Ethisch-ökologische Investments

Grüne Geldanlage: Wann ein Investment wirklich nachhaltig ist

Update: 29.04.2020
Matthias Kutzscher
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Auf einen Blick
  • Immer mehr Anleger halten nachhaltige Investments für attraktiv.
  • Das Angebot nachhaltiger Finanzprodukte ist jedoch unübersichtlich.
  • Öko-Labels, Indizes und Ratings können grüne Geldanlagen identifizieren.
  • Ein einheitliche Zertifizierung gibt es für nachhaltige Investments in Deutschland bislang aber nicht.
Grüne Kapitalanlagen sind im Trend: Gütesiegel helfen, nachhaltige Investments zu identifizieren.
Ralf Kleemann / Shutterstock.com

Nachhaltige Geldanlagen performen in der Coronakrise besser als konventionelle Investments. Das zeigt stellvertretend ein Vergleich zweier ETFs des weltgrößten Anbieters Blackrock: Während der klassische iShares Core MSCI World UCITS ETF auf Sicht von drei Monaten (Stichtag: 28. April) rund 13 Prozent im Minus liegt, hat der nachhaltige iShares MSCI World SRI UCITS ETF im gleichen Zeitraum nur knapp zehn Prozent verloren. Im Zwölf-Monats-Vergleich wird der Unterschied noch deutlicher: Der nachhaltige ETF liegt fast vier Prozent im Plus, der klassische dagegen gut zwei Prozent im Minus.

Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen kontinuierlich steigt. Ende 2018 belief sich das Volumen nachhaltiger Investmentfonds und Mandate in Deutschland auf 133,5 Milliarden Euro. Das zeigt eine Studie des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Damit hat sich das Volumen innerhalb von fünf Jahren mehr als verzehnfacht. Allein 2018 betrug der Anstieg rund 45 Prozent.

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Anleger halten Nachhaltigkeit bei Investments für attraktiv

Eine Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment vom vergangenen Jahr bestätigt, dass mittlerweile fast jeder zweite Privatanleger (46 Prozent) nachhaltige Finanzprodukte für attraktiv hält.

Doch das Angebot ist unübersichtlich: Ende 2018 listete alleine der deutsche Fondsverband BVI 229 nachhaltige Aktien-, Renten- und Mischfonds. Hinzu kommen etliche Einzelaktien nachhaltig handelnder Unternehmen sowie "Green Bonds"– also Anleihen für bestimmte nachhaltige Projekte.

Folge der mangelnden Markttransparenz: Privatleute halten sich zurück. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Gothaer Asset Management investieren nur sechs Prozent der Deutschen in nachhaltige Fonds.

Die Finanzbranche versucht zwar schon länger, Privatanlegern die Wahl mit Indizes, Siegeln und Ratings zu erleichtern, doch "leider gibt es keinen Mindeststandard, der definiert, was ein nachhaltiges Finanzprodukt überhaupt ist", sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen.

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ESG-Standards bieten nur grobe Orientierung

Viele "Ratgeber" konkurrieren und möchten Entscheidungshilfe geben: In Deutschland sind in diesem Bereich vor allem das FNG-Label, das ECOreporter-Siegel, das Klima-Rating von Climetrics sowie die Börsenindizes Dow Jones Sustainability und Global Challenges Index bekannt. EU-weit sind alleine fast zwei Dutzend sogenannter ESG-Label im Umlauf.

Vor kurzem verkündetet das US-Analysehaus Morningstar die vollständige Übernahme von Sustainalytics, ein 1992 in den Niederlanden gegründetes Unternehmens für ESG-Ratings und -Forschung. Gemeinsam wolle man Anlegern auf der ganzen Welt ESG-Analysen anbieten – vom einzelnen Wertpapier bis hin zu umfassenden Portfolios, heißt es bei Morningstar.

"Moderne Investoren verlangen ESG-Daten, Forschung, Ratings und Lösungen, um fundierte und sinnvolle Investitionsentscheidungen treffen zu können", begründete Morningstar-CEO Kunal Kapoor die Übernahme gegenüber dem Fachmagazin Institutional Money. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2020 abgeschlossen werden.

Auch der US-Finanzdienstleister und Indexanbieter MSCI mischt längst kräftig mit im globalen Markt für Nachhaltigkeits-Analysen und Ratings. Über die Tochter MSCI ESG Research sollen Risiken und Chancen von Nachhaltigkeitsfaktoren identifiziert werden, die bei klassischen Finanzanalysen in der Regel nicht aufgedeckt werden.

Rating-Gigant Moody´s ist wiederum seit Anfang 2019 Mehrheitsgesellschafter von Vigeo Eiris. Die französische Firma mit ihrem hiesigen Research- und Vertriebspartner Imug bezeichnet sich selber als "eine weltweit führende Nachhaltigkeits-Rating-Agentur". Mit seinen Produkten und Funktionen, die auf ESG-Bewertungen und einer umfangreichen ESG-Datenbank basieren, bietet Vigeo Eiris spezifische Werkzeuge für Recherchen und Entscheidungsfindungsprozesse, um nachhaltige und ethische Investitionen zu gewährleisten.

ESG ist die englische Abkürzung für "Environment – Social – Governance" (Umwelt – Soziales – Unternehmensführung). Die drei Kriterien sind in Unternehmen und Finanzwelt schon seit Jahrzehnten etabliert und beschreiben, inwieweit ethische, soziale sowie ökologische Aspekte beachtet werden.

Die global gültigen ESG-Standards bieten bislang jedoch wenig mehr als eine grobe Orientierung. Dafür sind die Unternehmen und Emittenten, die Finanzprodukte oder auch die regionalen Perspektiven viel zu verschieden.

"Oftmals werden aus deutscher Sicht zum Beispiel Investitionen in Atomkraftwerke als nicht nachhaltig empfunden. In Frankreich hingegen schon, da sie kaum CO2 produzieren würden", erklärt Julia Backmann, Rechtsexpertin des Fondsverbands BVI.

In Nordeuropa hat sich daher bei Ökosiegeln das Nordic Swan Ecolabel etabliert, in Luxemburg ist Luxflag eingeführt, in Frankreich beachten Anleger das Label ISR.

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EU-weites Gütesiegel könnte ab 2022 kommen

Das vielfältige Angebot könnte allerdings in ein paar Jahren der Vergangenheit angehören. Denn die EU-Kommission hat sich im Dezember 2019 auf die sogenannte Taxonomie geeinigt. Das Klassifizierungssystem für nachhaltige wirtschaftliche Aktivitäten soll Anreize für private Investoren schaffen und zu einer klimaneutralen Wirtschaft beitragen. In der Verordnung werden sechs Ziele definiert, die ein Unternehmen erfüllen muss, damit es sich nachhaltig nennen darf.

Grund ist die Pariser Klimavereinbarung von 2015, mit der sich die Union verpflichtet, bis 2030 die Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren.

Die Taxonomie-Verordnung muss noch vom Europäischen Parlament abgesegnet werden. Mit der Erstellung der Prüfkriterien wurde eine Expertengruppe beauftragt. Nähere Details werden für Herbst dieses Jahres erwartet. Die Offenlegungspflicht für die Unternehmen soll dann ab 2022 gelten.

Noch aber ist unklar, welche Standards die Expertengruppe – zum Beispiel zur Klassifizierung von wirtschaftlichen Aktivitäten – als nachhaltig empfehlen wird und welches Profil ein mögliches EU-Gütesiegel für nachhaltige Finanzprodukte hat. Bis es soweit ist, müssen Investoren bestehende Gütesiegel und Firmendaten nutzen – und zwar im Detail.

"Anleger sollten sich mit den Nachhaltigkeitskriterien sehr genau beschäftigen und mit eigenen Wertvorstellungen abgleichen", rät Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Bremen und warnt, dass Anbieter unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit oft auch Produkte vertreiben würden, die aufgrund ihrer Risiko- und Kostenstruktur für viele Verbraucher gar nicht geeignet seien.

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Im Überblick – Siegel, Indizes & Ratings für nachhaltige Investments

Ein einheitliche Zertifizierung gibt es für nachhaltige Kapitalanlagen auch in Deutschland bislang nicht. Neben verschiedenen Labels können Verbraucher Aktienindizes und Ratings für ihre Wahl nutzen. Hier bieten wir Ihnen einen Überblick zu den wichtigsten Orientierungshilfen bei der Auswahl grüner Geldanlagen:

FNG-Siegel

Seit 2015 vergibt der Fachverband für nachhaltige Geldanlagen (FNG) ein Siegel für Publikumsfonds. Mindestens 90 Prozent des Portfolios müssen nachhaltige Mindeststandards erfüllen. Dazu zählen laut FNG Transparenzkriterien und die Berücksichtigung von Arbeits- sowie Menschenrechten, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung, wie sie im UN Global Compact zusammengefasst sind.

Zudem werden die Fonds auf Basis von Emittentenanalysen auf Nachhaltigkeitskriterien hin analysiert. Investitionen in Kernkraft, Kohlebergbau, Kohleverstromung, Fracking, Ölsande sowie Waffen und Rüstung sind tabu.

ECOreporter-Siegel

Der Brancheninformationsdienst ECOreporter hat 2013 ein eigenes Siegel auf den Markt gebracht. Das Label wird für ein Jahr in den drei Kategorien Banken, Anlageberatungen, Finanzprodukte verliehen. Bei Banken etwa wird geprüft, ob Kredite, Eigenanlagen und Investmentprodukte bestimmte Ausschlusskriterien und Toleranzgrenzen besitzen. Sie lauten:

  • Bau und Betrieb Atomenergie (5%)
  • Waffen, Rüstung (Produktion/Handel, 5%)
  • Ausbeuterische Kinderarbeit nach ILO-Standard
  • Praktizierte Todesstrafe
  • Schwere Menschenrechtsverletzungen

Wer das Siegel erhalten möchte, muss zudem bei Investitionen in Aktien oder Anleihen Gentechnik, Tierversuche, Glücksspiele und Suchtmittel ausschließen.

Global Challenges Index

Seit 2007 können sich Aktien-Anleger am Global Challenges Index (GCX) orientieren. Der Index der Börse Hannover listet 50 Unternehmen, die sich stark für die Bewältigung globaler Herausforderungen wie Armut, Klimawandel, Trinkwasser-Versorgung oder Erhalt von Artenvielfalt einsetzen.

Geprüft werden die Index-Titel durch die Münchener Nachhaltigkeits-Ratingagentur ISS-oekom. Nach Angaben der Börse Hannover, hat der GCX von 2007 bis August 2018 eine Performance von 166 Prozent erzielt.

Dow Jones Sustainability Index

Die DJSI sind eine Familie von Aktienindizes, die seit 1999 ökonomische, ökologische und soziale Kriterien der Einzeltitel berücksichtigen. Die drei Dimensionen werden zu je einem Drittel gewichtet. Es bestehen globale (DJSI-World), europäische (DJSI Europe) und nordamerikanische (DJSI North America) Index-Gruppen.

Auf Basis des "Best-in-Class"-Prinzips identifiziert der zuständige Schweizer Vermögensverwalter Robeco Sustainable Asset Management (RobecoSAM) die Unternehmen mit den besten Nachhaltigkeitsleistungen. Von den 2500 weltgrößten Konzernen wählen die Analysten die aus, die auf den drei Feldern die besten Leistungen ihrer Branche erbringen. Der DJSI World listet die zehn Prozent besten Unternehmen aller Branchen, in den DJSI Stoxx kommen die 20 Prozent Branchenbesten.

Climetrics – Rating

2017 sind die weltweit tätigen Non-Profit-Organisation CDP und ISS-Ethix Climate Solutions mit dem ersten Klima-Rating für Aktienfonds und ETFs gestartet. Die Wertung mit einer Skala von 1 bis 5 zeigt den Einfluss der Anlageprodukte auf den Klimawandel und macht so Vergleiche möglich.

Zwei Aspekte werden mit dem Symbol eines grünen Blattes benotet: 85 Prozent des Ratings ergeben sich aus den Klima-Auswirkungen der Portfolio-Positionen, der Rest aus der Einschätzung der Fondsgesellschaft, wie sie den Klimawandel bei Investments und Unternehmensführung berücksichtigt.

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  Matthias Kutzscher


 

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