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  • Immer mehr Robo-Advisor bieten nicht nur Privatkunden, sondern auch Unternehmen ein professionelles und kostengünstiges Portfoliomanagement.

  • Zu den Robos der ersten Stunde, die auch Firmendepots anbieten, zählt das Fintech Whitebox mit Sitz im badischen Freiburg.

  • Whitebox-Gründerin Salome Preiswerk erklärt im Interview mit biallo.de, wie Unternehmer verhindern können, dass das Betriebsvermögen durch Negativzinsen und Inflation täglich an Wert verliert.
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Negativzinsen auf Tagesgeld- und Girokonten sowie steigende Inflationsraten sorgen dafür, dass Liquidität bei Firmen verbrannt wird.

Frau Preiswerk, Sie sind seit 2016 In Deutschland tätig, zunächst nur für Privatkunden. Seit wann bieten Sie Ihre Vermögensverwaltung auch Unternehmen an?

Salome Preiswerk: Wir bieten unsere Vermögensverwaltung seit Anfang 2017 auch Firmenkunden an.

Diese Unternehmen können natürliche und juristische Personen sein, ohne Einschränkungen? Und gehören Stiftungen auch dazu?

Preiswerk: Wir können sämtliche Kapitalgesellschaften anbieten, zum Beispiel GmbH, KG und AG, bei Stiftungen ist die Form einer gGmbH möglich. Alle anderen Rechtsformen unterliegen einer individuellen Prüfung. Dafür können sich die Unternehmen jederzeit mit unserem Serviceteam in Kontakt setzen. Das geht telefonisch, per E-Mail, Chat oder über die Terminbuchungsseite auf unserer Website.

Whitebox-Gründerin Salome Preiswerk im Interview mit biallo.de, zum Thema Robo-Advisor für Firmenkunden.
Whitebox-Gründerin Salome Preiswerk im biallo.de Interview

Betriebe leiden ja nicht nur unter den Negativzinsen, die sich immer mehr durchsetzen, sondern auch unter der steigenden Inflation. Macht sich das bei Ihnen bemerkbar?

Preiswerk: Wir spüren auf jeden Fall ein gesteigertes Interesse am Thema. Dabei verstärkt sich eigentlich nur ein Umstand, der bei den aktuell niedrigen Zinsen zumindest unter Berücksichtigung der Inflation bereits ohne Negativzinsen besteht: Das Betriebsvermögen nimmt faktisch ab. Mit Negativzinsen nun einfach noch stärker. Bei zum Teil hoher Liquidität in den Unternehmen wird das zunehmend zu einem Problem.

Aus Gesprächen mit Handwerkern hier vor Ort wissen wir, dass viele noch zögern. Woran kann das liegen?

Preiswerk: Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass sie auf dasselbe schwarze Loch treffen, das auch deutsche Privatanleger von einer sinnvollen, langfristigen Vermögensanlage abhält: Das schwarze Loch zwischen Sparbuch und Aktie. Denn dazwischen scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung nichts zu geben.

Vor allem die Medien schreiben seit Jahrzehnten erfolglos gegen die in Deutschland weit verbreitete Sparbuchaffinität an und dass diese gerade in Zeiten niedriger Zinsen nach Inflation das Vermögen auffrisst. So weit so richtig.

Doch was wird als Alternative kolportiert? Die Aktie. Das Problem: Die könnte vom Sparbuch nicht weiter entfernt sein. Das wäre in etwa so, wie wenn man ein Kleinkind mit Höhenangst zu einem Sprung vom Zehnmeterbrett zwänge.

Was liegt Ihrer Meinung nach zwischen Sparbuch und Aktie, was ist der richtige Mittelweg?

Preiswerk: Es gibt nicht die eine richtige Form der Geldanlage. Eine mögliche Lösung kann jedoch in einem guten Sinne ganz langweilig sein: ein global und über viele Anlageklassen gestreutes Portfolio. Mit einer breiten Streuung über Anlageklassen, Regionen und Sektoren kann man das Risiko minimieren und ganz auf seine Bedürfnisse anpassen. Denn ein Portfolio kann fast ausschließlich aus Anleihen oder Geldmarktprodukten bestehen und damit ziemlich risikoarm sein. Wenn es jemand riskanter mag, kommen natürlich Aktien ins Spiel. Bis hin zu einem reinen Aktienportfolio sind dann mindestens „50 shades of grey“ möglich.

Könnte ein Unternehmer sich so ein Portfolio nicht selbst zusammen zimmern?

Preiswerk: Im Grunde schon. Aber das erfordert Wissen und Erfahrung. Ein richtig professionelles Portfoliomanagement inklusive Risikomanagement ist entsprechend schon eine Sache für Experten.

Das hat dann halt seinen Preis….

Preiswerk: Nicht unbedingt. Guter Rat ist oft teuer, weil den Kunden viel Firlefanz verkauft wird, den eigentlich niemand braucht – beziehungsweise der bedauerlicherweise sogar oft schädlich ist. Doch er rechtfertigt die hohen Kosten. Wie immer lässt sich am meisten mit der Angst verdienen und so ist etwa kurzfristiges Risikomanagement zum heiligen Gral der Investment-Industrie geworden.

Und bei Ihnen geht es gut und günstig?

Preiswerk: Ja, natürlich, aber man muss vielleicht etwas genauer hinschauen. Auch unter den traditionellen Anbietern gibt es Vertreter, die seriöses Portfoliomanagement zu akzeptablen Preisen liefern.

Zumindest für die meisten Firmenkundenberater vor Ort möchte ich das bezweifeln….

Preiswerk: Bei vielen Banken trifft leider nicht nur der Privat-, sondern auch der Firmenkunde auf der anderen Seite noch allzu häufig auf einen Verkäufer statt einen Berater. Doch gerade als Firma wähnt man sich oft gefangen, weil weitergehende Verbindungen zur Bank bestehen. Das ändert sich jedoch zunehmend, nicht nur durch die Einführung von Negativzinsen, sondern auch durch das ausbleibende (optimale) Kundenerlebnis. Finanzierung und Geldanlage werden getrennt voneinander und von unterschiedlichen Beratergruppen beraten und abgeschlossen, immer mehr Bankfilialen werden geschlossen und persönliche Bankberater „abgebaut“. So verliert der Firmenkunde die Nähe und Erreichbarkeit seiner „Hausbank“ zunehmend.

Und bei Ihnen ist das anders….

Preiswerk: Aber sicher. Eine moderne, günstige und oft auch gute Alternative bieten seit einigen Jahren digitale Vermögensverwalter. Man braucht keine Angst zu haben vor dem Robo – zumindest nicht wegen des „Robo“-Aspekts. Ganz im Gegenteil, denn in anderer Hinsicht bieten Automatisierung und Digitalisierung auch und gerade für Firmenkunden große Vorteile.

Welche Vorteile hat ein Unternehmer noch?

Preiswerk: Wichtig für einen Unternehmer ist auch die jederzeit mögliche Teilauszahlung oder Liquidation. Dann wäre da noch der Transparenz-Aspekt: Bei einem Robo kann man sich jederzeit in die Dashboards einloggen und alle Dimensionen der Entwicklung der Anlage sozusagen in Echtzeit mitverfolgen. Auch das Reporting geht zum Teil weit über das hinaus, was man von einer Bank kennt, und wird damit höchsten Ansprüchen gerecht.

Zuletzt ist da noch der persönliche Service einiger Anbieter, denn auch an der Stelle sind die Robos viel menschlicher als gedacht. Da sitzen wie bei uns Banker mit langjähriger Erfahrung in der Betreuung anspruchsvoller Kunden.

Und was kostet ein Robo dem Unternehmer?

Preiswerk: Die meisten geben die Vorteile, die sich durch die weitgehende Automatisierung ergeben, an ihre Kunden weiter. Selten wird für die Dienstleistung mehr als ein Prozent pro Jahr verlangt – „all in“, also für Vermögensverwaltung, Depot, Handel, Reporting, Service et cetera. Einige gehen bei höheren Anlagevolumina deutlich mit den Preisen runter. Bei uns kostet das Ganze ab einem Anlagevolumen von 500.000 Euro nur noch 0,35 Prozent pro Jahr.

Und ja, die Kosten sind wichtig – denn bei der Geldanlage geht es auch darum, was man für selbige eben nicht ausgibt. Doch auch hier muss man natürlich schauen, was man für sein Geld bekommt.

Und bei der Entscheidung Negativzinsen versus Geldanlage bei einem professionellen Verwalter empfiehlt sich zudem eine Gesamtbetrachtung: Während beim Belassen auf dem Girokonto die negative Entwicklung sicher ist, darf ich bei einem Investment, selbst bei einem sehr konservativen Risikoprofil, mit Fug und Recht über die Zeit mit einem ansehnlichen Zuwachs rechnen.

Frau Preiswerk, vielen Dank für das Interview.

Über den Autor Horst Biallo
Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.
  Horst Biallo