Rebalancing: So können Anleger antizyklisch Vermögen aufbauen

Gastbeitrag Rebalancing: So können Anleger antizyklisch Vermögen aufbauen

von Christian Schneider-Sickert
15.01.2019
Auf einen Blick
  • Unter Berücksichtigung der persönlichen Risikotragfähigkeit Vermögen langfristig steigern – das ermöglicht Rebalancing. 

  • Eine rebalancierte Geldanlage hält nicht nur das Chance-Risiko-Profil konstant. Auch die Nachkosten-Rendite lässt sich optimieren.
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Emotionen sind ein schlechter Ratgeber – zumindest bei der Geldanlage. Besonders in Zeiten starker Korrekturbewegungen an den Aktienmärkten werden viele Anleger nervös. Dabei lohnt es sich, nicht nur die Korrekturen auszusitzen, sondern im Anschluss an die Kurseinbrüche die Wertpapiere und Anlageklassen günstig aufzustocken, die zuletzt im Wert gefallen sind. Wer diesen antizyklischen Ansatz selbst im Portfolio umsetzen will, braucht starke Nerven und viel Disziplin. Oder aber es wird auf Rebalancing gesetzt.

Wie funktioniert das Rebalancing?

Rebalancing sorgt dafür, dass die einmal gewählte Gewichtung verschiedener Anlageklassen eines Depots auch bei langfristigen Änderungen der Wertpapierkurse erhalten bliebt. Ziel und Funktion dieser Vorgehensweise sind klar definiert: Einzelne Anlageklassen dürfen sich nicht zu weit von ihrer ursprünglichen Gewichtung entfernen. So kann das Chance-Risiko-Profil im Zeitablauf konstant gehalten werden.

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Portfolios sollten zur Diversifikation bekanntlich aus mehreren Anlageklassen bestehen. Diese sind mit unterschiedlichen Risiken behaftet. So sind beispielsweise Aktien stärkeren Schwankungen unterworfen als Anleihen. Der Anteil der Aktien im Portfolio beeinflusst also maßgeblich dessen Risiko. Das Rebalancing sorgt dafür, dass die anfangs bestimmte Aufteilung des Portfolios beibehalten wird – und somit auch das eingegangene Risiko langfristig nicht unkontrolliert steigt. Ohne Rebalancing würden die im Laufe der Zeit auftretenden Wertschwankungen dafür sorgen, dass sich die Gewichtung innerhalb des Portfolios verschiebt.

Prinzipiell gilt beim Rebalancing wie bei jeder Investition: Der Anleger muss sich über die Ziele und insbesondere die Risiken seiner Geldanlage zuvor im Klaren sein. Anhand der relevanten Faktoren – Ziel und Zeitraum der Anlage, Risikobereitschaft, Liquidität – wird am Anfang des Anlagezeitraums die bestmögliche Aufteilung des Portfolios ermittelt und festgelegt. Wächst der Aktienanteil durch Kursgewinne und Dividenden schneller als der Anleihenanteil, verändert sich das eingegangene Risiko.

Dieser Tendenz kann Rebalancing entgegenwirken. In unserem Beispiel werden bis zur Wiederherstellung des 50:50 Verhältnisses Aktien verkauft und Anleihen zugekauft. Umgekehrt können bei fallenden Aktienkursen Einstiegschancen genutzt werden, um den Aktienanteil wieder nach oben anzupassen.

 

Ein konstantes Chance-Risiko-Profil

Insofern sind ein disziplinierter Anlagestil und das langfristig gleichbleibende Risiko die entscheidenden Vorteile des Rebalancing. Der kurzfristige Wertverlust einer einzelnen Anlageklasse verleitet nicht zur Beunruhigung oder zu waghalsigem Aktionismus. Dank der historisch eher niedrigen Korrelationen zwischen verschiedenen Anlageklassen heißt es oftmals: schlechte Zeiten für Aktien, gute Zeiten für Anleihen. Insofern ist Rebalancing eine elegante und völlig emotionslose Möglichkeit, ein optimiertes Chance-Risiko-Profil zu erzielen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der Fondsgesellschaft Vanguard. Demnach beläuft sich die Rendite eines rebalancierten Portfolios bei einer Laufzeit von 30 Jahren im Durchschnitt auf satte 7,1 Prozent im Jahr. Gemessen am eingegangenen Risiko kann der Gewinn damit durchschnittlich sogar höher liegen als bei einem Buy- and-Hold-Portfolio.

Die Pflege des Portfolios kostet Zeit und Geld

Abhängig ist die Rendite vor allem von der jeweiligen Methode, die beim Rebalancing angewendet wird. So können Anpassungen etwa nach festen Zeitabständen durchgeführt werden – beispielsweise einmal pro Quartal mittels Investitionen in den gesunkenen Anteil. Allerdings verringert sich die Rendite bei zu kurzen Abständen, da die Transaktionskosten für den häufigen Kauf und Verkauf dann stärker ins Gewicht fallen. Bei längeren Zeiträumen kann es in der Zwischenzeit hingegen schon zu erheblichen Abweichungen von der Ziel-Anlagenaufteilung kommen, was eine weniger strenge Einhaltung der Vorgaben bezüglich der Quote schwankungsreicher Wertpapierklassen bedeutet. Trotzdem ist es in der Praxis eine der gängigsten Methoden, einmal im Jahr ein Rebalancing durchzuführen.

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Effektiver und mit wesentlich mehr Aufwand verbunden ist hingegen das folgende Vorgehen: Weichen die Portfoliozusammensetzungen von der Zielaufteilung um einem bestimmten Schwellenwert ab, wird rebalanciert. Die optimalen Grenzwerte müssen dabei so festgelegt werden, dass sie einerseits nicht zu niedrig ausfallen, da sonst ständig rebalanciert werden müsste. Andererseits dürfen sie aber auch nicht zu hoch liegen, da sonst das zuvor definierte Risikoprofil nicht gewährleistet werden kann. Die Wahl der Schwellenwerte trifft der Portfoliomanager mit Hilfe umfangreicher Simulationen, die die verschiedenen Faktoren gegeneinander abwägen.

Diese Hilfsmittel stehen einem Privatanleger, der eine Strategie selbst rebalancieren möchte, in der Regel nicht zur Verfügung. Zudem muss kalkuliert werden, ob sich der Rebalancierungsvorgang finanziell und zeitlich gesehen überhaupt lohnt. So gilt es etwa auch, die Besteuerung der Veräußerungsgewinne zu bedenken.

Was hingegen den "perfekten Zeitpunkt" für einen Anlagebeginn angeht, so ist dieser im Voraus ohnehin kaum auszumachen. Vielmehr ist es ratsam, das Portfolio mit neuen Investitionen regelmäßig aufzustocken und mit dem neuen Geld die geschwächten Anlagen zu stärken. Die Vermögensallokation kann unabhängig von aktuellen Börsenentwicklungen erfolgen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de