Auf einen Blick
  • Zertifikate sind Finanzprodukte, deren Wertentwicklung von einem Basiswert abhängt – also von einer Aktie, einer Rohstoffart oder einer Währung.

  • Mit Zertifikaten können Anleger mehr Investmentstrategien verfolgen als mit einer Direktinvestition in Aktien oder Anleihen. So lässt sich damit etwa auf stagnierende oder sinkende Kurse setzen.

  • Entscheidend ist jedoch, dass Anlegerinnen und Anleger die Funktionsweise des Zertifikats verstehen. Andernfalls sollten sie die Finger davon lassen.
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Wenn es bei der Geldanlage um Zertifikate geht, wissen viele nicht genau, was sich hinter diesen Finanzprodukten verbirgt. Dabei gibt es sie schon seit mehr als 30 Jahren. Mit Zertifikaten haben Anlegerinnen und Anleger vielfältige Möglichkeiten, an den Märkten teilzunehmen. Etwa am Aktien-, Währungs- und Rohstoffmarkt. Und mit bestimmten Zertifikatetypen können Anleger nicht nur in steigenden, sondern auch in seitwärts oder sogar abwärts laufenden Märkten Geld verdienen. Wer sich also mit Zertifikaten auskennt, der kann mit ihnen deutlich mehr Investmentstrategien verfolgen als einfach nur – wie beispielsweise mit Aktien – auf steigende Kurse setzen.

 

Was ist ein Zertifikat?

Zertifikate gehören im Investmentbereich zur Gruppe der Derivate. Das sind Finanzprodukte, deren Preisbildung von der Kursentwicklung von Anlageklassen wie Aktien, Aktienindizes, Rohstoffen oder Währungen abhängt. Wichtig ist daher immer, wie sich der jeweilige Bezugswert eines Zertifikats – im Finanzjargon Basiswert genannt – entwickelt. Der Preis des Zertifikats wird davon abgeleitet – daher auch die Bezeichnung “Derivat”.

Zertifikate werden von einer Bank (einem Emittenten) herausgegeben. Vereinfacht gesagt, sind Zertifikate rechtlich gesehen Anleihen (Schuldverschreibungen), die von Banken begeben werden. Das Prinzip: Der Anleger leiht dem Emittenten Geld, die emittierende Bank stellt dem Anleger im Gegenzug ein Zertifikat aus, womit dem Anleger oder der Anlegerin gewisse Rechte verbrieft werden. Wie generell bei Anleihen üblich, trägt der Investor das Emittentenrisiko. Das heißt: Im Insolvenzfall des Emittenten haben Anleger kein Anrecht auf ein rechtlich selbständiges Vermögen. Das in einem Zertifikat angelegte Geld wird Teil der Insolvenzmasse. 

Daher sollte man sich unbedingt ein Bild über die Bonität der Emissionsbank machen. In der Praxis ist das Emittentenrisiko relativ gering, wenn Banken guter Bonität die Zertifikate ausgeben. Es gab allerdings einen bekannten Fall, bei dem ein Emittent insolvent wurde: die damalige US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008. Anleger, die Zertifikate dieses Emittenten gekauft hatten, erlitten mit ihren Investments herbe Verluste.

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Diese Arten von Zertifikaten gibt es

Das erste Zertifikat wurde in Deutschland 1989 emittiert. Dabei handelte es sich um ein Indexzertifikat, das den deutschen Aktienindex (Dax) 1:1 abbildete. So war es Anlegern erstmals möglich, mit kleineren Geldbeträgen in einen ganzen Aktienindex zu investieren. Anleger konnten ganz einfach und kostengünstig mit einem Investment auf die damals noch 30 Aktien aus dem Dax (heute sind es 40 Werte) setzen und entsprechend an der Entwicklung der größten deutschen börsennotierten Unternehmen teilnehmen. Das Prinzip: Steigt zum Beispiel der Dax um zehn Prozent, erhöht sich auch der Wert des Indexzertifikats um zehn Prozent. Verliert der Index hingegen zehn Prozent, nehmen Anleger linear zur Dax-Entwicklung auch am Verlust teil – in diesem Fall mit einem Minus von zehn Prozent.

Die Idee der Indexnachbildung hat auch die Fondsindustrie einige Jahre später umgesetzt. Mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) wurde es wie bei Indexzertifikaten möglich, an der Entwicklung eines Index 1:1 zu partizipieren. Ein großer Vorteil der ETFs: Das investierte Kapital der Anleger ist wie bei herkömmlichen Investmentfonds rechtlich betrachtet Sondervermögen. Im Insolvenzfall des Emittenten darf die entsprechende Fondsgesellschaft darauf nicht zugreifen. Indexfonds sind daher in rechtlicher Hinsicht sicherer als Indexzertifikate.

Im Fokus der Anleger stehen heute vielmehr Teilschutz-Zertifikate, die im Gegensatz zu Indexzertifikaten eine begrenzte Laufzeit haben. Mit ihnen können Anleger zum Beispiel auf steigende Aktienkurse setzen und zugleich in seitwärts laufenden und leicht fallenden Märkten Renditen erzielen. Klassische Teilschutz-Papiere sind etwa Bonus- und Discount-Zertifikate sowie Express-Zertifikate.

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Wie funktionieren Zertifikate?

Anleger können sich auf den Internetseiten der Emittenten online oder über deren Servicehotline telefonisch über die Auszahlungsprofile von Zertifikaten informieren. Das Prinzip ist bei den jeweiligen Teilschutz-Papieren immer das gleiche. Etwa bei einem Bonus-Zertifikat auf eine Aktie: Eine wichtige Kennziffer dieser Papiere ist die Barriere, die bei Emission unter dem aktuellen Kurs der unterlegten Aktie liegt. Erreicht der Basiswert (hier also die Aktie) während der Laufzeit zu keinem Zeitpunkt diese vorab festgelegte Kursmarke, erhalten Anleger eine zuvor festgelegte Bonuszahlung. Dies geschieht also auch dann, wenn der Basiswert seitwärts oder abwärts läuft – ohne die Barriere zu reißen.

Ein Beispiel: Der Wert einer Aktie liegt bei 50 Euro, das zugehörige Bonuszertifikat kostet ebenfalls 50 Euro. Die Barriere, die der Wert nicht unterschreiten darf, beträgt 45 Euro. Der Bonus beträgt zehn Prozent – das Bonuslevel liegt also bei 55 Euro. Berührt oder unterschreitet die Aktie während der Laufzeit des Zertifikats die Barriere nicht, wird der Bonus fällig. Folgende Fälle für das Laufzeitende des Zertifikats lassen sich unterscheiden:

Fall 1

Die Grenze wird nicht berührt oder unterschritten und das Papier steht bei einem Kurs von 48 Euro. Dann bekommt der Anleger 55 Euro ausgezahlt. Er hat zehn Prozent Gewinn gemacht. Mit der Aktie hätte er dagegen einen Verlust von vier Prozent eingefahren.

Fall 2

Die Grenze wird nicht berührt oder unterschritten und der Kurs der Aktie beträgt 60 Euro. Dann bekommt der Anleger am Ende der Laufzeit 60 Euro. Er macht also 20 Prozent Gewinn – genau so wie mit der Aktie.

Fall 3

Die Grenze wird berührt oder unterschritten und der Kurs der Aktie steht bei 48 Euro. Dann bekommt der Anleger auch 48 Euro für sein Zertifikat. Er macht einen Verlust von vier Prozent – genau so wie mit der Aktie. Steigt die Aktie bis zum Laufzeitende dagegen auf 60 Euro, dann bekommt er auch in diesem Fall am Ende 60 Euro.  

Mit Bonus-Zertifikaten machen Anlegerinnen und Anleger daher dann bessere Geschäfte als etwa mit einem Direktinvestment in eine Aktie, wenn es an den Aktienmärkten nicht ganz so rund läuft. Im Beispiel ist das der Fall, wenn der Kurs der Aktie über der Barriere von 45 Euro und unter dem Bonuslevel von 55 Euro bleibt. Für den möglichen Bonus verzichten sie jedoch auf etwaige Dividendenzahlungen der Aktiengesellschaften. Diese verwenden die Emittenten für Finanzierung der Zertifikate. Aufgabe der Banken ist es dabei, ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Anleger an den Kassa- und Terminmärkten abzusichern. Im Jargon wird dies "Hedgen" (absichern) genannt.

Hintergrund: An der Börse gibt es Kassa- und Terminmärkte. Beim Kassamarkt kommen die Marktteilnehmer umgehend ihren Verpflichtungen nach. Dies passiert beispielsweise bei Aktiengeschäften. Bei Termingeschäften hingegen erfolgt die Erfüllung eines Geschäfts zu einem späteren Zeitpunkt. Dies gilt etwa beim Handel von Rohstoffen wie Rohöl, die gelagert werden müssen beziehungsweise beim Handel mit sogenannten Futures, also bei Terminkontrakten, bei dem sich Käufer und Verkäufer verpflichten, eine bestimmte Menge eines Basiswerts künftig zu einem festgelegten Preis zu liefern oder abzunehmen. Da es nur zugelassenen Händlern möglich ist, an den Terminmärkten auf künftige Preise von Aktien, Rohstoffen oder Währungen zu spekulieren, übernimmt dies bei Zertifikaten im Hintergrund der Zertifikate-Emittent – dies ist ein klares Privileg für Zertifikate-Anleger.

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Für wen sind Zertifikate interessant?

Zertifikate eignen sich für Strategien, die mit herkömmlichen Investmentvehikeln wie Aktien, Anleihen oder Fonds nicht so einfach oder gar nicht möglich sind. Wer zum Beispiel davon ausgeht, dass eine Aktie oder ein Index künftig seitwärts tendiert, kann mit Teilschutz-Zertifikaten in solchen Szenarien Geld verdienen. Teilschutz-Zertifikate werden häufig auch als „Aktie mit Airbag“ bezeichnet. Während nämlich Aktienanleger 1:1 an Kursverlusten teilnehmen, können Anleger mit Bonus-, Discount- und Express-Zertifikaten moderate Kurseinbrüche der Bezugsaktien verlustfrei überstehen und sogar dabei Gewinne erzielen. Kostenfreies Infomaterial zu Zertifikaten gibt es en masse. Etwa von Emittenten (Banken) oder vom Deutschen Derivate Verband (DDV), dem Branchenvertreter der führenden Zertifikate-Emittenten in Deutschland.

 

So können Privatanleger in Zertifikate investieren

Anleger benötigen wie beim herkömmlichen Börsenhandel ein Wertpapierdepot und ein Handelskonto bei ihrer Bank oder ihrem Onlinebroker, um Zertifikate kaufen und verkaufen zu können. Anleger können die Derivate über die Börse oder direkt mit dem Emittenten (außerbörslich) handeln. Um ein Zertifikat über die Börse zu ordern, gibt man der Hausbank oder dem Broker einen Auftrag. Dies erfolgt in der Regel online. Die Bank (Broker) leitet die Order weiter an die Börse, die den Auftrag unmittelbar danach ausführt. Beim außerbörslichen Handel wird im Auftrag des Anlegers direkt beim Emittenten ein Preis angefragt. Anleger können das Angebot per Mausklick oder per Eingabe im Display annehmen oder ablehnen. Anleger können Zertifikate während der Laufzeit jederzeit kaufen und verkaufen.

 

Diese Chancen und Risiken gibt es für Anleger

Anleger stehen mit Zertifikaten vielfältigere Strategien offen als mit klassischen Investments. So gibt es neben Teilschutz-Papieren auch Zertifikate, mit denen Anleger auf fallende Kurse setzen oder überproportional von Kursbewegungen profitieren können (Hebelprodukte). Wichtig ist in jedem Fall, dass man die Funktionsweise der Zertifikate versteht. Wer ein Papier interessant findet, sollte sich die Wertpapierkennnummer notieren und im Internet beim Emittenten des Zertifikats Informationen zur Funktionsweise sowie zu den Chancen und Risiken des Investments ansehen und herunterladen. Neben dem Marktrisiko sollten Anleger – wie eingangs beschrieben – auch das Emittentenrisiko beachten. Zum einen sollte die Bank, welche die Papiere begibt, eine gute Bonität haben. Zum anderen können Anleger ihr Kapital in Zertifikate von verschiedenen Banken anlegen, um das Ausfallrisiko auf verschiedenen Emittenten zu verteilen.

 

Fazit: Worauf Anleger bei Zertifikaten achten sollten

Das Anlegen mit Zertifikaten ist kein Hexenwerk. Mit ihnen können Anleger vielfältige Strategien verfolgen. Besonders für Einsteiger empfiehlt es sich, Papiere mit leicht nachvollziehbaren Auszahlungsprofilen zu wählen. Wer die vom Emittenten angebotene Struktur eines Zertifikats nicht versteht oder zu komplex findet, sollte die entsprechenden Papiere lieber von seiner Liste streichen.

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Über den Autor Gian Hessami

Gian Hessami ist freiberuflicher Finanzjournalist. Er schreibt unter anderem für „Börse Online“, „Euro am Sonntag“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)“ und das „Handelsblatt“ rund um das Thema Geldanlage. Dabei stehen die Perspektive des Anlegers sowie die Chancen und Risiken der Investments im Vordergrund. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004. Bei Investments fokussiert er sich auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe. Darüber hinaus hat er sich auf Derivate wie Zertifikate und Hebelprodukte, beispielsweise Optionsscheine und Knock-out-Papiere, spezialisiert.

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