Crowdinvesting: Alternative im Anlagenotstand?

Geldanlage Crowdinvesting: Alternative im Anlagenotstand?

Update: 09.08.2019
Tim Stockschläger
von Tim Stockschläger Sebastian Schick
Update: 09.08.2019
Auf einen Blick
  • Crowdinvesting ermöglicht es Privatinvestoren, erstmals sich mit kleinen Summen direkt an Start-ups oder Immobilienprojekten zu beteiligen.

  • Crowdfunding ist der Oberbegriff für beispielsweise Crowdlending, -investing und -donating.

  • Das Risiko von Crowdinvesting ist erheblich höher als bei Investitionen am Aktienmarkt. Investoren sollten einen Totalverlust finanziell verkraften können.
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Als Privatinvestor Anteile an einem Start-up erwerben – das ist gefragt und war lange Zeit nicht möglich. Die Wirtschaft brummt und fast täglich sprießen neue Start-up-Unternehmen aus dem Boden. Die sogenannten Crowdinvestments machen diesen Markt nun seit einigen Jahren auch Privatinvestoren zugänglich. Eine Investition wird auf viele Anleger aufgeteilt.

Die digitale Abwicklung der Transaktion ermöglicht die Zerlegung in viele kleine einzelne Transaktionen. Bis vor kurzem war es hauptsächlich einem sehr kleinen Kreis an sogenannten Business Angels und Venture Capital-Gesellschaften vorbehalten, in Start-ups oder Risikokapitalprojekte zu investieren. In Zeiten von extrem niedrigen Zinsen locken die Renditen von teilweise mehr als zehn Prozent jedoch auch viele Privatinvestoren an.

Was ist Crowdinvesting eigentlich?

Crowdinvesting ist eine Form des Crowdfundings, bei welcher die Crowd, also die Investorengruppe, am Erfolg des Unternehmens oder des Projektes beteiligt wird. Bisher war dies nur einer kleinen und exklusiven Gruppe von Investoren vorbehalten. Das deutsche Internetportal "Seedmatch" etwa wirbt auf seiner Homepage mit dem Spruch "Investieren Sie in Startups!". Jeder kann sich also direkt an einem Start-up oder Projekt beteiligen. Jeder einzelne investiert eine gewisse Summe und wird dann wie alle Mitglieder der Crowd entsprechend seinem Anteil am Gewinn des Unternehmens mit einer Rendite beteiligt.

Übrigens: Das Wort Crowdinvesting ist eine deutsche Wortschöpfung, international wird von "equity-based Crowdfunding" gesprochen.

Crowdinvesting-Projekte werden wie Direktinvestments zu den Vermögensanlagen gezählt. Diese sind durch das Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) geregelt. Vermögensanlagen dürfen in Deutschland nicht ohne einen Verkaufsprospekt öffentlich angeboten werden, den die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zuvor genehmigen muss.

Allerdings gibt es beim Crowdinvesting bestimmte Ausnahmeregelungen: So entfällt die Prospektpflicht, wenn der Verkaufspreis aller angebotenen Vermögensanlagen eines Emittenten unter sechs Millionen Euro liegt und der Investitionsbetrag des Privatanlegers 1.000 Euro nicht übersteigt. Die Zeichnungsgrenze erhöht sich auf 10.000 Euro, wenn Anleger über eine Selbstauskunft ein frei verfügbares Vermögen von 100.000 Euro nachweisen. Anleger dürfen außerdem bis zu 25.000 Euro investieren, sofern dies nicht den zweifachen Betrag des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens übersteigt.

Kritik von Verbraucherschützern

Die Verbraucherzentrale sieht die Ausnahme der Prospektpflicht kritisch: "Das macht natürlich einen Unterschied, ob ein Anbieter gezwungen ist, in einem Prospekt auf dutzenden Seiten alles aufzuschreiben, oder ob er das auf drei Seiten kurz halten kann", sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen. "Aus Verbrauchersicht ist ein Verkaufsprospekt generell zu bevorzugen, weil da die Bafin auch noch mal einen Blick drauf wirft und die Anbieter alle Risiken detailliert beschreiben müssen."

In ihrem Marktwächter-Team habe die Verbraucherzentrale zudem festgestellt, dass die Informationen, welche die Anbieter auf nur drei Seiten bieten, "oft lückenhaft oder unverständlich und manchmal auch nicht korrekt sind". Hier gebe es noch viel Verbesserungsbedarf: "Wenn man von jemandem Geld einsammelt und verspricht, es vernünftig zu investieren, dann sollte man sich auch an die Spielregeln halten. Das gilt auch für Crowdinvesting-Plattformen und -Projekte."

In welchen Bereichen wird Crowdinvesting angeboten?

Crowdinvesting ist in nahezu allen Bereichen möglich. Egal, ob es um erneuerbare Energien oder Immobilien geht – Crowdinvesting scheint ein sehr attraktives Instrument zur Finanzierung von Projekten zu sein.

Renditeorientiertes Crowdfunding ist sowohl als alternatives sowie als ergänzendes Finanzierungsinstrument einsetzbar und verspricht auf beiden Seiten einen Gewinn. Also eine klassische Win-win-Situation für das Unternehmen sowie den Investor. Crowdinvesting ist in folgenden Bereichen einsetzbar und wird dort heute schon häufig genutzt:

  • Start-ups
  • (kleinere) mittelständische Unternehmen
  • erneuerbare Energien
  • Immobilien
  • Medizintechnik und Produkte, aber auch Medikamente
  • künstlerische Projekte
  • Film und Fotografie
  • Musikindustrie

Für wen eignet sich Crowdinvesting?

Crowdinvesting eignet sich prinzipiell für alle Menschen, die gerne investieren möchten. Es stellt für einige Anleger bereits heute eine ergänzende Alternative zum klassischen Aktien-Investment dar. Häufig nutzen beispielsweise Start-ups diese Finanzierungsform, um sich das benötigte Startkapital zu beschaffen.

Eine weitere beliebte Form des Crowdinvestings ist die Anlage in Immobilienprojekten. Da jeder einzelne Anleger nur eine vergleichsweise kleinere Summe investiert, teilen sich viele Investoren das überschaubare Risiko. Dennoch ist nicht zu vernachlässigen, dass das Risiko im Bereich des Crowdinvestings durchschnittlich um ein Vielfaches höher liegt als bei Aktien-Indizes oder etwa Triple-A-Staatsanleihen.

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So mussten in den vergangenen Jahren immer wieder einst hochgelobte Start-ups Insolvenz anmelden, weil sich ihre Idee nicht am Markt durchsetzen konnte. Gerade im Bereich der Krypto-Szene haben Investoren bei sogenannten ICOs größere Summen in Unternehmen investiert, die weder über ein vollständiges Konzept noch durchdachtes Produkt verfügten. Und oftmals mangelte es auch an unternehmerischer Erfahrung.

"Man sollte sich der Risiken eines Totalverlusts beim Crowdinvesting auf jeden Fall bewusst sein. Der Graue Kapitalmarkt ist nicht verboten, aber für die Altersvorsorge sicherlich ungeeignet", sagt Verbraucherschützer Brandes.

In der Anlageberatung der Verbraucherzentrale spiele Crowdinvesting kaum eine Rolle. "Wenn es um die Risikokomponente in der klassischen Vermögensallokation geht, dann kommen in erster Linie ETFs ins Spiel", so Brandes weiter. "Wenn jemand aber Crowdinvesting oder Direktinvestments unbedingt ausprobieren will und das nötige Spielgeld dafür hat, dann werden wir ihm davon nicht abraten. Auch wenn wir sagen: Du musst erst mal deine Hausaufgaben bei der Vermögensplanung machen."

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Biallo-Tipp

Crowdinvesting sollte immer nur eine Ergänzung zu klassischen Anlagen wie Wertpapieren sein und nur einen geringen Teil des gesamten Vermögens ausmachen. Besonders wichtig: Informieren Sie sich hinreichend über das Projekt, in das investiert werden soll, und studieren Sie das Verkaufsprospekt! 

Wie läuft ein Crowdinvesting ab?

Ein Unternehmen benötigt zur Gründung oder für ein spezielles Projekt zusätzliches Kapital. Anstatt das Geld bei einer Bank aufzunehmen, stellt es seine Idee, sein Produkt auf speziellen Internet-Plattformen vor und wirbt mit den Erfolgsaussichten um private Investoren.

Sie können mit einem meist kleinen Betrag in das Projekt einsteigen und bekommen dann im Gegenzug eine vereinbarte Rendite oder eine andere Form der Gewinnausschüttung. Bei einem Immobilien Crowdinvesting investiert ein Anleger zum Beispiel 250 Euro und erhält dann 4,1 Prozent pro Jahr, also 10,25 Euro jährlich.

Nach diesem Prinzip laufen alle Crowdinvestments ab. Um das zu den eigenen Interessen passende Investitionsprojekt in Kunst und Kultur, Umwelt oder Wirtschaft zu finden, sollte man sich zunächst gründlich informieren. Es gibt im Internet für fast jede Sparte spezielle Plattformen, die als digitale Marktplätze für Crowdinvesting fungieren. Im Bereich Immobilien sind das beispielsweise Exporo oder Zinsland*.

Die Finanzierung läuft meist über ein sogenanntes Nachrangdarlehen. Das bedeutet, dass der Investor beziehungsweise Gläubiger bei einer möglichen Insolvenz des Projektentwicklers nur mit Nachrang bedient wird, bei der Verteilung der Insolvenzmasse also hintenansteht.

Zwar setzen viele Crowdinvesting-Plattformen bei großen Projekten zunehmend auf Anleihen statt Nachrangdarlehen und weisen gern auf die höhere Sicherheit der Schuldscheine hin – schließlich unterliegen die Emittenten dann dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) und nicht mehr dem Vermögensanlagengesetz. "Allerdings muss man auch hier beachten: Nur weil da Anleihe draufsteht, ist das noch nicht sicher. Daher macht das für mich keinen grundsätzlichen Unterschied, ob man jetzt Anleihen oder Nachrangdarlehen anbietet", sagt Verbraucherschützer Brandes.

Wie unterscheidet sich Crowdinvesting von Crowdfunding?

Die Finanzierung durch die Crowd erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Das Internet hat es ermöglicht, eine große Gruppe von Menschen, "die Crowd", unabhängig von Ort oder Gesellschaftsschicht zu erreichen. Plattformen bringen Geldgeber und Unternehmer zusammen: Dabei gibt es verschiedene Ausprägungen. Crowdfunding ist der Oberbegriff für finanzielle Transaktionen mit der Crowd.

Darüber hinaus gibt es auch "Crowdvoting", bei dem viele Menschen über etwas entscheiden sollen. So waren in diesem Jahr beispielsweise alle EU-Bürger dazu aufgerufen, über die Abschaffung der Sommerzeit abzustimmen.

Crowdinvesting ist eine Unterform des Crowdfundings, bei dem der Anleger sich mit einer gewissen Summe an einem Start-up oder einem Projekt wie beispielsweise Immobilien beteiligt. Die Investoren helfen so, das Projekt zu finanzieren. Im Gegenzug wird der Anleger dann prozentual an möglichen Gewinnen beteiligt. Das Crowdinvesting ist also am ehesten mit einer Aktie zu vergleichen. Investoren geben in der Regel Eigenkapital und erwarten dafür oftmals eine Dividende als Gewinnbeteiligung.

Auch "Crowdlending" oder "Crowddonating" sind Formen des Crowdfundings, jedoch mit einer anderen Ausprägung. Während Crowdlending einem Kredit ähnelt, geht es bei Crowddonating oftmals um Spenden für bestimmte Kampagnen.

Crowdinvesting-Plattformen im Vergleich

Im Internet gibt es zahlreiche Plattformen für Crowdinvestments. Anleger haben hier eine recht breite Auswahl und sollten sich zunächst einmal eine Branche aussuchen. Ob Immobilien, Gesundheitswesen oder erneuerbare Energien: Für jeden Anlegertyp ist hier etwas dabei.

Doch nicht nur in der Anlageart unterscheiden sich die diversen Plattformen, sondern auch in der Höhe der Mindestanlage und der zu erwartenden Zinsen. Ein weiterer Aspekt ist das Risiko. Auch hier bieten die Plattformen stark unterschiedliche Angebote oder Sicherungsmechanismen.

Plattform

Anlageart

Mindestanlage

Zinsen bis zu

Sicherheiten

Zinsland

Immobilien

500€

7,0%

Keine gesonderten Sicherheiten.

Bettervest

Energieeffizienz

50€

12,0%

Die Bonität des Projektinhabers wird in Form eines Bonitätsindex, z.B. von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform überprüft und bewertet. Zusätzlich bewertet ein Energieberater die Projekte.

Aescuvest

Gesundheitswesen

250€

20,0%

Eigenkapital - keine gesonderten Sicherheiten.

Exporo

Immobilien

500€

6,0%

Sicherheiten (wie bspw. eine Schuldanerkenntnis) individuell vereinbart für die einzelnen Projekte.

Bergfürst

Immobilien

10€

7,5%

Sicherheiten (teilweise Bürgschaft und grundbuchliche Besicherung) werden individuell vereinbart für die einzelnen Projekte.

GLS Crowd

Solzial ökologische Vorhaben

250€

7,0%

In Abhängigkeit der einzelnen Projekte - oftmals keine konkrete Besicherung sondern Nachrangrisiko.

Leih Deiner Umwelt Geld

Erneuerbare Energien

100€

6,4%

In Abhängigkeit der einzelnen Projekte - oftmals keine konkrete Besicherung sondern Nachrangrisiko.

Quelle: eigene Recherche
Risikohinweis: Da es sich oftmals um Eigenkapitalbeteiligungen handelt, gibt es naturgemäß selten wirkliche Sicherheiten. Totalverlust der Anlage nicht ausgeschlossen! Manche Anbieter sind nicht verlinkt, da sie über uns keine Kunden akquirieren wollen. Wie wir uns finanzieren, haben wir in der Rubrik "Über uns" transparent offengelegt.

Wie erstellt man eine Kampagne?

Crowdinvesting als Finanzierungsmodell für Projekte oder Unternehmen wird immer beliebter. Eine neue Kampagne ist bei den meisten Anbietern in wenigen Minuten erstellt – zumindest theoretisch. Die Benutzeroberflächen sind selbsterklärend. Automatisch eingeblendete Tipps und ergänzende Hilfsdokumente unterstützen Verbraucher bei der Kampagnenerstellung und legen die Richtlinien fest.

In der Praxis ist eine gute Kampagne allerdings nicht in wenigen Minuten erstellt. Wer womöglich größere Geldbeträge einsammeln will, sollte etwas Leidenschaft in die Arbeit stecken. Die Investoren sind keine professionellen Anleger, sondern kommen wirklich aus der breiten Masse. Daher ist es wichtig, diese Zielgruppe auch anzusprechen.

Man sollte auf starke Emotionen, aussagekräftige Bilder, Klarheit bei der Vorgehensweise  setzen und das Team in den Mittelpunkt stellen. Denn Umfragen haben gezeigt, dass Investoren sehr stark darauf achten, welchen Eindruck die Mitarbeiter bei ihnen hinterlasssen.

Biallo-Tipp

Bauen Sie eine vernünftige und nachhaltige (Investment-)Story auf, mit der Sie die Investoren in der Kampagne überzeugen.

Doch egal mit welcher ‚Story‘ man die Investoren überzeugen möchten – elementare Informationen über Unternehmen und Projekt dürfen natürlich nicht fehlen. Zu den Grundlagen einer guten Kampagne gehören folgende Basics:

  • sämtliche Zahlen offenlegen
  • das Wachstumsmodell sollte nachhaltig erreichbar sein
  • eine detaillierte Planung und Ausarbeitung sind unerlässlich,
  • Ankündigungsphase für Marketing nutzen (insbesondere Social Media)
  • Kontakte knüpfen  un Begeisterung wecken
  • die eigene Story von Freunden und Bekannten kritisch hinterfragen lassen

Mögliche Rendite und Risiko für Anleger

Crowdinvesting ist sowohl für Unternehmen als auch Investoren so interessant, weil der zu erwartende Gewinn und somit auch die zu erwartende Rendite relativ hoch ausfallen können. Natürlich ist das immer abhängig vom jeweiligen Unternehmen und vom Vorhaben, das Investoren bestmöglich prüfen sollten. Genauso intensiv wie die Rendite, die schnell bis zu 20 Prozent pro Jahr betragen kann, ist auch das Risiko zu betrachten.

Die allermeisten Kampagnen sind so konzipiert, dass bei Nichterreichen des Zieles die Investitionssummen zurückgezahlt werden. Nichtsdestotrotz ist dies kein Schutz vor Insolvenz. Geht ein Start-up bankrott, so ist oftmals das investierte Geld samt möglicher Rendite verloren.

Wenn das Projekt jedoch erfolgreich ist und hohe Gewinne verzeichnet, schnellen auch die Renditen in die Höhe. Am Ende ist Crowdinvesting eine Anlage mit schwankendem Risiko sowie einer unterschiedlich hohen Rendite.

Alle notwendigen Informationen sind bei größeren Projekten im jeweiligen Vermögensanlageninformationsblatt (VIB) aufgeführt. Eine vom baden-württembergischen Verbraucherschutzministerium in Auftrag gegebene Studie kam jedoch kürzlich zu dem Ergebnis, dass viele dieser VIBs nicht ausreichend über das Investment informieren und insbesondere die Risiken zu gering bewerten.

"Vielen Kleinanlegern dürfte hierbei allerdings kaum klar sein, dass sie nur deswegen den Zugang zu diesen Immobilienprojekten erhalten, weil Banken und Projektentwickler nicht bereit waren, die damit verbundenen Risiken in ihre eigenen Bilanzen zu nehmen", erklärt Andreas Oehler, einer der Studien-Autoren. 

Seit einem Erlass im Sommer 2015 sind Crowd-Investoren jedoch besser durch das Kleinanlegerschutzgesetz abgesichert. Das Gesetz regelt den Schutz von Privatanlegern am unregulierten Kapitalmarkt. Es ist beispielsweise festgelegt, ab wann ein Verkaufsprospekt notwendig wird (2,5 Millionen Euro) und ob Investoren eine Selbstauskunft vorlegen müssen (bei Beträgen über 1.000 Euro). Damit soll sichergestellt werden, dass Privatinvestoren sich nicht unnötig hoch verschulden oder zu viel riskieren.

Biallo-Tipp

Einige Plattformen ermöglichen auch den Zugang zu Projekten im Ausland und in Fremdwährungen. Diese stellen zwar oftmals ein noch höheres Risiko dar, werden jedoch häufig auch mit einer noch höheren Rendite belohnt.

Tipps zur Minimierung des Risikos

Um das Risiko beim Crowdinvesting zu minimieren, ist es unerlässlich, sich das potentielle Investment-Projekt möglichst genau anzuschauen und umfassende Informationen einzuholen.

Man kann den Anbieter, das Projekt oder das Unternehmen in aller Regel auch persönlich anschreiben und Fragen stellen. Ansonsten ist es wie an der Börse auch: Diversifikation ist wichtig.

Das bedeutet, dass man seine Investmentsumme möglichst breit streuen sollte. Anleger sollten beispielsweise 10.000 Euro nicht in ein Unternehmen investieren, sondern viele kleine Beträge auf unterschiedliche Projekte verteilen. Eine solche Risikostreuung sichert auch dann eine Rendite, wenn eine Unternehmung gerade nicht so gut läuft. Zudem verlieren Anleger bei einem Totalausfall nicht gleich 100 Prozent ihres Portfolios, sondern nur einen kleinen Teil. Laufen die anderen Projekte erfolgreich, können sie den Verlust bei der Rendite möglicherweise sogar ausgleichen.

Wer über Investieren spricht, muss immer auch über das Risiko sprechen. Rendite ohne Risiko gibt es nicht. Wertpapiere wie deutsche Staatsanleihen oder Bundesschatzbriefe haben das vergleichbar kleinste Risiko, während Crowdinvesting tendenziell am oberen Ende der Risikoskala steht. Wie viel Risiko er tragen möchte, muss jeder Anleger für sich selbst abwägen. Dabei gilt: Je näher das Rentenalter kommt, desto geringer sollte das risikoreiche Investment sein.

Alternativen zum Crowdinvesting

Direkte Alternativen zum Crowdinvesting sind rar auf dem Finanzmarkt. Im Crowdinvesting spekulieren Investoren auf eine höhere Rendite durch höheres Risiko. Am Aktienmarkt geben Privatinvestoren in der Regel ihr Geld an etablierte Unternehmen. Eine Investition in Start-ups oder Immobilienprojekte ist dagegen ganz klar als Risikokapital anzusehen.

Für Investoren, die ihr Kapital langfristige anlegen möchten, bleibt nur der Gang an die Börse. Als reines Risikoinvestment ist Crowdinvesting aktuell konkurrenzlos und vielversprechend. Private Investoren erhalten Zugang zu Projekten, für die ihr Vermögen bislang oftmals nicht ausreichend war. Die zum Teil sehr hohe Rendite bei oft überschaubarem Risiko zieht viele interessierte Investoren an, das gilt umso mehr in der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg weiß: Die Alternativen hängen "natürlich vom konkreten Bedarf ab. Wenn der Immobilienkauf vor der Tür steht, wird man tendenziell eher kein Risiko tragen wollen". Wer hingegen langfristig anlegen möchte, für den kommt eine "Mischung aus Zinspapieren und breit streuenden Aktien- oder Indexfonds in Frage", erklärt Nauhauser.

Crowdinvesting ermöglicht es also auf der einen Seite erstmals auch privaten Investoren, Risikokapitalgeber von Immobilienprojekten und Start-ups zu werden. Auf der anderen Seite stehen die Privatinvestoren damit auch einem ungewohnt hohen Risiko gegenüber, das auch in einem Totalverlust enden kann.

Für Anleger ist es daher noch wichtiger als etwa am Aktienmarkt, sich gründlich über die Projekte, Sicherheiten und Erfahrungen des (Gründer-)Teams zu informieren.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de