Gut fürs Geld, gut für die Welt

Ethisch-ökologische Geldanlagen Gut fürs Geld, gut für die Welt

Update: 18.09.2019
Manfred Fischer
von Manfred Fischer
Update: 18.09.2019
Auf einen Blick
  • Mehr als 200 Milliarden Euro stecken in Deutschland in ethisch-ökologische Geldanlagen. Tendenz: stark steigend.

  • Anbieter von Finanzprodukten interpretieren den Begriff Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich. Grundlage sind drei Kategorien von Kriterien: Umwelt, Soziales, Unternehmensführung.

  • Bei vielen Produkten gelten Toleranzwerte, ethisch-ökologisch fragwürdige Investitionsziele sind bis zu einem bestimmten Prozentsatz nicht ausgeschlossen.
  • Mehr als 500 ESG-Fonds sind in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) zurzeit zugelassen. 

  • Studien räumen mit dem Vorurteil auf, dass Nachhaltigkeit Rendite kostet.
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Ein zweistelliger Milliardenbetrag fließt in Deutschland jährlich in ethisch-ökologische Geldanlagen. Die Renditen sind Studien zufolge in vielen Fällen vergleichbar mit jenen konventioneller Finanzprodukte oder sogar besser. Und das Angebot nimmt zu. Ob Aktien, Fonds oder Sparanlagen, bei allen Anlageformen gibt es nachhaltige Alternativen.

Doch der Markt ist unübersichtlich und intransparent. Es existieren keine einheitlichen Regeln oder Standards, wofür "nachhaltig" stehen soll. Jeder Anbieter kann das nach Belieben auslegen.

Hinzu kommt, dass ethische und ökologische Aspekte von Investments in der Regel nicht Thema in Anlageberatungsgesprächen sind. Worauf sollten Sparer achten, die – neben Rendite, Sicherheit und Liquidität - Nachhaltigkeitskriterien ins Kalkül einbeziehen wollen?

Biallo-Tipp

Sie möchten mehr wissen? Weitere Beiträge rund um das Thema "grüne Wertpapiere" finden Sie unter Welt der Fonds.

Wachsender Nischenmarkt

Umweltzerstörung, Kinderarbeit, Herstellung international geächteter Waffen: Mehr und mehr Investoren legen Wert darauf, dass ihr Geld nicht schmutzigen Geschäften dient. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) weist für 2018 ein Anlagevolumen in Höhe von 219 Milliarden Euro für Finanzprodukte in Deutschland aus, die ökologischen und sozialen Kriterien im engeren Sinne erfüllen. Das sind 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

Seit zehn Jahren wächst dieser Nischenmarkt stärker als der konventionelle. Nach wie vor aber handelt es sich um einen kleinen Markt. Der Bundesverband Investment und Asset Management verzeichnet für 2018 bei Fonds und Vermögensverwaltungsmandaten ein Gesamtvolumen von 2,95 Billionen Euro. Auf nachhaltige Fonds und Mandate entfallen im selben Zeitraum 133,5 Milliarden Euro, umgerechnet 4,5 Prozent. Das Plus gegenüber 2017 beziffert das FNG auf 41 Milliarden – so viel wie noch nie zuvor.

Dieses Geld verteilt sich größtenteils auf Unternehmensanleihen, danach folgen als Assetklassen Aktien und Staatsanleihen. Rund sieben Prozent stammen von privaten Anlegern, 93 Prozent von institutionellen. Investoren sind allen voran kirchliche Institutionen und Wohlfahrtsverbände sowie Versicherungsunternehmen und öffentliche Pensionsfonds.

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Steigende Nachfrage von Privatanlegern

So gering der Anteil von Investitionen privater Anleger ist, das Anlagevolumen steigt kontinuierlich. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate in den vergangenen 13 Jahren beträgt laut FNG acht Prozent; bei institutionellen Anlegern sind es 35 Prozent.

Auf ethische Investments spezialisierte Vermögensberater geben sich optimistisch. "Die Tendenz, dass Kleinanleger nach Nachhaltigkeitskriterien fragen, verstärkt sich", sagt Thomas Grimm von Ökofinanz 21, einem bundesweiten Berater-Netzwerk. "Das baut sich zu einer Welle auf, die zum Mainstream wird", prophezeit er.

Mehr Geld auf dieser Welle schwimmt bereits in der Schweiz. Für 2018 bilanziert das FNG ein Marktvolumen in Höhe von 233 Milliarden Euro. Stark gefragt sind nachhaltige Investmentfonds, das Anlagevolumen ist im vergangenen Jahr um mehr als das Doppelte gestiegen. Ein Drittel des Kapitals in Fonds und Mandaten pumpen in der Schweiz private Anleger in den Markt, im Schnitt jährlich 55 Prozent mehr. Für das Anlagevolumen institutioneller Anleger errechnet sich eine durchschnittliche Wachstumsrate von 64 Prozent.

In Österreich beläuft sich der Marktanteil privater Investoren auf 20 Prozent. Fast vier Milliarden Euro haben sie 2018 nach ethischen Kriterien angelegt. Das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen liegt in der Alpenrepublik bei 22 Milliarden Euro.

Kein Thema in Beratungsgesprächen

Am deutschen Kapitalmarkt versucht man, die Entwicklung anzuschieben. Der größte Handelsplatz-Betreiber, die Deutsche Börse AG, hatte 2017 die Initiative "Accelerating Sustainable Finance" ins Leben gerufen. Die Initiative ist im "Green and Sustainable Finance Cluster Germany" aufgegangen. Das GSFC-Germany wird unterstützt von Marktakteuren wie Deutscher Bank, Commerzbank, Deka, DZ-Bank oder PNB-Paribas, aber auch von Nichtregierungsorganisationen sowie Vertreten aus Politik und Finanzwissenschaft. Ziel sei es, "nachhaltige Lösungen und neue Strukturen" zu entwickeln, sagt GSFC-Geschäftsführerin Kristina Jeromin. "Letztendlich müssen Nachhaltigkeitsaspekte selbstverständlicher Teil von Unternehmertum und Investitionsstrategien werden.

Ein Grund, weshalb der Trend Kleinsparer noch kaum erreicht: In Beratungsgesprächen sind ethisch-ökologisch Aspekte selten Thema. Die große Mehrzahl der Finanzberater und -vermittler sprechen das von sich aus nicht an – sie müssen es nicht. "Es gibt nur wenige, die sich damit auskennen", sagt Thomas Grimm.

Auch hält längst nicht jedes Finanzprodukt, das als nachhaltig angepriesen wird, was der Anbieter verspricht. Für Schlagzeilen sorgt immer wieder Greenwashing, das Vortäuschen von Umweltstandards. "Grün ist nicht gleich grün", sagt Grimm. Doch "jeder hellgrüne Fonds ist noch besser als ein klassischer". Vorausgesetzt natürlich, die Rendite stimmt. 

EU will Regeln für nachhaltiges Finanzwesen

Schwung in den Markt gebracht hat die Europäische Kommission. Sie hat 2018 Gesetzgebungsvorhaben für nachhaltiges Finanzwesen auf den Weg gebracht. Der Aktionsplan der EU beinhaltet zehn Maßnahmen. Dazu zählt unter anderem, dass Nachhaltigkeit von Investments in der Anlageberatung thematisiert werden soll. Ferner sollen entsprechende Offenlegungspflichten für Banken und andere Finanzdienstleister gelten. Vorgesehen ist auch ein System zur Klassifizierung nachhaltiger Geldanlagen, das Verbrauchern die Orientierung am Markt erleichtert. Ziel ist es, die verschiedenen Regelungen ab Mitte 2020 in die Praxis umzusetzen.

Was bedeutet "nachhaltig"?

Nachhaltigkeit schließt drei Kategorien von Kriterien ein, abgekürzt mit ESG. Das Kürzel steht für Environmental, Social, Governance - Umwelt, Soziales, Unternehmensführung. ESG-Kriterien werden auf unterschiedliche Art und Weise bei Finanzprodukten berücksichtigt. Die Verbraucherzentrale Bremen unterscheidet vier grundlegende Anlageansätze.

Negativkriterien: Durch sie wird ein Geldfluss in bestimmte Firmen, Branchen oder Staaten ausgeschlossen. Die aktuell bedeutendsten Negativkriterien am Markt sind Waffenproduktion und -handel, Menschenrechtsverstöße und Arbeitsrechtsverletzungen. Staaten werden von Investitionen abgeschnitten, wenn dort etwa ein Diktator regiert oder Korruption blüht.

Positivkriterien: Sie dienen dazu, Kapital gezielt in nachhaltig wirtschaftende Firmen, Branchen oder Länder zu lenken. Zum Beispiel ins Geschäft mit erneuerbaren Energien, in die Entwicklung medizinischer Produkte oder ökologische Produktion von Nahrungsmitteln. Auch soziales Engagement und verbraucherfreundliche Unternehmenspolitik zählen zu diesen Kriterien.

"Best-in-Class": Dieser Ansatz zielt darauf ab, in die "Klassenbesten" einer Branche zu investieren - jene Unternehmen, deren soziales und ökologisches Engagement die Maßstäbe setzen. Das soll den Wettbewerb in einzelnen Branchen in puncto ESG fördern. Keine Branche wird grundsätzlich gemieden.

"Engagement": Davon ist die Rede, wenn Großaktionäre wie Banken, Versicherungen oder Investmentgesellschaften in Unternehmen Einfluss nehmen, um ESG-Standards zu etablieren. Seit langem praktiziert wird das in den USA, vor allem in sozialen Fragen. Auch in Skandinavien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden ist "Engagement" von Aktionären bereits weit verbreitet. Ein Thema, um das es zunehmend geht, ist der Klimawandel.

Neben diesen vier gibt es noch weitere Ansätze. Sie alle spielen je nach Anlageform und Anbieter eine unterschiedliche Rolle. Mal wird ein Ansatz verfolgt, mal werden mehrere kombiniert, mal sind es einige wenige, mal Dutzende ESG-Kriterien, die angewandt werden. Ethisch-ökologische Fonds basieren auf Nachhaltigkeitsratings der einzelnen Titel. Die meisten Fondsgesellschaften ziehen Analysen spezialisierter Ratingagenturen heran, manche analysieren selbst.

  • Biallo-Tipp: Die steigende Nachfrage nach ethisch-ökologischen Geldanlagen führt dazu, dass Banken und Fondsgesellschaften nachhaltige Anlagestrategien auch im konventionellen Geschäft anwenden. Das geschieht nicht auf Produkt-, sondern auf Unternehmensebene. Die Rede ist dann von "verantwortlichen Investments". Die Anlagestrategie ist in der Regel weit weniger streng gefasst, als das bei nachhaltigen Finanzprodukten der Fall ist. Das FNG taxiert die verantwortlichen Investments hierzulande auf ein Gesamtvolumen in Höhe von mehr als 1,5 Billionen Euro. Wer sicher gehen möchte, dass sein Geld nachhaltig angelegt wird, sollte hinterfragen, welche ESG-Kriterien bei den empfohlenen Finanzprodukten greifen.

Zu 100 Prozent nachhaltig?

Die Praxis setzt dem ethisch-ökologischen Ideal Grenzen. Hersteller von Streumunition oder Betreiber von Kohlekraftwerken von Investments auszuschließen, lässt sich leicht bewerkstelligen. Doch was ist mit Zulieferern? Wie ist eine Firma zu sehen, die Elektronikbauteile für Waffenschmieden herstellt? Wie weitere Glieder der Lieferketten? Wie verhält es sich bei Firmen, deren Produkte zivil und militärisch eingesetzt werden können? Oder einem Mischkonzern, der 90 Prozent seines Umsatzes mit ökologisch unbedenklichen Erzeugnissen macht, zehn Prozent mit Agrochemie?

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Die Grenzen werden bei Finanzprodukten unterschiedlich scharf gezogen. Bei nachhaltigen Fonds oder ETFs (s. Nachhaltige Fonds und Sparanlagen) ist es gang und gäbe, dass Toleranzwerte eingeräumt werden. Der Anteil von Aktien aus problematischen Branchen wird oft auf fünf Prozent begrenzt. Ähnliches gilt für Geschäftsfelder von Unternehmen. Liegt der Umsatz- oder Produktionsanteil in ethisch fragwürdigen Geschäftsfeldern unter den Schwellenwerten, kommt die Aktie in Frage – sonst nicht. 

Wie viel Prozent der Geldanlage in den Toleranzbereich gelangen und was im Einzelfall toleriert wird, zeigt sich erst beim näheren Blick in die Produktunterlagen. Als Anhaltspunkt dafür, wie weitgehend Nachhaltigkeitskriterien erfüllt sind, können Anleger Produktsiegel oder -label heranziehen, beispielsweise das des FNG oder des Finanzportals Ecoreporter.

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3
 
Anbieter
Zinssatz
 
1.
0,70%
Betrag 10.000 €, Laufzeit ohne Laufzeitbindung

Nachhaltigkeit im Rating

Zu den Agenturen mit langjähriger Erfahrung im Nachhaltigkeitsrating zählen Inrate in der Schweiz, in Deutschland Oekom Resarch, Imug und Sustainalytics. Das Spektrum an Auftraggebern ist breit, es reicht von Ökobanken, Kirchen, Stiftungen und Sparkassen bis hin zu Großbanken und Versicherungskonzernen. Jede Agentur hat ihre eigenen Methoden, Ratings werden individuell für Auftraggeber erstellt.

Für Kleinanleger sind diese Rating-Agenturen "Black-Boxen". Und auch mit den Angaben von Produktanbietern bleibt vielfach im Ungefähren, was das Prädikat "nachhaltig" bedeutet. Gerade bei komplexen Finanzprodukten führt das dazu, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden. Eine Ausnahme bilden Anbieter wie Nachhaltigkeitsbanken, sie stellen ihre Anlagekriterien transparent dar.

Ein Bild davon, wie nachhaltig Fonds investieren, vermittelt zum Beispiel die Ratingagentur Morningstar. Es ergibt sich aus einem fünfstufigen, relativen Bewertungsschema. Verglichen werden Fonds innerhalb derselben Morningstar-Kategorien. Die Rating-Stufen veranschaulicht das Analysehaus mit Globus-Symbolen. Ein Globus bedeutet "niedrig", zwei Globen prangen für "unterdurchschnittlich", drei für "durchschnittlich", vier für "überdurchschnittlich", fünf für "hoch". Fünf Globen erhält ein Fonds, wenn der zu den besten zehn Prozent seiner Kategorie gehört, einen, wenn er sich unter die schlechtesten zehn Prozent reiht.

Die Daten für das Rating liefert die Agentur Sustainanalytics. Bewertet wird ein Fonds nur, wenn zu mehr als 50 Prozent des Fondsvermögens Daten vorliegen. Das "Sustainability-Rating" umfasst nach Angaben von Morningstar rund 50.000 Finanzprodukte. Es findet sich als Zusatzinformation bei den üblichen Rendite-Risiko-Profilen. Demnächst soll das Schema um ein ESG-Risiko-Rating erweitert werden.

Börsenindizes für Nachhaltigkeit

Nicht zuletzt bilden mehrere Börsenbarometer Ethik und Moral an Kapitalmärkten ab. Der bekannteste dieser Indizes ist der Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Nach dem "Best-in-Class-Prinzip" bündelt er nach ökonomischen, ökologischen und sozialen Faktoren die besten zehn Prozent der 2.500 größten Konzerne der Welt. Vom DJSI gibt es regionale und nationale Subindizes, auf regionaler Ebene werden 20 Prozent der Großunternehmen ausgesiebt, auf nationaler 30 Prozent.

Zwei andere maßgebliche Indizes sind der MSCI World ESG Index und der FTSE4Good. In Ersteren werden, wie in den weltweiten DJSI, die Klassenbesten aufgenommen. Für den FTSE4Good gelten zusätzlich Positiv- und Ausschlusskriterien. Außen vor bleiben beispielsweise Tabakproduzenten, Betreiber von Atomkraftwerken und Minengesellschaften, die Uran abbauen.

Indizes an deutschen Börsen sind unter anderen der DAXglobal Sarasin Sustainability Germany Index EUR, der STOXX ESG Leaders (beide Frankfurt) und der Global Challenges Index (Hannover). Der älteste Nachhaltigkeitsindex in Deutschland ist der Natur-Aktien-Index, NAI (Stuttgart). Gelistet sind 30 Unternehmen, die sich über die ganze Welt verteilen. Einige davon gelten als Öko-Vorreiter in ihren Branchen.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
 243,46
1,21%
2.
211,10
1,05%
3.
 160,64
0,80%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Nachhaltige Sparanlagen und Fonds

Wer Geld unter ethisch-ökologischen Gesichtspunkten anlegen möchte, muss sich mit einem verhältnismäßig kleinen Marktangebot begnügen. Je nach Anlageform ist es unterschiedlich ausgeprägt.

Ethisch-ökologische Spareinlagen

Vor allem alternative und kirchliche Geldhäuser offerieren diese Finanzprodukte. Mehr als ein Dutzend solcher Häuser gibt es in Deutschland; Direktbanken wie die Triodos Bank, Umweltbank oder Styler Bank und Filialinstitute wie die Pax-Bank, GLS-Bank oder Evangelische Bank. Sie bieten Tagesgeld, Festgeld, Sparbriefe, Sparpläne und weitere sichere Zinseinlagen.

Was die Zinshöhe angeht, reichen die Produkte nicht an die besten konventionellen Angebote heran. Nachhaltige Spareinlagen, zumeist Sparbriefe, haben darüber hinaus zahlreiche Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Produktportfolio. Die Verbraucherzentrale Bremen stellt in ihrem neuen Internetportal unter geld-bewegt.de eine Marktübersicht bereit.

Fonds

Das halbe Tausend ist überschritten. 509 ethisch-ökologische Publikumsfonds hat das Sustainable Business Institut (SBI) in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) 2018 gezählt. Das sind 27 mehr als 2017. Gehandelt werden internationale, breit streuende Fonds wie auch Fonds, die auf Regionen oder Branchen fokussieren.

Überdies stehen Themenfonds zur Auswahl, sie setzen auf erneuerbare Energien, Wasser oder Umwelttechnologien. Im Handel sind auch mehr als jeweils 100 Renten- und Mischfonds. Dazu kommen ein knappes Dutzend Dachfonds, 30 ETFs, einige Microfinance-, Immobilien- und Wandelanleihefonds.

Auf seiner Marktplattform (nachhaltiges-investment.org) listet das SBI weit über 100 Anbieter. Es sind klassische Investmentgesellschaften wie Deka (Sparkassen), Union Investment (Genossenschaftsbanken), DWS (Deutsche Bank) oder Blackrock, die in dem Geschäft mitmischen. Und es sind viele kleine, auf die Marktnische spezialisierte Anbieter.

Die meisten Fonds mit "Nachhaltigkeitsbezug" in Deutschland haben nach einer Studie der Ratingagentur Scope BNP Paribas (28), Union Investment (24), Candriam (23) und die Bank J. Safra Sarasin (20) im Portfolio. Das meiste Geld eingesammelt hat mit solchen Fonds BNP Paribas (15,4 Milliarden Euro).

Lesen Sie auch: Nachhaltige Fonds und ETFs mit hohen Renditen

Das Forum Nachhaltige Geldanlage (www.forum-ng.org) weist für bald 300 ethisch-ökologische Fonds "Nachhaltigkeitsprofile" aus. Diese Profile geben detailliert wieder, welche ESG-Kriterien eingehalten werden und welche Anlageansätze zugrunde liegen. Zudem enthalten sie Eckdaten zu den Fonds. Alle Daten werden Anlegern auch in Form einer "Matrix" als Orientierungshilfe bereitgestellt.

Eine Reihe dieser Fonds spiegeln nicht nur hohe ethische Ansprüche wider, sondern lassen auch gute Renditen erwarten. Aktienfonds, auf die das zutrifft, sind zum Beispiel: Ökoworld Ökovision Classic C (ISIN: LU0061928585), LGT Sustainable Equity Fund Global EUR B (ISIN: LI0106892966), UniNachhaltig Aktien Global (ISIN: DE000A0M80G4), Nordea 1 - Global Climate and Environment Fund (ISIN: LU0348927095)

ETFs

Größter Anbieter ethisch ausgerichteter, börsengehandelter Indexfonds ist der US-Vermögensverwalter Black Rock. Zu dessen Produktgruppe iShares gehören auch zwei ETFs, die sich von der DJSI-Serie ableiten, zum einen der Dow Jones Global Sustainability Screened Ucits EFT (ISIN: IE00B57X3V84), zum anderen der Dow Jones Eurozone Sustainability Screened Ucits ETF (ISIN: DE000A0F5UG3). Der globale ETF beinhaltet über 540 Einzelpositionen. Das meiste Geld schaufelt er in Banken, Softwareunternehmen und Arzneimittelhersteller. Der europäische ETF schließt knapp 90 Werte ein, größte Einzelpositionen sind ebenfalls Geld- und Softwarehäuser.

An zweiter Stelle der Anbieter rangiert UBS, acht ETFs hat der schweizer Finanzkonzern aufgelegt. Einer davon ist der MSCI World Socially Responsible UCITS ETF (ISIN: LU0629459743). Für den Fonds gilt eine Ausschlussliste, darauf stehen: Kinderarbeit, Waffen, Atomkraft, Tabak, Alkohol, Pornografie und Agrargentechnik. Er erfasst rund 400 Werte, als "Cap" sind fünf Prozent festgelegt, kein Wert darf einen höheren Anteil am Fondsvolumen haben. Am stärksten partizipieren Microsoft, Procter und Gamble sowie Intel.

Ein anderes Beispiel für einen ETF auf den weltweiten MSCI ist der Easy MSCI World ex Controversial Weapons (ISIN: LU1291108642) von BNP Paribas. Vom Index ausgeschlossen sind Firmen, die Streumunitionen, Landminen, chemische oder biologische Kampfmittel herstellen.

Auf die 30 größten nachhaltigen Unternehmen aus dem Euro Stoxx setzt der ETF Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit Ucits (ISIN: DE000ETFL474). Das ESG-Rating dafür nimmt Oekom Rearch vor, zur Anwendung kommen das Best-in-Class-Prinzip und Ausschlusskriterien. Tabu sind hier auch Firmen, die im Kohle- oder Ölgeschäft tätig sind.

Weiterer interessanter Beitrag: Welcher Robo-Advisor bietet nachhaltige Investments?

Nachhaltigkeit zahlt sich aus

"Nee, den Luxus kann ich mir nicht leisten", antwortet Alfred P. Doolittle in dem Musical "My Fair Lady" auf die Frage, ob er denn gar keine Moral habe. So prekär Doolittles Lebensverhältnisse sind - seine Antwort ähnelt jenen, die man zuweilen von Anlegern hört, wenn sie sich mit grünen Investments konfrontiert sehen. Deren Zweifel beruhen eher auf einem Vorurteil als auf Fakten. Auch wenn Renditen fallweise Stoff für kontroverse Diskussionen liefern, viele Daten sprechen für den "Luxus".

Dass Nachhaltigkeit keine Rendite kostet, zeigt die Scope-Studie (s. Abschnitt "Fonds"). Die Analysten haben Aktienfonds verglichen: Eine Gruppe europaweit diversifizierter Standardprodukte mit einer Gruppe nachhaltiger Pendants, das Gleiche mit Fonds, die weltweit streuen. Über einen Zeitraum von drei Jahren zeigen sich nur kleine Unterschiede, Moral schlägt in beiden Vergleichen mit plus 0,5 Prozent Rendite zu Buche.

"Nachhaltige Unternehmen weisen langfristig höhere Ertragspotenziale und bessere Risiko-Rendite-Profile auf als Unternehmen, deren Nachhaltigkeitsprofil weniger stark ausgeprägt ist", erläutert der Analyst Andreas Feiner.

Auch eine Untersuchung an der Universität Kassel räumt mit dem Vorurteil auf. Es handelt sich um eine Meta-Studie aus dem Jahr 2014. Der Finanzwissenschaftler Christian Klein wertete 35 Studien aus, in denen die Renditen nachhaltiger und konventioneller Fonds verglichen worden waren.

Klein ging methodisch einen Schritt weiter, er bezog das Rendite-Risiko-Verhältnis in den Vergleich ein. Bei 14 der Studien stellte er fest, dass nachhaltige Fonds besser waren, in sechs Fällen verhielt es sich umgekehrt. "Wenn man das Rendite-Risiko-Verhältnis betrachtet, sind nachhaltige Fonds genauso gut oder besser als konventionelle Fonds", sagt Klein.

Zu einem ähnlichen Schluss kommen Kapitalmarktforscher an der Berliner Steinbeis-Hochschule. Ihre Meta-Studie aus dem Jahr 2013 beruht auf 195 vorangegangenen empirischen Studien. "Tendenziell wirkten sich Nachhaltigkeitsaspekte bei einer Gesamtbetrachtung sogar (leicht) positiv aus", schreiben die Forscher im Abschlussbericht.

Das Recht auf Nachhaltigkeit

Rendite, Risiko und Verfügbarkeit sind Anlagekriterien, die häufig Gerichte beschäftigen. In vielen Fällen geht es um den Vorwurf der Falschberatung. Wenn der Bankberater oder Finanzvermittler seine Aufklärungspflichten verletzt, haben Anleger Anspruch auf Rückabwicklung von Verträgen und Schadenersatz. Doch wie verhält sich das bei ethischen Kriterien? Kann man den Berater verklagen, weil Geld in Geschäfte geflossen ist, die man definitiv ausschließen wollte?

Man kann. Das zeigt ein Präzedenzfall, der erst kürzlich entschieden worden ist. Ein Öko-Tischler in Hannover hatte bei seinem Versicherungsmakler eine private Rentenpolice abgeschlossen. "Bezahlbar, sicher und ethisch unbedenklich", hätte sie sein sollen. Bekommen hatte er eine normale fondsgebundene Basisrentenversicherung – mit riskanten Papieren, mit Papieren, die Titel von Rüstungskonzernen enthalten.

Das Landgericht Hannover urteilte: "Die Klage ist unbegründet." Ethische Aspekte seien "grundsätzlich" keine aufklärungsbedürftigen Kriterien. "Sie stellen kein die Rentabilität gefährdendes, dem Anleger zur Kenntnis zu gebendes Risiko dar", heißt es in der Urteilsbegründung.

Das Oberlandesgericht Celle hielt diese Argumentation für "nicht tragfähig". Die Richter stellten klar, dass der Anlageberater verpflichtet ist, konkreten Vorgaben des Kunden "zu der Art und der inhaltlichen Beschaffenheit" der gewünschten Anlage Folge zu leisten. Andernfalls könne er sich schadenersatzpflichtig machen (OLG Celle 11 U 1/17; LG Hannover 8 O 322/15).

Der Tischlermeister scheiterte dennoch mit seiner Klage. Denn er konnte nicht zweifelsfrei belegen, dass er eine ethisch-ökologische Altersvorsorge verlangt hatte. Das Beratungsprotokoll war sehr oberflächlich gehalten. Und eine Beweislastumkehr, wie sie in solchen Fälle möglich ist, lehnte das Gericht ab.

"Anleger sollten genau darauf achten, was ins Beratungsprotokoll eingetragen wird und gegebenenfalls Korrekturen aussprechen", betont die Anwältin Angelika Jackwerth (www.fairegeldanlage.de), die den Handwerker vor Gericht vertrat. Die Fachanwältin für Kapital- und Bankenrecht empfiehlt Anlegern, immer einen Zeugen zum Gespräch mitzunehmen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de