Herr Friedrich, Sie sind nicht nur Bestsellerautor, sondern haben mit Ihrem Geschäftspartner Matthias Weik auch einen Sachwerte-Fonds, den "Friedrich & Weik Wertefonds" aufgelegt. Können Sie kurz das Konzept vorstellen?
Friedrich: Unser Fonds ist genau die Lösung für die Krise, die sich jetzt abzeichnet und den Weg bricht. Er ist die Lebensversicherung für eben dieses Worst-Case-Szenario, das uns ja jetzt bevorsteht. Deshalb haben wir auch Deutschlands ersten, offenen, täglich handelbaren und sparplanfähigen Sachwertfonds gegründet. Und der investiert, wie der Name bereits verrät, in Sachwerte. Er investiert physisch hinterlegt in Gold, Silber, in Immobilien, Aktien, Wald, Diamanten etc. Also in wirkliche Sachwerte, die krisenresistent sind. Aber auch Goldminenaktien sind wichtig, denn diese werden wie ein Hebel sein, wenn der Goldpreis ansteigt.
Auf Ihr Worst-Case-Szenario kommen wir noch zu sprechen. Ihr Fonds scheint auf jeden Fall jetzt besser zu laufen als 2017 und 2018. Woran liegt's?
Friedrich: In den Jahren 2017 und 2018 lief ja noch das Anleihekaufprogramm der EZB, die Märkte wurden mit billigem Geld und Liquidität versorgt. Dadurch konnte unser Fonds nicht outperformen. Deswegen haben wir auch eine hohe Cashquote gehabt und haben dann immer antizyklisch Edelmetalle und Minenaktien nachgekauft. Die erste richtige Feuertaufe gab es dann im vergangenen Jahr zwischen September und Dezember, als die Märkte um 20 Prozent abgeschmiert sind.
Und siehe da: Unser Fonds ist nicht mitgefallen, sondern antizyklisch gestiegen und hat den Dax outperformt. Das Gleiche sehen wir auch jetzt. Als in den vergangenen Tagen und Wochen der Goldpreis angesprungen ist, ging es auch mit unserem Fonds nach oben – weil wir eben eine hohe Edelmetallquote und Minenaktien haben. Daher wissen wir: Das Produkt funktioniert, der Crash kann kommen (lacht).
Dann gehen wir doch gleich in die Vollen: Sie gehen davon aus, dass es spätestens 2023 richtig krachen wird. Was macht Sie da so sicher?
Friedrich: Die Analyse, die Makro- und Mikrodaten. Diesmal wird es an allen Fronten ordentlich scheppern, es wird der größte Crash aller Zeiten sein – und zwar in der Wirtschaft, in der Politik aber auch in der Gesellschaft. Denn wir haben seit 2008 die Probleme nicht gelöst, sondern vielmehr mit viel billigem Geld und niedrigen Zinsen in die Zukunft verschoben. Dadurch haben sich die Probleme weiter aufgebaut. Wir haben die Verschuldung verdoppelt, wir sind jetzt bei knapp 250 Billionen US-Dollar Schulden weltweit – von Unternehmen, von privater aber auch von staatlicher Seite. Wir haben immer noch eine Nullzinsphase, wir haben keine Zinswende nach oben, sondern nach unten. Negativzinsen werden kommen - vor allem mit Frau Lagarde vom IWF als neue EZB Chefin. Außerdem steht eine Verlängerung des "quantitative easing", sprich eine Ausweitung des Anleihekaufprogramm in den Startlöchern.
Zudem sind 15 Prozent aller Unternehmen der Eurozone nur noch überlebensfähig wegen des billigen Geldes. Ohne billiges Geld würden diese Unternehmen nicht mehr existieren, das sind sogenannte Zombie-Unternehmen. Wenn die irgendwann kein Geld mehr bekommen, kippen sie um und wenn diese Unternehmen umkippen, reißen sie gleichzeitig die Banken mit, die ihnen Geld geliehen haben. Da werden wir einen epischen Dominoeffekt erleben.
Inwiefern einen Dominoeffekt?
Friedrich: Parallel haben wir immer noch die Krise mit den südeuropäischen Ländern, allen voran Italien, die im Zinskorsett der EZB nicht überleben können. Und außerdem ist eine Rezession im Anmarsch, das sieht man ganz deutlich. Die deutsche Automobilindustrie befindet sich bereits in einer Rezession. Wir sehen da verheerende Zahlen. Man darf nicht vergessen: Die deutsche Automobilbranche trägt zu 21 Prozent zur Bruttoinlandswertschöpfung bei. Wenn dieser Industriezweig mit mehr als einer Million Arbeitsplätze wegbricht, haben wir ein Problem.
Die Zahlen die jüngst aus China kamen, sind verheerend. Die Volkrepublik hat den 15. Monat in Folge negative Wachstumsraten. Wir hatten im vergangenen Jahr minus fünf Prozent weniger Absatz, im ersten Quartal 2019 waren es schon 17 Prozent weniger und die Zahlen für Mai sehen auch nicht rosig aus – da ging es um 16 Prozent runter beim Abverkauf von Pkw und Lkw.
Aber insgesamt scheint die Wirtschaft doch stabil zu sein.
Friedrich: Die volkswirtschaftlichen Eckdaten geben ebenfalls Grund zur Sorge. So ist der Ifo-Index negativ, die Aluminium-Produktion negativ, Semiconductor aus Südkorea negativ: Das sind alles Vorindikatoren für eine drohende Rezession, die man jetzt zehn Jahre lang mit billigem Geld weggedruckt hat. Diese Rezession wird einiges in den Schatten stellen, was wir bereits in der Vergangenheit erlebt haben – und dieses Mal wird Gelddrucken nicht die Heilung bringen. Es wird ein Crash, den die Welt so noch nie gesehen hat. Davor möchte ich einfach warnen.
Wenn Sie vom "schlimmsten Crash aller Zeiten" sprechen, denken viele Menschen an Massenarbeitslosigkeit, soziale Unruhen, wankende Institutionen. Welche Auswirkungen kann so ein Crash auf Realwirtschaft und Gesellschaft haben?
Friedrich: Wir werden eine unglaubliche Kapitalvernichtung erleben. Mein Szenario ist ganz klar: Zuerst kommt der deflationäre Schock, dann folgt eine Hyperinflation, wo man viel Geld drucken muss, um das ganze aufzufangen und zum Schluss kommt die Währungsreform. Man darf nicht vergessen, dass EZB-Chef Mario Draghi bereits weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt hat.
Aber wir sind schon bei null, wo geht es eigentlich hin? Das bedeutet, wir werden bald Negativzinsen sehen. Die Enteignung der Sparer geht weiter, die finanzielle Repression gegen uns Bürger geht weiter. Parallel dazu kommt Altersarmut und die Kaufkraftverlust in Euro. Wir haben jetzt 13 Billionen US-Dollar in negativ verzinsten Staatsanleihen – das ist völlig krank.
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Lässt sich der drohende Finanzcrash überhaupt noch abwenden?
Friedrich: Nein. Noch nie wurde Wohlstand geschaffen, indem man Geld druckt. Wir können uns Zeit erkaufen, den Kaugummi in die Länge ziehen, aber wir können die Probleme nicht durch Geldberge und Niedrigzinsen lösen. Das Ding ist durch.
Aber bei der Lehman-Pleite 2008 scheint es geklappt zu haben.
Friedrich: Ja, mein Lieblingsthema, die Modern Money Theory (MMT): Was haben sich die Ökonomen in den USA 2008 gefreut, als sie die Krise einfach weggedruckt haben und es folgten zehn gute Jahre. Jetzt ist das alles Pustekuchen. Wenn MMT funktionieren würde, müssten Argentinien oder Simbabwe eines der reichsten Länder der Erde sein. Das Gleiche haben wir 1923 in der Weimarer Republik auch versucht – und es ging gründlich schief. Also MMT, Helikoptergeld und so weiter wird nicht funktionieren.
Was wäre denn Ihrer Meinung nach die Lösung gewesen?
Friedrich: Meiner Ansicht nach hätten wir 2017/2018 den Turnaround vielleicht noch schaffen können. Dafür hätte es allerdings mutige, progressive Entscheidungen von Seiten der Politik gebraucht, wie etwa den Euro für eine Zeit lang ad acta zu legen oder einen Schuldenschnitt für Südeuropa zu machen. Man hätte Lösungen für ein atmendes System in der EU finden können, sprich, dass Staaten die Möglichkeit haben, aus diesem Staatenverbund auch austreten zu können. Man hätte auch mal Unternehmen pleitegehen lassen müssen, damit es zu einer Bereinigung kommt. Stattdessen dachte man, dass man sich über Naturgesetze hinwegsetzten und die Mathematik überlisten könne. Diese Hybris wird uns teuer zu stehen kommen.
Wie geht es dann nach dem Crash weiter?
Friedrich: Es wird natürlich besser. Die Welt geht durch den Crash nicht unter. Das Leben wird weitergehen, es wird nur eine andere Zukunft werden. Wir haben die Möglichkeiten und Technologien, damit die Zukunft eine glorreiche wird. Wir haben die künstliche Intelligenz, die Blockchain-Technologie, wir haben die Digitalisierung, wir haben Quantencomputer und so weiter und so fort. Aber natürlich wird es erstmal ordentlich krachen. Uns stehen schwere Jahre bevor mit Massenarbeitslosigkeit, vielleicht sogar mit sozialen Unruhen. Aber keine Gesundung ohne Schmerzen.
Wie können sich Anleger auf den drohenden Crash vorbereiten?
Keine großen Summen auf der Bank lassen, also Geld vom Konto abheben. Weil das Geld auf dem Konto gehört nicht dem Bürger, sondern ist ein Kredit an die Bank. Außerdem sollten Anleger in limitierte Sachwerte investieren, zum Beispiel in die Edelmetalle Gold und Silber, Wald, Whisky, Diamanten, Aktien und so weiter. Auf keinen Fall Schulden machen und zur Diversifikation Sachwerte erwerben – tatsächlich auch Bitcoin kaufen.
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Jetzt gibt es auch Kritiker, die solche Crash-Prophezeiungen als Alarmismus abtun. Nach dem Motto: Wer lange genug den Crash herbeiredet, erlebt ihn auch irgendwann. Was entgegnen Sie diesen Kritikern?
Friedrich: Natürlich hätte ich gerne unrecht. Aber die Wahrheit tut bekanntlich weh. Es geht uns allerdings um die Sache und eben nicht darum, den Menschen Angst zu machen, damit sie unsere Bücher kaufen. Wir sind ehrlich zu den Menschen und sagen: "Hey, wir fahren hier mit offenem Visier gegen die Wand, lasst uns mal abbremsen." Die Politik macht aber genau das Gegenteil. Sie gibt sogar noch Gas und schaltet dabei den Airbag aus. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er unseren Analysen Glauben schenkt. Leider sind mehr von unseren Prognosen eingetroffen als nicht. Aber die Vorzeichen, Daten und Fakten sprechen ganz klar für einen Crash.
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Jede Generation hat ihre Krise. Man darf nicht glauben, nur weil die letzten 50 oder 60 Jahre alles gut funktioniert hat, dass wir den Wohlstand auf ewig gepachtet haben. Es sind immer Zyklen und wir sind auf einem absteigenden Ast. Man braucht nur einen Blick in die Vergangenheit werfen. In der Weltgeschichte gab es sechzehn Mal einen Wechsel von einer Supermacht zu einer anderen Supermacht. Jetzt erleben wir das siebzehnte Mal, nämlich von der alten Supermacht USA zur neuen, der Volksrepublik China. Das wird Donald Trump auch nicht verhindern können.
Herr Friedrich, vielen Dank für das Gespräch.