Umwelt- und Ethikbanken

Nachhaltige Banken: Mit einem grünen Girokonto Gutes tun

15.10.2020
Auf einen Blick
  • Mit ihren Bankgeschäften können Verbraucher zu Klimaschutz und weiteren nachhaltigen Entwicklungen beitragen.

  • Die einzelnen Ökobanken stellen unterschiedliche Nachhaltigkeitskriterien in den Fokus und auch konvenitonelle Banken richten ihre Angebote auf Nachhaltigkeit aus.

  • Welche "grünen Girokonten" gibt es und was kosten Sie?

  • Den kompletten Ratgeber gibt es auch als PDF-Download.

Mit den eigenen Bankgeschäften für eine gute Zukunft sorgen: Grüne Girokonten machen es möglich.
circlephoto / shutterstock.com

Sparer und Anleger, die Wert darauf legen, dass mit ihrem Geld nachhaltig gewirtschaftet wird, stoßen in der Bankenwelt auf ein Marktsegment. Weit mehr als ein Dutzend Geldhäuser richten ihr Geschäft konsequent so aus. Sie haben einen ökologischen oder sozialen Impetus, manche einen kirchlichen Hintergrund. Eine Reihe dieser „Nachhaltigkeitsbanken“ sind seit Jahrzehnten im Markt, teils reichen die Wurzeln weiter zurück. Sie bieten die gängigen Finanzprodukte und -dienstleistungen, von Girokonten, Krediten und Sparanlagen bis hin zu Fonds.

Seit einer Weile erschließen Start-Up-Unternehmen der Finanzwirtschaft, sogenannte Fintechs, diesen Markt – etwa mit „grünen“ Online-Girokonten. Und auch konventionelle Banken bewegen sich in Richtung Grün, das gilt besonders für das Geschäft mit Wertpapieren. Finanzprodukten wie Giro- oder Sparkonten bei solchen Geldhäusern liegt in den meisten Fällen kein ethisch-ökologischer Ansatz zugrunde.

Unter den Nachhaltigkeitsbanken gibt es Direktbanken und Institute, die einige Filialen betreiben. Das Produktspektrum unterscheidet sich zum Teil von Bank zu Bank deutlich, ebenso Preise und Gebühren. Zudem differieren die Nachhaltigkeitsstrategien.

Biallo-Tipp: Dividenden von bis zu zehn Prozent

Ein interessantes Angebot, wenn Sie nicht nur auf der Suche nach einem nachhaltigen Girokonto, sondern auch nach einer gut verzinsten Geldanlage sind: die Mitgliedschaft bei einer Genossenschaftsbank. Es winken Dividenden von bis zu zehn Prozent. Dabei gehen manche Genossenschaftsbanken sogar bundesweit auf Mitgliederfang. Mehr dazu lesen Sie in unseremRatgeber:  Die besten Dividenden bei Volksbanken.


Wie viel Geld liegt bei Nachhaltigkeitsbanken?

Nach einer Erhebung unter 16 Nachhaltigkeitsbanken beliefen sich deren Kundeneinlagen Ende 2019 auf insgesamt 40,9 Milliarden Euro, das waren 2,3 Milliarden Euro mehr als im Dezember 2018. Gut 25 Milliarden Euro davon flossen in Unternehmenskredite zur Finanzierung eines ökologischen oder sozialen Mehrwerts. Das berichtet der Verband „Forum Nachhaltige Geldanlagen“ (FNG). Zum Vergleich: Die Einlagen von Privathaushalten und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck bei allen deutschen Banken beziffert die Deutsche Bundesbank im ersten Quartal 2020 auf 1.567,8 Milliarden Euro.

So vergleichsweise klein das Einlagevolumen bei den Nachhaltigkeitsbanken ist, es wächst kontinuierlich. Das FNG taxiert das Wachstum bei Girokonten, Sparbüchern und Tagesgeld auf durchschnittlich fünf Prozent im Jahr. „Wir erwarten, dass die Vorgaben der Europäischen Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums die Entwicklung stark beschleunigen“, sagt FNG-Referent Simon Dittrich. Unter anderem soll ab 2021 Nachhaltigkeit in Anlageberatungsgesprächen grundsätzlich thematisiert werden. Überdies sollen Offenlegungspflichten für Geldhäuser gelten. Bis dato erfahren viele Sparer kaum etwas darüber, inwieweit zum Beispiel im Kreditgeschäft ethisch-ökologische Kriterien herangezogen werden. „Banken bleiben in Berichten zu ihrer unternehmerischen Verantwortung oft vage“, resümierte die Stiftung Warentest im Jahr 2019. 

Was bedeutet „nachhaltig“?

Nachhaltigkeitsbanken legen offen, in welche Branchen und Projekte sie das Geld von Kunden investieren. Sie listen die ESG-Kriterien (Environmental Social Governance) – also Kriterien im Hinblick auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – im Einzelnen auf, nach denen sie ethisch fragwürdige Kreditvergaben ausschließen oder, im umgekehrten Fall, nachhaltige Unternehmungen auswählen. Die Finanzierungsschwerpunkte unterscheiden sich. Das gilt auch für den Gesichtspunkt, ob kritische Geschäftsfelder vollständig oder nur weitgehend außen vor bleiben.

Wann von Nachhaltigkeit die Rede sein kann, dafür gibt es nach wie vor keine einheitlichen Regeln. Der am häufigsten verwendete definitorische Ansatz baut auf Negativkriterien auf, auch Ausschlusskriterien genannt. Umwelt- und Ethikbanken verwenden eine Vielzahl solcher Kriterien. Biallo hat exemplarisch bei einigen Instituten nachgefragt, inwieweit aus ökologischer und sozialer Sicht besonders relevante Ausschlusskriterien erfüllt sind. Alle befragten Banken vergeben Kredite ausschließlich auf der Grundlage der ESG-Kriterien. Dabei werden je nach Bank neben Negativkriterien weitere Selektionsansätze angewandt. Kredite fließen gezielt in den Ausbau erneuerbarer Energien, ökologische Bauvorhaben und nachhaltige Landwirtschaft. Weitere Investitionsschwerpunkte sind Bildung, Gesundheit, Altenpflege und Kultur.

Selbstverpflichtung, ESG-Kriterien und Engagement

Ein Bild davon, wie sich „grüne“ Banken von anderen abheben, zeichnet das Onlineportal Fairfinanceguide. Dahinter stehen die Nichtregierungsorganisation Facing Finance, die Verbraucherzentrale Bremen und das Südwind-Institut. Sie beleuchten, inwieweit die von Banken veröffentlichten Selbstverpflichtungen mit internationalen Nachhaltigkeitsstandards übereinstimmen. Aktuell sind auf der Website, die von der Stiftung Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen unterstützt wird, 16 Geldhäuser aufgeführt. Das im Ranking am besten abschneidende konventionelle Geldhaus erfüllt 55 Prozent der Bewertungskriterien. Die Werte für die grünen Banken liegen zwischen 80 und 95 Prozent.

Auch Ratingagenturen sehen große Unterschiede: "Umwelt- und Ethikbanken sind ihren Nachhaltigkeitsstrategien anderen Banken meist weit voraus. Das betrifft die Güte der ESG-Kriterien, die Härte der Ausschlüsse und zeigt sich an der Transparenz gegenüber Kunden und optional gegenüber der Öffentlichkeit“, sagt Michael Zahn von der Nachhaltigkeitsratingagentur „imug“. "Viele konventionelle Institute wenden ESG-Kriterien nicht umfassend an, sondern nur in einigen Bereichen wie beispielsweise der Vermögensverwaltung", erklärt der Experte.

Das bedeutet nicht, dass konventionelle Kreditinstitute in jedem Fall zwangsläufig weniger in ökologischer oder sozialer Hinsicht anstoßen als alternative Banken. FNG-Referent Simon Dittrich verweist auf den Anlageansatz „Engagement“. Der Begriff steht für das Bestreben von Investoren, Unternehmen dahingehend zu beeinflussen, ethischen Faktoren Rechnung zu tragen. „Eine große Bank, die Engagement betreibt, kann im Vergleich zu einer kleinen Spezialbank viel  bewirken“, sagt Dittrich.

Wie steht es um Nachhaltigkeit bei konventionellen Banken?

Aus Studien, etwa der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald, geht hervor, dass die Mehrzahl der deutschen Geldinstitute die Kohle-, Atom- und Rüstungsindustrie mitfinanziert. "Die Banken reagieren zunehmend auf den öffentlichen Druck und schränken klimaschädliche und andere unethische Geschäfte immer mehr ein. Doch ihre Schritte sind noch zu langsam und zu klein“, erklärt Urgewald.

Als positives Beispiel nennt die Organisation die Sparda Bank München. Sie verfolge „einen ganzheitlichen, wenn auch nicht vollkommen konsequenten, Ansatz in Sachen Ethik und Nachhaltigkeit“. Sie schließt für Eigenanlagen unter anderem Geschäfte in Verbindung mit Kohle, Gas, Erdöl und kontroversen Waffen aus. Überdies erstellt das genossenschaftliche Institut jährlich eine sogenannte Gemeinwohl-Bilanz. Ihr lässt sich zum Beispiel entnehmen, wie groß der „ökologische Fußabdruck“ der Bank ist, wie gerecht die Einkommensverteilung ist und wie transparent sie sich gegenüber Kunden zeigt. Ein weiteres Beispiel für ein genossenschaftliches Institut, das Nachhaltigkeit in den Fokus rückt, ist die Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing. 

Unter den Sparkassen verweisen die Marktbeobachter von Urgewald auf die Sparkasse Hannover. Im Vergleich zu anderen Sparkassen sei sie „auf niedrigem Niveau, erkennbar ambitionierter“, sagt Urgewald-Sprecher Moritz Schröder-Therre. Ein anderes Beispiel sei die Sparkasse Köln-Bonn, die Richtlinien zum Ausschluss von Kohlefinanzierung entwickle. „Das ist alles noch ganz und gar nicht ethisch konsequent, aber es tut sich etwas im Sparkassensektor“, sagt Schröder-Therre.

Im neuen Banken-Vergleich von Fairfinanceguide deckt die Sparkasse Köln-Bonn 52 Prozent der Bewertungskriterien ab. Besser bewertet werden unter den konventionellen Geldhäusern nur die Direktbank ING (55 Prozent) und die Landesbank Baden-Württemberg (53 Prozent). Am Ende des Rankings sind die DZ Bank (31 Prozent), die Bayerische Landesbank (27 Prozent) und die Stadtsparkasse Düsseldorf (17 Prozent) gelistet.

Wie die 25 größten deutschen Geldhäuser mit dem Thema umgehen, hat die Ratingagentur „imug“ im Jahr 2019 in einem „ESG-Stresstest“ untersucht. Unter den ersten vier Banken in diesem Ranking taucht – neben drei Immobilienfinanzierern – die Deutsche Kreditbank (DKB) auf. Die Direktbank schneidet im vierstufigen Rating von D (negativ) bis AAA (sehr positiv) mit BB (positiv) ab. Auf den letzten Plätzen landen die Deutsche Bank und die Landesbank Berlin, beide mit CC.

Fairfinanceguide stuft die DKB im Mittelfeld ein (44 Prozent). Im Gegensatz zu den anderen aufgeführten Privatbanken, ergibt die Recherche bei diesem Geldhaus hinsichtlich der Geschäftspraxis keine finanzielle Verbindung zu Rüstungs-, Rohstoff- und Bergbauunternehmen, auf die Facing Finance in seinen Berichten über „Dirty Profits“ hinweist. Das Geldinstitut mit Sitz in Berlin fokussiert bei Kreditvergabe auf der Basis der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) der Vereinten Nationen auf acht Kundengruppen. ESG-Positivkriterien sind beispielsweise „Wohnen“, „Gesundheit und Pflege“, „Energie und Versorgung“ oder „Kommunen, Bildung, Forschung“. Zusätzlich gelten Negativkriterien wie „Wirtschaftskriminalität“ und „Geldwäsche“. Die Kredite der DKB auf der Basis von ESG-Kriterien summierten sich 2019 auf mehr als 54 Milliarden Euro. Das waren nach Angaben der Bank fast 78 Prozent des gesamten Kreditportfolios. Rund zehn Milliarden Euro davon waren laut Nachhaltigkeitsbericht für den Ausbau erneuerbarer Energien.

Unterschiedlich weit in der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit sind auch die vier größten Anbieter von Publikumsfonds – DWS, Union Investment, Allianz und Deka – auf sie entfallen laut Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) mehr als zwei Drittel des Absatzvolumens. Die umfassendsten Ausschlussregeln für Kohleinvestments bei allen Fonds wendet Urgewald zufolge Union Investment an, dennoch gelange frisches Kapital in Kohlefirmen. Die Deka habe erst kürzlich „deutlich schwächere“ Regeln festgelegt, heißt es. Ebenso fänden sich in DWS-Fonds Namen von Kohlekraftwerksplanern. Die Allianz habe nur für die eigenen Geldanlagen Schranken gegenüber der Kohlewirtschaft eingeführt, nicht aber für das Fondsgeschäft. Auch in die Rüstungsindustrie leiten die Fondsgesellschaften Geld. „Positive Ausnahme bilden zum Teil die Nachhaltigkeitsfonds der vier Anbieter“, berichtet die Umweltorganisation.

Rechner giroonline
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Online-Girokonto
 
Anbieter
Monatspreis
Dispozinsen
Jahrespreis
Girocard
 
1.
0,00 €
Sofortdispo 6,65%
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Sofortdispo 6,99%
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ING
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Sofortdispo 7,25%
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Nachhaltige Banken im Überblick

Wer bei einer grünen Spezialbank ein Konto eröffnet und sicher gehen will, dass bestimmte Branchen mit seinem Geld nicht finanziert werden, sollte sich die ESG-Kriterien im Einzelnen ansehen. Unterschiede zwischen Geldhäusern zeigen sich zum Beispiel in puncto fossile Energieträger, Atomenergie, Waffen- und Rüstungsgüter. Geldhäuser, die all das komplett von Investitionen ausschließen, sind die Triodos Bank, GLS-Bank, Umweltbank und Ethikbank. Andere räumen teils Toleranzwerte ein, was den Umsatzanteil des Kreditnehmers in fragwürdigen Geschäftsfeldern angeht.

In der Niedrigzinsphase ist bei Nachhaltigkeitsbanken – wie bei anderen Geldhäusern – das Angebot an Sparprodukten ausgedünnt. Tagesgeld und längerfristige Sparanlagen bringen kaum oder keine Zinsen. Auch berechnen einige grüne Banken inzwischen Negativzinsen bei höheren Einlagen auf dem Tagesgeldkonto oder Tagesgeld- und Girokonto. Das sehen etwa Triodos Bank, GLS Bank, Umweltbank, Ethikbank und Steyler Bank vor. Insgesamt rund 190 Banken und Sparkassen verlangen aktuell Negativzinsen im Privatkundenbereich. Das ergab eine Untersuchung von biallo.de bei knapp 1.300 Instituten.

Triodos Bank

Die Triodos Bank ist die größte Nachhaltigkeitsbank in Europa. Sie wurde 1980 in den Niederlanden gegründet und ist in vier weiteren europäischen Ländern vertreten. Seit 2010 agiert die Direktbank in Deutschland, wo sie nach eigenen Angaben 30.000 Kunden hat, rund die Hälfte davon mit Girokonto. Das Produktportfolio für Privatkunden umfasst neben Konten und Kreditkarten, Sparanlagen sowie einige Fonds; bei den Wertpapieren handelt es sich um Triodos-Produkte und Fonds anderer Anbieter, alle erfüllen die ESG-Kriterien der Bank.

Der Grundpreis für das Girokonto beträgt 5,50 Euro. Zur Orientierung: Nach Biallo-Recherchen lag der Preis für das Online-Konto bei Banken und Sparkassen im zweiten Quartal 2020 bundesweit im Schnitt bei 3,83 Euro. Mit der Mastercard von Triodos – sie kostet 39 Euro im Jahr – können Kunden weltweit an den meisten Bankautomaten mit Mastercard-Zeichen Bargeld kostenlos abheben. Die einfache Bankkarte „girocard“ kostet jährlich 15 Euro, beim Abheben am Automaten, fallen Gebühren der jeweiligen Automatenbetreiber an.

GLS-Bank

Die GLS-Bank ist eine eingetragene Genossenschaft. Die Gründung reicht auf das Jahr 1974 zurück. Aktuell zählt die Genossenschaft mehr als 45.000 Mitglieder. Die Bank ist Mitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). Sie hat ihren Hauptsitz in Bochum und Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Freiburg und München. Das Produkt- und Dienstleistungsspektrum ist breit, es gibt Sparanlagen, Baufinanzierungen, Geldanlagen wie Aktienfonds, Mikrofinanzfonds und Crowdinvestments. Überdies vermittelt die Bank ethisch-ökologische Versicherungsprodukte für die Altersvorsorge. Bei der Eröffnung eines Girokontos kann der Kunde wählen, was mit seinen Einlagen finanziert werden soll – etwa das Gesundheits- oder Bildungswesen, regenerative Energien oder Kulturprojekte.

Das Girokonto schlägt monatlich mit 8,80 Euro zu Buche, im Preis enthalten ist ein Grundbeitrag in Höhe von fünf Euro. Das Konto steht auch Nichtmitgliedern offen. Dem vergleichsweise hohen Preis steht gegenüber, dass das Geldhaus bei Kontoüberziehungen bis zu einer Höhe von 10.000 Euro keinen Dispozins erhebt. Die Debitkarte „Bankcard“ zum Girokonto kostet jährlich 15 Euro. Kunden können mit ihr an den Bankautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken gebührenfrei Bargeld ziehen. Der Jahresgebühr für die Kreditkarte – Mastercard oder Visa Card – beträgt für Nichtmitglieder 30 Euro. Mitglieder der Genossenschaft zahlen für eine solche Karte nichts, die Mitgliedschaft setzt den Erwerb von fünf Genossenschaftsanteilen voraus, ein Anteil kostet 100 Euro. Dafür zahlt die GLS Bank eine Jahresdividende zwischen einem und drei Prozent.

Umweltbank

Die Umweltbank gibt es seit Mitte der 1990er-Jahre. Die Direktbank hat ihren Sitz in Nürnberg. Sie ist das einzige grüne Geldhaus, das an der Börse gelistet ist. Seit Gründung hat es eigenen Angaben zufolge mehr als 23.000 Umweltprojekte in Deutschland finanziert. Das Kreditvolumen entfällt größtenteils auf Solarenergieprojekte, dahinter folgen Wohnimmobilien sowie Wind- und Wasserkraftprojekte. Die Zahl der Kunden liegt bei 120.000. Die Bank bietet Privatkunden ethisch-ökologische Sparanlagen, Wertpapiere, Versicherungsprodukte und Baufinanzierungen. Baukredite gibt es speziell auch für Bauherren, die sich zu Baugemeinschaften zusammentun.

Ein Girokonto wird nicht angeboten.

Ethikbank

Die Ethikbank wendet Ausschlusskriterien ähnlich stringent an, sie klammert nahezu alle abgefragten kritischen Geschäftsfelder aus – allein für die Agrochemie-Sparte trifft das nicht zu. Die bundesweit tätige Direktbank ist ein Tochterunternehmen der Volksbank Eisenberg in Thüringen und wurde im Jahr 2002 gegründet. Zum Angebot gehören Girokonten und Karten, Verbraucherkredite, Baufinanzierungen sowie Sparanlagen und Fonds. Die Fonds sind keine eigenen Produkte, sondern stammen von Union Investment, der Investmentgesellschaft der DZ Bank. Darunter befindet sich ein Nachhaltigkeitsfonds, der sämtliche ESG-Kriterien der Ethikbank  erfüllt. Kunden, die eine Baufinanzierung benötigen, bietet das Geldhaus Zinsen, die geringer ausfallen, desto ökologischer das Bauvorhaben ist. Kriterien sind „Energieeffizienz“, „regenerative Energien“ und „ökologische Baustoffe“. Die Bank zählt rund 36.000 Kundenkonten, bei 20.000 handelt sich um Girokonten.

Der Grundpreis für das Girokonto beträgt 8,50 Euro. Für die Debitkarte werden 15 Euro im Jahr fällig, mit ihr kann man die Geldautomaten der Volks- und Raiffeisenbanken kostenlos nutzen. Für die  Mastercard verlangt das Institut jährlich 35 Euro – wenn der Umsatz damit unter 4.000 Euro liegt.

Evangelische Bank

Die Evangelische Bank ist die größte Kirchenbank Deutschlands. Das genossenschaftliche Geldhaus ging 2014 aus der Verschmelzung zweier evangelischer Kreditinstitute hervor. Der Hauptsitz ist in Kassel, Geschäftsstellen gibt es in Kiel, Hamburg, Schwerin, Berlin, Hannover, Eisenach, Erfurt, Frankfurt, Speyer, Karlsruhe, Stuttgart, Nürnberg und München. Die Kirchenbank räumt bei mehreren ESG-Ausschlusskriterien Toleranzwerte ein. So toleriert sie beispielsweise bei der Kreditvergabe Unternehmen, die einen Teil des Umsatzes durch Produktion thermischer Kohle und Energiegewinnung aus Kohle erwirtschaften. Auch Firmen, die in der Rüstungs- und Atomwirtschaft aktiv sind, sind nicht gänzlich vom Kreditgeschäft ausgeschlossen. Toleranzwerte gelten zudem für Umsätze mit Gentechnik in der Landwirtschaft und im Glücksspiel. Das Angebot umfasst  gängige Finanzprodukte, Tages- oder Festgeldkonten für Privatkunden gibt es derzeit nicht. Die Fonds, die die Evangelische Bank vermittelt, sind von Union Investment, die Versicherungsprodukte von der R V Versicherung.

Es stehen mehrere Girokonto-Modelle zur Auswahl. Beim Konto „EB Smart“ fällt keine monatliche Grundgebühr an, Aus- und Einzahlungen am Geldautomaten des VR-Bank-Netzes kosten jedoch 2,00 Euro. Kostenlos gibt es bei diesem Modell eine digitale Debitkarte, als Plastikkarte kostet sie 0,75 Euro pro Monat. Die Gebühr für die einfache Kreditkarte beträgt zwei Euro pro Monat, für die „Goldcard“ sind monatlich 6,50 Euro zu bezahlen. Das Girokonto „EB-Online“ schließt neun kostenlose Transaktionen am Geldautomaten ein, ab der zehnten werden 2,00 Euro fällig. Die monatliche Grundgebühr für dieses Konto beläuft sich auf 2,95 Euro, die Kartenpreise sind die gleichen. Das Geldhaus führt nach eigenen Angaben derzeit rund 48.000 Girokonten für Privatkunden.

Pax Bank

Die Pax Bank ist ein katholischer Finanzdienstleister. Sie wurde 1917 von Priestern in Köln gegründet, wo sich auch heute noch der Hauptsitz befindet. Das genossenschaftlich organisierte Institut betreibt Filialen in Köln, Aachen, Mainz, Trier, Essen, Erfurt und Berlin – zudem gibt es eine Geschäftsstelle in Heilbad Heiligenstadt sowie eine Repräsentanz in Rom. Kunden des Geldhauses sind Bistümer, Ordensgemeinschaften, Kirchengemeinden und gemeinnützige soziale Einrichtungen. Darüber hinaus ist die Bank im Privatkundengeschäft tätig. Bei Krediten und Investments nimmt die Pax Bank einige kritische Geschäftsfelder in geringem Umfang in Kauf. Das gilt für Kohleverstromung, das Geschäft mit Ölsanden und Teerschiefern sowie Atomstrom. Toleranzwerte sind überdies für Umsätze mit Glücksspiel und Gentechnik in der Landwirtschaft vorgesehen. Das Geldhaus bietet die Leistungen einer Universalbank. Schwerpunkte im Privatkundengeschäft sind Vermögensverwaltung und Baufinanzierung. Gut 14 Prozent aller nachhaltigen Finanzierungen gingen 2019 laut Geschäftsbericht an Privatkunden, überwiegend an Häuslebauer. Zu den Publikumsfonds, die die Pax-Bank vertreibt, gehören selbst aufgelegte Fonds sowie Produkte von Union Investment. Das Portfolio beinhaltet darüber hinaus Mikrofinanzfonds, Aktien, Anleihen und Zertifikate.

Für das Online-Girokonto zahlen Privatkunden eine Monatsgebühr in Höhe von 3,50 Euro. Das Filialkonto kostet monatlich 7,00 Euro. Die Debitkarte dazu gibt es kostenlos. Der Jahrespreis für die Kreditkarte (Basiccard) – Master oder Visa – beträgt in beiden Fällen 20 Euro. Mit der Debitkarte können Kunden kostenlos Bargeld an den Geldautomaten der Pax-Bank, der Cashpool-Partner sowie an den Automaten der Volks- und Raiffeisenbanken abheben.

Steyler Bank

Hinter der Steyler Bank steht die katholische Ordensgemeinschaft der Steyler Missionare. Sie ist eine Direktbank und existiert seit 1964. Die Geschäftsstelle befindet sich in Sankt Augustin bei Bonn, eine weitere Niederlassung gibt es in Österreich. Zur Klientel zählen Privatkunden wie auch institutionelle Kunden innerhalb und außerhalb der Kirche. Das Kreditgeschäft besteht laut Geschäftsbericht „zum überwiegenden Teil aus Finanzierungen von eigen- und fremdgenutztem Wohneigentum“. Gewinne der Bank dienen zur Finanzierung von Hilfsprojekten. Die ESG-Kriterien des Geldhauses sind teils mit Toleranzwerten unterlegt. Fossile Energieträger werden im Geschäft mit Wertpapieren nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen. Das ist auch bei Waffen- und Rüstungsgütern sowie Glücksspiel der Fall. Das Portfolio umfasst Konten, Karten, Spar- und Geldanlagen, Kredite und Versicherungen. Die Steyler Bank legt selber Fonds auf und hat Wertpapiere anderer Anbieter im Programm.

Für das Girokonto erhebt sie 5,00 Euro Monatsgebühr, für die Debitkarte werden 8,00 Euro pro Jahr fällig. Die Kreditkarte – Master oder Visa – kostet jährlich 30 Euro. Bargeldauszahlungen sind mit der Debitkarte an Geldautomaten der Steyler Bank und der Cashpool-Gruppe gebührenfrei.

Evenord-Bank

Die Evenord-Bank wurde 1961 ins Leben gerufen. Sie hat eine Geschäftsstelle in Nürnberg und ist regional tätig. Das genossenschaftliche Institut hat sich der Finanzgruppe der Volks- und Raiffeisenbanken angeschlossen. Seit 2015 steuert es seine Geschäfte nach ethisch-ökologischen Grundsätzen. Das ESG-Regelwerk ist vergleichsweise durchlässig. Nicht tabu sind Kredite für Massentierhaltung, Gentechnik in der Landwirtschaft, Glücksspiel und Agrochemie. Toleranzwerte gelten grundsätzlich für Investments im Zusammenhang mit dem Abbau von Kohle und der Förderung von Erdöl. Was Finanzprodukte und -dienstleistungen betrifft, ist die Genossenschaftsbank breit aufgestellt. Das Spektrum reicht von Girokontomodellen und Festgeldkonten bis zu Versicherungsprodukten. Die Fonds kommen aus dem Portfolio von Union Investment. Die Versicherungsprodukte sind von R V.

Die monatliche Kontoführungsgebühr für das Online-Girokonto beläuft sich auf 2,90 Euro. Der Preis für die Debitkarte liegt bei 12,00 Euro im Jahr, die Kreditkarte kostet jährlich 35 Euro. Abheben von Bargeld am Automaten kostet 0,40 Euro, Einzahlungen am Automaten 1,00 Euro.

PDF-Download

Wir haben die Investitionskriterien der Nachhaltigkeitsbanken in einem  PDF für SIe zusammengefasst. 

Wo gibt es kostenlose „grüne“ Girokonten?

Mit dem Girokonto-Vergleich von biallo.de können Verbraucher rund 5.000 Kontomodelle von mehr als 1.000 Banken und Sparkassen vergleichen. Trotz weitreichender Gebührenerhöhungen finden sich auch weiterhin kostenlose Girokonten – auch solche mit einem Nachhaltigkeitsansatz. Kostenlos nach der Definition der Verbraucherschützer bedeutet: keine Kontoführungsgebühr, kein Mindestgeldeingang, kostenlose Debitkarte, keine Kosten für Überweisungen.

Ein Geldhaus, das der Fachverband FNG seit Neuem zu den Spezialbanken mit "Nachhaltigkeitsfokus" zählt, ist die Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing. Sie  ist eine von bundesweit neun VR-Banken,  die ein kostenloses Girokonto anbieten. Das Geldhaus überlässt es Kunden zu entscheiden, wofür Einlagen eingesetzt werden. Das Geld dient immer für Projekte in der Region. Zur Auswahl stehen zum Beispiel Umweltprojekte, Kredite für Betriebe vor Ort oder für Menschen, die ein Eigenheim errichten oder ihr Studium finanzieren wollen.

Ein Fintech, das grüne Girokonten anbietet, ist Tomorrow. Das Start-Up, das selbst keine Banklizenz hat, kooperiert mit der ebenfalls noch jungen Solarisbank. Die sieht sich als „Banking-as-a-Service-Plattform“ und ermöglicht es Unternehmen ohne Banklizenz, Finanzdienstleistungen anzubieten. Die Solarisbank selbst ist keine Nachhaltigkeitsbank. Tomorrow hat eine Banking-App entwickelt. Girokonto-Kunden unterstützen mit jeder Kartenzahlung Umweltprojekte. Ein Teil des Interbankenentgelts, das bei jeder Kartenzahlung der Finanzdienstleister erhält, fließt laut Unternehmen in solche Projekte. Dazu kooperiert das Start-Up mit „Climate Partner“, einem Anbieter von CO2-Zertifikaten. Daneben legt Tomorrow einen Teil der Kundeneinlagen nachhaltig an. Investiert wird in einen Mikrofinanzfonds und einen Green Bond der Förderbank Nordrhein-Westfalen. „Kein Cent dieser Einlagen fließt in gestrige Branchen wie Rüstung, Massentierhaltung oder Kohlekraft“, betont der Finanzdienstleister. Von den Einlagen der laut Website 40.000 Kunden stecken knapp zehn Millionen Euro in nachhaltigen Projekten. „Geld, welches nicht investiert ist, ist bei der Bundesbank geparkt“, heißt es.

Ein großes Geldhaus mit kostenlosem Girokonto und nachhaltiger Ausrichtung ist die DKB. Das Kontomodell „DKB Cash“ der Direktbank, die vier Millionen  Kunden ausweist, eignet sich besonders für Menschen, die oft im Ausland unterwegs sind. Denn zum Konto gibt es eine gebührenfreie Visakarte. Auf wessen Konto monatlich mindestens 700 Euro eingehen, der kann mit der Karte weltweit kostenlos Bargeld abheben. Allein Gebühren, die Automatenbetreiber in ein paar Ländern von sich aus erheben, übernimmt die DKB nicht. Wer weniger als 700 Euro jeden Monat auf sein Konto erhält, kann mit der Visa-Karte innerhalb der Eurozone kostenlos Bargeld ziehen, außerhalb der Eurozone fällt ein Entgelt in Höhe von 1,75 Prozent an.

Übersicht: Was kosten „grüne“ Girokonten?

Mit nachhaltigen Girokonten kann man Gutes tun. Der Grundpreis für „grüne“ Girokonten ist bei den Spezialbanken im Schnitt höher als bei konventionellen Banken. In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht der nachhaltigen Girokonten und was sie kosten.

Bank / Kontobezeichnung

Kontoführung
Jahrespreis (EUR)

Dispozins
p.a. (%)

Monatl. Grundpreis
Kontoführung / Jahresgebühr Girokarte (EUR)

DKB / DKB Cash

0,00

6,65

0,00 / 0,00

Ethikbank / EthikBank-Girokonto

117,00*

7,50

8,50 / 15,00

Evangelische Bank / EB-Smart

9,00*

7,00

0,00 / 9,00

Evenord-Bank / e-Onlinekonto

46,80*

8,75

2,90 / 12,00

GLS Bank / Privatgirokonto

120,60*

0
(bis 10.000 Euro)

8,80 (3,80 plus 5,00 Kundenbeitrag) / 15,00

PAX Bank / PAX Classic Online

42,00*

6,58

3,50 / 0,00

Raiffeisenbank Holzkirchen-Otterfing / Privatkonto Gehalt online

0,00

7,99

0,00 / 0,00

Steyler Bank / Ethik-Girokonto

68,00**

8,00

5,00 / 8,00

Tomorrow / Tomorrow Smartphone-Girokonto

0,00

kein Dispo

0,00 / keine Girocard bzw. kostenfreie Visa-Debitcard

Triodos Bank / Triodos Girokonto

81,00***

6,51

5,50 / 15,00

* Kostenlose Geldautomatennutzung über Geldautomatennetz der Volks- Raiffeisenbanken.
** Kostenlose Geldautomatennutzung über Cash-Pool Verbund.
*** Kostenlose Bargeldversorgung mit Kreditkarte.

Quelle: Biallo.de; nach eigener Recherche.




  Manfred Fischer


 
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