Impact Investing: Geldanlagen, die Gutes bewirken

Nachhaltig investieren Impact Investing: Geldanlagen, die Gutes bewirken

Update: 26.09.2019
Manfred Fischer
von Manfred Fischer
Update: 26.09.2019
Auf einen Blick
  • Mit Impact Investing gemeint sind Geldanlagen, die sozialen oder ökologischen Mehrwert bieten und Rendite abwerfen. Der Markt der wirkungsorientierten Investitionen wächst rasant.

  • Im Gegensatz zu anderen nachhaltigen Geldanlagen sollen hier positive ethisch-ökologische Wirkungen nachweisbar erzielt werden und messbar sein.

  • Mikrofinanzfonds, offene Impact Fonds & Co: Wir stellen unterschiedliche Anlageformen für Privatanleger vor.
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Eine noch junge Nische am Finanzmarkt ist Impact Investing – auf Deutsch: Wirkungsorientiertes Investieren (WI). Damit gemeint sind Geldanlagen, die sich in einem messbaren sozialen oder ökologischen Mehrwert niederschlagen und Rendite abwerfen. Investiert wird beispielsweise in Bildungs-, Gesundheits- und Energieprojekte und nachhaltige Landwirtschaft. Die Finanzprodukte reichen von Fonds, Social Bonds, Mikrofinanzfonds bis zur "Bürgeraktie".

Der WI-Markt wächst rasant, erschließt sich jedoch Privatanlegern nicht leicht. Bis dato existieren wenige Anbieter solcher Geldanlagen. Zudem erweist sich WI in der Praxis als sehr dehnbarer Begriff. Worauf gilt es zu achten, wenn man Philanthropie und Gewinnstreben unter einen Hut bringen will? Wie viel springt am Ende heraus?

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Was ist Impact Investing?

Der Begriff Impact Investing stammt aus der Welt der vermögenden Wohltäter und Förderer. Geprägt haben soll ihn vor mehr als zehn Jahren in den USA die Rockefeller-Stiftung. Er bezeichnet finanzielles Engagement zwischen Spende und Renditemaximierung – Engagement im Hinblick auf die von den Vereinten Nationen festgeschriebenen Ziele für nachhaltige Entwicklung, die "Sustainable Development Goals" (SDG), wie etwa keine Armut, hochwertige Bildung, sauberes Wasser, bezahlbare und saubere Energie und Klimaschutz.

Die Investments heben sich von anderen nachhaltigen Geldanlagen in zweierlei Hinsicht ab: Es geht darum, "möglichst direkt, intendiert und nachweisbar" positive soziale oder ökologische Wirkungen zu erzielen. Und es geht darum, diese Wirkungen "zu messen" und "zu kommunizieren". So definiert es die Bundesinitiative Impact Investing, hinter der Stiftungen, Finanzdienstleister und Beratungsfirmen stehen. Allein mit der Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien, sogenannter ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance), anhand derer Kapital zum Beispiel an bestimmten Branchen vorbei gelenkt wird, ist es also nicht getan.

  • Beispiel Sozialunternehmen: Wirkungsorientierte Investitionen fließen etwa in Start-ups, die gesellschaftliche Probleme mit unternehmerischen Mitteln angehen. Eines, das mehrfach ausgezeichnet worden ist, ist Discovering Hands. Das Unternehmen nutzt den Tastsinn blinder Frauen für die Brustkrebs-Früherkennung. Das Verfahren erhöht die Überlebenschancen Betroffener, senkt die Kosten für das Gesundheitssystem und blinde Frauen werden in den Arbeitsmarkt integriert. Rund zwei Dutzend Krankenkassen kommen für die Untersuchung bereits auf. Finanziert worden ist das Start-up größtenteils über einen Social Impact Fonds. Die Fondsgesellschaft hält eine Minderheitsbeteiligung an der gemeinnützigen Muttergesellschaft und deren Tochter-GmbH. Als Vergütung erhält sie, je nach operativem Gewinn, einen Darlehenszins. Wenn das Darlehen getilgt ist, zieht sich die Fondsgesellschaft zurück.

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Wie entwickelt sich der Markt?

Die Nische ist noch klein. Hierzulande steckten vergangenes Jahr 13 Milliarden Euro in Wirkungsorientierten Fonds und Mandaten – überwiegend geschlossene Fonds institutioneller Anleger. Das waren zehn Prozent des Volumens aller nachhaltigen Fonds und Mandate und knapp sechs Prozent des Volumens aller nachhaltigen Investments, die insgesamt 219 Milliarden Euro bündelten. Diese Zahlen nennt das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinem jüngsten Jahresbericht. Doch auch das zeigt die Erhebung: Impact Investments nahmen im Jahr 2018 unter allen nachhaltigen Anlagen am stärksten zu, die Nische wuchs um 149 Prozent.

Weltweit hat der Markt ein Volumen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar erreicht, schätzt das Global Impact Investing Network (GIIN), in dem sich Fondsgesellschaften, Vermögensverwaltungen, Stiftungen, Banken und öffentliche Organisationen zusammengeschlossen haben. Das meiste Geld sammeln Fondsmanager ein. Im europäischen Raum entfallen laut GIIN fast 60 Prozent des verwalteten Vermögens auf sie. Gut 20 Prozent tragen institutionelle Anleger wie Pensionsfonds bei, 15 Prozent verwalten Entwicklungsbanken.

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3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
LO Fds. Generation Gl. P EUR Dis
LU0428704554
14,96%
2.
LGT Sustainable Equity Fund Global EUR B
LI0106892966
12,36%
3.
DPAM Invest B Equities NewGems Sus. B EUR
BE0946564383
11,18%
Laufzeit: 5 Jahre

Wie wird Wirkung gemessen?

So klar der Trend ist, den die Marktzahlen widerspiegeln – nicht immer deutlich wird für Anleger, was ihr Geld bewirkt. "Ob Fridays for Future, Dieselskandal oder Plastikmüll in den Meeren ­– wir haben im Moment diverse Themen in der öffentlichen Diskussion. Da und dort löst der Druck der Öffentlichkeit Nervosität aus. Nicht wenige Banken und andere Finanzdienstleister versuchen, auf den Zug aufzuspringen", sagt der Koordinator der Bundesinitiative Impact Investing (BII), Martin Vogelsang. Es kommen Finanzprodukte auf den Markt, "die nicht unseren Vorstellungen von Impact Investing entsprechen". Vogelsang sieht die Gefahr, "dass die Entwicklung durch Greenwashing eine falsche Richtung nimmt, wenn der soziale beziehungsweise der ökologische Mehrwert nicht gemessen wird."

Es bleibt jedem Produktanbieter selbst überlassen, wie genau er diese Art von Rendite erfasst – inwieweit qualitativ und quantitativ. Manche haben eine übergreifende Messgröße, manche definieren je nach Projekt mehrere Leistungskennzahlen. Andere machen allgemeine Angaben. Das kann, muss aber nicht absichtliches Wischiwaschi bedeuten. Gerade bei komplizierten Finanzprodukten kann das daran liegen, dass es zu aufwändig wäre, deren Wirkung näher zu bestimmen. Gleichwohl stellt sich die Frage, ob dann von WI die Rede sein sollte.

  • Beispiel Wirkungsmessung: Anleger, die gezielt einzelne Projekte unterstützen, erfahren beispielsweise, wie viele Megawatt Ökostrom oder Hektar Bio-Ackerland hinzukommen, wie viel Elektromüll recycelt wird oder wie viele Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz erhalten.

Zahlen sagen nicht immer etwas über die Wirkung. "Es kann durchaus sein, dass man zum Beispiel mit einer bestimmten Technologie auf dem Papier für sozialen oder ökologischen Mehrwert sorgt, dass man aber nicht alle möglichen Konsequenzen – etwaige negative Entwicklungen – von vornherein berücksichtigt hat", erklärt Vogelsang. Ein Beispiel von vielen: "Ich erinnere mich noch an ein Telemedizin-Pilotprojekt in Indien. So und so viele Menschen sollten übers Internet Anschluss zu Ärzten haben. Nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, dass die meisten die Technik nicht nutzen, weil sie direkt mit einem Arzt reden wollen."

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Welche Renditen bringen WI-Anlagen?

Nach einer Investorenbefragung des GIIN Anfang 2019, steuern 84 Prozent der Fondsmanager auf "risikoadjustierte" Renditen auf Marktniveau hin. 16 Prozent rechnen mit Ergebnissen darunter. Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei Stiftungen: 29 Prozent verfolgen als Ziel den Marktschnitt, 71 Prozent haben geringere Renditen im Auge. 15 Prozent aller Investoren – befragt wurden neben Fondsmanagern und Stiftungen auch andere – erwarten ein leichtes Plus, nahe am Kapitalerhalt.

Wirkungsorientiertes Kapital gelangt demnach vor allem in den Energiesektor (15 Prozent), in Mikrofinanz- (13 Prozent) und andere Finanzdienstleistungen (elf Prozent). Dahinter folgen als Investitionsziele "Landwirtschaft und Ernährung" (zehn Prozent), "Wasser, Sanitär, Hygiene" (sieben Prozent) und "Wohnungswesen" (sieben Prozent).

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung beleuchtet den Markt für "Social Impact Investment in Deutschland" – nicht einbezogen waren Investments in KMU (kleine und mittlere Unternehmen), Klimaschutz und erneuerbare Energien. Die Renditeerwartungen liegen "meist im niedrigen einstelligen Bereich (bis maximal fünf Prozent) und sind damit weit von risikoadäquaten Marktrenditen entfernt", resümierten die Autoren im Jahr 2016.

Was unter dem Strich in Aussicht gestellt wird, ist vor dem Hintergrund zu sehen, wie der Produktanbieter WI ausrichtet: "Meine Erfahrung ist, dass man für einen nachhaltigen sozialen oder ökologischen Mehrwert gewisse Abstriche beim finanziellen Return machen muss", betont Martin Vogelsang.

Sehen muss man auch, dass hohe Kosten die Renditen schmälern. Finanzdienstleister haben mit diesen Geldanlagen mehr Arbeit als mit konventionellen. Das zeigt sich beispielsweise bei Fonds an den Management- und Verwaltungsgebühren und Ausgabeaufschlägen.

Jährliche Wertentwicklung von Mikrofinanzfonds

Fonds

ISIN

2019

2018

2017

2016

2015

IIV Mikrofinanzfonds

DE000A1H44T1

0,77%

1,06%

1.85%

1,82%

2,80%

KCD-Mikrofinanzfonds – III

LU1106543249

1,15%

2,14%

1,60%

1,50%

GLS Alternative Investments – Mikrofinanzfonds

LU1309710678

1,16%

0,65%

1,73%

1,57%

Dual Return Fund - Vision Microfinance

LU0236782842

0,88%

0,63%

-0,07%

1,76%

1,66%

Quelle: MountainView / fondsdiscount.de, September 2019

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Welche Anlagen eignen sich für Privatanleger?

Wer wirkungsorientiert investieren will, stößt auf ganz unterschiedliche Anbieter. Neben Bank- und Finanzdienstleistern sind das kleine Unternehmen und Organisationen, die allein in ihrer Region oder Stadt Geld in Projekte leiten. Das Spektrum an Anlageformen ist breit, einen nicht geringen Teil machen Produkte des grauen Kapitalmarktes aus. Mehr als die Frage nach der Wirkung und Rendite rückt dann die nach dem Anlagerisiko in den Vordergrund.

Zu den Finanzprodukten für Privatanleger gehören:

Mikrofinanzfonds

Mikrofinanz ist der Oberbegriff für Finanzdienstleistungen für einkommensschwache Menschen. In erster Linie handelt es sich um die Vergabe von Kleinkrediten in Schwellen- und Entwicklungsländern. Die Kredite sollen etwa bei der Existenzgründung oder -sicherung helfen.

Mikrofinanzfonds vergeben das Kapital der Anleger an sogenannte Mikrofinanzinstitute in den jeweiligen Ländern und erwerben unverbriefte Darlehensforderungen. Die Institute verleihen das Geld an Menschen, die von Banken abgewiesen werden, weil die Kreditwürdigkeit zu gering scheint. Prominenter Vorreiter bei Mikrofinanzdienstleistungen ist der Wirtschaftsprofessor Muhammad Yunus. Er gründete in den 1980er-Jahren in Bangladesch eine Bank für Kleinkredite, 2006 erhielt er den Friedensnobelpreis.

Sechs solcher Fonds stehen in Deutschland zur Auswahl. Seit 2011 auf dem Markt ist der "IIV Mikrofinanzfonds", gemanagt wird er von der Invest in Visions GmbH. Im Jahr 2015 folgten der "KCD-Mikrofinanzfonds - III", dahinter steht die Bank im Bistum Essen, und der "GLS Alternative Investments - Mikrofinanzfonds" der Ökobank GLS. Zwei Produkte der österreichischen C-Quadrat Asset Management GmbH wurden 2016 hier zugelassen, sie firmieren unter "Dual Return Fund - Vision Microfinance". Im April dieses Jahres kam der "Mikrofinanz & Impact Fonds" der Kapitalanlagegesellschaft Monega heraus– Gesellschafter sind, neben anderen, die Sparda-Banken.

Im Gesamtbild zeigen Mikrofinanzfonds eine positive Wertentwicklung in den vergangenen Jahren, und das bei relativ geringer Volatilität. Der Wert des Vorreiters auf dem deutschen Markt ist seit dem Start um fast 17 Prozent gestiegen.

Die laufenden Kosten allerdings liegen bei bis zu rund zwei Prozent. Zu beachten ist, dass Fondsanteile – anders als bei Aktienfonds – nicht von heute auf morgen zurückgegeben werden können, sondern beispielsweise nur monatlich oder zum Quartalsende. Überdies gelten Kündigungsfristen.

Was die Wirkung angeht, erfahren Anleger, wie viele Kleinstunternehmer in welchen Ländern Kredite erhalten, wie hoch die Kredite im Schnitt sind, wie hoch der Frauen- und Männeranteil unter den Empfängern ist und wie viele davon in der Stadt oder auf dem Land leben. Die Ratingagentur Scope kam 2017 zu dem Schluss: Die Fonds "fördern die langfristige Bereitstellung von Finanzdienstleistungen für Erwerbstätige, die ungeachtet ihrer Berufstätigkeit als arm gelten". Das Fachmagazin Ecoreporter attestierte bei einem Vergleichstest Mikrofinanzfonds eine "hohe soziale Wirkung".

Doch diese Geldanlagen sind nicht unumstritten. "Die Kreditnehmer zahlen hohe Zinsen, oft 20 bis 30 Prozent", sagt Heidi Pätzold von der Verbraucherzentrale Hamburg. Anleger sollten genau hingucken, wo das Geld am Ende landet. Fraglich sei, "ob Kleinkredite nachhaltig gegen Armut helfen oder ob sie nicht vielmehr eine neue Armutsfalle darstellen", gibt die Finanzexpertin zu bedenken und verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen. Der Ökonom und Gesellschaftsforscher Philip Mader kritisierte in einer viel beachteten Studie: "Mikrofinanz macht die Armut für den Armen zwar nicht besser [...] aber macht sie sehr wohl für den Wohlhabenden nützlicher als zuvor."

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
12,51
0,50%
2.
10,00
0,40%
3.
8,75
0,35%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Offene Impact Fonds

Aktien-, Misch- und Rentenfonds, die im Namen den Zusatz "Impact" tragen, sind nach ESG-Kriterien ausgerichtet. Mit diesen Kriterien wird nach dem Ein- oder Ausschluss- oder Best-In-Class-Prinzip investiert. Je nach Fondsanbieter sind einzelne Nachhaltigkeitsziele (SDG) noch näher bestimmt. Die Frage bei breit streuenden Finanzprodukten ist, inwieweit sie "möglichst direkt" (vergleiche Abschnitt 1) soziale oder ökologische Wirkung entfalten und ob dies gemessen wird.

Ökobanken haben Fonds aufgelegt, die weitgehend der Definition von WI entsprechen. Beispiel Triodosbank: Sie wirbt für zwei Aktienfonds und zwei gemischte Fonds. "Die ESG-Kriterien fassen wir sehr streng, und wir investieren allein in Unternehmen, die Lösungen in Transformationsbereichen hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft anbieten", sagt Banksprecher Florian Koss. Solche Transformationsbereiche sind unter anderem "Kreislaufwirtschaft", "soziale Inklusion", "Mobilität" und "Klima und Energie".

Als Gradmesser für die Wirkung zieht das Geldhaus den "ökologischen Fußabdruck" heran. Dokumentiert wird, um wie viel geringer der CO2-Ausstoß oder Wasserverbrauch durch die Investments ausfällt oder wie viel weniger Müll entsteht – im Vergleich zu Werten für Indizes wie den MSCI World. "Mit 1.000 Euro lassen sich einige hundert Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen, das ist schon ein Impact", sagt Koss.

Jedoch längst nicht für alle Geldflüsse gibt es bereits einen Wirkungsparameter wie das CO2-Äquivalent. "Wir sind dabei, vergleichbare Kennzahlen für andere Bereiche zu entwickeln", sagt Julian Mertens, Sprecher der GLS-Bank, die auch Aktien- und Mischfonds anbietet.

Eine Reihe weiterer Banken und Finanzdienstleister haben Wirkungsorientierte Fonds im Programm. Auf Anhieb nicht immer leicht davon zu unterscheiden sind Fonds, die UN-Nachhaltigkeitsziele verfolgen, ohne dass eine Wirkungsmessung vorgesehen ist. Namenszusätze wie "Gender Equality", "Clean Water" und "Clean Energy" bezeichnen meist Branchen- beziehungsweise Themenfonds.

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Social Impact Fonds

Sie gelten als exemplarisch für wirkungsorientiertes Investieren. Dahinter stehen Risikokapitalgesellschaften, die als Vermittler zwischen Start-ups und Investoren agieren. Von diesen "Intermediären" gibt es in Deutschland bisher nur wenige. Fondsgesellschaft der ersten Stunde ist Bonventure, sie ist 2003 ins Leben gerufen worden. Bei ihren Fonds handelt es sich um European Social Entrepreneurship Funds, kurz EuSEF. Für diese gelten spezielle Vorgaben. Nicht zuletzt betrifft das die Mindestanlagesumme. Laut EU-Verordnung muss jeder Anleger an einem EuSEF Anteile im Wert von mindestens 100.000 Euro erwerben. Bonventure setzt in der Regel ein Anlagevolumen in Höhe von 500.000 Euro voraus.

"Es sind vor allem Vermögensverwaltungen reicher Familien – Family Offices – und Stiftungen, die bei uns nachfragen. Aber auch immer mehr Menschen aus der Erbengeneration investieren wirkungsorientiert", sagt Jochen Herdrich, Partner bei Bonventure. Den Investitionsansatz beschreibt er so: "ESG-Kriterien allein reichen nicht. Was wir machen, ist High-Impact-Investing in Sozialunternehmen und ökologisch ausgerichtete Unternehmen."

Der erste Fonds von Bonventure ist 2017 ausgelaufen. "Der Fonds brachte für Anleger "Kapitalerhalt – nach Abzug aller Kosten", sagt Herdrich. Aktuell laufen zwei Fonds, für einen weiteren ist kürzlich das Fundraising gestartet worden. Einen Publikumsfonds gibt es nicht und ist auch nicht in Planung. Der Aufwand sei "angesichts der bürokratischen Hürden zu hoch".

Green Bonds

Das sind Anleihen, mit denen grüne Projekte finanziert werden. Emittenten sind Geschäftsbanken und andere Unternehmen sowie Städte und Staaten. Wie die Erlöse verwendet werden, ist nicht verbindlich geregelt. Es gibt die "Green Bond Principles" (GBP), an die sich Emittenten halten können. In vielen Fällen dient das Geld zum Bau von Photovoltaikanlagen, Windparks oder energieeffizienten Häusern.

Grüne Anleihen funktionieren wie gewöhnliche Anleihen. Anleger erhalten Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit ihr Kapital zurück. Das Anlegerrisiko hängt entscheidend von der Bonität des Emittenten ab. Green Bonds können rechtlich sehr unterschiedlich ausgestaltet sein, auch als Produkte des grauen Kapitalmarktes (siehe "Beteiligungen").

Angebot und Nachfrage steigen – Deutschland zählt zu den größten Green-Bond-Märkten. Die Börse Frankfurt hat 2018 eigens ein Segment dafür eingeführt. Rund 150 Anleihen sind gelistet. Sie werden an europäischen Börsen gehandelt und sind in den Handel in Frankfurt einbezogen. Ein Abbild des weltweiten Marktes zeichnen Indizes wie der "Solactive Green Bond EUR USD IG Index" und der "Bloomberg Barclays MSCI Global Green Bond Index".

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Beteiligungen

WI spielt sich zu einem großen Teil am grauen Kapitalmarkt ab. Unternehmensbeteiligungen, Darlehen mit Nachrangabrede, Genussrechte, Namensschuldverschreibungen – das Angebot an Finanzprodukten ist vielfältig. Auch Direktinvestments und Crowdinvesting werden abseits des regulierten Finanzmarktes abgewickelt.

"Es passiert nicht selten, dass Anleger, die auf diesem Markt in grüne Projekte investieren, ihr Geld nicht wiedersehen", sagt Verbraucherschützerin Heidi Pätzold. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat mehr als 50 Fälle zusammengetragen, in denen Anbieter von riskanten Umweltinvestments pleite gemacht haben, Investments in Windräder, Solaranlagen, Baumplantagen, Holzpellets-Fabriken, Wasserkraftwerke. "Da wird Anlagevermögen in Milliardenhöhe vernichtet", warnt Pätzold.

Die Risiken sind für Anleger oft nicht zu überblicken, Renditeversprechen schwer zu hinterfragen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Produkte des grauen Kapitalmarktes zwar auf dem Radar, doch sie prüft nur ob die Anbieter alle vorgeschriebenen Angaben zu ihren Produkten machen und ob die Angaben kohärent sind. Sie prüft diese Angaben nicht auf Richtigkeit und sie schaut nicht auf die Wirtschaftlichkeit der Projekte.

Aber auch auf dem grauen Kapitalmarkt wird nicht überall auf hohe Renditen geschielt. "Den sozialen Impact muss man als Rendite sehen. Das sagen wir unseren Aktionären klipp und klar", betont der Gründer und Vorstand der Regionalwert AG in Freiburg, Christian Hiß.

Bundesweit gibt es fünf Regionalwert-Gesellschaften. Sie finanzieren Kleinunternehmen in ihrer Region, in der Mehrzahl sind es Existenzgründungen; Landwirtschafts-, Produktions- und Dienstleistungsbetriebe, die nach ethisch-ökologischen Aspekten wirtschaften.

"Wir haben insgesamt 80 Indikatoren, an denen wir die Wirkung festmachen und über die wir unsere Anleger informieren. Bei Projekten in der Landwirtschaft halten wir zum Beispiel fest, wie sich die Bodenfruchtbarkeit entwickelt und wie viele alte Sorten angebaut werden", sagt Hiß. Als weitere Beispiele nennt er "die Zahl die Arbeitsplätze, die ein Existenzgründer schafft, und wie viele Lehrlinge in einem Betrieb ausgebildet werden".

Rund 2.000 Anleger haben eine Regionalwert-Aktie – eine vinkulierte Namensaktie – erworben. Das Anlagevolumen liegt bei knapp neun Millionen Euro.

Wie sieht es mit der Dividende aus? "Dividende konnten wir hier in Freiburg bislang noch keine ausschütten, aber wir streben das natürlich an", sagt Hiß. "Bei uns in der Gegend dient das Geld ausschließlich Existenzgründungen, es dauert einige Jahre, bis die Betriebe die Gewinnschwelle erreichen, und danach müssen sie noch den Verlustvortrag abbauen."

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3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
211,10
1,05%
2.
151,08
0,75%
3.
 150,56
0,75%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Experteninterview: „Die Spreu vom Weizen trennen“

Wie interessant ist der Markt für Privatanleger? Welche Risiken birgt er? Bernhard Rathgeber ist spezialisiert auf nachhaltige Finanzprodukte. Er ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Ökofinanz-21 e.V., einem bundesweiten Netzwerk unabhängiger Anlageberater.

Wie oft fragen Kunden bei Ihnen nach Impact Investing?

Bernhard Rathgeber: Für den Privatanleger spielt Impact Investing bis jetzt kaum eine Rolle. Dieser Markt ist eine Nische im Markt für nachhaltige Geldanlagen – eine Nische in der Nische. Die Leute, die sich dafür interessieren, haben sich in der Regel schon intensiv mit ethisch-ökologischen Finanzprodukten befasst. Und sie fragen sehr gezielt nach.

Welchen Anlageformen gilt das Interesse?

Rathgeber: Wonach sich ab und zu Kunden erkundigen, sind Mikrofinanzfonds, was auch am naheliegendsten ist. Das ist eine liquide Anlageform und sie ist relativ sicher. Mikrofinanzfonds streuen ihr Kapital breit. Bei Projektbeteiligungen dagegen, zum Beispiel an Wind- oder Solarparks, ist das Risiko für Privatanleger schwer abschätzbar.

Worauf sollten Anleger achten?

Rathgeber: Bei Mikrofinanzfonds sollte man sich zunächst einmal anschauen, wer ihn managt und nach welchen Kriterien: In welche Länder fließt das Kapital? Wie solide sind die Mikrofinanzinstitute vor Ort? Wie sieht der Empfängerkreis aus? Was Beteiligungen angeht, gibt es hierzulande eine ganze Reihe regionaler Projekte. Ratsam ist, sich jemanden zur Seite zu holen, der sich spezifisch auskennt, also etwa mit Projekten in der Energie- oder Landwirtschaft und auch mit Fondsanlagen. Da gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Ob Fonds oder Beteiligung– ein wichtiger Punkt sind immer die Kosten.

Wie viel Geld muss man mitbringen, um Gutes zu bewirken?

Rathgeber: Unter dem Gesichtspunkt der Risikostreuung würde ich empfehlen, nur einen kleinen Teil des Vermögens für Impact Investments einzusetzen – zwischen fünf bis zehn Prozent. Dann stellt sich die Frage, wie hoch jeweils das Mindestanlagevolumen ist. Bei Projektbeteiligungen sind das nicht selten mehrere Tausend Euro. Für jemanden, der 30.000 oder 50.000 Euro Anlagevermögen hat, finde ich so etwas nicht interessant. Er sollte sich für andere ethisch-ökologische Geldanlagen entscheiden.

Wie viel Gutes tut jemand, der sein Geld in solche anderen Anlagen steckt?

Rathgeber: Das kann sehr unterschiedlich sein. Die meisten nachhaltigen Fonds verfolgen Vermeidungsstrategien – mittels Ausschlusskriterien wird festgelegt, dass in bestimmte Branchen und Unternehmen kein Kapital fließt; beispielsweise Kohlekonzerne, Rüstungsindustrie und Firmen, in denen menschenunwürdige Arbeitsbedingungen herrschen. Doch es gibt keine Standards. Jeder Fondsanbieter kann für sich definieren, was "nachhaltig" bedeutet. So mancher ist nicht so konsequent, wie sich das Anleger vorstellen.

Haben Sie ein Beispiel?

Rathgeber: Der Markt für ethisch-ökologische Geldanlagen hat eine gewaltige Dynamik bekommen, speziell durch die Klimadebatte und das Thema CO2-Fußabdruck in den vergangenen beiden Jahren. Viele Fondsanbieter gehen jetzt her und sagen, unsere Produkte haben einen tollen CO2-Fußabdruck im Vergleich zu einem Index. Doch wie dieser Fußabdruck erzielt wird, erkennt man als Anleger nicht so ohne Weiteres. Möglicherweise schneidet der Fonds nur deshalb gut ab, weil er statt in Kohle in Atomkraft investiert. Ob der Anleger das tatsächlich gutheißt? Man muss sich die Finanzprodukte schon sehr genau ansehen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de