Welcher Robo-Advisor bietet nachhaltige Investments?

Digitale Vermögensverwaltung Welcher Robo-Advisor bietet nachhaltige Investments?

Lars Becker
von Lars Becker
30.10.2018
Auf einen Blick
  • Dem Planeten etwas Gutes tun und dabei noch Geld verdienen: Am Megatrend Nachhaltigkeit können Anleger auch bei digitalen Vermögensverwaltern, den sogenannten Robo-Advisorn, profitieren.

  • Wer sein Geld mit gutem Gewissen anlegen will, muss allerdings mit vergleichsweise höheren Produktkosten rechnen als bei der konservativen Geldanlage.

  • Studien belegen, dass sich nachhaltige Fonds in Sachen Rendite vor ihren konventionellen Pendants nicht zu verstecken brauchen.
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Nachhaltiges Investieren liegt im Trend. Geschätzte 30 bis 35 Billionen US-Dollar Vermögen sind weltweit unter diesem Label angelegt. Anfang des Jahrzehnts war es nicht einmal ein Drittel davon. Vor allem in Europa und den USA wollen immer mehr Menschen in Unternehmen investieren, die einen positiven Einfluss auf Umwelt und Gesellschaft haben. Ähnlich wie bei den Themen Nahrungsmittel oder Strom geht es darum, auch bei seiner Geldanlage ein gutes Gewissen zu haben.

In Deutschland kümmert sich das "Forum Nachhaltige Geldanlagen" (FNG) mit fast 200 Mitgliedern aus dem Finanzsektor politisch um das Thema. Es vergibt Siegel für entsprechend nachhaltige Geldanlagen, an dem sich die Kundinnen und Kunden orientieren können. Nachhaltiges Investment lässt einen übrigens nicht nur ruhiger schlafen, sondern bringt einer Langzeit-Studie der Harvard Business School zufolge auch höhere Erträge als beim Investment ohne Nachhaltigkeitsanspruch.

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"Studien belegen, dass nachhaltige Anleger keine Abstriche bei der Rendite machen müssen. Nachhaltige Anlageformen haben in der Vergangenheit eine mindestens genauso gute Rendite erzielt wie konventionelle Sparformen", sagt Alexander Weber, Produktmanager von Visualvest. Der Robo-Advisor aus dem Hause Union Investment setzt mit seinen "GreenFolios" auch auf das Thema Nachhaltigkeit. Dadurch lassen sich bestimmte Risiken ausschließen: "So wird eine nachhaltige Investition beispielsweise nicht von fallenden Börsenkursen durch einen Unfall auf einer Öl-Plattform in Mitleidenschaft gezogen", erklärt Weber.

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Bei Visualvest investiert bereits ein Viertel der Kunden in nachhaltige Produkte, Tendenz steigend: "Immer mehr Menschen achten auf eine nachhaltige Lebensweise, weswegen wir auch mit einer steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Anlageformen rechnen", so Weber weiter. Aber auch die Angebotsseite entwickele sich stetig weiter: "So kommen immer mehr nachhaltige Fonds auf den Markt."

Allerdings muss man im Vergleich zu konventionellen Investmentvehikeln in der Regel mit höheren Produktkosten rechnen. Das hat seine Gründe: "Neben anderen Faktoren muss definiert werden, unter welchen Bedingungen ein Investment für einen Fonds nachhaltig ist. Die so definierten Kriterien müssen ständig überwacht und gegebenenfalls angepasst werden", sagt Lukas Melzner, Portfoliomanager des Luxemburger Robo-Advisors Investify, wo Anleger aus verschiedenen Themenfeldern wie etwa "Wasser", "Nachwachsende Renditen" oder "Ethisches Investieren" wählen können. "Investiert nun ein Robo-Advisor zumindest zum Teil in Fonds, die nachhaltige Investments verfolgen, so sind im Regelfall auch die Produktkosten für Kunden des Robo-Advisors höher als bei einem ‚normalen' Angebot", so Melzner weiter.

Besserung ist allerdings in Sicht. "Inzwischen gibt es die Möglichkeit, nachhaltige Strategien mittels ETFs umzusetzen. Diese bilden Nachhaltigkeitsindizes ab und sind dadurch deutlich günstiger als aktive Nachhaltigkeitsfonds”, sagt Constantin Lisson, Spezialist für nachhaltige Anlagestrategien beim Robo-Advisor Liqid. Die Berliner bieten Anlegern mit der Variante "Liqid Global Impact" die Möglichkeit, kostengünstig am Thema Nachhaltigkeit zu partizipieren. Mit durchschnittlichen Produktkosten von lediglich 0,41 Prozent pro Jahr.

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Nach unseren Recherchen besetzen hierzulande derzeit drei Robo-Advisor das Thema Nachhaltigkeit, weitere dürften in den kommenden Monaten folgen. Wir stellen Ihnen die drei Anbieter kurz vor:

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Wie funktionieren die digitalen Vermögensverwalter? Die Antwort erfahren Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

Visualvest

Visualvest ist der Pionier der Robo-Advisor im Bereich nachhaltiges Investieren. Der digitale Vermögensverwalter von Union Investment hat drei nachhaltige Portfolios für drei Risikoklassen im Angebot: sicherheitsorientiert, ausgewogen und chancenorientiert. Zum Einsatz kommen sowohl aktiv gemanagte Fonds als auch passive Fonds. Die Anlageklassen sind Aktien und Anleihen. Die "GreenFolios" orientieren sich am Siegel des "Forums Nachhaltige Geldanlagen". Die Mindestanlage beträgt 500 Euro. Sparpläne sind ab 25 Euro pro Monat möglich, wobei die Mindestanlage dann nicht vorausgesetzt wird.

Für die Vermögensverwaltung erhebt Visualvest eine Gebühr von 0,60 Prozent pro Jahr. Die Produktkosten der "GreenFolios" liegen bei 1,33 bis 2,15 Prozent. Diese sind bereits in den Fondskursen berücksichtigt. Zum Vergleich: Bei den konservativen "VestFolios" liegen die Produktkosten bei 0,43 bis 0,89 Prozent. Um die vergleichsweise hohen Gebühren der Greenfolios zu senken, hat Visualvest im Juli drei aktiv gemanagte Fonds durch börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs, ausgetauscht.

"Bei der Fondsauswahl für unsere GreenFolios arbeiten wir eng mit den Experten unserer Muttergesellschaft Union Investment zusammen, eine der führenden und erfahrensten Fondsgesellschaften Deutschlands", sagt Weber. "Wir treffen zunächst eine Vorauswahl, die dann durch zwei unterschiedliche Analysen weiter eingeschränkt wird. Finanzielle Kriterien wie Rentabilität, Liquidität und Risiko werden im Rahmen der finanziellen Analyse geprüft, die auch bei unseren VestFolios zum Einsatz kommt." Zu den Auswahlkriterien zählen unter anderem die Bekanntheit der Fondsgesellschaft, das Bestehen des Fonds über mindestens drei Jahre hinweg und die Korrelation mit dem ausgewählten Index.

"Bei der Nachhaltigkeitsanalyse wird untersucht, welche Fonds die ESG-Kriterien erfüllen", erklärt Weber. ESG steht für die nachhaltigen Aspekte Environment, Social und Governance. "Darüber hinaus beziehen wir die Ergebnisse der ESG Research des MSCI mit ein, einem weltweit führenden Anbieter von Nachhaltigkeitsanalysen und -ratings", so Weber weiter. Bei der Fondsauswahl spiele der sogenannte ESG Quality Score ebenfalls eine wichtige Rolle. "Dieser prüft, in welchem Ausmaß Staaten und Unternehmen Chancen und Risiken ausgesetzt sind, die durch ethische, soziale und ökologische Aspekte entstehen. Der ESG Quality Score beurteilt somit, wie strikt sich die Unternehmen und Staaten, in die investiert wird, an die ESG-Kriterien halten."

Anschließend würden die Ergebnisse der Finanz- und Nachhaltigkeitsanalyse bewertet und nur diejenigen Fonds für die "GreenFolios" ausgewählt, die alle strengen Qualitätskriterien beider Analysen erfüllen. Die kumulierte Zwei-Jahres-Performance des ausgewogenen "GreenFolios" weist Visualvest per Ende September mit knapp acht Prozent netto aus.

Liqid

Seit Juni diese Jahres bietet der Berliner Robo-Advisor Liqid seinen Kunden die nachhaltige Anlagestrategie "Liqid Global Impact". Wie bei den konservativen Anlagestrategien von Liqid auch, beträgt das Mindestanlagevolumen 100.000 Euro. Die Möglichkeit eines Sparplans gibt es nicht. Die Verwaltungsgebühr ist gestaffelt und sinkt mit steigenden Anlagebeträgen von 0,50 auf bis zu 0,25 Prozent pro Jahr. Hinzu kommen Produktkosten von durchschnittlich 0,41 Prozent, welche direkt von den Fondsanbietern einbehalten werden.

Im Gegensatz zur aktiven Variante "Liqid Select" werden bei "Liqid Global Impact" ausschließlich passive Indexfonds eingesetzt. Insgesamt gibt es zehn Risikoklassen. Als Anlageklassen stehen Aktien, Anleihen, Gold und Geldmarkt zur Disposition, die je nach Risikoprofil des Anlegers unterschiedlich gewichtet werden.

Ausgeschlossen sind wie bei anderen Anbietern unter anderem Wertpapiere aus den Branchen Rüstung, Tabak, Spielindustrie und Gentechnik. "Liqid hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Faktoren Rendite und Nachhaltigkeit gleichberechtigt in einer Geldanlage zu vereinen. Dabei wird in unserer Aktienallokation ein umfassender Katalog von Nachhaltigkeitskriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Corporate Governance konsequent berücksichtigt", erklärt Constantin Lisson, Analyst im Investment-Team von Liqid.

"Dieser Katalog wird transparent kommuniziert und kann jederzeit vom Anleger eingesehen werden. Durch einen Ansatz, der einen breiten Wertpapierindex als Ausgangspunkt nimmt und im Anschluss systematisch Ausschlüsse vornimmt, erreichen wir eine deutlich höhere Streuung als bei einem klassischen nachhaltigen Ansatz, der lediglich einige wenige besonders nachhaltige Unternehmen ins Portfolio aufnimmt." So werde das Risiko erheblich reduziert und eine risikoadjustierte Rendite erzielt, die klassischen nicht-nachhaltigen Ansätzen in nichts nachstehe. "Dieses Konzept ermöglicht uns eine Kostenquote, die ihresgleichen sucht", sagt Lisson.

Bei der Auswahl der Fonds für das "Global Impact"-Portfolio setzt Liqid auf einen breiten Katalog von Kriterien. "Hierzu zählt natürlich die Übereinstimmung der zugrundeliegenden Indizes beziehungsweise Investmentansätze mit unserer Nachhaltigkeitsvorstellung, aber auch die Kostenquote und die Replikationsmethode", so Lisson weiter. Die verbleibenden Unternehmen würden im Hinblick auf ihr Profil in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung "anhand von 37 Nachhaltigkeitskriterien auf Herz und Nieren geprüft". Nur Unternehmen, die in diesem zweiten Schritt überdurchschnittlich gut abschneiden, bleiben laut Lisson im Portfolio.

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"Im Ergebnis bildet Liqid Global Impact eine deutlich höhere Anzahl von Einzeltiteln ab als bei einem klassischen Ansatz, was die Diversifikation erhöht", erklärt der Liqid-Analyst. Dies spiegelt sich offenbar auch in der Performance wider. Laut Unternehmensangaben habe sich sich das ausgewogene Portfolio "Global Impact 50" in einer Simulation etwas besser geschlagen als die konservative Variante "Global 50": Es erzielte von Anfang 2012 bis Ende August 2018 eine Performance von knapp 45 Prozent ("Global 50": rund 41 Prozent).

Investify

Der digitale Vermögensverwalter Investify hat kürzlich mit der Kölner Pax-Bank einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Die Pax-Bank ist ein genossenschaftlicher Finanzdienstleister mit christlicher Werteorientierung und will gemeinsam mit Investify eine ethisch-nachhaltige digitale Vermögensverwaltung anbieten. "Im Rahmen dieser Kooperation bieten wir den Pax-Investify-Kunden exklusiv die Möglichkeit, mit einer ethischen Basisanlage auf eine komplett nachhaltige Geldanlage zu setzen", sagt Lukas Melzner, Portfoliomanager bei Investify. Bislang ist es so, dass Anleger bei Investify zur Basisanlage das Themenfeld "Ethisches Investieren" hinzuwählen können.

Insgesamt gibt es bei Investify für sechs Risikoklassen sieben Basis-Strategien, die ausschließlich in Indexfonds beziehungsweise ETFs investieren. Zusätzlich können Anleger aus 15 Themenfeldern auswählen, wo auch aktiv gemanagte Fonds zum Einsatz kommen. Für die Vermögensverwaltung berechnet Investify eine Gebühr von 1,0 Prozent des Anlagevolumens. Die Produktkosten liegen bei 0,18 bis 0,24 Prozent für die Basisanlage und bei bis zu 1,58 Prozent für die Investmentthemen. Die Mindestanlagesumme beträgt 5.000 Euro. Eine Mindestrate für zusätzliche Sparpläne setzt Investify nicht voraus.

Die Frage, ob nachhaltige Geldanlagen besser performen als konservative Investments, lässt sich laut Melzner nicht pauschal beantworten: "Die wissenschaftliche Forschung hat hier bisher keine eindeutigen Ergebnisse liefern können. Manche Studien haben für das betrachtete Anlageuniversum geringere risikoadjustierte Renditen nachhaltiger Anlagen festgestellt, andere Studien hingegen stellen gleich hohe oder sogar höhere risikoadjustierte Renditen nachhaltiger Geldanlagen fest", so Melzner. Hinzu komme, "dass nachhaltige Geldanlagen in der Praxis Vorteile bieten, die nicht direkt durch die Betrachtung historischer Renditen und Volatilitäten abgebildet werden können".

Für das Investmentthema "Ethisches Investieren" setzt Investify derzeit auf den Kepler Ethik Aktienfonds. "Die Kepler Fonds KAG war eine der ersten Kapitalanlagegesellschaften, die einen Publikumsfonds im Bereich nachhaltiger Geldanlagen aufgelegt hat. Hierdurch steht das Unternehmen glaubwürdig dafür, dass Nachhaltigkeit der Investments ernst genommen wird und Teil der Unternehmenskultur ist", erklärt Melzner.

"Neben diesen qualitativen Kriterien haben wir bei der Auswahl des Produkts zur Abbildung des Themas 'Ethisches Investieren' selbstverständlich auch quantitative Faktoren berücksichtigt. Diese umfassen beispielsweise Produktkosten oder die Höhe der Diversifikation." Seit Auflage Anfang Dezember 2016 habe das Themenfeld "Ethisches Investieren" bis Ende September 2018 rund 16 Prozent Performance erzielt.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de