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Auf einen Blick
  • Wer nachhaltig investieren will, aber den Aktienmarkt scheut, kann sein Geld in nachhaltigen Rentenfonds anlegen.

  • Biallo.de zeigt, wie die Fonds funktionieren, was drin steckt – und worauf Anleger bei der Auswahl achten sollten.
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Anleger, die lieber in Anleihen als in Aktien investieren, hatten zuletzt eine schwere Zeit. Wegen der anhaltenden Null- und Negativzinsen warfen diese sogenannten Rentenpapiere oft nur geringe Renditen ab. Dem Wachstum sogenannter nachhaltiger Rentenfonds allerdings hat das nicht geschadet.

Bei mehr als 184 Milliarden Euro lag nach Angaben der Fonds-Ratingagentur Scope das verwaltete Vermögen der in Deutschland vertriebenen nachhaltigen Rentenfonds im September 2021. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Anlagevolumen damit versechsfacht. Nachhaltigkeit werde „mehr und mehr zum alles dominierenden Thema der Finanzindustrie“, heißt es bei Scope. Das gilt auch auf dem Rentenmarkt, also dem Markt für Anleihen. Mit nachhaltigen Rentenfonds können Anlegerinnen und Anleger in diesen Markt investieren. Biallo.de beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

 

Was sind nachhaltige Rentenfonds?

Solche Fonds bündeln oft mehrere hundert nachhaltige Anleihen. Mit einer Anleihe leiht sich der Herausgeber – der Emittent – Geld von den Anlegern und zahlt dafür einen festen Zins. Diese Zahlungen nennt man auch „Renten“, daher der Name „Rentenfonds“. Emittenten nachhaltiger Anleihen können Staaten oder Unternehmen sein. Das Geld, das sie damit einsammeln, soll nachhaltigen Zwecken dienen. Diese können ganz verschieden sein. Deswegen finden sich in den Fonds auch sehr unterschiedliche Anleihen.

 

Was steckt drin in nachhaltigen Rentenfonds?

Die Anleihen in einem nachhaltigen Rentenfonds finanzieren zum einen umweltfreundliche oder soziale Projekte. Solche Papiere heißen „Green Bonds“ oder „Social Bonds“. Zum anderen fließt das Geld in Unternehmen oder Staaten, die bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Green Bonds sind die derzeit wohl beliebtesten grünen Anleihen. So hat die Frankfurter Börse mittlerweile ein eigenes Green-Bond Segment. Es umfasst mehr als 300 der Öko-Anleihen. Sie stammen von Firmen, Staaten, Förder- oder Landesbanken wie der KfW, der NRW-Bank oder der BayernLB. Das Geld, das sie mit den Green Bonds einnehmen, fließt direkt in umwelt- oder klimafreundliche Projekte. Das kann die Förderung der Elektromobilität sein, der Ausbau von Windkraftanlagen oder der Bau energieeffizienter Gebäude.

Social Bonds finanzieren soziale Zwecke. Während der Corona-Pandemie etwa haben Organisationen und Institutionen Social Bonds aufgelegt, um den Gesundheitssektor zu stärken oder Arbeitsplätze zu sichern. Auch Investitionen in die soziale Infrastruktur werden über Social Bonds finanziert – also etwa in Schulen oder Krankenhäuser.

Bei nachhaltigen Staats- oder Unternehmensanleihen bezieht sich das „Grüne“ oder „Soziale“ dagegen nicht auf ein konkretes Projekt, sondern auf den Emittenten. Seine Geschäftstätigkeit muss bestimmte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Unternehmen sollten etwa darauf verzichten, mit der Rüstungsindustrie oder anderen umstrittenen Branchen zusammenzuarbeiten. Staaten, deren Anleihen als nachhaltig gelten, können ein Klimaschutzabkommen unterzeichnet oder den Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen haben.

 

Wie suchen nachhaltige Rentenfonds ihre Anleihen aus?

Nachhaltige Rentenfonds können ausschließlich Green Bonds, nur Staatsanleihen oder auch nur Unternehmensanleihen enthalten. Es kann aber auch eine Kombination aus verschiedenen nachhaltigen Anleihen sein. Eine einheitliche Definition, was als nachhaltig gilt, gibt es dabei aber nicht. Die Anleihen, die in einen nachhaltigen Rentenfonds kommen, erfüllen allerdings in der Regel bestimmte Nachhaltigkeitskriterien.

So orientieren sich die Emittenten von Green Bonds und Social Bonds häufig an den „Green Bond Principles“ und den „Social Bond Principles“ des Branchenverbands ICMA. Diese legen fest, wofür die Erlöse aus dem Anleiheverkauf verwendet werden dürfen. Bei Green Bonds kann das die Förderung erneuerbarer Energien sein, sauberer Transport oder der Bau energieeffizienter Gebäude.

Bei nachhaltigen Unternehmens- und Staatsanleihen gehen die Fondsanbieter zunächst meist nach dem Ausschlussprinzip vor. Länder, in denen Korruption herrscht oder die Todesstrafe erlaubt ist, sind tabu. Dasselbe gilt für Unternehmen, die in bedenklichen Geschäftsfeldern tätig sind. Dazu gehören Rüstung, Waffen, Atomkraft oder die Stromerzeugung mit Kohle, weil sie dem Klima schadet. Über das sogenannte „Best-in-Class“-Prinzip werden dann Firmen ausgewählt, die innerhalb ihrer Branche bei der Nachhaltigkeit am besten abschneiden.

„Ergänzt wird diese Auswahl häufig mit sogenannten Positivkriterien“, sagt Jörg Weber vom Branchendienst Ecoreporter, der regelmäßig nachhaltige Anlageprodukte untersucht. So landen gezielt auch Anleihen von Unternehmen in einem Fonds, die im Umweltsektor tätig sind: „Etwa Firmen, die Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien herstellen oder betreiben“, so Weber.

 

Wie funktionieren ETFs mit nachhaltigen Anleihen?

Auch über börsennotierte Indexfonds (ETFs) können Anleger in nachhaltige Anleihen investieren. Anders als bei aktiv gemanagten Fonds sucht bei Ihnen nicht ein Fondsmanager die Werte aus. Die ETFs bilden stattdessen einen Börsenindex nach. So orientiert sich etwa der in der Biallo-Tabelle aufgeführte iShares Corporate Bond ESG-ETF am Vergleichsindex „Bloomberg MSCI Euro Corporate Sustainable Index“. Er enthält nahezu 2500 Unternehmensanleihen.

Ausgeschlossen werden dabei etwa Firmen aus den Bereichen Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen oder Kernenergie. Die Werte im Index müssen außerdem eine überdurchschnittliche Bewertung bei den sogenannten ESG-Kriterien aufweisen. Das Kürzel steht für Environment (Umwelt), Social (Soziales) und Government (Unternehmensführung). Unternehmen, deren Anleihen im Index gelistet sind, sollten in diesen Bereichen möglichst gut abschneiden. Das ist aber längst nicht immer der Fall.

 

Wie nachhaltig sind die Fonds wirklich?

Die meisten nachhaltigen Rentenfonds und ETFs gehen bei der Auswahl ihrer Werte nach dem „Best in Class“-Prinzip vor. Dabei werden die nachhaltigsten Unternehmen aus jeder Branche gewählt – meist gemessen an ihrer ESG-Bewertung. Auf diese Weise landen aber auch Firmen im Fonds, die aus nicht nachhaltigen Branchen stammen: also etwa Kohle-, Mineralöl- oder Luftfahrtfirmen. „In vielen Fonds, die den Begriff Nachhaltigkeit im Namen führen, sind daher Unternehmen enthalten, die der Durchschnittsanleger nicht als nachhaltig bezeichnen würde“, sagt Experte Weber von Ecoreporter.

So schließt etwa einer der größten deutschen Nachhaltigkeitsfonds, der Deka-Nachhaltigkeit Renten zwar unter anderem Unternehmen aus, die mehr als fünf Prozent ihres Umsatzes mit Atomenergie oder Rüstungsgütern erwirtschaften. Auch Anleihen von Staaten, die Atomwaffen besitzen oder als sehr korrupt gelten, kauft der Fonds nicht. Er enthält aber auch Anleihen von Unternehmen aus fragwürdigen Branchen, etwa des umstrittenen Minenkonzerns Anglo American, des Ölkonzerns OMV oder von Fluggesellschaften wie Ryanair.

Ähnliches gilt für den ETF iShares Corporate Bond ESG. Auch darin finden sich Anleihen von Ölkonzernen wie Total, von Chemiefirmen wie die US-Firma Dow Chemical oder vom französischen Autobahnbetreiber Autoroutes du Sud de la France. Anleger können daher nicht ohne Weiteres darauf vertrauen, dass in einem Fonds, der sich nachhaltig nennt, nur Werte stecken, die aus ihrer Sicht nachhaltig sind. Sie sollten sich daher „damit auseinandersetzen, in welche Projekte ihr Geld fließt“, rät die Stiftung Warentest.

 

Wie finden Anleger den passenden nachhaltigen Rentenfonds?

Einen ersten Anhaltspunkt für die Nachhaltigkeit eines Fonds bieten die Bewertungen von Rating-Agenturen. So erhält man bei der Fonds-Ratingagentur Morningstar mit der Fondssuche auch einen Überblick über die Nachhaltigkeitsbewertung für den jeweiligen Fonds. Die Fonds in der Biallo-Tabelle etwa wurden danach ausgesucht, ob sie eine hohe Nachhaltigkeitsbewertung aufweisen. Der Indexanbieter MSCI bietet auf seiner Internetseite ein Rating der Fonds nach ESG-Kriterien. Er führt dabei auch auf, welchen Anteil Anleihen mit einer bestimmten Bewertung im Fonds ausmachen.

Dies sagt allerdings noch nichts darüber aus, in welche Firmen, Staaten oder Projekte ein Fonds konkret investiert. „Das herauszufinden ist für Anleger eine schwierige Aufgabe“, sagt Jörg Weber von Ecoreporter. Dafür müssen sie im Zweifel die Berichte der Fondsgesellschaften heranziehen. Dort sind die einzelnen Positionen eines Fonds in der Regel aufgelistet. „Allerdings weiß man bei der Vielzahl von Firmen oft gar nicht, was die einzelnen Unternehmen so treiben“, sagt Weber. Dennoch sollten Anleger die Anleihenliste eines Fonds zumindest stichprobenartig auf Firmen überprüfen, die möglicherweise nicht zu der eigenen Vorstellung von Nachhaltigkeit passen.

 

Wie schneiden nachhaltige Rentenfonds bei Rendite und Kosten ab?

Nachhaltige Rentenfonds stehen bei der Rendite in der Regel nicht schlechter da als ihre herkömmlichen Pendants. Allerdings wird es wegen der Niedrigzinsen für die Fondsmanager zunehmend schwieriger, nennenswerte Renditen zu erwirtschaften. Dennoch zeigt unsere Tabelle: Einige der nachhaltigen Rentenfonds haben in den vergangenen Jahren vergleichsweise gut abgeschnitten. Zwischen einem und mehr als drei Prozent Rendite pro Jahr sind drin. Das ist mehr als Festgeld mit entsprechenden Laufzeiten bringt. In der Regel schneiden dabei Fonds, die nur Unternehmensanleihen enthalten, besser ab also solche, die auch Staatsanleihen berücksichtigen. Firmenanleihen sind zum Teil deutlich höher verzinst. Sie bergen aber auch ein größeres Risiko.

Wie sich die Renditen in den kommenden Jahren entwickeln werden, ist offen. Die Fonds profitieren derzeit teilweise noch von älteren Anleihen mit langer Laufzeit und einer relativ hohen Verzinsung. „Diese Anleihen laufen aber in den kommenden Jahren aus“, sagt Weber. Sie müssen dann gegebenenfalls durch niedrig verzinste Papiere ersetzt werden. Das kann die Rendite schmälern.

Umso wichtiger ist es für Anleger daher, bei der Auswahl des Fonds auf die Kosten zu achten. Sie liegen bei aktiv gemanagten Fonds deutlich höher als bei den nachhaltigen Renten-ETFs. Gleichzeitig schneiden die ETFs in der Tabelle bei der Rendite nicht unbedingt schlechter ab. Und: Bei aktiv gemanagten Fonds fällt ein Ausgabeaufschlag an. Dieser beträgt bei den Fonds in der Tabelle ohne Rabatt bis zu fünf Prozent. Diese Kosten muss der Fonds mit der Performance erst einmal wieder erwirtschaften.

Aktiv gemanagte Fonds mit Unternehmensanleihen


ISIN Wertentwicklung (in Prozent pro Jahr)
1 Jahr / 2 Jahre / 3 Jahre
Jährliche Kosten (in Prozent)
Ausgabeaufschlag (in Prozent)
Rating für Nachhaltigkeit (1)
Allianz Euro Credit SRI Fonds LU1145633407 3,62 /4,24 /2,34 1,14 5,00 4
JSS Sustainable Bond Corporates LU0950591718 3,52/ 3,34 /1,70 0,83 3,00 4
NN (L) Euro Sustainable Credit (excl. Financials) LU0577843187 1,34/ 2,42 /1,19 0,85 3,00 5
BNP Paribas Euro Multi-Factor Corporate Bond LU1664648380 1,04 /2,38 0,63 3,00 5
Erste Responsible Bond Euro-Corporate AT0000A0PHJ4 1,71 /2,26 /1,18 0,70 3,50 5

ETFs mit Unternehmensanleihen


ISIN Wertentwicklung (in Prozent pro Jahr)
1 Jahr / 2 Jahre / 3 Jahre
Jährliche Kosten (in Prozent)
Ausgabeaufschlag (in Prozent)
 Rating für Nachhaltigkeit (1)
UBS BBMSCI Area Liquid Corporates Sustainable UE LU1484799769 2,08 / 3,30 0,20 0,00 4
iShares EUR Corp Bond ESG IE00BYZTVT56 1,59 /2,51 0,15 0,00 4
Amundi Index Solutions Euro Agg Corporate SRI LU1737653987 1,59 /2,50 0,14 0,00 4
Xtrackers II ESG Corporate Bond LU0484968812
1,57/ 2,50 /1,68 0,16 0,00 4
Lyxor ESG Euro Corporate Bond LU1829219127 1,51/ 2,45 /1,28 0,14 0,00 4

Aktiv gemanagte Fonds mit Staats- und Unternehmensanleihen


ISIN Wertentwicklung (in Prozent pro Jahr)
1 Jahr / 2 Jahre / 3 Jahre
Jährliche Kosten (in Prozent)
Ausgabeaufschlag (in Prozent)
Rating für Nachhaltigkeit (1)
Deka-Nachhaltigkeit Renten CF LU0703711035 3,29 /3,72 /3,00 0,93 2,50 4
Mirova Euro Green&Sustainable Bond LU0914734701 1,40 /3,29/ 0,98 1,07 2,50 5
Erste Responsible Global Impact T AT0000A1EK48 0,61 /2,92 /0,89 0,71 3,50 5
LIGA-Pax-Rent-Union DE0008491226 0,72 /2,31 /1,07 0,64 3,00 4
LBBW Nachhaltigkeit Renten DE000A0X97K7 0,51 /0,91 /0,10 0,91 5,00 5

Auswahl nach Nachhaltigkeitsrating der Agentur Morningstar: mindestens 4 oder 5, Bestnote ist 5; Reihenfolge nach Rendite im Dreijahres-Zeitraum; Quelle: Morningstar, Scope, Mountainview Data GmbH; Stand 10. September 2021


Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

  Andreas Jalsovec