Whisky als Geldanlage: Die fließende Rendite

Alternative Investments Whisky als Geldanlage: Die fließende Rendite

Max Geißler
von Max Geißler
01.04.2019
Auf einen Blick
  • Investitionen in Whisky haben hohes Wertsteigerungspotenzial, allerdings brauchen Anleger Geduld. Der Wert steigt nicht über Nacht.
  • Aussichtsreiche Flaschen sind begehrt und entsprechend schwer zu bekommen. Anleger müssen beständig den Markt scannen und sich sukzessive ein breites Whisky-Portfolio zusammenstellen.
  • Planen Sie hohe Kosten für Versand und Lagerung ein, damit sich die Investition unterm Strich rechnet. Sichern Sie eine umfangreiche Sammlung gegen Beschädigung oder Verlust ab.
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Wahre Kenner trinken ihren Whisky nicht, sondern lassen ihn in der Flasche – zumindest, wenn sie damit Geld verdienen wollen. Mit dem edlen Getreidebrand ist das vergleichsweise gut möglich, denn er ist einfacher zu lagern als Wein, birgt keine Rostgefahren wie Oldtimer und kostet keine Unsummen wie Immobilien. Die erzielbaren Renditen sind je nach Marke und Einkaufsglück sehr attraktiv.

Allerdings müssen sich Anleger gedulden, denn die Preise steigen nicht über Nacht. Da man nicht im Voraus weiß, welche Sorte oder welcher Jahrgang zum Höhenflug ansetzt, sollte man sich ein breites Whisky-Portfolio von 50 bis 100 Flaschen aufbauen und Geduld mitbringen – die Zeit arbeitet für Sie.

Professionelle Sammler empfehlen den Kauf von jeweils drei Flaschen: eine zum Genießen, eine zum Sammeln und eine zum späteren Tausch oder Verkauf. Clevere Whisky-Käufer gehen gleich auf die Suche nach alten Lagerbeständen. Doch um eine echte Rarität zu finden, die auch noch bezahlbar ist, braucht man Glück und Ausdauer.

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Welche Whisky-Sorten sollte man sammeln?

Als oberster Grundsatz für Anleger gilt: Nur Original-Abfüllungen kaufen, das heißt Abfüllungen mit Originaletikett, die die Brennerei selbst abgefüllt hat. Nur eindeutig identifizierbare Flaschen sind unter Sammlern begehrt. Zweiter Grundsatz: Nur limitierte Abfüllungen kaufen, keine Massenware. Limitierte Auflagen finden sich beispielsweise bei Bowmore, Macallan oder Glenfiddich.

Beliebt sind vor allem Jahresflaschen und Sonderabfüllungen, etwa aus der schottischen Brennerei Glenmorangie. Hier sind 20 bis 30 Prozent Preissteigerung bereits nach einem Jahr keine Seltenheit. Genauso aussichtsreich sind Jahrgangs Malts der Destillen Brora und Killyloch. Auch Erstabfüllungen von neuen Brennereien können sich lohnen.

Gerade in Schottland gibt es derzeit einen regelrechten Boom, zu experimentieren und neue Destillen zu eröffnen. Allein 2018 gingen vier neue Whisky-Brennereien an den Start, weitere 20 sind in Planung. Bereits mit ersten Whisky-Ausgaben am Markt sind die Brennereien Ailsa Bay und Annandale, ab 2020 werden die ersten Ausgaben der Farm-Destille Aberargie erwartet.

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Geschätzt unter Sammlern sind auch sogenannte verlorene Brennereien. So schloss beispielsweise die Destille Port Ellen auf der schottischen Insel Islay 1983 ihre Pforten. Bis heute werden aber immer wieder aus alten Lagerbeständen limitierte Abfüllungen verkauft – allerdings müssen Sammler hierfür tief in die Tasche greifen. Begehrt sind auch Erstabfüllungen, also der erste Whisky, der aus einer Brennblase in Fässer abgefüllt wird.

Ohne Kontakte in die Whisky-Szene kommen Sammel-Laien hier aber kaum zum Zug. Experten empfehlen daher den Blick auf Zweit- und Drittabfüllungen zu richten. Ein Geheimtipp sind derzeit japanische Whiskys. Im Land der aufgehenden Sonne werden inzwischen herausragenden Getreide-Brände erzeugt. Einige limitierte Abfüllungen haben bereits attraktive Wertsteigerungen erzielt.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
17,51
0,70%
2.
12,51
0,50%
3.
10,00
0,40%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 3 Monate

Wie sind die Renditeaussichten?

Um sich ein Bild von den Wertsteigerungsmöglichkeiten zu manchen, verfolgen Sammler den vielbeachteten Rare Whisky Apex 100 Index. Er ist eine Art Leitindex für die 1.000 gefragtesten Single Malt Scotch Flaschen weltweit. In den vergangenen zwölf Monaten konnte der Index um fast 25 Prozent zulegen, die Totalperformance seit 2010 beträgt knapp 500 Prozent. Auffällig: Die hohen Steigerungsraten der letzten Jahre zeigen, dass das Interesse der Anleger an der Anlageklasse Whisky weitergewachsen ist. Allerdings handelt es sich hier um sehr gefragte Flaschen.

Interessant ist auch der Vintage 50 Index, der die 50 ältesten und seltensten Single Malt Scotch Whiskys umfasst. Dieser Index läuft ebenfalls ohne größere Kursrückschläge seit Jahren kontinuierlich bergauf. Binnen Jahresfrist steht ein Wertzuwachs von knapp 28 Prozent zu Buche, seit Auflage 2008 beträgt der Gewinn rund 650 Prozent.

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Wichtige Erkenntnisse liefert der World Whisky Index. Dort kann man aktuelle Preise seltener Raritäten erfahren und gesuchte Flaschen direkt kaufen. Allerdings bedarf es des nötigen Kleingelds. So kostet eine Flasche Port Yellen 26 Years 1983 derzeit 699 Euro, für den irischen Whisky Coleraine 34 Years 1959 werden stolze 2.850 Euro aufgerufen.

Lohnenswert ist auch das deutsche Portal Whiskyexperts.net, das mit vielen Neuigkeiten und wissenswerten Informationen aufwartet. So erfahren Interessenten, wo Neuabfüllungen geplant sind, welche Destillen neu eröffnen und wann und wo die nächsten Whisky-Messen stattfinden. Außerdem gibt es eine Liste mit rund 30 Onlinehändlern, bei denen man Raritäten suchen und kaufen kann.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
 223,23
1,11%
2.
211,10
1,05%
3.
 160,64
0,80%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Vier Renditekiller für Anleger

Die Geldanlage in Whisky scheint auf den ersten Blick einfach. Bei genauem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass man nicht einfach ein paar Flaschen kaufen und abwarten kann, bis diese im Wert steigen. Vier Probleme müssen Anleger beachten beziehungsweise überwinden

Aussichtsreiche Abfüllungen ergattern

Seltene Flaschen sind gesucht und damit bereits teuer. Renditepotenzial für überschaubares Geld bieten neue Sorten und Erstabfüllungen. Doch man bekommt aufgrund der großen Nachfrage oft nur wenige Flaschen, häufig nicht mehr als eine. Hier muss man also viel Zeit investieren und immer wieder dranbleiben, um im Lauf der Zeit ein größeres Portfolio an gesuchten Single Malts zusammenzustellen.

Hohe Lagerkosten

Wer zwei oder drei berühmte Whiskys im Wohnzimmerschrank stehen hat, braucht sich noch nicht um Lagerung und Sicherheit zu kümmern. Anders sieht die Sache aus, wenn Sie 50 Flaschen á 500 Euro besitzen. Der Gegenwert von 25.000 Euro könnte Diebe anlocken.

Auch wäre es gut, die Flaschen vor Feuer- oder Wasserschaden zu schützen, da sie sonst kaputt gehen oder an Wert verlieren. Empfehlenswert ist die externe Lagerung bei einem Unternehmen, dass die Sammlung versichert und vor Beeinträchtigung und Diebstahl schützt. Allerdings gehen die anfallenden Kosten zu Lasten der Rendite.

Teurer Versand

Soll eine Flasche verkauft werden, sind die Versandgebühren nicht zu unterschätzen. Möchten Sie die Flasche wegen der besseren Gewinnaussichten nicht bei Ebay, sondern zum Beispiel beim britischen Auktionshaus Bonhams verkaufen, schlucken Verpackungskosten, Versandkosten und die notwendige Versicherung mehrere hundert Euro. Auch diese Ausgaben belasten den Gewinn.

Die Zukunft ist ungewiss

Niemand weiß, welche Whisky-Sorten in zehn oder 20 Jahren gefragt sind. Zwar gibt es Klassiker wie Port Allen, Macallan oder Dalmore, die mit einiger Sicherheit auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen werden. Besteht das Whisky-Portfolio aber vorrangig aus neuen Destillen und Marken, dann gibt es keine Gewissheit für zukünftige Wertsteigerungen.

In diesem Fall gilt nur eins: Falls sich eine Flasche als schlechtes Investment herausstellt – selbst trinken und genießen. Die Gaumenfreude ist in jedem Fall garantiert. 

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Biallo-Tipp

Um Risiken gering zu halten, sollten Sie stets nur einen überschaubaren Teil Ihres Geldes in exotische Geldanlagen wie Sneakers, Comics oder Whisky stecken. Verteilen Sie Ihr Sparkapital auf mehrere Assetklassen, allen voran Aktienfonds und ETFs, denn diese sind kostengünstig und streuen die Anlagegelder breit in viele Wertpapiere. Wer seine Geldanlage nicht eigenständig steuern will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, erfahren Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de