Auf einen Blick
  • Eine Flugreise, Onlinehandel, der eigene ökologische Fußabdruck – diverse Unternehmen bieten an, einen klimaschädlichen CO2-Ausstoß wieder auszugleichen.

  • Wie sinnvoll ist CO2 Kompensation, welche Aktivitäten können Sie damit ausgleichen und was sollten Sie dabei beachten?
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Der Sommer steht vor der Tür, die Pandemie hat den Reiseradius stark eingeschränkt, nach mehr als zwei Jahren ist der Wunsch groß, endlich wieder Urlaub zu machen. Wer sich dafür ins Auto setzt, einen Reisebus nutzt, eine Kreuzfahrt unternimmt oder mit dem Flugzeug reist, verursacht klimaschädliche Treibhausgase. Immer öfter bieten Unternehmen, vor allem Fluggesellschaften, ihren Kunden an, den durch den CO2-Ausstoß verursachten Umweltschaden freiwillig auszugleichen. Die Emissionen werden an anderer Stelle wieder eingespart, so dass der Verbraucher mit seiner Reise dem Klima zumindest nicht noch mehr schadet. Das kostet natürlich einen Aufschlag auf den Ticketpreis.

Der Markt der CO2 Kompensationen boomt. Inzwischen kann man auch beim Online-Shopping verursachtes CO2 ausgleichen oder gleich den gesamten CO2-Fußabdruck, den man jedes Jahr hinterlässt. Doch was bringt der Ausgleich überhaupt? Ist das sinnvoll? Wie funktioniert es und worauf sollte man achten? Wir geben Ihnen auf den folgenden Seiten einen Überblick, was Sie zum CO2-Ausgleich wissen müssen.

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Was ist die Idee beim CO2-Ausgleich?

Beim CO2- Ausgleich soll klimaschädliches Verhalten über eine CO2 Kompensation ausgegelichen werden. Diverse Unternehmen bieten an, genau die ausgestoßene Menge klimaschädliches Treibhausgas an anderer Stelle wieder einzusparen, etwa über die Investition in Klimaschutzprojekte. Dafür bezahlt der Verbraucher eine Abgabe, deren Höhe sich nach der Menge der verursachten CO2-Emissionen berechnet.

So schädigt CO2 das Klima

Zum Klimawandel tragen viele Faktoren bei, CO2 ist ein wesentlicher davon. Die chemische Formel für Kohlenstoffdioxid, kurz auch Kohlendioxid genannt, bezeichnet ein Treibhausgas. Werden zum Beispiel fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas verbrannt, wird Kohlendioxid freigesetzt, das sich in der Atmosphäre anreichert. Die Konzentration an CO2 in der Atmosphäre ist in der Vergangenheit immens gestiegen. Dadurch kann immer weniger der von der Erde abgestrahlten Wärme ins Weltall entweichen. Die Folge ist der Treibhauseffekt: Das Klima erwärmt sich und in der Folge schmelzen Gletscher ab, der Wasserspiegel der Meere erhöht sich, Extremwetterlagen nehmen zu, ebenso Hitzewellen und Dürren. Die Erderwärmung zu reduzieren ist deshalb ein zentrales Ziel. Der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid muss deutlich verringert und wo möglich, verhindert werden.

Was bewirkt eine CO2 Kompensation?

Was bedeutet das für das Verhalten der Verbraucher? Wer einen Flug bucht, verursacht einen massiven CO2-Ausstoß. Das lässt sich nicht verhindern, denn Flugzeuge mit Elektroantrieb existieren noch nicht. Nun kommt der CO2-Ausgleich ins Spiel: Wer etwas für das Klima tun möchte, aber auf die Flugreise nicht verzichten kann oder möchte, kann sie zumindest ausgleichen, so dass nicht noch mehr CO2 in die Atmosphäre gelangt. Die Idee hinter der Kompensation ist, genau die Menge, die der Flug an CO2 verursacht, an anderer Stelle einzusparen, etwa indem bei einem Klimaschutzprojekt in nachhaltige Energie investiert wird. Wo diese Einsparung auf der Welt erfolgt, ist egal – das CO2 in der Atmosphäre ist standortunabhängig. Durch die Kompensation wird das Plus an CO2-Ausstoß durch den Flug wieder auf Null gesetzt.

Wann ist CO2 Kompensation sinnvoll?

Die CO2 Kompensation sollte aber nicht dazu führen, nun bedenkenlos Flüge zu buchen, da man ja den Klimaschaden wieder ausgleichen kann. So einfach ist es leider nicht. Durch den Ausgleich wird immer nur das jetzige Niveau an CO2-Konzentration in der Atmosphäre gehalten. Das genügt nicht. Um den Klimawandel aufzuhalten, sind deutlich mehr Anstrengungen nötig – CO2-Emissionen müssen vermieden werden, damit sie weniger werden in der Atmosphäre, man muss quasi „unter Null“ gelangen, oder auch auf „Netto Null CO2-Emissionen“. Da ist aber über CO2-Kompensation nicht zu erreichen. Jeder Deutsche verursacht pro Jahr im Durchschnitt elf Tonnen CO2! Es steht in der Verantwortung jedes Einzelnen, diese Menge zu senken.

Der Verbraucher, der etwas für den Klimaschutz tun möchte, sollte also eine Verhaltensänderung anstreben. Dazu kann eine CO2 Kompensation zumindest einen Beitrag leisten. Denn wer schwarz auf weiß sieht, wie viel CO2 sein Mobilitätsverhalten verursacht und wie viel es ihn zusätzlich kostet, es auszugleichen, wird möglicherweise das nächste Mal darüber nachdenken, ein anderes Verkehrsmittel zu wählen.

Auch wenn der CO2-Ausgleich nicht die Lösung ist,als Beitrag zum Klimaschutz hat er dennoch seine Berechtigung. Nämlich überall all da, wo wir keine machbare Alternative haben – und ja, das kann auch mal ein Flug in ein entferntes Land sein – sollten wir uns zumindest für CO2-Kompensation entscheiden, denn es ist besser als nichts. Jedoch sollte ein CO2-Ausgleich immer der letzte Schritt sein. Grundsätzlich gilt:

  • CO2 vermeiden: Ist ein CO2-Ausstoß zu vermeiden, etwa weil es eine Alternative gibt? (zum Beispiel Bahn statt Flug) Dann sollte diese Lösung Vorrang haben.
  • CO2 reduzieren: Lässt sich der CO2-Ausstoß zumindest reduzieren (zum Beispiel Carsharing oder Elektroauto statt eigenes Auto mit Verbrennermotor)? Dann hätte auch diese Lösung Vorrang vor Kompensation.

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Wie die CO2 Kompensation funktioniert

Der Ausgleich von CO2-Emissionen erfolgt über den Kauf von Emissionszertifikaten. Das funktioniert so:

Ausgleich über Zertifikatehandel

Beim CO2-Ausgleich bezahlen Sie als Verbraucher freiwillig eine Abgabe, die in ein Klimaschutzprojekt investiert wird. Der Preis berechnet sich anhand der Menge CO2, die zum Beispiel Ihr Flug von Frankfurt nach Mallorca ausstößt. Das Geld überweisen Sie an einen Anbieter von CO2-Kompensation. Welche Anbieter es auf dem Markt gibt und was dabei zu beachten ist, lesen Sie weiter unten. Dieser Anbieter wiederum kauft für Ihr Geld Zertifikate, sogenannte Emissionsminderungsgutschriften, von den Betreibern eines Klimaschutzprojektes. Für jede Tonne CO2, die durch das Projekt eingespart wird, wird also ein Zertifikat ausgestellt beziehungsweise gutgeschrieben, das in ein Register eingetragen wird. Die Zertifikate sind sozusagen die Währung auf dem Kompensationsmarkt. Als Kunde kaufen Sie indirekt Zertifikate über den jeweiligen Anbieter von CO2-Kompensation. Sobald die Zertifikate gekauft sind, werden diese im Register gelöscht, so dass sie nicht weiter gehandelt werden können. Für Ihren Ausgleich erhalten Sie bei den meisten Anbietern eine Spendenbescheinigung, die Sie sogar noch in der Steuererklärung angeben können.

Kompensation kann Klimaschutzprojekte sogar fördern: Wenn sehr viele Verbraucher freiwillig CO2-Kompensation betreiben, steigt die Nachfrage nach Zertifikaten und damit der Bedarf an Klimaschutzprojekten.

Fazit: Drei Faktoren sind beim Ausgleichs-Prozedere entscheidend, damit die CO2-Kompensation auch wirkt: Anbieter, Emissionsberechnung und Klimaschutzprojekte müssen von Top-Qualität sein.

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Welche Aktivitäten kann man ausgleichen?

Der klassische CO2-Ausgleich erfolgt in Verbindung mit dem Fliegen. Denn Fliegen ist besonders klimaschädlich. Inzwischen kann man auch viele andere Aktivitäten ausgleichen. So bietet etwa der Online-Händler Zalando an, eine Bestellung samt Lieferung auszugleichen. Dazu kann man den Ausgleich direkt beim Bestellvorgang vornehmen. Sogar Banken bieten inzwischen CO2 Kompensation an. So soll die neue Banking App der Deutschen Bank „Deutsche Bank Mobile“-App den persönlichen CO2-Ausstoß pro Monat anzeigen und den Ausgleich ermöglichen. Der individuelle Fußabdruck wird nach Angaben des Unternehmens über einen „Algorithmus auf Grundlage der Konto- und Kreditkartentransaktionen“ berechnet. Ebenso bietet die Commerzbank ihren Firmenkunden Beratung und Unterstützung bei freiwilliger CO2-Kompensation an.

Autofahrten, Events und Online-Shopping ausgleichen

Sie können auch Autofahrten ausgleichen, eine Kreuzfahrt, eine größere Veranstaltung (zum Beispiel Hochzeit oder Firmenevent), den persönlichen Energieverbrauch im Haushalt oder den im Jahr produzierten CO2-Fußabdruck sowie den jährlichen CO2-Verbrauch der eigenen Firma (zum Beispiel den Strom- beziehungsweise Wärmeverbrauch). Schließlich können Sie auch einfach eine selbst gewählte Menge an CO2 über eine Spende ausgleichen, auch ohne geflogen zu sein oder sich auf Kreuzfahrt begeben zu haben. Auf den Homepages der diversen CO2-Kompensationsanbietern (zum Beispiel myclimate.org oder klima-kollekte.de) finden sich viele Möglichkeiten, einen Umweltbeitrag zu leisten.

Wie sinnvoll es ist, Online-Shopping, Autofahrten und Geburtstagsfeiern auszugleichen, muss jeder für sich selbst beantworten. Einfach so weiterleben wie bisher und für das gute Gewissen ein wenig Kompensation betreiben, wird langfristig den Klimawandel nicht aufhalten. Doch wenn die Kompensation des Wärmeverbrauchs der eigenen Firma beispielsweise dazu führt, dass man sich bewusst macht, wie viel CO2 ausgestoßen wird und dies zu mehr Sparsamkeit führt und vielleicht auch zur Investition in regenerative Energiequellen im eigenen Betrieb, dann hat die Kompensation einen guten Beitrag zu mehr Umweltschutz geleistet.

Kunden sollten nicht vorschnell direkt bei den Anbietern einen CO2-Ausgleich vornehmen, auch wenn das Angebot einfach und sinnvoll erscheint. Wichtig ist, dass der Ausgleich nach bestimmten Kriterien erfolgt, damit er auch effektiv ist.

Oftmals sind Werbeaussagen intransparent. Ein Beispiel lieferte die Tomorrow GmbH, die für ein klimaneutrales Girokonto warb und Kunden in Aussicht stellte, den individuellen CO₂-Fußabdruck auszugleichen. Weil das Angebot als irreführend angesehen wurde, hat die Verbraucherzentrale die Tomorrow GmbH abgemahnt, gab die Verbraucherzentrale in einer Mitteilung im August 2021 bekannt. Inzwischen hat die Tomorrow GmbH ihre Werbung korrigiert, sie spricht von einem durchschnittlichen CO₂-Fußabdruck und hat eine Erläuterung der Kompensationswirkung ergänzt.

 

Welche Klimaschutzprojekte gibt es?

Die meisten Klimaschutzprojekte werden in Schwellen- und Entwicklungsländern initiiert. Hier kann mit dem eingesetzten Geld eine hohe Wirkung erzielt werden. Gleichzeitig leisten die Projekte einen Beitrag zur Entwicklung vor Ort: gute Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz, Projektplanung gemeinsam mit lokaler Bevölkerung, Förderung von Bildungsprogrammen und Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen sollten in einem guten Klimaschutzprojekt Beachtung finden.

Typische Klimaschutzprojekte:

  • Aufbau regenerativer Energiequellen, zum Beispiel Solarenergie, Wasserkraft und Windkraft, Biogas- und Biomasseanlagen
  • Verbesserung von Abfall- und Abwassermanagement
  • Erhalt von Mooren
  • Effiziente Öfen/Kochstellen in Entwicklungsländern (sie sparen zum Beispiel den Verbrauch von Holz ein)
  • Wasserreinigungsprojekte
  • Aufforstungsprojekte

Warum Waldprojekte umstritten sind

Aufforstungsprojekte sind ohne Zweifel ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Wälder verhindern unter anderem Bodenerosionen und speichern CO2. Ob sie sich allerdings zur Kompensation eignen, ist umstritten. Emissionen eines Fluges bleiben etwa 1.000 Jahre in der Atmosphäre, heißt es beim World Wide Fund For Nature (WWF). Den Ausgleich dafür kann ein Wald mit seinem Lebenszyklus nicht leisten. Zudem gibt es Risiken wie Feuer oder Trockenheit und Sturm, die den Wald schädigen können. Dann findet kein Ausgleich mehr statt. Die Permanenz, die Dauerhaftigkeit, ist bei Waldprojekten nicht gegeben, für eine effektive Kompensation ist sie aber von Bedeutung. Das ist nur ein Grund, warum sich Waldprojekte nicht zum Ausgleich eignen. Ein anderer ist, dass für Aufforstungsprojekte Geld vorab bezahlt werden muss, also bevor der Wald überhaupt gepflanzt wird. Kommt das Projekt nicht zustande oder wird der Wald zerstört, gilt das dennoch dann als Emissionsausgleich, obwohl er de facto gar nicht stattgefunden hat.

Knackpunkt Zusätzlichkeit

Der Knackpunkt beim Kompensieren ist die Zusätzlichkeit: Mit dem Geld, das Sie in ein Projekt investieren, um Ihren CO2-Ausstoß auszugleichen, müssen unbedingt neue, zusätzliche Klimaschutzprojekte gefördert werden. Also solche, die ohne das Kompensationsgeld nicht zustande kommen würden. Wenn das Geld in Projekte fließt, die ohnehin schon finanziert sind – etwa, wenn ein Land Minderungsziele verfolgt und es ohnehin gesetzliche Auflagen zur Emissionsminderung gibt, wirkt der freiwillige Ausgleich nicht. Sie als Verbraucher haben aber kaum die Möglichkeit, dies zu überprüfen. Deshalb können Sie nur auf bestimmte Qualitätsstandard setzen.

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Worauf Sie bei der CO2-Kompensation achten sollen

Kontrolle und Transparenz – damit ist es nicht weit her auf dem Kompensations-Markt. Verbraucher haben eigentlich keine Chance, selbst zu beurteilen, ob ein Klimaschutzprojekt gute Standards erfüllt, ob es wirklich zur Emissionsreduzierung beiträgt und ob es einen Beitrag zu guten Arbeitsbedingungen vor Ort leistet und obendrein die Zusätzlichkeit gegeben ist. Freiwillige Kompensationsmärkte sind unreguliert, es gibt keine Kontrolle.

Der Gold Standard

Um diesem Wildwuchs auf dem Kompensationsmarkt zu begegnen, hat der WWF gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen Qualitätsstandards erarbeitet, die Klimaschutzprojekte erfüllen sollten. Herausgekommen ist dabei der Gold Standard, ein Qualitätssiegel, das zertifiziert ist und regelmäßig vom TÜV überprüft wird. Wenn Sie über qualitativ hochwertige Klimaschutzprojekte Ihre CO2-Emissionen kompensieren wollen, sollten Sie auf den Gold Standard setzen. Aspekte wie Zusätzlichkeit und Arbeitsbedingungen sind dort berücksichtigt.

Es gibt auch andere internationale Standards, etwa den Clean Development Mechanism (CDM) oder den Verified Carbon Standard (VCS). Gemeinsam mit dem Gold Standard decken sie die meisten Kompensationsangebote auf dem Markt ab. Einig sind sich Verbraucherschützer, dass der Gold Standard das Mittel der Wahl sein sollte, er erfüllt höchste Anforderungen und er ist weltweit führend unter den Qualitätssiegeln. Emissionsgutschriften des Gold Standards wurden in der Vergangenheit auch vom Umweltbundesamt genutzt.

Gute Anbieter

Es gibt diverse Anbieter von CO2-Kompensation auf dem Markt. Manche entwickeln selbst Klimaschutzprojekte, andere entwickeln Projekte nicht selbst, sondern vermitteln zwischen Projektbetreiber und Verbraucher. Dabei treten sie oftmals wie Zwischenhändler auf und arbeiten mit Unternehmen zusammen, etwa Fluggesellschaften, die ihren Kunden CO2-Ausgleich bei der Ticketbuchung anbieten.

Zu anerkannt guten Anbietern von CO2 Kompensation zählen Atmosfair, Klima-Kollekte, aber auch myclimate. Ebenso wurde Primaklima von der Stiftung Warentest 2018 für „sehr gut“ befunden (Finanztest März 2018). Der Anbieter unterstützt ausschließlich Waldprojekte.

  • Atmosfair ist eine gemeinnützige Klimaschutzorganisation mit Sitz in Berlin, entstanden aus einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums und einer Gemeinschaftsinitiative des Reiseveranstalterverbandes “forum anders reisen” und der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch in 2004. Der Anbieter entwickelt und betreibt selbst Klimaschutzprojekte.
  • Klima-Kollekte ist ein CO2-Kompensationsfonds christlicher Kirchen. Der Ausgleich von CO2-Emissionen geschieht dabei durch Klimaschutzprojekte kirchlicher Organisationen oder ihrer Partner. Die Klima-Kollekte beteiligt sich an der Entwicklung von Projekten.
  • Myclimate Deutschland ist gemeinnützig und eine Tochter der Schweizer Stiftung myclimate. Myclimate setzt – wie auch die anderen Anbieter – unter anderem auf erneuerbare Energien und energieeffiziente Technologien. Myclimate entwickelt auch selbst Klimaschutzprojekte.
  • Primaklima agiert als gemeinnütziger Verein, die Initiative gibt es schon seit 30 Jahren. Erhalt von Wäldern und Mehrung von Wald ist das erklärte Ziel.

Biallo-Tipp:

Klicken Sie sich doch mal durch die Homepages der Anbieter. Dort gibt es viele Ideen, wie man sich auch außerhalb von Kompensation für Klimaschutz engagieren kann. So kommt zum Beispiel auch Klimaschutz als Geschenk in Frage. Über Primaklima etwa kann man „Bäume verschenken“, indem man einen Geldbetrag bezahlt und dafür nachweislich Bäume gepflanzt werden – etwa 18 Bäume zum 18. Geburtstag. Das funktioniert schon ab drei Euro. Darüber hinaus agieren viele Initiativen als Partner und Berater für Unternehmen, die sich selbst Klimaschutzziele setzen wollen.

Der Emissionsrechner

Bevor Sie CO2-Emissionen ausgleichen können, müssen Sie deren Menge berechnen. Das geschieht über Emissionsrechner. Solche finden Sie entweder auf den Homepages der oben genannten Anbieter oder häufig auch auf Websites von Unternehmen, die CO2 Kompensation anbieten, zum Beispiel bei der Lufthansa.

Die meisten Rechner liefern jedoch unterschiedliche Ergebnisse. Das liegt unter anderem daran, dass die Rechner unterschiedliche Faktoren abfragen beziehungsweise andere Berechnungsmodelle verwenden. So kann bei der Emissionsberechnung entweder nur die Flugstrecke abgefragt werden oder aber auch detailliertere Faktoren wie Flugzeugtyp, welche Klasse gebucht wurde (in der Business Class verbraucht der Einzelne im Durchschnitt mehr Platz und verursacht damit auch mehr CO2) oder auch andere Schadstoffemissionen werden mit einbezogen, die das Klima ebenfalls schädigen. So beeinträchtigen Schadstoffe in der Luft, die bei Langstreckenflügen entstehen und die in sehr großer Höhe stattfinden, zum Beispiel die Wolkenbildung, die wiederum das Klima beeinflusst. Im Ergebnis ist die gesamte Klimaschädigung eines Fluges zwischen zwei- und viermal so hoch wie der alleinige CO2-Ausstoß. Einige Rechner berücksichtigen solche Faktoren.

Fazit: Wer wirklich effektive Kompensation betreiben will, gleicht deshalb nie einfach per Mausklick auf der Website des jeweiligen Unternehmens aus, wo man gerade ein Flugticket bucht oder ein Bankkonto abschließt. Kompensieren Sie lieber separat über einen der oben genannten Anbieter. WWF hat die Erfahrung gemacht, dass die Unternehmen den CO2-Verbrauch etwa eines Fluges gerne „klein rechnen“, indem beispielsweise nicht zu viele Details und Faktoren in die Berechnung einbezogen werden. Die Abgabe, die der CO2-Ausgleich dann kostet, erscheint dann verhältnismäßig gering. WWF befürchtet, dass dem Kunden so suggeriert wird, dass Fliegen doch gar nicht so schlimm ist. Wer einen Emissionsrechner eines externen Anbieters nutzt, wird zu einem anderen Ergebnis kommen.

Beispiel 1: Flug ausgleichen

Lufthansa bietet einen CO2-Ausgleich auf der Homepage an. Ein Flug von Frankfurt nach New York (einfacher Flug) verursacht laut Rechner eine CO2-Emission von 387 Kilogramm.

Bei Atmosfair wird bei der Berechnung auch die Sitzklasse abgefragt. Hier werden 1.534 Kilogramm CO2-Ausstoß (einfacher Flug) berechnet. Die Kompensation kostet 36 Euro. Eine Tonne CO2 wird bei Atmosfair mit 23 Euro angesetzt. So viel Investition ist nötig, um eine Tonne CO2 in Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern einzusparen. Wer zusätzlich noch die Produktion von CO2-neutralem E-Kerosin in der Atmosfair-Pilotanlage im Emsland und den Neubau von Folgeanlagen fördern möchte, investiert zusätzlich 25 Euro. Der Kunde kann grundsätzlich wählen, in welches Klimaschutzprojekt sein Ausgleich fließen soll.

Myclimate berechnet einen Verbrauch von einer Tonne für denselben Flug, also 1.000 Kilogramm CO2. Der Ausgleich kostet je nach Klimaschutzprojekt zwischen 26 und 85 Euro, der Kunde kann das Projekt selbst auswählen. Hinzu kommen jeweils acht Euro für lokale Bildungsarbeit. Myclimate setzt 22 Euro für die Tonne CO2 an.

Klima-Kollekte berechnet 1,2 Tonnen CO2-Emission. Es wird hier nicht automatisch ein Gesamtpreis angegeben für den Ausgleich. Als Anhaltspunkt: Die Kosten für eine Tonne CO2, also ein Zertifikat, betragen 25 Euro.

Warum kostet der Ausgleich einer Tonne CO2-Emission je nach Anbieter unterschiedlich viel? Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Anbieter unterschiedliche Verwaltungskosten haben und verschiedene Klimaschutzprojekte unterschiedlich hohe Kosten verursachen.

Beispiel 2: CO2-Fußabdruck ausgleichen

Verbraucher können Ihren gesamten CO2-Fußabdruck ausgleichen. Im Durchschnitt verursacht jeder Bundesbürger im Jahr elf Tonnen CO2. Wenn Sie Ihren individuellen Wert ausrechnen wollen, geben Sie Ihre Daten bei einem der Emissionsrechner ein, etwa beim Umweltbundesamt oder beim WWF.

Der Ausgleich kostet zum Beispiel bei Myclimate 277 Euro, bei Atmosfair 230 Euro. Man kann sogar ein jährliches Abo abschließen, um Jahr für Jahr seine Emissionen auszugleichen. Doch aufgepasst: Der Ausgleich dient nicht dazu, sich ein „gutes Gewissen“ einkaufen zu können. Mit dem Ausgleich erlangt man auch beim CO2-Fußabdruck lediglich CO2-Neutralität, keine Reduzierung auf unter Null, die aber das Ziel sein muss.

Verwendete Quellen:

Umweltbundesamt:
https://www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation
https://uba.co2-rechner.de/de_DE/
Umweltbundesamt: „Freiwillige CO2-Kompensation durch Klimaschutzprojekte“. Ratgeber, 97.2018. 44 Seiten. Per download: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/ratgeber_freiwillige_co2_kompensation_final_internet.pdf

WWF:
https://www.wwf.de/themen-projekte/klima-energie/wwf-klimarechner
https://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/umweltvertraeglich-reisen/klima-fussabdruck

Sonstige:
MyClimate: https://www.myclimate.org/
Altmosfair: https://www.atmosfair.de/de/
Klima-Kollekte: https://klima-kollekte.de/
Deutsche Bank: https://www.db.com/news/detail/20210601-deutsche-bank-app-co2-ausstoss-anzeigen-lassen-und-ausgleichen?language_id=3
Commerzbank: https://www.commerzbank.de/media/nachhaltigkeit/v__oekologie/klimaneutralitaet/49901_Klimaneutralitaet_DE_300420.pdf
Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: https://www.verbraucherzentrale-bawue.de/pressemeldungen/presse-bw/werbung-mit-klimaneutralitaet-63576
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Über die Autorin Annette Jäger
während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren. Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.
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