Das zeichnet passiv und aktiv gemanagte Investmentfonds aus

Anlageklassen Das zeichnet passiv und aktiv gemanagte Investmentfonds aus

Peter Rensch
von Peter Rensch
17.12.2018
Auf einen Blick
  • In aktive Fonds fließen Investmententscheidungen und das Risikomanagement eines professionellen Portfoliomanagers ein.

  • Passive Fonds eignen sich für Anleger, die breit diversifiziert investieren möchten und auf geringe Kosten achten.

  • Aktive und passive Fonds ergänzen sich zunehmend. Viele aktive Fondsmanager und Vermögensverwalter nehmen börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, in ihr Portfolio, um Rendite und Risiko zu optimieren.
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Erwerben Sie Anteile eines Investmentfonds, erhalten Sie eine Gewinn- oder Verlustbeteiligung am Fondsvermögen. Je nach Fondsart werden Ihnen die Erträge in regelmäßigen Rhythmen ausgezahlt (ausschüttender Fonds) oder reinvestiert, wodurch sich der Fondswert erhöht (thesaurierender Fonds).

Der Vorteil einer Investition in Fonds liegt einerseits in einem langfristigen Vermögensaufbau, andererseits wird durch eine breite Streuung in Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Währungen, Gold oder Immobilien das Verlustrisiko gesenkt.

Als Anleger können Sie bei Ihrer Investition zwischen aktiven und passiven Fonds wählen. Bei einem aktiven Fonds liegt die Entscheidung, in welche Wertpapiere das Kapital angelegt wird, bei einem Fondsmanager.

Je nach Strategie investiert er mit dem Ziel, eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften – unter Berücksichtigung festgelegter Risikoparameter. Mit Hilfe ausgefeilter Marktanalysen, Erfahrungswerten und Prognosen werden die Investitionsentscheidungen getroffen.

Lesen Sie auch: Thesaurierende und ausschüttende Fonds im Vergleich

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Fondsmanagement entscheidet über die Anlagestrategie

"Wie der Name schon sagt, setzen aktive Fonds auf die aktiven, bewussten Investmententscheidungen eines professionellen Portfoliomanagers und auf ein aktives Risikomanagement. Sie sind somit interessant für Anleger, die eine Outperformance in bestimmten Märkten erzielen möchten, ihr Risiko aktiv steuern lassen wollen oder auch die Entscheidung über die gesamte Asset Allokation an einen professionellen Fondsmanager delegieren möchten", erklärt Hagen Schremmer, Leiter Vertrieb Privatkunden Deutschland beim Vermögensverwalter DWS.

Vorteil: Sie profitieren vom Wissen und der Strategie von Marktspezialisten. Was wiederum zugleich ein Nachteil sein kann. Trifft der Fondsmanager eine Fehlentscheidung, schlägt diese umgehend auf den Wert des Fonds durch.

Wenn Sie nicht über ein ausreichendes Finanzwissen verfügen, kann es sehr schwierig sein, die Anlagestrategie des Fondsmanagements nachzuvollziehen, da es sich nicht selten um komplexe Sachverhalte handelt.

"Aktive Fonds haben den Vorteil, dass sie nicht an eine feste Indexzusammensetzung gebunden sind – das Portfolio kann somit auch kurzfristig angepasst werden, um auf aktuelle Marktentwicklungen zu reagieren", sagt Stephan Kraus, Marktexperte der Deutschen Börse.

  • Biallo-Tipp: In der Regel wird bei einem Investmentfonds durchgehend gemessen, wie er nach Abzug der Kosten zu einem Vergleichsindex performt. Diese Benchmark gibt Ihnen Auskunft über die Entwicklung des jeweiligen Investmentfonds und ermöglicht Ihnen einen Überblick zu den erzielten Renditen, was wiederum eine Prognose für die zukünftigen Gewinnchancen ermöglicht. Doch beachten Sie, dass zurückliegende Wertsteigerungen keine Garantie für positive Entwicklungen in der Zukunft sind, sondern nur Anhaltspunkte. Den jeweils gewählten Vergleichsindex finden Sie unter der Kategorie Fondsperformance.

Achten Sie auf den Vergleichsindex

Ziel des Fondsmanagements ist es, eine bessere Performance zu erzielen als der jeweilige Vergleichsindex. Je nach Marktsituation werden Positionsveränderungen vorgenommen, um die Renditemöglichkeiten zu optimieren. Bei sinkenden Kursen profitieren aktive Fonds von ihrer Flexibilität, da beispielsweise Aktien in Anleihen umgeschichtet werden können.

"In der heutigen Investmentwelt haben aktive und passive Managementansätze ihre Berechtigung. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass viele aktive Fondsmanager ihr Ziel erreichen, einen definierten Vergleichsmaßstab zu schlagen. So haben aktive Manager zum Beispiel die Möglichkeit, in Phasen eines Marktabschwungs die Liquiditätsquote im Fonds zu erhöhen, um die fallende Kursentwicklung zu dämpfen", sagt Andreas Keller, Sprecher von Union Investment.

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Nicht zu unterschätzen: Verwaltungskosten bei aktiv gemanagten Fonds

Das aktive Managen dieser Fonds verursacht einen Verwaltungsaufwand, was sich in höheren Kosten für die Anleger widerspiegelt. Hinzu kommen Kosten für Umschichtungen des Anlagekapitals und sogenannte Fondsbetriebskosten.

  • Biallo-Tipp: Vergleichen Sie bei Ihrer Investition in Fonds vorab die Kosten. Gerade größere Fonds können meist effektiver arbeiten und sind somit günstiger.

"Aktive Fonds können Anleger nutzen, die zusätzliche Chancen wahrnehmen und sich nicht selbst um Anpassungen in ihrem Portfolio kümmern möchten. Beide Wertpapierarten lassen sich flexibel zu aktuellen Preisen an der Börse handeln. Bei aktiven Fonds entfällt dabei der Ausgabeaufschlag. Sowohl bei ETFs als auch bei aktiven Fonds ist das Kapital der Anleger bei einer Insolvenz des Anbieters als Sondervermögen geschützt", so Michael Görgens, Leiter des ETF- und Anleihenhandels an der Börse Stuttgart.

Lesen Sie auch: Fondskosten – Renditekiller Nummer eins

Bei einem Aktienfonds können die Verwaltungsgebühren bis zu drei Prozent betragen. Manche Fonds verlangen zudem noch eine Performancegebühr von bis zu 25 Prozent, die sich an festgezurrten Zielvorgaben orientiert und eine Art Belohnung für die Erfolge des Fondsmanagements darstellt.

Stephan Kraus informiert: "Sowohl aktive Fonds als auch börsengehandelte passive Fonds, besser bekannt als ETFs, ermöglichen es Anlegern, bereits mit kleinen Anlagesummen ein breit gestreutes Investment vorzunehmen. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Fondsprodukten ist das Anlageziel: ETFs verfolgen eine möglichst exakte Nachbildung eines zugrundeliegenden Index, wie zum Beispiel des Dax, der die Wertentwicklung der 30 größten und meist gehandelten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes abbildet. Aktive Fonds zielen hingegen darauf ab, die Wertentwicklung eines solchen Index zu übertreffen, in dem sie andere Bestandteile für den Fonds wählen."

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Bei einem passiven Fonds wird ein Index nachgebildet

Bei einem passiv gemanagten Investmentfonds orientiert sich die Investition an einem gewählten Index. Bei der Auflegung wird der jeweilige Index im Verhältnis 1:1 nachgebildet.

  • Beispiel: Handelt es sich um den Dax als Basis-Index, wird das Anlagekapital ausschließlich und mit entsprechender Gewichtung in die darin enthaltenen Aktien investiert. Sie als Anleger profitieren damit von der kompletten Wertentwicklung des Index, müssen jedoch auch die Verluste einkalkulieren, wenn dieser sich negativ entwickelt. Zu Umschichtungen kommt es nur, wenn es Veränderungen beim jeweiligen Index gibt, beispielsweise neue Werte hinzukommen oder herausfallen.

Dazu Hagen Schremmer: "Passive Fonds wie ETFs sind sehr geeignet als effizientes und kostengünstiges Instrument, um einzelne Märkte eins-zu-eins abzubilden. Sie zeichnen sich zudem durch untertägige Handelbarkeit und hohe Liquidität aus. Daher eignen sie sich für Investoren, die die Entwicklung einer Anlageklasse, einer Region oder einer Branche in ihrem Portfolio abbilden wollen. Und ebenso für Anleger, die die Allokationen in ihrem Portfolio selbst taktisch auf- und abbauen möchten."

Niedrige Gebühren beim passiv gemanagten Fonds

Passive Fonds unterscheiden zwischen Performanceindizes, bei denen Dividendenzahlungen mitberücksichtigt werden und Kursindizes, bei denen Dividenden keinen Einfluss nehmen.

Die Vorteile passiver Fonds erläutert Stephan Kraus: "Ein ETF ist in der Regel deutlich kostengünstiger als ein aktiv verwalteter Fonds, da die Fondsverwaltung auf eine möglichst effiziente Indexnachbildung optimiert ist. Das wirkt sich positiv auf die Gesamtrendite des Anlegers aus, denn die höhere Verwaltungsgebühr eines aktiven Fonds muss erst einmal vom Fondsmanager erwirtschaftet werden. Durch den transparenten Aufbau eines ETF ist es für den Anleger auch jederzeit einsehbar, welche einzelnen Bestandteile im Fonds enthalten sind."

Ähnlich sieht dies auch Michael Görgens: "ETFs eignen sich für Anleger, die breit diversifiziert investieren möchten und dabei vor allem auf geringe Kosten und gute Nachvollziehbarkeit achten."

Ein passiver Fonds kann keine höhere Rendite erzielen als sein Index, da er diese Wertentwicklung 1:1 darstellt. Deshalb sind in der Regel die Ertragschancen etwas niedriger einzuschätzen als bei einem aktiv gemanagten Fonds, da hier das Fondmanagement den Vergleichsindex übertreffen will. Dafür sind die Verwaltungsgebühren beim passiven Fonds mit durchschnittlich 0,5 Prozent günstiger. Und nicht jeder Anleger möchte von den Entscheidungen eines Fondsmanagements abhängig sein.

Noch einmal Andreas Keller: "Ein Vorteil des passiven Anlagestils mit ETFs hingegen ist, dass sich Anleger einen gesamten Markt beziehungsweise Index ins Depot kaufen und gewiss sein können, dass sie wie der Markt abschneiden – abzüglich der ETF-Kosten. Union Investment ist ein aktiver Portfoliomanager, der mit seinen Investmententscheidungen darauf abzielt, ein klar definiertes Anlageziel zu erreichen, etwa indem die Performance eines festgelegten Referenzindex übertroffen werden soll. Wir setzen zwar vereinzelt ETFs in unseren Portfolien ein, wenn bestimmte Marktsegmente oder Marktregionen so effizient sind, dass ein Mehrwert schwer erzielbar erscheint. Bei Union Investment haben wir uns jedoch grundsätzlich einem aktiven Anlagestil verschrieben und werden selbst keine ETFs produzieren und anbieten. Denn ETFs können immer nur ein Einzelbaustein sein und kein Lösungskonzept für die Vermögensanlage des Kunden."

Gerade in Marktphasen mit höheren Schwankungen laufen Kunden, die nur in ETFs investiert sind, Gefahr, dass sie zu lange in der falschen Anlageklasse investiert bleiben.

Abschließend Stephan Kraus: "Grundsätzlich haben also beide Produktgruppen ihre Daseinsberechtigung. Viele Studien zeigen aber, dass es nur wenige aktive Fonds langfristig schaffen, besser als ein vergleichbarer ETF abzuschneiden. Wer als Einsteiger langfristig Geld zur Seite legen möchte, für den sind breit gestreute ETFs ein sinnvolles Investment."

Ähnlich kommentiert dies der DWS-Experte Hagen Schremmer: "Beide Instrumente, aktive und passive Fonds, ergänzen sich zunehmend. So setzen viele aktive Fondsmanager, oder auch Vermögensverwalter, ETFs in der strategischen oder taktischen Asset Allokation ein, um liquide und effizient in bestimmte Märkte umzuschichten. Bei beiden Investmentstilen sind heute sowohl private als auch professionelle Anleger zu finden, das sehen wir auch bei unseren Kunden."

  • Fazit: Ein aktiver Fonds verspricht augenscheinlich höhere Renditechancen, die Kosten sind jedoch höher, bei einem passiven Fonds profitieren Sie von der Wertentwicklung des jeweiligen Index. Welche Fondsart für Sie am besten geeignet ist, hängt von Ihrem Anlageziel und Anlageverhalten ab.

Biallo-Tipp

Wer seine Geldanlage nicht selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Hier gibt es Vermögensverwaltung, Depotführung, Transaktions- und Fondskosten bereits für unter einem Prozent des Anlagevolumens. Anbieter wie Visualvest und Investify bieten auch Themenschwerpunkte für nachhaltiges Investieren. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

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ist gelernter Bankkaufmann und war zuletzt sieben Jahre Chefredakteur bei Springer Fachmedien in Wiesbaden. Dort war er verantwortlich für die Print- und Online-Objekte Bankmagazin, Bankfachklasse und SalesBusiness. Seit 2011 ist er freier Journalist und hat sich auf Finanz- und Verbraucherthemen spezialisiert.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de