. Alleine von der EU kommen 1,9 Billionen Euro für den Transformationsprozess, damit Unternehmen „grüner“ werden. Hier ist es meines Erachtens wichtig, dass vor allem langfristig gedacht wird. Es macht weniger Sinn, das Geld in Unternehmen zu pumpen, die schon recht grün sind. Das wäre zu kurz gesprungen. Hier kann die Politik dann zwar recht schnell Erfolge melden – das dürfte einige dazu verführen. Dabei ist es aber viel wichtiger, in Unternehmen zu investieren, deren Transformationsprozess zwar länger dauert, aber zugleich Erfolg verspricht. Wir müssen den Wandel finanzieren und schaffen. Denn damit erreichen wir bei der Dekarbonisierung die größten Effekte – nur lassen die meist länger auf sich warten, als eine Wahlperiode dauert.

Die Ampel will Innovationen fördern. Wie sieht es da mit der Tech- und Biotech-Branche aus? Die werden doch sicher – hauptsächlich vor dem Hintergrund der Pandemie – davon profitieren. Welche Aktien wären das?

Tüngler: Ja, definitiv! Die Wichtigkeit einer hierzulande verorteten Forschung ist gerade vor dem Hintergrund der Pandemie bewusster geworden. In den vergangenen Jahren ist da leider viel abgewandert, beispielsweise nach Indien, die USA oder China. Die Investitionen sollten die Forschung zurück nach Europa holen. Davon profitieren natürlich dann die europäischen Tech- und Biotech-Konzerne.

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Die Wohnungsbaugesellschaften sind dann wohl die großen Verlierer?

Tüngler: Die Ampel-Koalition plant ja große Investitionen in den Wohnungsbau.Das erhöht natürlich das Angebot – und demnach dürften sich dadurch die Mieten etwas stabilisieren oder gar sinken. Das mindert natürlich die Gewinne der Immobilien-Unternehmen. Zumindest die der Bestandshalter. Die Unternehmen, die mehr am Bau verdienen, als am Vermieten werden daher am meisten davon profitieren. Allerdings sollten wir uns da nichts vormachen: Die Investitionen in den Wohnungsbau sind richtig und gut, aber nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Denn die Knappheit in den Ballungsgebieten besteht auch dann noch weiterhin für lange Zeit.

Wird es eine Neueinführung für die Spekulationsfrist geben, um langfristige Anleger zu belohnen?

Tüngler: Davon steht leider nichts im Koalitionsvertrag. Aber ich gehe davon aus, denn das war immer ein wichtiger Punkt bei der FDP. Insbesondere Christian Lindner hat sich das ja auf die Agenda geschrieben. Allerdings wird diese Spekulationsfrist nicht nur ein Jahr lang sein, wie wir es bereits hatten. Ich gehe eher davon aus, dass es drei bis fünf Jahre werden.

Aber auch in anderen Punkten müssen Anleger fairer behandelt werden. Nehmen Sie nur als Beispiel die Verlustrechnung, die derzeit teilweise auf 20.000 Euro gedeckelt ist. Dadurch müssen Anleger bei verschiedenen Anlageklassen ihre Gewinne voll versteuern, können ihre Verluste aber nur zum Teil anrechnen.

Auch, dass die Freibeträge angehoben werden, begrüßen wir von der DSW, denn davon profitiert jeder – gerade Kleinanleger. Die Anhebung auf 1.000 Euro ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht genug. Ich hätte mir noch einen höheren Freibetrag gewünscht, besser wären mindestens 2.500 Euro. Weil gerade kleinere Sparer davon profitieren würden. Für Großaktionäre spielt der Freibetrag nur eine untergeordnete bis keine Rolle, dafür sind die Beträge zu klein.

Bei diesen Punkten setze ich besonders auf Christian Lindner, der ja Finanzminister werden soll, und Marco Buschmann, der voraussichtlich das Justizministerium leiten wird.

Die Ampel-Koalition wird aber den Bundeshaushalt mehr belasten für diese Investitionen. Dann dürften Anleihen aber darunter leiden?

Tüngler: Ja, die Staatsverschuldung wird wohl langfristig stärker steigen, weshalb Anleihe-Anleger mit Druck rechnen sollten. Auch der Euro selbst könnte unter Druck geraten, wenn sich die Wachstumsaussichten für die größte Volkswirtschaft der Eurozone verschlechtern. Zugleich wird ein schwacher Euro aber einer exportorientierten Wirtschaft hierzulande helfen. Langfristig war und ist die Aktie allerdings ohnehin das bessere Investment.

Herr Tüngler, vielen Dank für das Gespräch.

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Über den Autor Maximilian Pisacane

schon während seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft arbeitete Maximilian Pisacane für Deutschlands älteste Geldanlage Zeitschrift WERTPAPIER (heute Focus Mones) als Jungredakteur mit dem Schwerpunkt Aktien und Anlegerschutz. Während dieser Zeit absolvierte er zahlreiche Praktika u.a. bei der Wirtschaftswoche online, Bild und Antenne Düsseldorf. Am Ende seines Studiums gründete er sein eigenes Redaktionsbüro und arbeitet u.a. für das Handelsblatt, Financial Times Deutschland (FTD), Tagesspiegel, Rheinische Post, Capital, Spiegel online und Die Zeit. Bei der Gründung der Zentralredaktion Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien (FTD, Börse Online, Capital, Impulse) war er von Anbeginn als Redakteur für Aktien und Rohstoffe sowie Anlegerschutz dabei; außerdem war er der Zuständige für Messen und Moderation für sein Ressort. 

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