Anlegerschützer warnen vor Direktinvestments

Sachwerte Anlegerschützer warnen vor Direktinvestments

Peter Rensch
von Peter Rensch
28.02.2018
Auf einen Blick
  • Ein Direktinvestment ist nur für Anleger geeignet, die über entsprechende Erfahrung und Kenntnisse verfügen.

  • Jedem Anleger sollte klar sein, dass Direktinvestments besondere rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Risiken haben.

  • Die oft von Gesellschaften aus dem Kreise der Verkäufer abgegebenen Rückkaufverpflichtungen sind meist wertlos.

  • Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger und der Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz raten von Direktinvestments ab.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Beim sogenannten Direktinvestment erwerben Sie das Eigentum oder Miteigentum an einem Objekt, ohne dass Sie ein Wertpapier oder einen Fondsanteil kaufen müssen. Hierbei wird zwischen Ihnen und dem Verkäufer ein Vertrag abgeschlossen, der alle wichtigen Details wie Kaufpreis, Erlöse, Rückkauf-Prozedere oder Laufzeit beinhaltet.

Das Angebot an Sachwertanlagen ist vielfältig. Es reicht von Immobilien, Eisenbahnwagons, Lokomotiven, Solaranlagen bis zu Bäumen oder Nutztieren. Während der vereinbarten Laufzeit bei dieser Kapitalanlage fließen Ihnen die Einnahmen wie zum Beispiel Pacht, Mietzinsen oder Ernteerlöse zu. Nach Ablauf des Vertrages wird Ihnen der Verkaufserlös gutgeschrieben oder Ihr Vertragspartner kauft Ihnen den Gegenstand wieder ab.

Sie werden Eigentümer oder Miteigentümer von Containern, Wagons & Co.

Beim Direktinvestment gibt es unterschiedliche Varianten. In der Regel kaufen Sie den Gegenstand vom Anbieter ab, der anschließend mit Ihnen einen Miet- oder Pachtvertrag mit festgelegter Laufzeit abschließt.

"Wir bieten unseren Kunden Direktinvestments dieser Art nicht an", erklärt Dirk Althoff, Sprecher der Consorsbank. "Allgemein können wir aber sagen, dass dies eine sehr spezielle Anlageform ist, die nur für sehr risikobereite, vermögende Anleger unter Umständen zur Diversifikation in Frage kommt. Zwar kann man unabhängig von der Entwicklung an den Börsen Erträge erzielen, jedoch spielen viele Einflussfaktoren eine Rolle, die man nicht direkt beeinflussen kann. Beispielsweise kommt der Auswahl des passenden Anbieters von Direktinvestments oftmals eine Schlüsselrolle zu – es gab in der Vergangenheit zahlreiche Insolvenzen solcher Anbieter."

Zudem unterliegt auch das vermeintlich sichere Eigentum einem allgemeinem Konjunktur-, Preis- und oftmals Wechselkursrisiko. Die fehlende Liquidität und die Kostenstruktur der Produkte muss ebenfalls berücksichtigt werden.

Stefan Gips, Senior Account Manager bei Fondsdiscount erachtet es als sinnvoll, breit zu streuen. Etwa über verschiedene Anbieter, Anlagegegenstände oder auch Währungen. "Direktinvestments planen zügige und regelmäßige Cash-Flows, die vorher vertraglich fixiert werden können. Das gibt eine gewisse Planungssicherheit, solange der Vertragspartner solvent ist", sagt Gips. "Bei Containern und Wechselkoffern sind übrigens geplante Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren üblich, die Dauer der Kapitalbindung ist also überschaubar."

Möchten Sie informiert sein über das Pro und Contra alternativer Geldanlagen? Dann abonnieren Sie unseren kostenlose Newsletter

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Ausschüttungs- und Rückkaufgarantie sind oft wertlos

Die meisten Angebote beziehen sich durchschnittlich auf eine langfristige Laufzeit und die Ausschüttungen werden monatlich oder quartalsweise vorgenommen.

Zwar gewähren einige Produktanbieter eine Ausschüttungs- und Rückkaufgarantie. Jedoch steht Daniel Bauer, Vorstandsvorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), dem kritisch gegenüber: "Die oft von Gesellschaften aus dem Kreise der Verkäufer abgegebenen Rückkaufverpflichtungen sind meist wertlos, da die sich verpflichtende Gesellschaft meist nicht über die nötige Bonität verfügt, um die Rückkaufverpflichtung auch erfüllen zu können, wenn es zu einem Einbruch bei den Preisen für die Sachanlagegüter am Markt kommt. Wir raten daher ganz klar von so genannten Direktinvestments für Privatanleger ab. Um in die einzelnen Branchen zu investieren, sollte man seinen Blick besser auf andere Investitionsmöglichkeiten wie Aktien und Anleihen von den in den jeweiligen Marktsegmenten führenden Unternehmen oder Branchenfonds werfen."

Studieren Sie die Verkaufsprospekte genau

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) weist auf das Investitionsrisiko bei dieser Anlageform hin: "Niemand kann Ihnen garantieren, dass die beim Kauf erwarteten Erträge aus den erworbenen Sachen am Ende auch mit Sicherheit erzielt werden können."

Hinzu kommt das Kursrisiko, denn auch für Rohstoffe wie Kakaopflanzen oder Containergeschäfte treten auf dem Weltmarkt Preisschwankungen auf, die den erwarteten Ertrag minimieren oder gar komplett ausfallen lassen können.

Neben dem Kaufvertrag schließen Sie beim Direktinvestment meist zusätzlich einen Dienstleistungsvertrag ab, der die Wartung der Sachanlage und den bestmöglichen Miet- oder Ernteertrag zusichert. Mögliche Zusatzkosten werden Ihrem Erlös abgezogen.

Biallo-Tipp: Für viele Angebote zum Direktinvestment gibt es keine Börsenplätze. Beachten Sie deshalb, dass eine vorzeitige Veräußerung aufwendig und problematisch werden kann.

Da auch ein Direktinvestment unter die Regelungen des Kleinanlegerschutzgesetzes fällt, besteht für Anbieter die Prospektpflicht. Es sind nur Vermögensanlagen zugelassen, wenn die Bafin zuvor das Verkaufsprospekt gebilligt hat.

Aber: Die Finanzaufsicht überprüft weder die Inhalte des Prospekts noch Richtigkeit oder wirtschaftliche Tragfähigkeit. Einzig und allein die Seriosität sowie Bonität der Anbieter werden eruiert.

Zusätzlich muss ein Vermögensanlage-Informationsblatt hinterlegt werden, das detaillierte Angaben zur Anlage macht, damit sich Investoren ein Bild über Risiken, mögliche Erträge und Kosten machen können. Dieses sollten Sie vor Ihrer Anlage genauestens studieren, um herauszufinden, ob das Investment zu Ihrem Risikoprofil passt.

Direktinvestment zählt zu den hochspekulativen Anlageklassen

"Wir raten Privatanlegern in der Regel von so genannten Direktinvestments wie zum Beispiel in Container oder Bäume und Pflanzen ab. Direkte Investments, also der direkte Erwerb der Eigentumsrechte, sind in den meisten Fällen gar nicht möglich", sagt Anlegerschützer Bauer. "So können in vielen Ländern ausländische Privatpersonen gar keine direkten Investitionen tätigen. Auch ist die Zuordnung der einzelnen Investments an die einzelnen Privatpersonen nur schwer möglich, so dass im Insolvenzfall die Privatanleger bei allen uns bekannten Insolvenzen wie der Green Planet AG oder der Magellan Maritime Services GmbH keinen Zugriff auf die von Ihnen angeblich erworbenen Bäume beziehungsweise Container hatten."

Auch der Experte von Fondsdiscount weist auf Risiken beim Direktinvestment hin: "Die Investition in einen Anlagegegenstand kann immer mit einem Totalverlust verbunden sein. So können Seecontainer über Bord gehen oder ein Bauminvestment durch Unwetter oder Schädlinge zerstört werden. Diese Risiken sind zwar in einigen Fällen versicherbar, aber jeder weiß, wie umständlich es in der Regel ist, entsprechende Versicherungsleistungen zu erhalten", erklärt Gips. "Daneben kann man sich natürlich auch mit der Marktprognose verspekulieren. Wenn sich Containerumschläge beziehungsweise Holzpreise schlechter entwickeln als angenommen, kann es dazu kommen, dass auch die Mietzahlungen und der Rückkaufpreis gefährdet sind."

Zudem sollten Sie auch das Emittentenrisiko berücksichtigen, denn die Zahlungsversprechen und der Rückkauf hängen immer vom Emittenten ab.

Dass es sich bei dieser Anlageform um eine hochspekulative Investition handelt, bestätigt ebenfalls Thomas Lippert vom Aktionsbund Aktiver Anlegerschutz: "Jedem Anleger sollte klar sein, dass Direktinvestments sehr besondere rechtliche, wirtschaftliche und steuerliche Risiken haben. Auch der Totalverlust kann jederzeit eintreten. Ein wirkliches Mitsprachrecht besteht oftmals nicht." Dies bedeute, dass der Anleger dem Anbieter gegenüber einen hohen Vertrauensvorschuss erbringen müsse. "Wie soll man zum Beispiel bei einem Investment für Aufforstung von Kakaowald in Peru und Regenwaldschutz in Panama die Einhaltung der Anlagekriterien überprüfen – in der Praxis ausgeschlossen. Wer eine hohe Rendite erwartet und mit seinem Geld zocken möchte, kann Direktinvestments eingehen. Meine Empfehlung: Finger weg!"

Die Bafin empfiehlt Direktinvestments nur für Anleger mit entsprechender Erfahrung. Branchen- und Marktkenntnisse über den Investitionsgegenstand sollten eine Voraussetzung sein, um Verluste zu minimieren.

Fünf wichtige Tipps für das  Direktinvestment 

1. Information und Marktüberblick

Im Internet tummeln sich viele Anbieter. Ganz wichtig daher: Informieren Sie sich im Vorfeld über die von Ihnen bevorzugte Investmentfirma, deren Produkt, Berichte und Beurteilungen. Vergleichen Sie Angebote und nutzen Sie den Rat eines unabhängigen Beraters der Verbraucherzentrale oder das Internet.

2. Anlagekonzept

Was wollen Sie wann mit Ihrer Investition erreichen? Eine klare Planung mit Renditeziel und Gewinnvorstellung hilft bei der Suche nach dem richtigen Anbieter und passenden Sachwert.

3. Risiken

Machen Sie sich eines bewusst: Je höher Ihr Gewinn sein soll, desto höher ist auch das Risiko. Investieren Sie daher nur in Sachwerte, von denen Sie Ahnung haben und deren Ertragsquelle nachvollziehbar ist.

4. Investition

Investieren Sie nie Ihr gesamtes Vermögen in diese Geldanlagen, sondern nur Kapital, über das Sie nicht kurzfristig verfügen müssen und das Ihnen frei zur Verfügung steht. Direktinvestments eignen sich – wenn überhaupt – nur als Ergänzung Ihres Portfolios.

5. Sachanalyse

Welches Investment passt zu Ihnen? Immobilien, Güterwagons, Container oder Rinder? Je besser Sie über die unterschiedlichen Investments Bescheid wissen, desto genauer können Sie die Risiken einschätzen. Eine Investition in Pflanzen oder Rinder ist durch Wetter oder Krankheiten risikobehafteter als Wagons, die im Schnitt eine Lebensdauer von 40 Jahre haben.

Fazit

Wenn Sie eine kurzfristige und sichere Anlageform suchen sind Sie beim Direktinvestment nicht gut aufgehoben. Diese Form der Kapitalanlage zielt auf eine langfristige Bindung des Vermögens. Wenn Sie trotzdem in Direktinvestments Ihr Geld anlegen wollen, dann sollten Sie über nachhaltige Kenntnisse verfügen, um hohe Verluste möglichst zu vermeiden.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Peter Rensch
Peter Rensch
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Peter Rensch
Peter Rensch
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Peter Rensch
Peter Rensch
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de