Nachhaltige Investments: ESG-Kriterien, Öko-Lables und Ratings

Grüne Geldanlage Nachhaltige Investments: ESG-Kriterien, Öko-Lables und Ratings

Update: 09.04.2019
von Matthias Kutzscher
Auf einen Blick
  • Immer mehr Anleger halten nachhaltige Investments für attraktiv.
  • Das Angebot nachhaltiger Finanzprodukte ist jedoch unübersichtlich.
  • Öko-Labels, Indizes und Ratings können grüne Geldanlagen identifizieren.
  • Ein einheitliche Zertifizierung gibt es für nachhaltige Investments in Deutschland bislang aber nicht.
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Verantwortliches Anlegen liegt im Trend: Mitte 2018 erreichte die Summe nachhaltiger Investments in Deutschland mit 171 Milliarden Euro einen Rekordwert, meldete das Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. (FNG).

Das seien neun Prozent mehr als im Jahr davor. Offenbar erkennen Sparer, dass sie durch eine Investition in nachhaltige Unternehmen nicht nur Renditen erzielen, sondern auch Positives bewirken können.

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Anleger halten Nachhaltigkeit bei Investments für attraktiv

Eine aktuelle Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment bestätigt, dass mittlerweile fast jeder zweite Privatanleger (46 %) nachhaltige Finanzprodukte für attraktiv hält.

Doch das Angebot ist unübersichtlich: Ende 2018 listete alleine der deutsche Fondsverband BVI 229 nachhaltige Aktien-, Renten- und Mischfonds. Hinzu kommen etliche Einzelaktien nachhaltig handelnder Unternehmen sowie "Green Bonds"– also Anleihen für bestimmte nachhaltige Projekte.

Folge der mangelnden Markttransparenz: Privatleute halten sich zurück. Einer Umfrage des Instituts für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) von 2017 zufolge, beachten nur 4,8 Prozent der Deutschen bei Investments Nachhaltigkeitskriterien. Es sind demnach primär institutionelle Anleger, die den Boom grüner Geldanlagen befeuern.

Die Finanzbranche versucht zwar schon länger, Privatanlegern die Wahl mit Indizes, Siegeln und Ratings zu erleichtern, doch "leider gibt es keinen Mindeststandard, der definiert, was ein nachhaltiges Finanzprodukt überhaupt ist", sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

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ESG-Standards bieten nur grobe Orientierung

Viele "Ratgeber" konkurrieren und möchten Entscheidungshilfe geben: In Deutschland sind in diesem Bereich vor allem das FNG-Label, das ECOreporter-Siegel, das Klima-Rating von Climetrics sowie die Börsenindizes Dow Jones Sustainability und Global Challenges Index bekannt. EU-weit sind alleine fast zwei Dutzend sogenannte ESG-Label im Umlauf.

Die englische Abkürzung für "Environment Social Governance" ist in Unternehmen und Finanzwelt etabliert und beschreibt, inwieweit ethische, soziale sowie ökologische Aspekte beachtet werden.

Die global gültigen ESG-Standards bieten jedoch wenig mehr als eine grobe Orientierung. Dafür sind die Unternehmen und Emittenten, die Finanzprodukte oder auch regionalen Perspektiven viel zu verschieden.

"Oftmals werden aus deutscher Sicht zum Beispiel Investitionen in Atomkraftwerke als nicht nachhaltig empfunden. In Frankreich hingegen schon, da sie kaum CO2 produzieren würden", erklärt Julia Backmann, Rechtsexpertin des Fondsverbands BVI.

In Nordeuropa hat sich daher bei Ökosiegeln das Nordic Swan Ecolabel etabliert, in Luxemburg ist Luxflag eingeführt, in Frankreich beachten Anleger das Label ISR.

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EU-Komission möchte europäischen Standard für grüne Anleihen

Das vielfältige Angebot dürfte allerdings in ein paar Jahren der Vergangenheit angehören. Denn die EU-Kommission hat im März 2018 einen Aktionsplan zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum vorgelegt und unter anderem eine Expertengruppe beauftragt, einen europäischen Standard für grüne Anleihen sowie Vorschläge für ihre Regulierung zu erarbeiten.

Grund ist die Pariser Klimavereinbarung von 2015, mit der sich die Union verpflichtet, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. "Die EU-Gesetzgeber werden einige der Initiativen, wie die Einbindung der Nachhaltigkeit in die Anlageberatung, voraussichtlich noch 2019 verabschieden", sagt Backmann.

Noch aber ist unklar, welche Standards die Expertengruppe – zum Beispiel zur Klassifizierung von wirtschaftlichen Aktivitäten – als nachhaltig empfehlen wird und welches Profil ein mögliches EU-Gütesiegel für nachhaltige Finanzprodukte hat. Bis es soweit ist, müssen Investoren bestehende Gütesiegel und Firmendaten nutzen – und zwar im Detail.

"Anleger sollten sich mit den Nachhaltigkeitskriterien sehr genau beschäftigen und mit eigenen Wertvorstellungen abgleichen", rät Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen und warnt, dass Anbieter unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit oft auch Produkte vertreiben würden, die aufgrund ihrer Risiko- und Kostenstruktur für viele Verbraucher gar nicht geeignet seien.

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Im Überblick – Siegel, Indizes & Ratings für nachhaltige Investments

Ein einheitliche Zertifizierung gibt es für nachhaltige Kapitalanlagen auch in Deutschland bislang nicht. Neben verschiedenen Labels können Verbraucher Aktienindizes und Ratings für ihre Wahl nutzen. Hier bieten wir Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Orientierungshilfen bei der Auswahl grüner Geldanlagen:

 

FNG-Siegel

Seit 2015 vergibt der Fachverband für nachhaltige Geldanlagen (FNG) ein Siegel für Publikumsfonds. Mindestens 90 Prozent des Portfolios müssen nachhaltige Mindeststandards erfüllen. Dazu zählen laut FNG Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- sowie Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung, wie sie im UN Global Compact zusammengefasst sind.

Zudem werden die Fonds auf Basis von Emittentenanalysen auf Nachhaltigkeitskriterien hin analysiert. Investitionen in Kernkraft, Kohlebergbau, Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung sind tabu.

 

ECOreporter-Siegel

Der Brancheninformationsdienst ECOreporter hat 2013 ein eigenes Siegel auf den Markt gebracht. Das Label wird für ein Jahr in den drei Kategorien Banken, Anlageberatungen, Finanzprodukte verliehen. Bei Banken etwa wird geprüft, ob Kredite, Eigenanlagen und Investmentprodukte bestimmte Ausschlusskriterien und Toleranzgrenzen besitzen. Sie lauten:

  • Bau und Betrieb Atomenergie (5%)
  • Waffen, Rüstung (Produktion/Handel, 5%)
  • Ausbeuterische Kinderarbeit nach ILO-Standard
  • Praktizierte Todesstrafe
  • Schwere Menschenrechtsverletzungen

Wer das Siegel erhalten möchte, muss zudem bei Investitionen in Aktien oder Anleihen Gentechnik, Tierversuche, Glücksspiele und Suchtmittel ausschließen.

 

Global Challenges Index

Seit 2007 können sich Aktien-Anleger am Global Challenges Index (GCX) orientieren. Der Index der Börse Hannover listet 50 Unternehmen, die sich stark für die Bewältigung globaler Herausforderungen wie Armut, Klimawandel, Trinkwasser-Versorgung oder Erhalt von Artenvielfalt einsetzen.

Geprüft werden die Index-Titel durch die Münchener Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS-oekom. Nach Angaben der Börse Hannover, hat der GCX von 2007 bis August 2018 eine Performance von 166 Prozent erzielt.

 

Dow Jones Sustainability Index

Die DJSI sind eine Familie von Aktienindizes, die seit 1999 ökonomische, ökologische und soziale Kriterien der Einzeltitel berücksichtigen. Die drei Dimensionen werden zu je einem Drittel gewichtet. Es bestehen globale (DJSI-World), europäische (DJSI Europe) und nordamerikanische (DJSI North America) Index-Gruppen.

Auf Basis des "Best-in-Class"-Prinzips identifiziert der zuständige Schweizer Vermögensverwalter Robeco Sustainable Asset Management (RobecoSAM) die Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeitsleistungen. Von den 2500 weltgrößten Konzernen wählen die Analysten die aus, die auf den drei Feldern die besten Leistungen ihrer Branche erbringen. Der DJSI World listet die zehn Prozent besten Unternehmen aller Branchen, in den DJSI Stoxx kommen die 20 Prozent Branchenbesten.

 

Climetrics – Rating

2017 sind die weltweit tätigen Non-Profit-Organisation CDP und ISS-Ethix Climate Solutions mit dem ersten Klima-Rating für Aktienfonds und ETFs gestartet. Die Wertung mit einer Skala von 1 bis 5 zeigt den Einfluss der Anlageprodukte auf den Klimawandel und macht so Vergleiche möglich.

Zwei Aspekte werden mit dem Symbol eines grünen Blattes benotet: 85 Prozent des Ratings ergeben sich aus den Klima-Auswirkungen der Portfolio-Positionen, der Rest aus der Einschätzung der Fondsgesellschaft, wie sie den Klimawandel bei Investments und Unternehmensführung berücksichtigt.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de