Auf einen Blick
  • Grüne Geldanlage wird immer beliebter: Knapp ein Viertel der Deutschen investiert mittlerweile nachhaltig, zeigt eine Umfrage.

  • Doch was genau ist eine nachhaltige Anlage? Der Markt ist unübersichtlich – eine einheitliche Definition gibt es bislang noch nicht.

  • Biallo.de stellt die wichtigsten Kriterien und Siegel für nachhaltige Investments vor und sagt, worauf Anleger dabei achten sollen.
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Nachhaltige Geldanlagen haben die Coronakrise und die Turbulenzen durch den Krieg in der Ukraine bislang besser verkraftet als herkömmliche Investments. Das zeigt beispielhaft ein Vergleich zweier ETFs des weltgrößten Anbieters Blackrock: Während der klassische iShares Core MSCI World ETF auf Sicht von einem und drei Jahren (Stichtag: 11. Mai 2022) mit 6,1 und 39,8 Prozent im Plus lag, hat der nachhaltige iShares MSCI World SRI ETF in diesen Zeiträumen mit 6,7 und 47,8 Prozent besser abgeschnitten.

Die gute Performance könnte einer der Gründe dafür sein, dass die Nachfrage nach grünen Geldanlagen stetig steigt. Ende 2021 belief sich das Volumen nachhaltiger Investmentfonds und Mandate in Deutschland auf 409,5 Milliarden Euro, zeigt eine Studie des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Damit hat sich das Volumen innerhalb von fünf Jahren mehr als vervierfacht. Allein 2021 betrug der Anstieg rund 65 Prozent.

Eine aktuelle Umfrage der Verbraucherzentrale Bremen unter Privatanlegern zeigt überdies: Der Anteil der Sparer, die ihr Geld nachhaltig anlegen, ist seit 2013 von fünf auf 22 Prozent gestiegen. Besonders beliebt sind grüne Anlagen bei Jüngeren, also 18- bis 29-Jährigen.

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Angebot ist unübersichtlich

Doch das Angebot ist unübersichtlich: So gibt es mittlerweile in Deutschland mehrere hundert zugelassene nachhaltige Aktien-, Renten- und Mischfonds. Hinzu kommen etliche Einzelaktien nachhaltig handelnder Unternehmen, sowie sogenannte Greenbonds, also Anleihen, mit denen spezielle Umweltprojekte finanziert werden..

Die Finanzbranche versucht zwar schon länger, Privatanlegern die Wahl mit Indizes, Siegeln und Ratings zu erleichtern, doch noch immer gebe es „keinen Mindeststandard, der definiert, was ein nachhaltiges Finanzprodukt überhaupt ist", sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

In Deutschland sind in diesem Bereich hauptsächlich das FNG-Label, das ECOreporter-Siegel, das Klima-Rating von Climetrics sowie die Börsenindizes Dow Jones Sustainability und Global Challenges Index bekannt. EU-weit sind alleine fast zwei Dutzend sogenannter ESG-Label im Umlauf. Biallo.de stellt die wichtigsten Kriterien und Labels für die nachhaltige Geldanlage vor.

  • Biallo-Lesetipp: Auch mit Ihrem Girokonto können Sie auf Nachhaltigkeit setzen. So bieten beispielsweise die Fintechs Tomorrow und Bunq nachhaltige Bankkonten, bei denen Sie selbst entscheiden, in welcher Höhe Sie einen Beitrag leisten oder wofür Ihr Geld investiert wird.. 
 

ESG-Standards bieten nur wenig Orientierung

ESG ist die englische Abkürzung für "Environment – Social – Governance" (Umwelt – Soziales – Unternehmensführung). Die drei Kriterien sind in Unternehmen und Finanzwelt schon seit Jahrzehnten etabliert und beschreiben, inwieweit ethische, soziale und ökologische Aspekte in Unternehmen oder Projekten beachtet werden.

Die global gültigen ESG-Standards bieten bislang jedoch wenig mehr als eine grobe Orientierung. Dafür sind die Unternehmen, Emittenten, Finanzprodukte und regionalen Gegebenheiten zu verschieden.

"Oftmals werden aus deutscher Sicht zum Beispiel Investitionen in Atomkraftwerke als nicht nachhaltig empfunden. In Frankreich hingegen schon, da sie kaum CO2 produzieren würden", erklärt Julia Backmann, Rechtsexpertin des Fondsverbands BVI. Genau dieser Zwiespalt spiegelt sich auch im Streit um die sogenannte Taxonomie der Europäischen Union (EU) wider – einer Art Gütesiegel für nachhaltige Aktivitäten von Unternehmen.

Biallo-Tipp:

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EU stuft auch Gas- und Atomkraftwerke als nachhaltig ein

Im Dezember 2019 hat sich die EU auf die sogenannte „Taxonomie“ geeinigt. Das Klassifizierungssystem soll die Aktivitäten von Unternehmen danach einordnen, ob sie einen nachhaltigen Beitrag leisten. Damit will die EU Geld in nachhaltige Firmen und Technologien lenken. Das soll zu einer klimaneutralen Wirtschaft beitragen.

In der entsprechenden Verordnung werden sechs Nachhaltigkeitsziele definiert – unter anderem der Klimaschutz, die nachhaltige Nutzung von Ressourcen oder die Vermeidung und Verhinderung von Umweltverschmutzung. Die Unternehmen müssen mindestens eines der Ziele erfüllen, ohne eines oder mehrere andere zu beeinträchtigen.

Großer Streitpunkt: Die EU-Kommission hat im Februar 2022 auch Atomkraft und Gas als klimafreundlich eingestuft. Das EU-Parlament bestätigte diese Entscheidung Anfang Juli. Zwar hagelte es anschließend Proteste von Umweltschützern. Dennoch dürften die beschlossenen Taxonomie-Regeln aller Voraussicht nach ab 2023 greifen. Österreich und Luxemburg haben angekündigt, gegen die EU-Pläne klagen zu wollen. Ob sie damit Erfolg haben werden, ist aber offen. 

Dasselbe gilt für die Frage, ob die EU-Taxonomie nun tatsächlich, wie gedacht, zu einem EU-weiten, einheitlichen Standard für Nachhaltigkeit wird. Künftig sollen sich etwa Investmentfonds bei der Auswahl der Werte für einen Fonds an der Liste der nachhaltigen Firmen-Aktivitäten orientieren. Viele Fondsgesellschaften schließen aus ihren Nachhaltigkeitsfonds die Kernenergie aber bereits weitgehend aus. Es muss sich erst noch zeigen, wie und ob sich das aufgrund der EU-Taxonomie ändert.

Es ist daher gut möglich, dass Anleger auch künftig nicht nur auf einen Maßstab zurückgreifen müssen, um zu beurteilen, welche Fonds, ETFs oder Unternehmen nachhaltig sind. Sie können dafür die bereits bestehenden Gütesiegel und nachhaltige Indizes nutzen.

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Im Überblick – Siegel, Indizes & Ratings für nachhaltige Investments

Eine einheitliche Zertifizierung gibt es für nachhaltige Kapitalanlagen auch in Deutschland bislang nicht. Neben verschiedenen Labels können Verbraucher auch Aktienindizes und Ratings für ihre Wahl nutzen. Wir bieten Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Orientierungshilfen bei der Auswahl grüner Geldanlagen:

FNG-Siegel

Seit 2015 vergibt der Fachverband für nachhaltige Geldanlagen (FNG) ein Siegel für Publikumsfonds. Mindestens 90 Prozent des Portfolios müssen nachhaltige Mindeststandards erfüllen. Dazu zählen laut FNG Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- sowie Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung, wie sie im UN Global Compact zusammengefasst sind – einer Leitlinie der Vereinten Nationen für eine gerechte Ausgestaltung der Globalisierung. Zudem werden die Fonds auf Basis von Emittenten-Analysen auf Nachhaltigkeitskriterien hin überprüft. Investitionen in Kernkraft, Kohlebergbau, Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung sind tabu.

ECOreporter-Siegel

Der Brancheninformationsdienst ECOreporter hat 2013 ein eigenes Siegel auf den Markt gebracht. Das Label wird für ein Jahr in den drei Kategorien Banken, Anlageberatungen, Finanzprodukte verliehen. Bei Banken etwa wird geprüft, ob Kredite, Eigenanlagen und Investmentprodukte bestimmte Ausschlusskriterien und Toleranzgrenzen besitzen. Sie lauten:

  • Bau und Betrieb Atomenergie (5 %)
  • Waffen, Rüstung (Produktion/Handel, 5 %)
  • Ausbeuterische Kinderarbeit nach ILO-Standard
  • Praktizierte Todesstrafe
  • Schwere Menschenrechtsverletzungen

Wer das Siegel erhalten möchte, muss zudem bei Investitionen in Aktien oder Anleihen Gentechnik, Tierversuche, Glücksspiele und Suchtmittel ausschließen.

Global Challenges Index

Seit 2007 können sich Aktien-Anleger am Global Challenges Index (GCX) orientieren. Der Index der Börse Hannover listet 50 Unternehmen auf, die sich stark für die Bewältigung globaler Herausforderungen wie Armut, Klimawandel, Trinkwasser-Versorgung oder Erhalt von Artenvielfalt einsetzen.

Geprüft werden die Index-Titel durch die Münchener Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS-oekom. Nach Angaben der Börse Hannover hat der GCX von 2007 bis August 2018 eine Performance von 166 Prozent erzielt.

Dow Jones Sustainability Index

Die DJSI sind eine Familie von Aktienindizes, die seit 1999 ökonomische, ökologische und soziale Kriterien der Einzeltitel berücksichtigen. Die drei Dimensionen werden zu je einem Drittel gewichtet. Es bestehen globale (DJSI-World), europäische (DJSI Europe) und nordamerikanische (DJSI North America) Index-Gruppen.

Auf Basis des "Best-in-Class"-Prinzips identifiziert der zuständige Schweizer Vermögensverwalter Robeco Sustainable Asset Management (RobecoSAM) die Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeitsleistungen. Von den 2.500 weltgrößten Konzernen wählen die Analysten die aus, die auf den drei Feldern die besten Leistungen ihrer Branche erbringen. Der DJSI World listet die zehn Prozent besten Unternehmen aller Branchen, in den DJSI Stoxx kommen die 20 Prozent Branchenbesten.

Climetrics – Rating

2017 sind die weltweit tätigen Non-Profit-Organisation CDP und ISS-Ethix Climate Solutions mit dem ersten Klima-Rating für Aktienfonds und ETFs gestartet. Die Bewertung der Fonds auf einer Skala von 1 bis 5 zeigt den Einfluss der Anlageprodukte auf den Klimawandel und macht so Vergleiche möglich.

Zwei Aspekte werden mit dem Symbol eines grünen Blattes benotet: 85 Prozent des Ratings ergeben sich aus den Klima-Auswirkungen der Portfolio-Positionen, der Rest aus der Einschätzung der Fondsgesellschaft, wie sie den Klimawandel bei Investments und Unternehmensführung berücksichtigt.

Sie interessieren sich für Crowdinvesting? Auch bei dieser Kapitalanlageform können Sie Ihren Fokus auf Nachhaltigkeit legen: Beim nachhaltigen Crowdinvesting von Bettervest können Sie in nachhaltige Energieeffizienz-Projekte investieren. Wir geben Ihnen einen Überblick zum Projekt von Bettervest, dessen Rendite, Sicherheit und Risiken. Die Crowdinvesting-Plattform Ecoligo finanziert weltweit Projekte im Bereich nachhaltiger Solarenergie.

Biallo-Tipp:

Sie wollen nachhaltig investieren, scheuen aber den Aktienmarkt? Dann können Sie Ihr Geld zum Beispiel auch in nachhaltigen Rentenfonds anlegen. Wie die Fonds funktionieren, was drin steckt – und worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten, erklären wir Ihnen in unserem Ratgeber zu nachhaltigen Rentenfonds. Übrigens: Ab dem 2. August müssen Anlageberater ihre Kunden fragen, ob sie ihr Geld auch in nachhaltige Produkte stecken wollen. Das schreibt eine EU-Richtlinie vor. In einem weiteren Arikel erfahren Sie, ob eine Geldanlage in Eigenregie sinnvoll ist.
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Über den Autor Matthias Kutzscher

Matthias Kutzscher ist Experte für Energie-, Internet- und Verbraucherthemen. Der Wirtschaftswissenschaftler volontierte bei der Deutschen Presse-Agentur und schrieb als Redakteur für Rheinische Post, VDI Nachrichten, den Rheinischen Merkur sowie das Magazin DM/Euro aus dem Handelsblattverlag. Als Chefredakteur verantwortete er die Nachrichtendienste Energie & Markt sowie Energie & Handel des ET Verlags. Kutzscher ist Dozent für Journalismus und Online-Journalismus an der Axel Springer Akademie, an der Europäischen Medien- und Business-Akademie, für die School for Communication and Management sowie für Media Workshop Hamburg. Große Stärke von Matthias Kutzscher ist es, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubereiten. Dabei kombiniert er gekonnt die Vermittlung von Fakten mit lebendigem Storytelling.

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