Auf einen Blick
  • Die Zinsen für Geldanlagen mit kurzen Laufzeiten sind derzeit in vielen Fällen höher als in der langen Frist. Man spricht von einer inversen Zinsstruktur.

  • Eine inverse Zinskurve kann entstehen, wenn die Notenbanken mit der Anhebung der Leitzinsen das kurzfristige Zinsniveau in die Höhe treiben. Sie gilt oft als Vorbote einer Rezession.

  • Anleger sollten in der derzeitigen Situation genau überlegen, wann sie das angelegte Geld wieder benötigen – und mit einem Teil des Vermögens flexibel bleiben.
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Es ist eine Zwickmühle für Zinsanleger, die ihr Geld für fünf oder gar zehn Jahre investieren wollen: Die Langfristanlage lohnt sich derzeit kaum gegenüber einem kurzfristigen Zeitraum. So zeigt der Biallo Festgeldvergleich: Wer sich mit seinem Kapital für ein oder zwei Jahre bindet, erhält dafür bei Anbietern mit höchster Sicherheit bis zu 4,30 Prozent Zinsen. Bei fünf Jahren sind es 3,90 Prozent, bei zehn Jahren 4,00 Prozent. Sollen Anleger also den langen Zeitraum wählen? Oder doch nur für ein Jahr oder zwei Jahre anlegen?

Eine solche Situation, in der die langfristige Zinsen in vielen Fällen unter den kurzfristigen liegen, nennt man inverse – also umgekehrte – Zinsstruktur. Sie tritt in der Wirtschaft vergleichsweise selten auf. Wir erklären Ihnen, wie eine inverse Zinsstruktur zustande kommt und welche Bedeutung sie für die Wirtschaft hat. Außerdem geben wir Ihnen Tipps, wie Sie sich als Anleger in einer solchen Situation verhalten können.

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Was ist eine inverse Zinsstruktur?

Eine inverse Zinsstruktur können Anleger derzeit bei den Festgeldzinsen unterschiedlicher Laufzeiten beobachten. In erster Linie bezieht sich der Begriff jedoch auf die Renditen festverzinslicher Wertpapiere wie etwa Bundesanleihen. Dort spricht man von einer inversen Zinsstrukturkurve, wenn Anleihen mit kurzer Restlaufzeit eine höhere Rendite aufweisen als Papiere, die länger laufen. Beispiele dafür zeigt die Tabelle: So rentieren US-Staatsanleihen – die sogenannten Treasuries – mit Restlaufzeiten von drei Monaten bis einem Jahr mit etwa fünf Prozent (Stand 03.01.2024). Ein US-Bond, der noch fünf oder zehn Jahre läuft, bringt Anlegern dagegen nur knapp vier Prozent.

 

Je länger die Laufzeit – desto geringer die Rendite

Restlaufzeit

Renditen US-Staatsanleihen

Renditen Bundeswertpapiere

3 Monate 

5,40 %

3,72 %

6 Monate

5,28 %

3,70 %

1 Jahr

4,82 %

3,20 %

2 Jahre

4,34 %

2,44 %

3 Jahre

4,11 %

2,33 %

5 Jahre 

3,95 %

1,96 %

10 Jahre

3,98 %

2,04 %

Stand 03.01.2024; Quelle: Investing.com

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Bundesanleihen: Auch dort wird die umgekehrte Zinsstruktur offensichtlich. So rentieren die Bundesanleihen mit einer (Rest-) Laufzeit von zehn Jahren um fast einen halben Prozentpunkt niedriger als etwa zweijährige Bundeswertpapiere.

Der Vergleich zwischen der Rendite zehnjähriger und zweijähriger Anleihen gilt Experten als wichtigster Indikator für eine inverse Zinsstruktur: Die Differenz – also der sogenannte Spread – zwischen der zehnjährigen und der zweijährigen Anleihe muss negativ sein. Im Beispiel beträgt sie bei den US-Anleihen minus 0,36 Prozentpunkte (3,98 minus 4,34), bei den Bundesanleihen sind es minus 0,40 Prozentpunkte (2,04 minus 2,44). Der Abstand hat sich gegenüber der Mitte des vergangenen Jahres etwas verringert. Er ist aber noch immer deutlich.

 

Was ist die Ursache für eine inverse Zinstruktur?

Eine inverse Zinsstruktur ist in einer Volkswirtschaft die Ausnahme. Normalerweise sieht die Zinswelt so aus: Für kurzfristige Anlagen erhalten Investorinnen und Investoren einen niedrigen Zinssatz als für Langläufer. Dieser steigt, je länger Anleger ihr Geld einem Staat, einem Unternehmen oder einer Bank zur Verfügung stellen.

Eine Erklärung für diesen Zusammenhang liefert die sogenannte Liquiditätspräferenz der Anleger. Der Begriff geht auf den britischen Ökonomen John Maynard Keynes (1883 – 1946) zurück. Seiner Auffassung nach haben Investoren ihr Geld am liebsten flüssig („liquide“). Sie verlangen deshalb für längere Anlagezeiträume höhere Prämien. Denn solche langen Zeiträume bergen Risiken. So kann etwa die Inflation auf lange Sicht steigen oder ein Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten kommen. Außerdem weisen Papiere mit längeren Laufzeiten eine höhere Volatilität auf als kurzfristige Papiere. Der höhere Zins soll diese Risiken abdecken.

Wann aber kehrt sich die normale Zinsstruktur um? Das kann der Fall sein, wenn die Notenbanken durch eine Erhöhung der Leitzinsen das kurzfristige Zinsniveau in der Wirtschaft in die Höhe treiben. Das war im vergangenen Jahr in Europa und den USA der Fall. Grund dafür war die anhaltend hohe Inflation. Die Teuerung ist zuletzt jedoch deutlich zurückgegangen. Die Notenbanken legten deshalb erstmal eine Zinspause ein. Experten rechnen nun ab spätestens Mitte 2024 mit einem Zinsrückgang. Denn hohe Zinsen bremsen nicht nur die Teuerung, sondern auch das Wirtschaftswachstum. 

Langfristig erwarten die Anleger deshalb eine schwächere Konjunktur und damit wieder sinkende Zinsen. Sie stecken daher vermehrt Geld in langlaufende Zinspapiere, um sich das jetzige Zinsniveau längerfristig zu sichern. Das lässt die Renditen der langlaufenden Papiere sinken. So hatten zuletzt etwa Äußerungen der US-Notenbank Fed die Erwartung der Anleger auf sinkende Zinsen geschürt. Ein deutlicher Rückgang der Renditen der US-Treasuries war die Folge. Wie sich der Zinskupon, die Laufzeit und der Kurs von Anleihen auf die Rendite auswirken, erklären wir in einem weiteren Ratgeber.

Das Anheben der Leitzinsen durch die Notenbanken kann also die Zinsstruktur umkehren, wenn die Anleger langfristig eine Abschwächung der Wirtschaft erwarten. Eine inverse Zinsstrukturkurve gilt daher oft auch als Vorbote einer Rezession in der Wirtschaft.

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Was bedeutet die inverse Zinsstruktur für die Tages- und Festgeld-Angebote?

Eine umgekehrte Zinsstruktur ist deshalb häufig ein Alarmsignal: Sie kann eine wirtschaftliche Flaute ankündigen. Für Anleger bedeutet das, dass sie längerfristig mit sinkenden Zinsen rechnen müssen. Wann genau jedoch diese Zinswende eintreten wird und sich die Zinsstruktur wieder normalisiert, ist schwer vorherzusagen. Eine Auflösung der Inversion setzt in der Regel dann ein, wenn die Notenbanken beginnen, die Leitzinsen zu senken. Dann fallen statistisch gesehen auch die Renditen bei kurzen Laufzeiten stärker als bei langen Laufzeiten, bis wieder normale Verhältnisse eingetreten sind.

Die Mehrheit der Experten geht derzeit davon aus, dass die Zinspause der Notenbanken noch etwas andauert. Mit Zinssenkungen rechnen einige Ökonomen bereits im Frühjahr, andere erst ab Mitte 2024. Auch biallo.de hält eine Zinssenkung der EZB erst ab Mitte des Jahres für wahrscheinlich. 

Die Festgeldzinsen weisen bislang bei kürzeren Laufzeiten oft noch immer höhere Werte auf als bei längeren. Die Tabelle unten zeigt aber auch: Die Zinsstruktur bewegt sich zum Teil bereits wieder in Richtung Normalisierung. Ein Beispiel dafür sind die Festgeldzinsen der Pbb Direkt (Deutsche Pfandbriefbank): Sie steigen mit längeren Laufzeiten an – allerdings noch moderat. 

Bei Klarna dagegen ist die Zinsstruktur ab einer Laufzeit von einem Jahr noch invers. Ähnliches gilt für die Creditplus. Die CA Auto Bank und die tschechische J&T Direktbank bieten dagegen über mehrere Laufzeiten denselben Zins. 

Das bringt Festgeld mit unterschiedlichen Laufzeiten

Laufzeit

Pbb Direkt

Klarna

CA Auto Bank

Credit Plus

J&T Direktbank

6 Monate

k.A

3,78 %

4,10 %

3,45 %

k.A.

1 Jahr

3,50 %

3,92 %

4,20 %

3,85 %

4,20 %

2 Jahre

3,50 %

3,90 %

4,20 %

3,60 %

4,10 %

3 Jahre

3,50 %

3,81 %

4,20 %

3,40 %

4,00 %

4 Jahre

k.A.

3,75 %

4,20 %¹

3,30 %

4,00 %

5 Jahre

3,60 %

k.A.

k.A.

3,30 %

4,00 %

10 Jahre

3,75 %

k.A.

k.A.

k.A.

k.A.

¹mit einer Frist von 32 Tagen kündibar; k.A. – kein Angebot/keine Angabe; Stand 04.01.2024, Quelle: Biallo-Recherche, Internetseiten der Anbieter

 

Wie sollten Zinssparer auf die inverse Zinsstruktur reagieren?

Für Festgeldanleger ist die Situation derzeit etwas knifflig. Den höchsten Zins bieten die Banken häufig bei einer Laufzeit von einem Jahr. Das spiegelt auch die Tabelle oben wider. Wer derzeit auf einjähriges Festgeld setzt, geht allerdings das Risiko ein, dass am Ende der Laufzeit die Zinsen bereits deutlich gesunken sind und die Wiederanlage deswegen weniger Rendite bringt. 

Kürzere Laufzeiten beim Festgeld sollten Anleger daher dann wählen, wenn der Anlagezeitraum auch zu ihren Bedürfnissen passt. Wer das Geld etwa Anfang des nächsten Jahres wieder flüssig braucht, für den ist das einjährige Festgeld eine sinnvolle Anlage. Ähnliches gilt für einen Zeitraum von zwei Jahren. 

Wer dagegen einen Teil seines Vermögens für einen längeren Zeitraum nicht benötigt, kann diesen Teil jetzt durchaus in langfristiges Festgeld stecken. Damit sichert man sich die noch immer ganz guten Zinsen für mehrere Jahre. Den besten Zins für fünf Jahre bietet derzeit die J&T Direktbank mit 4,00 Prozent. Bei zehnjährigem Festgeld bietet die Pbb Direkt mit 3,75 Prozent gute Konditionen – zumal dabei der Zinsertrag jeweils erneut verzinst wird (Zinseszinseffekt). 

Für den Rest des Geldes empfiehlt sich ein gut verzinstes Tagesgeld. Damit bleiben Sie flexibel, sollten die Zinsen bei dem einen oder anderen Anbieter doch noch einmal steigen. Gute Tagesgeldkonditionen für Neukunden bieten derzeit die französische Stellantis Direktbank mit 4,10 Prozent und die luxemburgische Advanzia Bank mit 4,05 Prozent. Beide Institute garantieren den Zins für drei Monate. Danach fällt er auf 1,10 Prozent bei der Stellantis Direktbank und 1,60 Prozent bei der Advanzia Bank. Die spanische Openbank garantiert Tagesgeld-Anlegern 4,02 Prozent für sechs Monate und zahlt danach immer noch überdurchschnittliche 2,80 Prozent.

 

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Über den Autor Andreas Jalsovec

hat als Redakteur für mehrere (Wirtschafts-) Redaktionen gearbeitet – unter anderem für das Anlegermagazin Börse Online, die Münchner Abendzeitung, die Schwäbische Zeitung und die Nachrichtenagentur epd. Der promovierte Ökonom schreibt vor allem über Anleger- und Verbraucherthemen. Neben seiner Tätigkeit für Biallo.de arbeitet er für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung.

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